Formel-1-Saisonfinale mit Crash und Abschieden "Ich hänge hier wie eine Kuh"

Ein spektakulärer Unfall beim Großen Preis von Abu Dhabi blieb glücklicherweise ohne Folgen. So konnte Lewis Hamilton seinen nächsten Sieg und Fernando Alonso seinen Abschied feiern.

imago/ Motorsport Images

Der Abflug des Rennens: Es war eine Szene, die im ersten Moment alle Zuschauer an der Strecke und vorm Fernseher in Schockstarre versetzte. In der ersten Runde touchierte Nico Hülkenberg im Renault den Haas von Romain Grosjean. Eine ganz normale Rennszene, die aber alles andere als normal endete: Hülkenbergs Renault hob ab, überschlug sich mehrfach und rutschte auf dem Kopf liegend in die Schutzmauer. Für einen Moment musste man ernsthaft Angst um den Deutschen haben.

Berühmte erste Worte: Glücklicherweise blieb Hülkenberg nicht nur unverletzt, sondern bewahrte sich auch seinen Sinn für Humor. Als der Renault auf dem Dach lag, fragte sein Team über Boxenfunk, ob er in Ordnung sei. Hülkenbergs Antwort: "Ich hänge hier wie eine Kuh, und mein Auto brennt." Weil das Feuer schnell gelöscht war, sorgte die besondere Entwarnung für allgemeine Erheiterung. Der Wagen konnte schnell wieder auf die Räder gedreht und Hülkenberg aus seiner misslichen Lage befreit werden. Den Rest des Rennens schaute er sich vom Renault-Kommandostand aus an.

Das Ergebnis: Weltmeister Lewis Hamilton feierte seinen elften Saisonsieg - und den sechsten in den vergangenen acht Rennen. Durch die überragende zweite Saisonhälfte hat sich der Mercedes-Pilot seinen fünften WM-Titel verdient. Zweiter wurde Sebastian Vettel - im Rennen wie in der Fahrerwertung. Auf den Plätzen folgten die Red Bulls von Max Verstappen und Daniel Ricciardo. Hier geht es zur Meldung.

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Formel 1: Promis und Donuts zum Abschied

Die Startaufstellung: Hamilton - Bottas - Vettel - Räikkönen - Ricciardo - Verstappen - Grosjean - Leclerc - Ocon - Hülkenberg

Stars am Start: Sportlich war der Große Preis von Abu Dhabi irrelevant, nachdem die Entscheidungen in Fahrer- und Konstrukteurs-WM bereits gefallen waren. Trotzdem tummelten sich etliche VIPs an der Strecke. Wenn die Scheichs rufen (und vermutlich hohe Gagen zahlen), schwenkt Superstar Will Smith auch mal gerne die Flagge der Vereinigten Arabischen Emirate und gibt sich für Späßchen mit Weltmeister Hamilton her.

TV-Zoff: Jean Todt, zu Michael Schumachers Zeiten Teamchef bei Ferrari und inzwischen Präsident des Motorsport-Weltverbands Fia, hat in der "Welt am Sonntag" deutliche Kritik an den TV-Übertragungen in Deutschland geübt. "Wenn ich ein deutscher Formel-1-Fan wäre und RTL sehen würde, sorry, dann wäre ich über die Formel 1 frustriert", sagte Todt in einem Interview und sprach damit vielen Zuschauern aus der Seele. Oft verpasst man wegen der obligatorischen Werbeunterbrechungen entscheidende Rennszenen wie Überholmanöver und Boxenstopps.

RTL-Sportchef Manfred Loppe reagierte prompt und erklärte, dass sein Sender nun mal nicht beitragsfinanziert und auf Werbung angewiesen sei. Die gute Nachricht aus Abu Dhabi: Den Hülkenberg-Abflug und seine anschließende Bergung gab es ebenso live zu sehen wie die wichtigen Reifenwechsel - und selbst in der Werbepausen zeigte RTL Formel-1-Szenen. Die Veranstalter in Abu Dhabi hatten Spots gebucht, um während der Übertragung auf das laufende Rennen hinzuweisen. Scheich müsste man sein.

Kimi im Pech: Seinen Abschied von Ferrari hatte sich Kimi Räikkönen mit Sicherheit anders vorgestellt. Zur neuen Saison wechselt der Finne zurück zu Sauber, also dem Team, bei dem er 2001 sein Formel-1-Debüt gefeiert hatte. Eine Top-Platzierung - vielleicht sogar auf dem Podium - blieb dem "Iceman" zum Ausstand verwehrt. Stattdessen blieb sein Auto Ende der siebten Runde auf der Start-Ziel-Geraden stehen. Und Räikkönen stieg während des Rennens zum letzten Mal aus dem Ferrari. Kleines Trostpflaster: Trotz des Ausfalls reichte es für den Finnen zu Platz drei in der Fahrer-WM hinter Hamilton und Vettel.

