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Streit in der Formel 1: Mercedes kämpft gegen die Billigmotoren

Von Karin Sturm

Rosbergs Sieg: Vize in São Paulo Fotos
AFP

Ab 2017 soll in der Formel 1 ein billigeres Alternativmodell zum teuren Hybridmotor zugelassen werden. Damit will Bernie Ecclestone Red Bull in der Rennserie halten. Doch von Mercedes und Ferrari gibt es Widerstand.

Der Grand Prix von Brasilien mit dem Doppelsieg von Nico Rosberg und Lewis Hamilton hat einmal mehr gezeigt: Mercedes fährt in der Formel 1 in einer eigenen Welt. Und sollte die Rennsportserie an ihrem derzeitigen Motorenkonzept festhalten, wird sich das in absehbarer Zeit wohl nicht ändern. Auch wenn Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff immer wieder versucht, die Konkurrenz und deren Möglichkeiten stark zu reden.

Wolff hat mit seinen Lobesreden vor allem ein Ziel: Er will verhindern, dass es ab 2017 wirklich einen Alternativmotor zu den hochkomplizierten und teuren Hybridantrieben gibt, in die die Hersteller über Jahre viel Geld investiert haben und die Mercedes um Welten besser im Griff hat als alle anderen.

Im Moment scheint der Weg allerdings eindeutig in diese Richtung zu gehen. Seit dem 13. November gibt es die offizielle Ausschreibung auf der Fia-Website: Zehn Tage lang haben Interessenten Zeit, sich um den Ausrüster-Vertrag für einen Motor zu bewerben, der sechs Millionen Euro kosten soll. Zugelassen sind nur unabhängige Hersteller wie Ilmor oder Cosworth, keine Automobilkonzerne.

"Wir sind auch nicht dumm"

Die technischen Daten stehen: Es geht um einen ein 2,2 Liter V6-Biturbo, der mit einem Ladedruck von 1,5 bar betrieben werden soll. Experten rechnen mit einer Leistung zwischen 850 und 900 PS und einem Spritverbrauch von etwa 140 Kilogramm. Das sind 40 Kilogramm mehr, als das, womit die Hybridantriebe über eine Renndistanz auskommen müssen.

Ferrari und Honda und im Prinzip auch Renault teilen die Ablehnung von Mercedes. Sie möchten natürlich nicht, dass sie von anderen Teams mit "Billigmotoren" links und rechts überholt werden. Auf der nächsten Sitzung der Strategiegruppe der Formel 1 werden sie alles versuchen, um Fia-Präsident Jean Todt und Bernie Ecclestone klar zu machen, dass so eine Regeländerung rechtlich gar nicht möglich sei. Doch Ecclestone gibt sich siegessicher: "Wir sind auch nicht dumm, wir haben das schon genau abgecheckt."

Ecclestone findet klare Worte: "Wir lassen uns die Formel 1 nicht von Leuten zerstören, die glauben, den Sport in Geiselhaft nehmen zu können." Was er meint: Derzeit können die Hersteller bestimmen, wer Motoren bekommt und wer nicht. Außerdem legen sie fest, welche Qualität die gelieferten Triebwerke haben. Damit halten sie sich unliebsame Konkurrenten vom Hals. Zudem sind die Motoren für die kleineren Kundenteams viel zu teuer: "Sie denken dabei nicht an den Sport, sondern nur an sich", ärgert sich Ecclestone.

"Vernünftige Perspektive für die Zukunft"

Der Alternativ-Motor kam auf den Tisch, um einen Red-Bull-Ausstieg aus der Formel 1 zu verhindern. Was ja auch erst einmal klappte. Red Bull wird mit Renault weiter machen, weil man sich auf ein weiteres Übergangs-Jahr einlässt, da es ja "für die Zukunft wieder eine vernünftige Perspektive gibt", wie Motorsportkoordinator Helmut Marko sagt.

Auch die Gefahr, dass der Deal noch an einem Ausstieg Renaults aus der Formel 1 scheitern könnte, scheint gebannt. Was jetzt in Brasilien durchsickerte: Selbst wenn Konzernchef Carlos Ghosn die geplante Übernahme von Lotus als Werksteam noch abbläst, müsste er wohl dafür sorgen, dass Red Bull Motoren bekommt. Denn rechtlich wurde die Zusammenarbeit mit Red Bull offenbar nie gekündigt. Bislang gab es demnach nie mehr als Absichtserklärungen.

