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Qualifying-Reform in der Formel 1: Trostpflaster für Bernie

Aus Barcelona berichtet Karin Sturm

Formel-1-Boss Ecclestone: Sein Einfluss schwindet Zur Großansicht
Getty Images

Formel-1-Boss Ecclestone: Sein Einfluss schwindet

Das Qualifying in der Formel 1 soll rasanter und spannender werden - die neuen Regeln könnten schon in Melbourne gelten. Radikale Reformen werden aber von Mercedes und Co. weiter blockiert.

Turbulent soll sie gewesen sein, die gestrige Sitzung der Strategiegruppe der Formel 1 in Genf. Die Teamchefs der sechs Topteams, die Fia und Bernie Ecclestone suchten dabei nach Lösungen, die Königsklasse, der mehr und mehr die Fans davonlaufen, wieder attraktiver zu machen.

Vor allem Ecclestone, der gerade wieder provokativ erklärt hatte, die derzeitige Formel 1 sei so schlecht, dass er kein Geld dafür ausgeben würde, um sich zusammen mit seiner Familie ein Rennen anzuschauen, fordert immer wieder radikale Änderungen. Doch offensichtlich schwinden seine Chancen, sich gegen die großen Hersteller - allen voran die Allianz der Giganten Mercedes und Ferrari - durchzusetzen.

So redet etwa niemand mehr von dem im vergangenen Herbst angedachten alternativen Motorenkonzept, das einem unabhängigen Motorenhersteller den Einstieg ermöglicht und die Kundenteams unabhängiger von den Großen gemacht hätte. Über die Dimensionen der neuen, durch mehr Abtrieb dann schnelleren Autos ab 2017 ist man sich zwar einig, die Entscheidungen über das genaue technische und sportliche Reglement ab 2017 und neue Detaillösungen bei den Motoren ab 2018 wurden wieder einmal bis Ende April verschoben.

Ecclestone blitzt mit seinen Ideen ab

Mit radikalen Ideen zur freilich auch nur künstlichen Erhöhung der Spannung hatte Ecclestone auch keine Chance. Eine Auslosung der Startaufstellung stand im Raum oder eine umgekehrte Reihenfolge der Top Ten, mit Punkten als Ausgleich für die zehn Trainingsschnellsten. Es blieb bei den Ideen.

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DPA

Team Red Bull: Über Motoren redet niemand mehr

So steht am Ende nur ein kleines Trostpflaster für den immer machtloser erscheinenden 85-Jährigen: Eine Veränderung dort, wo sie wohl - zumindest auch nach Ansicht der meisten Fans in den sozialen Medien - am wenigsten nötig war: Beim Qualifying, das bis jetzt schon sehr gut funktionierte und über das sich bisher eigentlich nie jemand beschwert hatte.

Nun soll die Formel 1 also "Reise nach Jerusalem" spielen. Und das wahrscheinlich schon ab Melbourne 2016 - falls der Fia-Weltrat zustimmt und gewisse Details noch geklärt werden. Zum Beispiel, welche und wie viele Reifen zum Einsatz kommen dürfen und wie sich das auf die Reifenvorschriften für das Rennen auswirken würde. Teammanager und Techniker, die sich am Ende mit den Details herumschlagen müssen, saßen in Genf nicht mit am Tisch.

Immer der Letzte fällt raus aus dem Qualifying

Im Prinzip ist das neue System eine verschärfte Version des aktuellen Ausscheidungsfahrens in drei Etappen. Statt am Ende von 18 oder 15 Minuten die jeweils letzten sechs Fahrer ausscheiden zu lassen, erwischt es bei der neuen Version alle anderthalb Minuten den jeweils Letztplatzierten. Die Gesamtzeit des Qualifyings soll dabei bei einer Stunde bleiben.

