Formel-1-Pilot Hülkenberg "Er war phantastisch"

Unaufhaltsam fährt Sebastian Vettel seinem vierten WM-Titel entgegen. Mann des Rennens in Südkorea war aber Nico Hülkenberg. Der Deutsche vom finanziell angeschlagenen Sauber-Team zeigte sein großes Talent - und empfahl sich damit für einen neuen Vertrag.

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Aus Yeongam berichtet


Buhrufe, deutliche Kritik und Provokationen von der Konkurrenz - alles egal. Sebastian Vettel hat trotzdem den Großen Preis von Südkorea gewonnen, es war der vierte Sieg in Serie für den Deutschen. Der 26-Jährige könnte nun schon am kommenden Sonntag in Suzuka zum vierten Mal Formel-1-Weltmeister werden. 77 Punkte beträgt sein Vorsprung, 125 Zähler sind maximal zu holen. Die Titelverteidigung scheint nur noch Formsache zu sein.

Der Red-Bull-Pilot ist wieder der Mann der Saison, Nico Hülkenberg aber war als Vierter der Mann des Rennens. Rundenlang hielt der Sauber-Pilot dem Druck der drängelnden Ex-Weltmeister Lewis Hamilton (Mercedes) und Fernando Alonso (Ferrari) stand. Hülkenberg leistete sich keinen einzigen Fehler, fuhr brillant und trieb Hamilton zur Verzweiflung. Der funkte ratlos seine Box an: "Wo nimmt der Sauber diese Traktion her? Habt Ihr eine Idee, wie ich ihn überholen kann?"

Der Erfolg hatte System. Hülkenberg und sein Team stimmten das Auto so ab, dass es im ersten der drei Sektoren am schnellsten war. Dort gab es zwei lange Geraden, welche die einzigen realistischen Überholmöglichkeiten auf der Strecke waren. Hülkenbergs Sauber war schon im Training in diesem Teilabschnitt der schnellste. Mit wenig Abtrieb und dadurch höherer Endgeschwindigkeit verhinderte er, dass Hamilton und Co. auf den Geraden vorbeiziehen konnten. Allerdings durfte sich Hülkenberg beim Bremsen, Beschleunigen und in den Kurven in den anderen Segmenten nicht den kleinsten Fehler erlauben. Das gelang ihm.

Die Leistung war ein Empfehlungsschreiben für seine Zukunft. "Nico fuhr ein Superrennen", sagte Mercedes-GP-Aufsichtsratschef Niki Lauda: "Wie er diesem gewaltigen Druck standhielt, war phantastisch."

Auto ohne viel Geld stark verbessert

Genau dieser Druck war laut Ex-Formel-1-Pilot Gerhard Berger die Erfolgsformel. "Hülkenberg kann tolle Rennen fahren", so Berger, "aber ich habe das Gefühl, dass er seine volle Leistung nur abruft, wenn er unter Druck steht." Und damit waren nicht nur die drängelnden Verfolger gemeint. Hülkenberg fährt im Moment um seine Zukunft in der Formel 1. Noch hat der 26-Jährige keinen Vertrag für 2014. Bei Ferrari stand er auf der Wunschliste, bis Kimi Räikkönen plötzlich bei der Scuderia unterschrieb.

Nun gibt es Spekulationen um einen Wechsel Hülkenbergs zu Lotus, aber keinen Vertrag. Auch bei Sauber steht die Tür für ihn noch offen. "Wir hätten ihn nicht verpflichtet, wenn wir seine Fähigkeiten nicht kennen würden", sagt Teamchefin Monisha Kaltenborn: "Schauen wir mal, was die Zukunft bringt." Zwei Cockpits hat Sauber für 2014 zu vergeben - besetzt ist noch keins.

Es spricht für Hülkenberg und sein Team, dass sie unter Druck eher stärker werden. Der Schweizer Rennstall, der sich in den vergangenen Wochen immer wieder mit Gerüchten um seine Zahlungsfähigkeit auseinandersetzen musste, hat das Auto ohne großes Budget extrem verbessert. In den vergangenen drei Rennen holten Hülkenberg und Sauber mehr Punkte (24 Zähler) als Lewis Hamilton mit Mercedes (22). Das spricht für das Potential von Saubers Technikabteilung. Selbst Hülkenbergs unerfahrenem Teamkollegen Esteban Gutiérrez aus Mexiko gelang es in den vergangenen beiden Qualifyings zweimal, unter die Top Ten zu fahren. Das mache laut Berger deutlich, "wie viel besser das Auto geworden ist".

Teamchefin Kaltenborn macht dabei auch auf den Faktor Zeit aufmerksam. "Nico hat sich besser eingelebt. Bei uns sind die Abläufe etwas anders als in einem britischen Team." Deshalb brauche es seine Zeit, bis man sich aneinander gewöhnt und entsprechende einstellt habe. "Das war ein Faktor", stimmt Hülkenberg zu. "Es dauert, bis man wirklich eine tiefgründige Beziehung aufgebaut hat und manchmal Blicke ausreichen. Es läuft alles besser ab."

insgesamt 12 Beiträge
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immernachdenklicher 06.10.2013
1. Glückwunsch
Zum Fahrer des Rennens. Ich hab die Runden genossen ;-) Wieviele Weltmeister hat er im Griff gehabt 2 oder3? Auf jeden Fall Klasse ;-))
eisenkaiser 06.10.2013
2. Super Leistung!
Sign him! He's bärenstark ;)
a.b. surd 06.10.2013
3. Glückwunsch !!!
Klasse Leistung!
chrisnie 06.10.2013
4.
Hülkenberg ist nach Vettel der talentierteste deutsche Fahrer im Feld. Schade, dass durch Rosberg ein Top-Cockpit blockiert wird. Denn in so eins gehört er!
kap-text 06.10.2013
5. Wer Hülkenbergs Karriere verfolgt hat, ...
... weiß: Immer, wenn er in eine neue Serie aufgestiegen oder zu einem neuen Team gewechselt ist, brauchte er die erste Saisonhälfte zum Anlaufnehmen. Danach war er immer bärenstark und überraschend. Stelle man sich einmal vor, dass er eine Formel 1-Saison im gleichen Team fährt wie im Vorjahr ...
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