Von Christian Paul
Runterbremsen, stehen bleiben. Motor aus, das Lenkrad abmontieren, aussteigen, das Lenkrad wieder montieren. Das war's. Michael Schumacher fährt keine Formel-1-Rennen mehr.
Am Sonntagabend endete in Brasilien eine der schillerndsten Sportkarrieren, garniert mit allem, was Sportkarrieren eben schillernd macht: spektakuläre Siege, beeindruckende Rekorde, Sieger- und Abschiedstränen und natürlich ein schlagzeilenträchtiges Comeback. Wer es böse mit dem 43-Jährigen meint, der wird nun sagen: Die bei einer langen Karriere unweigerlichen Tiefen hat Schumacher seiner Laufbahn in den vergangenen drei Jahren hinzugefügt. Komprimiert, en bloc.
Denn, seien wir ehrlich, sportlich waren die Schumacher-Jahre 2010 bis 2012 Jahre der Entbehrung. Wer den einstigen Weltklasse-Fahrer am vorletzten Wochenende in Austin, Texas, dabei beobachten musste, wie er in seinem Mercedes die Saubers, Force Indias und Toro Rossos gleich reihenweise an sich vorbeiziehen lassen musste, bekam noch einmal eine Druckbetankung aus den vergangenen drei Jahren: Schumacher fuhr mit, oft hinterher, nie mehr davon.
Ein Crash als Sinnbild für das verunglückte Comeback
Über Sinn und Unsinn seiner Rückkehr musste der Rekordweltmeister (sieben Titel) bereits vor seiner Rückzugs-Ankündigung viel reden und lesen. Einem wie ihm kann es egal sein, wenn ihn der Boulevard als gescheitert bezeichnet: Schmerzen wird den Perfektionisten Schumacher seine Bilanz im viel zu selten konkurrenzfähigen Silberpfeil dennoch, vor allem diese eine Statistik: 14 Ausfälle in drei Jahren.
14 Ausfälle, die längst nicht alle fremdverschuldet waren. Von den fünf Unfällen, in die Schumacher seit 2010 verwickelt war, geriet einer zum vermeintlichen Sinnbild für sein verunglücktes Comeback. In Barcelona raste er am 13. Mai dieses Jahres Bruno Senna ins Auto. Beide Boliden wurden dabei beschädigt, die Piloten mussten das Rennen vorzeitig beenden. Die Rennkommissare sahen den Fehler später bei Schumacher.
Der reagierte, wie man ihn schon aus seiner goldenen Ferrari-Ära (fünf Titel) kannte: uneinsichtig. "Er zieht mir links vors Auto, ich versuche ihm auszuweichen und knalle in ihn rein. Er fährt mir auf eine Art und Weise vors Auto, die inakzeptabel ist,", sagte er. Beim Studium der Videobilder musste allerdings auch der Deutsche einräumen: "Man muss schon genau hinschauen, um zu erkennen, was ich hier zu erklären versuche."
Verlieren können, soll er gelernt haben, las man angesichts seiner Zeit bei Mercedes. Genauer: mit Würde verlieren. Würde ja, aber verlieren? Nein, das hat nie zu ihm gepasst. Sein erneuter Abschied ist deshalb nur konsequent.
Hier geht es zu Michael Schumachers Pannen-Serie bei Mercedes.
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