Neue Formel-1-Saison: Großes Flattern der Silberpfeile

Von Ralf Bach

F-1-Team Mercedes GP: Runderneuert zum Erfolg: Runderneuert zum Erfolg Fotos
DPA

Neues Auto, neuer Fahrer, neuer Chef: Mercedes startet runderneuert in die neue Formel-1-Saison - und steht unter großem Druck. Im vierten Jahr müssen die Silberpfeile endlich zuverlässig Siege einfahren. Doch dabei steht sich das Team vor allem selbst im Weg.

Was kann Mercedes? Über kaum ein anderes Team wird vor Beginn der neuen Formel-1-Saison so viel gerätselt, wie über das der Silberpfeile. Sind die Stuttgarter endlich ein ernstzunehmender Titelanwärter? Oder doch nur Trainingsweltmeister? Fragen, auf die der Saisonauftakt am Sonntag in Melbourne (7 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) eine erste Antwort geben kann.

Fest steht: Bei den letzten Testfahrten in Barcelona fuhr Mercedes-Pilot Nico Rosberg die Bestzeit, Teamkollege Lewis Hamilton war einen Tag zuvor der Schnellste. Und diese schnellen Runden "der besten Fahrerpaarung der Formel 1" (Mercedes-GP-Aufsichtsratschef Niki Lauda) haben für Gesprächsstoff und Stirnrunzeln bei der Konkurrenz gesorgt. Mit wenig Sprit seien die Boliden von Mercedes gefahren, so hört man von Ferrari. Der neue Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff behauptet hingegen: "Wir hatten mehr Benzin als Ferrari an Bord."

Ungeachtet dieser Spielchen geben sich die beiden Mercedes-Fahrer plötzlich sehr zuversichtlich. Hamilton, der zu dieser Saison als Nachfolger für Michael Schumacher von McLaren zu Mercedes gewechselt war, zeigte sich vor den Testfahrten noch extrem zurückhaltend. Jetzt spricht der Weltmeister von 2008 sogar von Siegen. "Wir können schon diese Saison gewinnen", sagt der Brite. Und Rosberg gerät geradezu ins Schwärmen, wenn er sagt, dass die Entwicklung des Autos einen "Riesenschritt getan hat" und auch die Umstrukturierungen bereits griffen.

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F-1-Profis 2013: Crashpiloten, Weltmeister und ein Eismann
Damit dürfte Rosberg kaum die neuen Chefs gemeint haben. Weder Wolff, der in einer Nacht-und-Nebel-Aktion erst im Januar vom Konzern als Nachfolger von Daimler-Urgestein Norbert Haug als neuer Motorsportchef präsentiert wurde, noch sein österreichischer Landsmann Lauda als Aufsichtsratschef des Mercedes-F1-Teams hatten schon mit der Weiterentwicklung des Autos zu tun.

Dass der W04, so die offizielle Bezeichnung des neuen Autos, deutlich besser im Fahrverhalten ist im Vergleich zum Vorgängermodell, ist den Umstrukturierungen der vergangenen Jahre zu verdanken, für die Teamchef Ross Brawn gesorgt hatte. Mit Bob Bell kam 2010 ein neuer Technikchef, mit Aldo Costa 2011 ein neuer Chefdesigner. Der Mercedes für die Saison 2013 ist das erste Auto aus der Hand des Italieners Costa, der zuvor im Unfrieden von Ferrari geschieden war.

Brawn stoppte 2012 sogar die Weiterentwicklung des letztjährigen Modells, damit sich Costa und sein Team ganz auf die Entwicklung des W04 für diese Saison konzentrieren konnten. Das war ein Grund dafür, warum Mercedes vergangenes Jahr nach dem Sieg von Rosberg in China gegenüber der Konkurrenz dramatisch an Boden verlor und das F1-Projekt am Ende der Saison firmenintern und in der Öffentlichkeit so viel Kritik einstecken musste.

Daher steht Mercedes 2013, dem vierten Jahr nach der Rückkehr in die Formel 1, unter immensem Druck. Hinter den Kulissen brodelt es gewaltig. Lauda dementiert es zwar noch in der Öffentlichkeit, doch die Ablösung von Brawn scheint intern längst beschlossene Sache zu sein. Mit McLaren-Technikchef Paddy Lowe stünde sogar schon ein Nachfolger bereit. Gewinnen Rosberg und Hamilton allerdings sehr früh Rennen und fahren sie sogar um den Titel mit, dürften Lauda und Wolff die Argumente ausgehen, Brawn zu feuern.

