Neuer Qualifying-Modus Formel Farce

Langeweile statt Spannung: Im ersten Qualifying der neuen Saison jubelte Lewis Hamilton schon Minuten vor dem Ende - so verliert die Qualifikation weiter an Wert. Eine Rückkehr zum alten System steht bevor.

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Mit weniger Arbeit hat Lewis Hamilton in seiner Karriere vermutlich noch keine Poleposition geschenkt bekommen. Der Weltmeister aus dem Mercedes-Team sah am Ende des Qualifyings zum Großen Preis von Australien zu, wie ein Konkurrent nach dem anderen in der Box aus seinem Wagen stieg und aufgab. Einzig Teamkollege Nico Rosberg versuchte sich fünf Minuten vor dem Ende der Qualifikation nochmals an einer verbesserten Runde, blieb aber deutlich hinter Hamilton.

Auch Sebastian Vettel hatte zu diesem Zeitpunkt schon das Lenkrad seines Ferraris ausgebaut und lief durch die Boxengasse. Immerhin sagte der vermeintliche Herausforderer, es sei "ein bisschen komisch" gewesen, "am Ende nicht mehr draußen zu sein". Vettel wusste zu diesem Zeitpunkt allerdings, dass von hinten keine Gefahr mehr lauerte und der Rückstand auf die beiden Mercedes-Piloten zu groß war. Also entschied sich der vierfache Weltmeister, seine Reifen zu schonen.

Schlechter hätte der Start des neuen Qualifikationsmodus in der Formel 1 kaum laufen können. Was Spannung von der ersten bis zur letzten Sekunde, viele direkte Duelle und eine Aufwertung des Samstags bringen sollte, sorgte für Verwirrung bei den Teams sowie für Verwirrung und Langeweile bei den Zuschauern. Bilder aus der Boxengasse dominierten die TV-Übertragung.

Kern des neuen Qualifyings ist ein in drei Phasen aufgeteilter K.o.-Modus, in dem alle 90 Sekunden ein Fahrer ausscheidet. Das sollte zu Beginn der Qualifikation für viel Verkehr und unvorhersehbare Manöver sorgen und gegen Ende viele spannende Duelle bringen. Das Gegenteil war der Fall:

  • Im ersten Abschnitt blieben die Überraschungen aus, mit Manor, Haas und Sauber schieden die sportlich schwächsten Teams mit beiden Fahrern aus.

  • Haas und Sauber schickte ihre Fahrer zudem zu spät auf die Strecke, sie konnten ihre letzten Runde nicht vor der 90-Sekunden-Frist beenden.

  • Die beiden Force-India-Piloten Nico Hülkenberg und Sergio Pérez ließen austrudeln, weil sie auf den Plätzen neun und zehn zu Beginn des Rennens freie Reifenwahl haben. Zur Erklärung: Wer Q3 erreicht, ist verpflichtet, mit den Reifen aus Q2 zu starten.

  • Q3 wurde zur Farce. Bis auf Hamilton und Rosberg stiegen alle anderen Fahrer vorzeitig aus.

  • Die Verpflichtung, früh für gute Zeiten zu sorgen, beanspruchte die Reifen so sehr, dass neben Vettel auch Teamkollege Kimi Räikkönen, Max Verstappen und Felipe Massa ihre Wagen vorzeitig abstellten, um die Reifen zu schonen. Und die Liste könnte beliebig fortgeführt werden.

Die frühe Startzeit (7 Uhr MEZ) könnte zumindest bei den Formel-1-Fans in Europa die ganz große Verärgerung verhindert haben. Deshalb fordern jetzt schon die ersten Teamchefs eine sofortige Veränderung - das zweite Qualifying der Saison in Bahrain (3. April) wird wieder zur besten europäischen Sendezeit gestartet.

Rosbergs Forderung ("Wir sollten zum alten System zurückkehren.") scheint Gehör gefunden zu haben. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE findet bereits am morgigen Sonntag vor dem Rennen ein Treffen der Teamchefs statt, um schon in Bahrain Änderungen vorzunehmen. Das soll auch ohne Sitzung des Weltrats möglich sein.

"Ich bin der Erste, der sagt, wir sollten im Fernsehen nicht schlecht über manche Dinge reden, aber das neue Qualifikationsformat ist ziemlicher Müll", hatte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff beim TV-Sender Sky direkt nach Rennende gesagt - und bekam von Christian Horner (Red Bull Zuspruch: "Wir müssen uns dieser Sache gleich annehmen. Was wir heute gesehen haben, war nicht gut für die Formel 1."

Zumal das alte System gar nicht in der Kritik stand und ohne Not verändert wurde. "Ich weiß nicht, warum alle so überrascht sind", sagte Vettel. "Wir haben gesagt, dass es so kommt, dass das Format nicht funktioniert."

