Formel 1 Mercedes-Motorsportchef Wolff fordert radikale Reformen

Nur drei Teams haben seit 2014 ein Formel-1-Rennen gewinnen können. In der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL spricht sich Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff deshalb für begrenzte Budgets und weniger Formel-1-Rennen aus.

Toto Wolff
Getty Images

Toto Wolff

Von


Geld schießt Tore, heißt es im Fußball. Geld gewinnt Rennen, so ist es in der Formel 1. Seit 2014 haben nur drei Teams einen Grand Prix gewinnen können. Mercedes siegte bei 69 von 93 WM-Läufen, den Rest teilten sich Ferrari (13) und Red Bull (11). Es sind jene Rennställe, die rund 300 Millionen Dollar oder mehr pro Jahr ausgeben.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 38/2018
Wie Horst Seehofer persönliche Krisen zu Regierungskrisen macht

Um das Leistungsgefälle zwischen den Topteams und dem Rest des Feldes, das mit 100 bis 200 Millionen Dollar auskommen muss, zu reduzieren, wollen die Vermarkter der Formel 1 ganz neue Wege gehen - und die Budgets der Teilnehmer begrenzen. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte bei SPIEGEL+.)

In der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL spricht sich nun Toto Wolff, Motorsportchef des Seriensiegers Mercedes, für die Finanzbremse nach US-amerikanischem Vorbild aus: "Ich renne da mit der Flagge in der Hand an vorderster Front." Der Boss des amtierenden Weltmeisters Lewis Hamilton hält den "Ressourcen-Wettlauf zwischen Ferrari, Red Bull und uns um ein paar Hundertstelsekunden" für unsinnig.

Budget runter, weniger Rennen

Diskutiert wird in der Formel 1 ein maximales Jahresbudget von 150 Millionen Dollar. Mit dieser Summe verspricht der ehemalige Ferrari-Direktor Ross Brawn im SPIEGEL mehr Chancengleichheit und spannendere Rennen: "Nicht ein einziger Fan auf der Welt wird den finanziellen Unterschied bei den Fahrzeugen bemerken."

Zu verhandeln wäre laut Mercedes-Sportchef Wolff beim "Budget Cap" allerdings, wie man sich einer Obergrenze nähere: "Wenn Topteams heute 290 Millionen Dollar ausgeben, können die nicht sagen, hurra, in zwei Jahren kommen wir mit 150 aus. Dann wären wir alle Restrukturierungsfälle."

Eine Firma wie der Motorsportableger von Mercedes trage schließlich Verantwortung für 950 Mitarbeiter. Wolff schlägt deshalb eine stufenweise Reduzierung der Ausgaben über mehrere Jahre vor.

Auf dem Weg zu einer attraktiveren Formel 1 regt Wolff zudem eine Verknappung der Rennen von derzeit 21 pro Jahr auf 15 oder 16 WM-Läufe an: "Das bedeutet kurzfristig weniger Einnahmen, aber langfristig wird das Produkt exklusiver und wertvoller."

Die Renndauer würde Wolff verkürzen, von maximal 120 Minuten auf 80 Minuten: "Auch um die jungen Leute abzuholen, die aufgrund der neuen digitalen Formate ein kürzeres Aufmerksamkeitsfenster haben."

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie immer samstags in unserem kostenlosen Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von der Chefredaktion oder den Leitern unseres Hauptstadtbüros in Berlin.



insgesamt 20 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
robe02 15.09.2018
1. Elektronischer Datentransfer begrenzen
Solange die Ingenieure während dem Rennen kontrollieren, per Funk ins Geschehen eingreifen, Strategien geändert werden können und der Fahrer sich darauf verlassen kann, wird es keinen Spass machen für die Zuschauer, da der Überraschungsmoment leider ausgeschlossen wird. Weniger Kosten bringt hier nichts. Das wichtigste währen einem Rennen muss nur der Fahrer sein, er muss entscheiden ohne Unterstützung von aussen, dann wird es wieder interessante Rennen geben.
h.hass 15.09.2018
2.
Die Formel 1 ist am Ende. Sie war interessant, als Fahrer wie Rindt, Lauda, Stewart, Fittipaldi - echte Typen - in ihren gefährlichen Kisten Mann-gegen-Mann-Duelle ausfochten. Jetzt sind nur noch austauschbare Jüngelchen in High-Tech-Autos unterwegs, die von Computern beherrscht werden. Dazu kommt, dass wegen der ausufernden Kosten nur noch riesige Konzerne Autos bauen können, die eine echte Siegchance haben. Alles in allem eine trostlose und langweilige Veranstaltung, die vermutlich den Bach runtergehen wird.
MatthiasPetersbach 15.09.2018
3.
Zitat von robe02Solange die Ingenieure während dem Rennen kontrollieren, per Funk ins Geschehen eingreifen, Strategien geändert werden können und der Fahrer sich darauf verlassen kann, wird es keinen Spass machen für die Zuschauer, da der Überraschungsmoment leider ausgeschlossen wird. Weniger Kosten bringt hier nichts. Das wichtigste währen einem Rennen muss nur der Fahrer sein, er muss entscheiden ohne Unterstützung von aussen, dann wird es wieder interessante Rennen geben.
Da gibts wenig entgegenzusetzen. So ist es. Das Problem steckt im "Fahrer"lager. Einer fährt, zig andere bestimmen, wie. Warum soll das dem Zuschauer Spaß machen und Unterhaltung liefern?
vnv_muc 15.09.2018
4. Ich spreche mich
gegen Motorsport mit Verbrennungsmotoren an sich aus. Ist nicht mehr zeitgemäß. Und ein Sport, in dem 15 erwachsenen Männer traineren, Autoreifen zu wechseln, ist ohnehin bescheuert. Die Fahrer könnte man auch ganz weglassen..geht doch bestimmt per Software auch.
steingärtner 15.09.2018
5. Alles weg, nur noch Können entscheiden lassen
Telemetrie, vorgewärmte Reifen, Zwang für bestimmte Reifen, Automatikgetriebe, Antischlupf und so weiter und so weiter. Die idiotischen Flügel mit Flügelchen obendrauf. Ein Flügel vorn, einer hinten, das reicht. Und den Rest muss halt der Fahrer hinbekommen. Es ist zum gruseln, wenn ein Weltmeister in der Box nachfragen muss, welchen Knopf er drücken soll. Im Grunde könnte man in nicht allzu ferner Zeit auf den Fahrer sogar ganz verzichten. Aber am wichtigsten scheint mir : Weg mit dem Sprechfunk. Der Fahrer wird bezahlt, der Fahrer soll entscheiden. Kann doch nicht so schwer sein.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.