Kimi Raikkönen verlässt Ferrari
REUTERS

Kimi Raikkönen verlässt Ferrari

Rivalen der Rennbahn: Beim Großen Preis von Brasilien war es zunächst auf der Strecke und später im Fahrerlager zu Rangeleien gekommen, weil der bereits überrundete Ocon dem Führenden Verstappen durch eine vermeidbare Kollision um den möglichen Sieg gebracht hatte. In Abu Dhabi begegneten sich die beiden auf der Strecke wieder. Erneut kam es zu einem kleinen Kontakt - diesmal aber im fairen Kampf um die Plätze und ohne schlimmere Folgen.

Gracias, adiós: Für etliche Fahrer war es das (vorerst) letzte Formel-1-Rennen. Unter anderem werden Marcus Ericsson und Ocon in der kommenden Saison kein Cockpit haben, sondern ins zweite Glied zurückrücken und als Testfahrer arbeiten - beide schieden in Abu Dhabi aus. Doppelweltmeister Fernando Alonso verabschiedete sich mit einem elften Platz. 2019 will er die Indy 500 gewinnen und damit die "Triple Crown" aus dem Großen Preis von Monaco, den 24 Stunden von Le Mans und den 500 Meilen von Indianapolis komplettieren. Schöne Geste: Nach dem Rennen drehten Hamilton und Vettel gemeinsam mit Alonso ein paar "Donut"-Ehrenrunden - zudem wurde der Spanier zum "Fahrer des Rennens" gewählt.

Fazit: Das war sie dann also, die Formel-1-Saion 2018. Im März geht es in Australien wieder los. Bis dahin werden Ferrari und Red Bull tüfteln und überlegen, wie sie die Mercedes- und Hamilton-Dominanz brechen können.

insgesamt 13 Beiträge
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Augustusrex 25.11.2018
1. Vielleicht
sollte man Hamilton entführen und ihm beide Arme amputieren und verkehrt wieder annähen. Vielleicht hätte Vettel ja dann eine Chance zu gewinnen. Ehe es einer für bare Münze nimmt: Das ist ironisch gemeint
bhang 25.11.2018
2. Besteht die Ironie darin, dass Vettel trotz beeinträchtigtem Hamilton
immer noch nicht gewinnen würde oder dass Vettel mit einem nicht beeinträchtigen Hamilton dennoch gegen ihn gewinnen würde... Vettel kann ohne eindeutig besseres Auto nicht den Titel holen (nach 2009 schon wieder in 2018... in 2010 sowie in 2012 hatte er ein viel besseres Auto als Alonso), wohingegen Hamilton nicht das eindeutig sehr viel bessere Auto benötigt, um die WM klar zu machen (nach 2008 schon wieder in 2018).
uzsjgb 25.11.2018
3.
Zitat von bhangimmer noch nicht gewinnen würde oder dass Vettel mit einem nicht beeinträchtigen Hamilton dennoch gegen ihn gewinnen würde... Vettel kann ohne eindeutig besseres Auto nicht den Titel holen (nach 2009 schon wieder in 2018... in 2010 sowie in 2012 hatte er ein viel besseres Auto als Alonso), wohingegen Hamilton nicht das eindeutig sehr viel bessere Auto benötigt, um die WM klar zu machen (nach 2008 schon wieder in 2018).
Wichtig bei dieser Argumentationskette ist es die schlechten Jahre von Hamilton auszublenden.
Alias iacta sunt 25.11.2018
4. Stänker bhang gleich wieder ganz vorne dabei
Zitat von bhangimmer noch nicht gewinnen würde oder dass Vettel mit einem nicht beeinträchtigen Hamilton dennoch gegen ihn gewinnen würde... Vettel kann ohne eindeutig besseres Auto nicht den Titel holen (nach 2009 schon wieder in 2018... in 2010 sowie in 2012 hatte er ein viel besseres Auto als Alonso), wohingegen Hamilton nicht das eindeutig sehr viel bessere Auto benötigt, um die WM klar zu machen (nach 2008 schon wieder in 2018).
Er hat die Ironie natürlich gleich nicht verstanden. Es ist natürlich so, dass Du von ganz vorne starten musst und keinen installierten Wingman dazwischen haben darfst, wenn Du gegen einen LH gewinnen willst.
echoanswer 25.11.2018
5. Selten war
die F1 so öde.
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