Rochade in der Formel 1 Die Krücke Honda - endlich ein Gewinner?

In der Formel 1 fährt McLaren künftig mit Renault-Motoren, auch um Fernando Alonso halten zu können. Honda wiederum wechselt zu Toro Rosso - und soll auch bei Red Bull unterkommen. Das Spitzenteam geht hohes Risiko.

Red-Bull-Pilot Max Verstappen in Monza
Getty Images

Red-Bull-Pilot Max Verstappen in Monza

Aus Singapur berichtet Karin Sturm


Alle wissen, was passieren wird, aber keiner sagt bisher etwas: Es geht um Details der Motorendeals für die kommende Formel-1-Saison. Sie sind beschlossen, aber im Fahrerlager von Singapur stellen sich sowohl Piloten als auch Teamverantwortliche ahnungslos. Am Freitag wird dann offiziell verkündet, was bereits vor einigen Tagen beschlossen wurde. McLaren wird im kommenden Jahr statt mit Honda- mit Renault-Motoren fahren, dafür haben sich die Japaner für drei Jahre mit Toro Rosso zusammengetan. Und Renault bekommt für die Bereitschaft zum Teamtausch mit dem bisherigen Toro-Rosso-Piloten Carlos Sainz noch ein kleines Geschenk obendrauf.

Sainz soll schon beim nächsten Rennen in Malaysia (17. September) an die Seite von Nico Hülkenberg wechseln und den bisher eher enttäuschenden Joylon Palmer im Werksteam von Renault ablösen. Palmer ist der große Verlierer der Rochade, muss aber das ahnungslose Spiel mitspielen. In Singapur sagte der Brite, er habe "einen Vertrag und noch sieben Rennen, um zu zeigen, was ich kann".

Was vermutlich noch nicht offiziell bekannt gegeben wird, gilt Medienberichten zufolge inzwischen auch als sicher: Offensichtlich werden auch Renault und Red Bull Ende 2018 ihre Zusammenarbeit beenden. Wer bei dieser Trennung die treibende Kraft war, ist allerdings unklar.

Renault nur auf den ersten Blick ein Gewinner

Eigentlich wollten die Bullen die Partnerschaft zwischen ihrem Juniorteam Toro Rosso und Honda als Testlauf ansehen - mit der Option, falls der instabile und leistungsschwache Motor entsprechende Fortschritte macht, dann ebenfalls zu den Japanern zu wechseln. Die Zusammenarbeit mit Renault war aber schon seit Jahren belastet, jetzt dürfte die Variante Red-Bull-Honda ab 2019 fast sicher sein.

Wer aber geht bei diesen Verschiebungen am Ende als Gewinner heraus? Renault bekommt zunächst mit McLaren ein stärkeres zweites Kundenteam als Toro Rosso, dazu für das eigene Werksteam Wunschfahrer Sainz, der in den sechs Rennen ab Malaysia dabei helfen soll, in der Konstrukteurswertung Rang fünf anzugreifen. Was nach einem Gewinn aussieht, könnte mittelfristig aber auch zur Niederlage werden. Dann, wenn der Honda-Motor, dem viele Experten großes Entwicklungspotenzial nachsagen, tatsächlich deutlich besser und Renault-Konkurrent Red Bull dadurch gestärkt wird.

Honda hat erkannt, dass sie intern Dinge ändern müssen. So soll das Rotationsprinzip, nachdem Ingenieure zwischen der Serien- und der Formel-1-Entwicklung hin und her wechseln, abgeschafft werden. Außerdem sind die Japaner bereit, Hilfe "von außen" anzunehmen, etwa durch den renommierten Schweizer Motorenentwickler Mario Illien.

Bleibt Alonso nun doch bei McLaren?

Für Red Bull könnte der Wechsel dann in doppelter Hinsicht ein Gewinn sein. Denn bei Honda könnte das österreichische Team den Werksteamstatus bekommen, den es bei Renault nicht gab. Dadurch könnte eine Menge Geld gespart werden, wenn Red Bull die Triebwerke nicht mehr bezahlen muss, zudem könnten die Japaner wie bei McLaren weitere Zahlungen übernehmen - etwa bei den Fahrergehältern.

