GP von Kanada Mercedes-Affäre überschattet Vettel-Triumph

Zum ersten Mal in seiner Karriere hat Sebastian Vettel den Großen Preis von Kanada gewonnen. Doch sein ungefährdeter Triumph verkam in Montreal zur Nebensache. Gesprochen wurde, wie in den Tagen zuvor auch schon, eigentlich nur über die Reifenaffäre von Mercedes.

AFP

Aus Montreal berichtet


Selbst die sonst so kritische Konkurrenz zog vor Sebastian Vettel den Hut: "Er ist bei allen Bedingungen vorne dabei und wirkt völlig entspannt", sagte Force-India-Pilot Adrian Sutil nach Vettels ungefährdetem Sieg beim Großen Preis von Kanada. Was Sutil meinte: Erst hatte Vettel im verregneten Qualifying die schnellste Rundenzeit abgeliefert, nun wiederholte er das Schauspiel im Rennen selbst - bei strahlendem Sonnenschein und auf trockener Fahrbahn.

Der Dreifach-Weltmeister zeigte nicht nur, dass sein Red Bull auf alle Gegebenheiten optimal reagieren kann. Er zeigte auch, dass er sich selbst von äußeren Einflüssen einfach nicht ablenken lässt.

Vettel fuhr in Montreal einfach, egal mit welchem Reifen, egal auf welchem Untergrund. Ins Rennen war er mit den supersoften Pneus von Pirelli gestartet, bei seinem ersten Boxenstopp in Runde 16 ließ er sich die Medium-Variante aufziehen. Am Anfang setzte er deshalb alles auf eine Karte und fuhr extrem schnelle Rundenzeiten, um, wie er später erklärte, "genügend Vorsprung zu haben. Ich wusste nicht, wie lange die Reifen halten".

Testfahrten stehen im Mittelpunkt der Diskussionen

Die Rechnung ging auf, Vettel gewann zum ersten Mal in seiner Karriere in Kanada. "Wir versuchen, aus jedem Rennen das Beste herauszuholen", sagte Vettel nach dem Sieg. "Wenn wir die Chance haben, dann müssen wir sie auch nutzen." Der Triumph war für den 25-Jährigen und sein Team die wichtige Antwort auf das Rennen in Monaco, bei dem Mercedes-Pilot Nico Rosberg gewonnen hatte - nicht nur nach Ansicht von Red Bull, weil sich Mercedes zuvor in Barcelona Vorteile durch umstrittene Tests erschlichen hatte.

Diese Tests standen auch in Montreal im Mittelpunkt der Diskussionen, sie überschatteten sogar Vettels Sieg. "Kontroversen sind anscheinend interessanter als der Sport", sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. Ihm wäre es wohl ganz recht gewesen, hätte die Motorsportwelt wenigstens für einige Momente nicht auf sein Team geschaut. Denn das Eis scheint für die Verantwortlichen von Mercedes immer dünner zu werden.

Jean Todt, Präsident des Weltverbands Fia, gab den Fall vor kurzem an ein Fia-Gericht weiter. Die leise Hoffnung von Mercedes-Aufsichtsrat Niki Lauda, Wolff und Teamchef Ross Brawn, dass es nie zum Prozess kommen wird, hat sich damit zerschlagen. Im sogenannten International Tribunal wird nun am 20. Juni ein Urteil über den Rennstall gefällt. Zwölf Richter, teils Juristen, teils Motorsportinsider, hören sich zunächst Argumente von Mercedes, Reifenhersteller Pirelli und Vertreter der anderen Teams an und entscheiden dann darüber, ob die Tests illegal waren.

Zwei Deutsche im Fia-Tribunal

Dem Tribunal gehören auch zwei Deutsche an: Waltraud Wünsch und Dirk-Reiner Martens. Wünsch ist als Rennkommissarin beim Deutschen Grand Prix schon mehrfach in Erscheinung getreten, Martens ist ein Sportanwalt mit dem Spezialgebiet Basketball.

Mercedes beruft sich in der Angelegenheit auf eine kommerzielle Vereinbarung zwischen Pirelli und der Fia, wonach der Reifenhersteller pro Jahr 1000 Kilometer mit jedem Team testen darf. Außerdem stützt man sich auf eine Ausnahmegenehmigung des Weltverbands, angeblich bestätigt durch einen Fia-Anwalt, die eben solche Tests trotz offiziellem Verbot auch mit dem aktuellen Formel-1-Auto und den Stammpiloten erlaubt. Brawn kündigte deshalb in Montreal an, es würden bald "Details auf den Tisch kommen", die sein Team entlasteten.

Doch Fia-Rennleiter Charlie Whiting distanzierte sich bereits von einer Testerlaubnis für Mercedes. Die hätte demnach in Form einer offiziellen Regelklarstellung nur dann erteilt werden können, wenn vorab auch alle anderen Teams die Gelegenheit zum Test bekommen hätten. Sowohl Mercedes als auch Pirelli haben es aber versäumt, die restlichen Mannschaften zu informieren. Stattdessen verwandelte Mercedes die Strecke in Barcelona zu einem Hochsicherheitstrakt. "Das macht man nicht, wenn man nichts zu verbergen hat," sagte Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko.

Ein bisschen schien es deshalb fast schon wie ein Friedensangebot, als Wolff nach dem Rennen anerkennend sagte: "Gratulation an Sebastian Vettel und Red Bull: Das war eine lupenreine Vorstellung". Und er hätte sicher gern noch mehr über den sportlichen Verlauf dieses Rennens gesprochen.

insgesamt 28 Beiträge
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thron24 10.06.2013
1. der Sieg wird durch einen tragischer Unfall überschattet
bei dem ein Steckenposten ums leben kam, ein Prozess ist nun wirklich kein so schlimmes Ereignis.
Schbiegel-Onlain 10.06.2013
2.
Wieso wird nicht erwähnt, dass bei dem Rennen jemand ums Leben kam?
traxlite 10.06.2013
3. ach ja
und wie hat er doch noch bis vor ein paar Tagen über die Reifen gewettert.. Alles ******, die müssen neue Reifen bauen, kann damit nicht pushen, das ist keine F1, bla bla bla Schade nur, dass Ferrari das Rennen bereits am Samstag weggeworfen hat. Ansonsten wäre es sicherlich spannend um P1 geworden..
bebreun 10.06.2013
4. Steig aus Mercedes
ich verstehe bis heute nicht, was Mercedes sich von diesem Affenzirkus der Formel 1 verspricht. BMW hat sich ohne große Worte aus dem Irrsinn zurückgezogen - und verkauft seitdem noch mehr Autos und das mit deutlich besserer Gewinnmarge als Mercedes. Einen Imagegewinn aus der F1-Teilnahme kann ich auch nicht feststellen, eher das Gegenteil ist der Fall. Auch die technischen Errungenschaften der F1-Bolliden bringen die Mercedes-Limousinen nicht wirklich weiter. Also warum in diesem korrupten Laden weiter mitmischen, Geld verschleudern, Kapazitäten verbraten und am Ende auch noch zur Umweltverschmutzung beitragen? Laß es sein, Mercedes, es schadet dir ganz sicher nicht!
menschzweiterklasse 10.06.2013
5. Da stellt sich doch wieder die Frage,...
... für was das Management zigfache Löhne eines einfachen Mercedes Mitarbeiters bekommt? Dümmer kann man sich kaum verhalten und ich empfehle den Herren in Nadelstreif zukünftig den gesunden Menschenberstand derjenigen zu Rate zu ziehen, die einen Mercedes mit ihrer Hände Arbeit erschaffen. Das würde so manche Peinlichkeit ersparen.
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