Karriereende des Rekordweltmeisters: Schumi, der Aussteiger

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Die Formel 1 hat mit Rekordweltmeister Michael Schumacher einen der besten Piloten der Geschichte in den Ruhestand verabschiedet. Doch die Comeback-Jahre 2010 bis 2012 waren nur noch eine Pannenserie. Die Chronik von Un- und Ausfällen.

Schumachers Karriereende: Eine Legende steigt aus Fotos
Getty Images

Runterbremsen, stehen bleiben. Motor aus, das Lenkrad abmontieren, aussteigen, das Lenkrad wieder montieren. Das war's. Michael Schumacher fährt keine Formel-1-Rennen mehr.

Am Sonntagabend endete in Brasilien eine der schillerndsten Sportkarrieren, garniert mit allem, was Sportkarrieren eben schillernd macht: spektakuläre Siege, beeindruckende Rekorde, Sieger- und Abschiedstränen und natürlich ein schlagzeilenträchtiges Comeback. Wer es böse mit dem 43-Jährigen meint, der wird nun sagen: Die bei einer langen Karriere unweigerlichen Tiefen hat Schumacher seiner Laufbahn in den vergangenen drei Jahren hinzugefügt. Komprimiert, en bloc.

Denn, seien wir ehrlich, sportlich waren die Schumacher-Jahre 2010 bis 2012 Jahre der Entbehrung. Wer den einstigen Weltklasse-Fahrer am vorletzten Wochenende in Austin, Texas, dabei beobachten musste, wie er in seinem Mercedes die Saubers, Force Indias und Toro Rossos gleich reihenweise an sich vorbeiziehen lassen musste, bekam noch einmal eine Druckbetankung aus den vergangenen drei Jahren: Schumacher fuhr mit, oft hinterher, nie mehr davon.

Ein Crash als Sinnbild für das verunglückte Comeback

Über Sinn und Unsinn seiner Rückkehr musste der Rekordweltmeister (sieben Titel) bereits vor seiner Rückzugs-Ankündigung viel reden und lesen. Einem wie ihm kann es egal sein, wenn ihn der Boulevard als gescheitert bezeichnet: Schmerzen wird den Perfektionisten Schumacher seine Bilanz im viel zu selten konkurrenzfähigen Silberpfeil dennoch, vor allem diese eine Statistik: 14 Ausfälle in drei Jahren.

14 Ausfälle, die längst nicht alle fremdverschuldet waren. Von den fünf Unfällen, in die Schumacher seit 2010 verwickelt war, geriet einer zum vermeintlichen Sinnbild für sein verunglücktes Comeback. In Barcelona raste er am 13. Mai dieses Jahres Bruno Senna ins Auto. Beide Boliden wurden dabei beschädigt, die Piloten mussten das Rennen vorzeitig beenden. Die Rennkommissare sahen den Fehler später bei Schumacher.

Der reagierte, wie man ihn schon aus seiner goldenen Ferrari-Ära (fünf Titel) kannte: uneinsichtig. "Er zieht mir links vors Auto, ich versuche ihm auszuweichen und knalle in ihn rein. Er fährt mir auf eine Art und Weise vors Auto, die inakzeptabel ist,", sagte er. Beim Studium der Videobilder musste allerdings auch der Deutsche einräumen: "Man muss schon genau hinschauen, um zu erkennen, was ich hier zu erklären versuche."

Verlieren können, soll er gelernt haben, las man angesichts seiner Zeit bei Mercedes. Genauer: mit Würde verlieren. Würde ja, aber verlieren? Nein, das hat nie zu ihm gepasst. Sein erneuter Abschied ist deshalb nur konsequent.

Hier geht es zu Michael Schumachers Pannen-Serie bei Mercedes.