Trotzdem hat sich die kriselnde Formel 1 eine neue Baustelle geschaffen.

Formel-1-Saison 2016
Die Teams und Fahrer
Mercedes
Lewis Hamilton und Nico Rosberg
Ferrari
Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen
Williams
Felipe Massa und Valtteri Bottas
Red Bull
Daniel Ricciardo und Max Verstappen
Force India
Nico Hülkenberg und Sergio Pérez
Renault
Kevin Magnussen und Jolyon Palmer
Toro Rosso
Daniil Kwjat und Carlos Sainz jr.
Sauber
Marcus Ericsson und Felipe Nasr
McLaren Honda
Fernando Alonso und Jenson Button
Manor
Rio Haryanto und Pascal Wehrlein
Haas
Romain Grosjean und Esteban Gutierrez
Der Rennkalender
20. März: Australien (Melbourne)
3. April: Bahrain (as-Sachir)
17. April: China (Shanghai)
1. Mai: Russland (Sotschi)
15. Mai: Spanien (Barcelona)
29. Mai: Monaco (Monte Carlo)
12. Juni: Kanada (Montréal)
19. Juni: Europa (Baku)
3. Juli: Österreich (Spielberg)
10. Juli: Großbritannien (Silverstone)
24. Juli: Ungarn (Mogyoród)
31. Juli: Deutschland (Hockenheim)
28. August: Belgien (Spa-Francorchamps)
4. September: Italien (Monza)
18. September: Singapur (Singapur)
2. Oktober: Malaysia (Sepang)
9. Oktober: Japan (Suzuka)
23. Oktober: USA (Austin)
30. Oktober: Mexiko (Mexiko-Stadt)
13. November: Brasilien (Interlagos)
27. November: Abu Dhabi (Yas-Insel)
Die Rekorde
Die meisten WM-Titel
Michael Schumacher (7)
Die meisten Grand-Prix-Siege
Michael Schumacher (91)
Die meisten Siege in einer Saison
Michael Schumacher und Sebastian Vettel (je 13)
Die meisten Start-Ziel-Siege
Ayrton Senna (19)
Die meisten Podestplätze
Michael Schumacher (155)
Die meisten Podestplätze in einer Saison
Michael Schumacher und Sebastian Vettel (je 17)
Die meisten Polepositions
Michael Schumacher (68)
Die meisten Polepositions in einer Saison
Sebastian Vettel (15)
Die schnellsten Rennrunden
Michael Schumacher (77)
Die meisten Grand-Prix-Starts
Rubens Barrichello (323)



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insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
Freidenker10 19.03.2016
1.
Schon krass wie sich ein "Sport" selbst ruiniert. Die F1 "Weltmeisterschaft" ist genaus spannend wie die deutsche Fußball Meisterschaft... Meisterschaften leben nunmal von der Möglichkeit vieler diese zu erringen und vielleicht sogar in einem zwei,-oder Dreikampf am Ende mündet, aber so? Hamilton 1. Rosberg 2. Vettel 3. wer findet das denn noch spannend?
nachdenker101 19.03.2016
2. Die Formel 1
ist schon zu Michael Schuhmachers Zeiten zur Farce geworden. Die immer einfacheren Strecken und die vielen Maßnahmen, die direkt in den Fahrbetrieb eingegriffen haben und somit den vom Fan geliebten Kampf der Fahrer zur Nebensache machten. Der Markenwettbewerb steht im Vordergrund; und es darf auf keine Fall etwas passieren und bitte nicht so laut. Das ist nicht die Königsklasse, das ist eher was für Königinnen Millionenschwere Medienpromies bewegen die bis an die Grenze des mach- und bezahlbaren ausgefeilten Filigrane um eine sicherheitstechnisch bis ins letzte ausgefeilte Straße mit Rennstreckencharakter. Schade, aber das ist nicht mehr meine Formel 1.
sge-f 19.03.2016
3. Ich mag die Formel1
Der ideale Start zum Mittagsschlaf!
Frittenbude 19.03.2016
4. Danke
Danke für diese Informationen. Also alles beim Alten, nur noch ein bisschen schlechter und langweiliger - Da kann der Fernseher also auch diese Saison aus bleiben. Und wohl auch alle folgenden; Wenn ich lese, die Fahrer hätten ihre Autos abgestellt, um Reifen zu schonen, dann klingt das, als wäre die F1 endgültig tot.
jens20505 19.03.2016
5. Oh man,
bevor Michael Schumacher in die Szene getreten ist hab ich kein einziges F1 Rennen verpasst. Egal zu welcher Uhrzeit. Wenn ich da heute mal zufällig reinzappe, frag ich mich, ob das wirklich noch jemand interessiert. Das ist ja langweile pur geworden.
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