Formel-1-Cockpits in der Saison 2018

Team Erster Fahrer Zweiter Fahrer
Mercedes Lewis Hamilton Valtteri Bottas
Ferrari Sebastian Vettel Kimi Räikkönen
Red Bull Daniel Ricciardo Max Verstappen
Force India Esteban Ocon noch offen
Williams noch offen noch offen
Toro Rosso noch offen noch offen
Haas Romain Grosjean Kevin Magnussen
Renault Nico Hülkenberg voraussichtlich Carlos Sainz
McLaren noch offen Stoffel Vandoorne
Sauber noch offen noch offen

Und Honda, wo man ja ursprünglich einen ganz anderen Weg gehen wollte? Als sich immer deutlicher ankündigte, dass die Partnerschaft mit McLaren wohl nicht zu retten sein würde, orientierte man sich zunächst Richtung Sauber, handelte mit der damaligen Teamchefin Monisha Kaltenborn einen Dreijahresvertrag plus Werksteamstatus aus. Als sich Sauber und die von Honda geschätzte Kaltenborn dann eher unfreundlich trennten, verloren die Japaner das Vertrauen, boten nur noch ein Jahr und reine Kundenmotoren an. Das wollte die neue Sauber-Führung nicht und so wurde Honda, wo man auf jeden Fall in der Formel 1 bleiben wollte, in die Arme von Toro Rosso getrieben - und damit letztlich auch zu Red Bull.

Bleibt noch der Fahrermarkt, der nach der Vertragsverlängerung von Valtteri Bottas bei Mercedes und dem anstehenden Wechsel von Sainz zu Renault immer weniger Optionen bietet. Zunächst wird sich Fernando Alonso entscheiden müssen, was er will. Der zweifache Weltmeister war wegen der Motorenprobleme von Honda schon auf dem Weg zu Williams, könnte nun aber doch bei McLaren bleiben.

Durch den Transfer von Sainz ist klar, dass keiner der beiden Force-India-Piloten zu Renault geht und somit auch für Sauber-Pilot Pascal Wehrlein kein Platz bei Force India frei wird. Bei Toro Rosso dürfte der Nachfolger von Sainz das eigene Nachwuchstalent Pierre Gasly werden. Bleibt für Wehrlein nur noch eine Option: Williams. Mit Felipe Massa an der Seite von Lance Stroll möchte man dort anscheinend nicht weitermachen. Denkbar ist, dass Mercedes versucht, seinen Schützling Wehrlein dort unterzubringen. Größtes Hindernis scheint dabei das Problem von Hauptsponsor Martini zu sein, einen Fahrer über 25 Jahren zu brauchen, um überall auf der Welt für Alkohol werben zu können. Wehrlein wird im Oktober jedoch erst 23 Jahre alt.

Im Moment scheint in der Formel 1 aber vieles möglich zu sein.



insgesamt 7 Beiträge
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reineralex 14.09.2017
1. Toro Rosso hat alles richtig gemacht
Ich denke, dass Honda einiges kann. Sie haben sich bei der Motorenkonstruktion verzockt und den Fehler erkannt, den sie gerade beheben. Die waren nicht umsonst Weltmeister und ich könnte mir vorstellen, dass Toro Rosso hier einen sehr guten Deal gemacht hat. Warum? Das Chassis ist schon jetzt gut.
TheFunk 14.09.2017
2. Oje McLaren, herzlichen Glückwunsch Red Bull!
McLaren, so wird das nichts. Mit Honda hattet ihr Werksstatus, mit Renault nicht. Okay, das Size-Zero-Konzept war nichts, aber jetzt kommt Honda wieder auf die Beine. Nächstes Jahr ist der Honda-Motor auf Toro Rosso Competitive, 2019 wird Red Bull damit siegen. Und dafür erhält Red Bull Werksstatus und Geld von Honda. Und McLaren? Muß für den Renault Motor bezahlen, der gut ist (ich mag Renault), aber leider auch nicht unglaublich zuverlässig und überlegen. Die Zuwendung von Honda fällt weg, Sponsoren hat es bei McLaren kaum mehr. McLaren wird so den Weg von Williams gehen. Fernando Alonso hätte wie Prost /Senna auf McLaren-Honda gewinnen und Weltmeister werden können, so wird das leider nichts mehr. Schade!
cih 14.09.2017
3. RedBull
wird nächste Saison bzw danach noch weiter absacken dank des Hondaantriebs :D und bald meckert Herr Matreschitz wieder das wenn sie nicht gewinnen aussteigen werden. Auf Wiedersehen, die F1 braucht keine Brausewerbung
Bueckstueck 15.09.2017
4. Erstmal nur Wunschdenken
Das Honda nochmal die Kurve kriegt. Über Jahre ging es jetzt nur bergab, da sind die Beteuerungen, dass man die zwei oder drei Fehler erkannt und abgestellt hat, eher wenig ermutigend. Die müssen erstmal liefern. Wenn nächstes Jahr ab dem ersten Rennen kein haltbarer Motor da ist der von der Leistung in der oberen Hälfte des Mittelfelds angesiedelt ist, dann könnt ihr das alles was ihr euch hier ausmalt endgültig vergessen. Dann hat Honda fertig.
exe1310 15.09.2017
5. Alkohol
Immer wenn ich Formel 1 gucke denke ich mir : "Gut, dass Williams einen Fahrer hat der über 25 Jahre alt ist, jetzt werde ich weiter trinken." Was für ein Argument Herr Autor...
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