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insgesamt 26 Beiträge
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1.
Tunechi 26.11.2012
Jetzt bleibt nur noch eins: Danke Schumi ! Auch wenn alle gesagt haben, dass es Schachsinn ist wieder anzufangen, ich finde dich klasse !
2. Vom Held zur Legende...
Aburger 26.11.2012
Von mir aus kann er auch noch die nächsten 10 Jahre weiterfahren! Das ist halt die moderne Gesellschaft... wenn man nicht gewinnt - wird man abgestempelt und sollte es am liebsten nie probiert haben!
3.
chatziege 26.11.2012
Ob Michael Schumachers Comeback in der Presse als sinnvoll oder gelungen diskutiert wird, ist ihm sicher herzlich egal. Wir Fans haben in den letzten 3 Jahren einen neuen Michael Schumacher gesehen und was in einem top Auto möglich geworden wäre, werden wir nie wissen. Was mir allerdings sauer aufstößt, ist die hirnrissige Berichterstattung über den Rücktritt. Die reichen im Spiegel von "Eine Legende steigt aus" bis "der letzte Loser tritt ab". Entscheidet euch und versucht nicht mit solch zweiseitigen Kommentaren die ganze Leserschaft zufrieden zu stellen.
4.
Peter12345 26.11.2012
Was ist der Sinn dieses Artikels? Mit dem Namen "Michael Schumacher" Klickzahlen für die Fotoreihe zu generieren? "Über Sinn und Unsinn seiner Rückkehr musste der Rekordweltmeister (sieben Titel) bereits vor seiner Rückzugs-Ankündigung viel reden und lesen." Dieser Satz ist richtig. In welcher Hinsicht dieser Artikel einen zusätzlichen substantiellen Beitrag leistet, erschließt sich mir nicht. Er stellt auch keine Einordnung der gestrigen Geschehnisse dar. Dass Sebastian Vettel gestern dreifacher Weltmeister wurde, ist nicht zuletzt dem Formel-1-Boom der 90er-Jahre in Deutschland geschuldet, den nur eine Person verursacht hat: Michael Schumacher.
5. Jetzt
crocodil 26.11.2012
aber hopp, hopp. Alle Schumi- Fans sollten ihre Kappen an die Wand hängen und neue von S. Vettel kaufen. Dann können sie weiter ihrem Idol frönen, (wenn auch einem anderen). Nebenbei: Schumi hat soviel Geld verdient, dass er sich getrost in seine Villa in der Schweiz, (allein 21 Parkplätze), zurückziehen kann. Vielleicht macht er ja auch noch die Ablösung für Lauda??
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Vom Kart bis zur Formel 1: Vettels Traumkarriere in Bildern

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Motorsport: Die Hall of Fame der Formel 1

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Formel-1-Weltmeister (ab zwei Titeln)
Fahrer Anzahl Titel
Michael Schumacher 7 (1994, 1995, 2000-2004)
Juan Manuel Fangio 5 (1951, 1954-1957)
Alain Prost 4 (1985, 1986, 1989, 1993)
Sebastian Vettel 4 (2010-2013)
Jack Brabham 3 (1959, 1960, 1966)
Jackie Stewart 3 (1969, 1971, 1973)
Niki Lauda 3 (1975, 1977, 1984)
Nelson Piquet 3 (1981, 1983, 1987)
Ayrton Senna 3 (1988, 1990, 1991)
Alberto Ascari 2 (1952, 1953)
Jim Clark 2 (1963, 1965)
Graham Hill 2 (1962, 1968)
Emerson Fittipaldi 2 (1972, 1974)
Mika Häkkinen 2 (1998, 1999)
Fernando Alonso 2 (2005, 2006)

Titelverteidigungen in der Formel 1
Fahrer Jahre
Alberto Ascari (1952, 1953)
Juan Manuel Fangio (1954-1957)
Jack Brabham (1959, 1960)
Alain Prost (1985, 1986)
Ayrton Senna (1990, 1991)
Michael Schumacher (1994, 1995, 2000-2004)
Mika Häkkinen (1998, 1999)
Fernando Alonso (2005, 2006)
Sebastian Vettel (2010-2012)