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Monza-Sieger Hamilton: Der ungeliebte Champion

Aus Monza berichtet

Sein Rennstall McLaren hat's nicht leicht mit Lewis Hamilton. Zwar begeistert der Formel-1-Fahrer mit starken Leistungen wie beim Sieg in Monza, aber er nervt auch ständig durch seine Extravaganz. Sein Abgang scheint beschlossen - er soll Michael Schumacher bei Mercedes ersetzen.

Großer Preis von Italien: Hamilton siegt, Vettel fliegt Fotos
REUTERS

Lewis Hamiltons ist nicht einfach zu verstehen. Denn es gibt ihn quasi in zweifacher Ausführung. Lewis Hamilton, den Rennfahrer. Und Lewis Hamilton, die Privatperson. Beim Großen Preis von Italien war es der Rennfahrer, der die Schlagzeilen bestimmte. Es war eines jener Rennen, bei denen er zeigte, warum ihn sein Rennstall McLaren halten will. Hamilton fuhr auf Pole Position, behauptete sich am Start und gewann souverän das Rennen. Sein Teamchef Martin Whitmarsh lobte: "Lewis ist super gefahren. Er hat alles kontrolliert und einen perfekten Job gemacht."

Doch es gibt ja noch den anderen Hamilton. Und der ist in seinem Team wenig beliebt. Mechaniker und Ingenieure verdrehen nur noch die Augen, wenn sie den Namen ihres extravaganten Fahrers hören. "Wir sind extrem sauer auf ihn. Er soll doch gehen", hört man hinter vorgehaltener Hand. Endgültig ins Abseits hat sich Hamilton während des Wochenendes in Spavor einer Woche gestellt.

Der 27-Jährige twitterte interne Telemetriedaten seines Autos in die Welt. Die Konkurrenz lachte herzlich darüber, bei McLaren war man alles andere als begeistert. "Hätten das vor zehn Jahren Mika Häkkinen oder David Coulthard gemacht, sie wären auf der Stelle entlassen worden,", sagt ein Marketingmann, der vor zehn Jahren für den damaligen McLaren-Hauptsponsor gearbeitet hat.

Hamilton forderte, zukünftig die Originalpokale zu bekommen

Auch seinen Ziehvater Ron Dennis, der als Chef der McLaren-Gruppe immer noch das Sagen hat, brüskierte er: Hamilton forderte bei den Verhandlungen für einen neuen Vertrag, zukünftig die Originalpokale zu bekommen, nicht wie bisher die Kopien. Ein Affront für Dennis, der jeden einzelnen Pokal seit seiner Zeit bei McLaren glänzend poliert hinter einer Glaswand in der Fabrik in Woking zeigt.

Diese schwierige Seite von Hamilton ist rasch vergessen, wenn er es so macht, wie beim Italien-Grand-Prix. "Dieses Wochenende war er absolut konzentriert. Alles, was wir brauchen, ist ein schnelles Auto für Lewis, damit er weiß, dass er gewinnen kann. Wir arbeiten hart zusammen und hoffentlich machen wir auch zukünftig so weiter", sagt Whitmarsh.

Doch ob Hamilton 2013 tatsächlich noch für McLaren fahren wird, ist ungewiss. Man hat den Eindruck, dass das Verhältnis zwischen dem Team, das ihm als Newcomer 2007 den Einstieg in die Formel 1 ermöglichte, und Hamilton zu belastet ist.

McLaren kann sich im kommenden Jahr keinen zu teuren Fahrer leisten

Dazu kommt: Die Gehaltsforderungen, die Hamilton stellte, akzeptiert McLaren nicht. 30 Millionen Euro pro Jahr, so sickerte durch, will Hamilton zukünftig haben. Mclaren ist aber nur bereit, die Hälfte zu zahlen. Aus gutem Grund, denn McLaren kann sich im kommenden Jahr keinen zu teuren Fahrer leisten. Hauptsponsor Vodafone, deren Engagement pro Jahr auf 80 Millionen Euro geschätzt wird, will sein Sponsoring stark reduzieren oder sogar ganz einstellen. Und noch ist kein Nachfolger in Sicht.

Zudem muss McLaren 2013 Mercedes Motoren -und Kers-System bezahlen. Gut 15 Millionen Euro Mehraufwand bedeutet das, 2012 ist das letzte Jahr, in dem Ex-Mercedes-Partner McLaren diese Technik noch umsonst bekommt.

Auch Hamiltons Manager Simon Fuller kann kein großes Interesse daran haben, dass Hamilton bei McLaren bleibt. Er habe angeblich einen Vertrag mit Hamilton ausgehandelt, der ihm 50 Prozent aller Einnahmen für persönliche Sponsoren garantiere. Das Problem: Bei McLaren dürfen die Piloten keine eigenen Geldgeber haben. Bei anderen Rennställen wie Mercedes schon. Außerdem ist für Fuller Mercedes genau die edle Marke, die er sich für das Image seines Schützlings vorstellt.

In Spa hatte Hamilton deswegen unter vier Augen mit F1-Chefvermarkter Bernie Ecclestone geredet. Wohl kein Zufall, dass sich Ecclestone später sicher war: "Michael Schumacher wird die Formel 1 nach dieser Saison verlassen." Für Experte Eddie Jordan ist es sogar schon gewiss, dass Hamilton bereits in der kommenden Saison Schumacher bei Mercedes ersetzt. Nur McLaren dementiert das. Mercedes spricht davon, dass man keine Spekulationen kommentieren will, solange die Fahrerfrage für 2013 noch offen ist. Motorsportchef Norbert Haug gibt aber zu, "regelmäßigen Kontakt zu Hamilton zu haben".

Hamilton selbst sagt dazu nichts. Bis Oktober will Mercedes Klarheit haben, in welcher Form man in der Formel 1 weitermacht und mit welchen Piloten. Es gibt nicht wenige Experten im Fahrerlager, die auf Hamilton wetten und Schumacher schon 2013 im Teammanagement bei Mercedes sehen.

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Zur Person
Ralf Bach berichtet bereits viele Jahre über die Formel 1, vorwiegend für "Sport Bild". Seit der vergangenen Saison ist er auch für SPIEGEL ONLINE tätig und analysiert die Ereignisse in der wichtigsten Motorsportserie der Welt.
Rennkalender 2012
Rennen Datum Großer Preis von (Ort)
1 18.03. Australien (Melbourne)
2 25.03. Malaysia (Sepang)
3 15.04. China (Shanghai)
4 22.04. Bahrain (Sachir)
5 13.05. Spanien (Barcelona)
6 27.05. Monaco (Monte Carlo)
7 10.06. Kanada (Montreal)
8 24.06. Europa (Valencia)
9 08.07. Großbritannien (Silverstone)
10 22.07. Deutschland (Hockenheim)
11 29.07. Ungarn (Budapest)
12 02.09. Belgien (Spa-Francorchamps)
13 09.09. Italien (Monza)
14 23.09. Singapur (Singapur)
15 07.10. Japan (Suzuka)
16 14.10. Südkorea (Yeongam)
17 28.10. Indien (Neu Delhi)
18 04.11. Abu Dhabi (Abu Dhabi)
19 18.11. USA (Austin)
20 25.11. Brasilien (São Paulo)



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