Es gibt auch Skeptiker im Fahrerlager, die noch nicht daran glauben, dass dieser Alternativmotor und damit eine Art "Zweiklassengesellschaft" in der Formel 1 wirklich kommt. Sie glauben, dass Todt, eigentlich ein Befürworter der Hybrid-Technologie, doch noch einen Rückzieher machen könnte, da das vordergründige Ziel - Red Bull in der Formel 1 zu halten - erreicht ist. Das könnte passieren, wenn sich die Hersteller in der Kostenfrage doch einsichtig zeigten und mit ihren Hybridmotor-Preisen von derzeit über 20 auf etwa 12 Millionen heruntergehen würden. In Mexiko hatte er ja in einem Nebensatz fallen lassen, "wenn ihr mir das garantiert, dann garantiere ich euch Reglementstabilität bis 2025."

Oder wenn sich herausstellen sollte, dass es nicht möglich wäre, die Leistung der beiden unterschiedlichen Systeme über das Reglement so auszubalancieren, das Chancengleichheit herrscht. Dieser Punkt ist auch in anderen Motorsport-Serien leidiges Streitthema. So sagt sogar Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn, die ja eigentlich als Vertreterin der "Kleinen" das Alternativkonzept unterstützen müsste: "Ich sehe nicht, dass das funktionieren wird. Was wir brauchen, ist ein einheitlicher, bezahlbarer Motor für alle."

Formel-1-Saison 2015
Die Teams und Fahrer
Mercedes
Lewis Hamilton und Nico Rosberg
Red Bull
Daniel Ricciardo und Daniil Kwjat
Williams
Felipe Massa und Valtteri Bottas
Ferrari
Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen
McLaren Honda
Fernando Alonso und Jenson Button
Force India
Nico Hülkenberg und Sergio Pérez
Toro Rosso
Max Verstappen und Carlos Sainz jr.
Lotus
Romain Grosjean und Pastor Maldonado
Sauber
Marcus Ericsson und Felipe Nasr
Manor Marussia
Will Stevens und Roberto Merhi
Der Rennkalender
Die Rekorde
Die meisten WM-Titel
Michael Schumacher (7)
Die meisten Grand-Prix-Siege
Michael Schumacher (91)
Die meisten Siege in einer Saison
Michael Schumacher und Sebastian Vettel (je 13)
Die meisten Start-Ziel-Siege
Ayrton Senna (19)
Die meisten Podestplätze
Michael Schumacher (155)
Die meisten Podestplätze in einer Saison
Michael Schumacher und Sebastian Vettel (je 17)
Die meisten Pole-Positions
Michael Schumacher (68)
Die meisten Pole-Positions in einer Saison
Sebastian Vettel (15)
Die schnellsten Rennrunden
Michael Schumacher (77)
Die meisten Grand-Prix-Starts
Rubens Barrichello (323)

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insgesamt 41 Beiträge
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1.
vitalik 15.11.2015
Lasst die Formel 1 einfach Formel 1 sein. Warum diese Hybrid-Motoren? Es will mir doch keiner erzählen, dass man da Umweltfreundlichkeit demonstrieren will.
2.
SchneiderG 16.11.2015
Ausgerechnet Ecclestone, bei dem man den Eindruck hat, daß er ausschlieslich SEINE Interessen im Motorsport vertritt.
3. Das wird so nicht funktionieren
colinchapman 16.11.2015
Wie Frau Sturm schon richtig schreibt, würden die alternativen Motoren 140kg Sprit im Rennen brauchen, die aktuellen Hybride 100. Rennwagen sind enorm gewichtssensitiv, 10kg machen 0,3 bis 0,35 Sekunden pro Runde aus. Die Autos mit den alternativen Motoren würden im Rennen zwischen der ersten und der letzten Runde um bis zu sechs Sekunden schneller werden, die Hybridautos um deren vier. selbst wenn man mit anderen Basisgewichten für die beiden verschiedenen Konzepte spielt, wird man nie eine gerechte Formel finden. Und ich nehme an, Mr. Ecclestone will das auch gar nicht. Er will lediglich Mercedes und Ferrari dazu bewegen, mehr Kundenteams zu beliefern, indem er ihnen mit einer absurden Alternativformel droht. Ich hoffe, da fällt keiner drauf rein.
4. Gründet eine eigene F1- Veranstaltung
hans.rueckert 16.11.2015
Meine Forderung an Ferrari, Honda, Renault und Mercedes: lasst euch nicht von dem Milliardär Bernie Ecclestone erpressen! Es war ja vor einigen Jahren schon mal so weit, dass ihr euch selbstständig machen wolltet. Machts!
5. Formel 1 ist auch ein Konstruktionswettbewerb
poisonnuke 16.11.2015
Was für ein Sinn macht es, wenn nur ein einziger Motor zugelassen ist, dann fehlt auch irgendwie der Reiz. Wenn nun die Teams mit dem "billigen" Motor vllt sogar schneller werden, dann wäre das doch erst recht sehenswert. Wenn es ein reiner Fahrwettbewerb werden sollte, dann könnten sie gleich Einheitsautos wie in der Formel E hinstellen. Aber das ist langweilig und will keiner sehen.
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