Im 16-minütigen Q1 sollen sieben Fahrer ausscheiden, sodass noch 15 übrig bleiben. Nach den ersten sieben Minuten ("zum Einfahren") beginnt die Knock-out-Phase, in der alle 90 Sekunden ein Pilot ausscheidet. Im Q2 beginnt die heiße Phase schon nach sechs Minuten. Auch hier werden wieder sieben Fahrer aussortiert. Im letzten Abschnitt, dem Q3, geht es schon nach fünf Minuten mit dem Ausscheidungsfahren los. Somit sind dann in den letzten 90 Sekunden nur noch zwei Fahrer auf der Strecke, von denen der schnellere auf der Pole Position steht.

Was das Ganze bringen soll: Die Autos sind mehr auf der Strecke, es könnte auch eher ungewöhnliche Startaufstellungen geben, wenn einer der "Großen" ein Problem hat und nicht mehr rechtzeitig reagieren kann. Das kann zumindest teilweise recht attraktiv werden, allerdings merken Experten jetzt schon an, dass das "Dauerfahren" zum Beispiel allein dadurch limitiert sei, dass dies in den meisten Fällen nicht mehr als eine wirklich schnelle Runde zulässt.

Die grundsätzlichen Probleme der Formel 1 - von Kosten über Herstellerdominanz und umstrittene Austragungsorte plus zu große Distanz zu den Fans - löst die Neuerung freilich nicht. Genauso wenig wie der zweite "Genfer Beschluss": In Zukunft sollen die Fans während des Rennens per Online-Abstimmung ihren "Fahrer des Tages" wählen dürfen.

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insgesamt 9 Beiträge
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1. Formel 1
wi_hartmann@t-online.de 24.02.2016
So lange Gestalten wie Ecclestone in der Formel 1 Zcehne das Sagen hat, bleibt diese Veranstaltung ein langweiliger Jahrmarkttrubel. Die Kommentatoren von RTL runden das Ganze passend ab.
2. Qualifying Modus verspricht spassig zu werden
Bueckstueck 24.02.2016
Das klingt jedenfalls unterhaltsam wenn auch mal reihenweise Favoriten weit hinten stehen können weils "dumm gelaufen ist" und sich dementsprechend im Rennen durch das Feld arbeiten müssen - das waren in den letzten beiden Saisons mit die interessantesten Rennen. Wird auch viel Drama geben wenn Hinterbänkler einem Mercedes im Weg stehen und der deshalb raus fällt. Gabs ja schon, leider viel zu selten. :D
3. Entscheidungen an den Fans vorbei
spon-facebook-10000015195 24.02.2016
Da sieht man es wieder - es wird völlig Blödsinn entschieden, der den Fans keine Spannung bringt, sondern einfach nur mehr undurchsichtige Regeln. Die Herren da oben haben ganz offensichtlich komplett den Bezug zum Motorsport vergessen.
4.
totalmayhem 24.02.2016
Zitat von wi_hartmann@t-online.deSo lange Gestalten wie Ecclestone in der Formel 1 Zcehne das Sagen hat, bleibt diese Veranstaltung ein langweiliger Jahrmarkttrubel. Die Kommentatoren von RTL runden das Ganze passend ab.
Wow, da weiss aber jemand bescheid... Nur zu Ijrer Information, ohne Bernie Ecclestone wuerden Sie heute von der Formel 1 vielleicht eine 60 Sekunden Zusammenfassung im Sportteil der Nachrichten sehen. Der Mann hat die Formel 1 erst gross gemacht, als alle noch ihr eigen Sueppchen kochten. Dass er so ganz nebenbei damit steinreich geworden ist, mag Sie zwar mit Neid erfuellen, schmaelert aber nicht die Verdienste des Mannes um den Automobilrennsport.
5. Wozu sollte man sich...
patrick6 24.02.2016
...denn das Qualifying noch anschauen, wenn das nach so einem 'Zufallsverfahren' entschieden wird? Da kann man auch gleich verlosen. Die F1 wird immer abstruser.
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