Diese Personalie ist nicht der einzige Brandherd. Wolff steht auch wegen "Compliance" unter Beobachtung. Dieses Thema, bei dem es einfach ausgedrückt darum geht, Vorteilnahme durch Ämter zu verhindern, steht bei Daimler ganz oben auf der Agenda. Die neue Struktur ist für Versuchungen aber durchaus anfällig. Als Motorsportchef entscheidet Wolff mit über Budgets an Teams, die ihm zum Teil gehören. Am Mercedes-GP-Team ist er mit 30 Prozent beteiligt. Von HWA, jener Firma, die für Mercedes das DTM-Projekt betreibt, gehören ihm 22,86 Prozent. Interessenskonflikte sind damit nicht auszuschließen. Wolff gibt sich problembewusst und verspricht, "niemals im Eigeninteresse zu handeln".

Wolff, Brawn, Lauda, Rosberg, Hamilton: 2013 wird für das Formel-1-Projekt im Hause Mercedes eine entscheidende Saison.

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Forum - Was bringt die Formel-1-Saison 2013?
insgesamt 904 Beiträge
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1. Spannung
Hypocrist 26.02.2013
Zitat von sysopDreimal in Folge wurde Sebastian Vettel Formel-1-Weltmeister, in der Saison 2013 will er seinen vierten Titel. Kann der Red-Bull-Pilot erneut triumphieren? Und wie stehen die Chancen seiner größten Konkurrenten, Fernando Alonso und Lewis Hamilton?
Hoffentlich bleibt es bis zum letzten Rennen spannend, so wie 2012. Und hoffentlich wird mal wieder ein anderer Fahrer WM als zuletzt.
2. Und los gehts...
Seffi 26.02.2013
Zitat von sysopDreimal in Folge wurde Sebastian Vettel Formel-1-Weltmeister, in der Saison 2013 will er seinen vierten Titel. Kann der Red-Bull-Pilot erneut triumphieren? Und wie stehen die Chancen seiner größten Konkurrenten, Fernando Alonso und Lewis Hamilton?
Die üblichen Verdächtigen werden auch 2013 wieder um den Titel kämpfen - mit Ausnahme von Hamilton vielleicht. Der muss erst einmal an seinem Teamkollegen vorbei, was ich noch nicht so plastisch sehe. Hauptsache es wird wieder ein knappes Finish, wie 2012, dann sind doch alle glücklich.
3. Good luck
ray4912 26.02.2013
Zitat von sysopDreimal in Folge wurde Sebastian Vettel Formel-1-Weltmeister, in der Saison 2013 will er seinen vierten Titel. Kann der Red-Bull-Pilot erneut triumphieren? Und wie stehen die Chancen seiner größten Konkurrenten, Fernando Alonso und Lewis Hamilton?
Für den Titel, also die Gesamtwertung ist Vettel klarer Favorit, Alonso der einzige der wenigstens theoretisch eine Chance hat gegen ihn. Die andern kaum. Die müssen auf einzelne Siege und Podestplätze hoffen. HAM beispielsweise sitzt im falschen Auto. McL hat den Fahrer nicht mehr. Kimi ist als Fahrer wohl auch stärker als der Rest seines Systems. Gespannt bin ich auf Hülk im Sauber. Wäre schön, wenn Monisha um den 3. oder 4. Team-Platz mitmischen könnte. In 3 Wochen wissen wir mehr! Good luck to everybody und bloss keine bösen Unfälle, guys!
4.
gnoib 26.02.2013
Ist eine uebergangs saison, deswegen wird sich wenig am Kraefteverhaeltnis aendern. Interessant wird es um den MP herum, wie wird er mit Achtungserfolgen umgehen.
5.
Dieter58 28.02.2013
Zitat von ray4912Für den Titel, also die Gesamtwertung ist Vettel klarer Favorit, Alonso der einzige der wenigstens theoretisch eine Chance hat gegen ihn. Die andern kaum. Die müssen auf einzelne Siege und Podestplätze hoffen. HAM beispielsweise sitzt im falschen Auto. McL hat den Fahrer nicht mehr. Kimi ist als Fahrer wohl auch stärker als der Rest seines Systems. Gespannt bin ich auf Hülk im Sauber. Wäre schön, wenn Monisha um den 3. oder 4. Team-Platz mitmischen könnte. In 3 Wochen wissen wir mehr! Good luck to everybody und bloss keine bösen Unfälle, guys!
Adrian Sutil ist zurück! (http://www.auto-motor-und-sport.de/formel-1/force-india-bestaetigt-sutil-sutils-f1-rueckkehr-ist-perfekt-6708121.html?cmpid=newsletter_02-28-13) Gut so!
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  • Ralf Bach berichtet bereits viele Jahre über die Formel 1, vorwiegend für "Sport Bild". Seit der Saison 2011 ist er auch für SPIEGEL ONLINE tätig und analysiert die Ereignisse in der wichtigsten Motorsportserie der Welt.

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12 08.09. Italien (Monza)
13 22.09. Singapur (Singapur)
14 06.10. Südkorea (Yeongam)
15 13.10. Japan (Suzuka)
16 27.10. Indien (Neu-Delhi)
17 03.11. Abu Dhabi (Abu Dhabi)
18 17.11. USA (Austin)
19 24.11. Brasilien (São Paulo)

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