Drei Thesen zur Formel 1 Wie Hamilton noch über Rosberg triumphieren kann

Lewis Hamilton startet in Shanghai fünf Plätze weiter hinten - eine Strafe für einen unerlaubten Getriebewechsel. Das macht Nico Rosberg zum Favoriten. Eine Vorentscheidung in der Formel-1-WM?

Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton
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Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton

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Zum 14. Mal gastiert die Formel 1 in Shanghai. Der Große Preis von China gehört zu den Lieblingsrennen von Lewis Hamilton, hier siegte der dreifache Weltmeister bereits viermal. Das wird in diesem Jahr nach seiner Strafversetzung aber schwierig. Drei Thesen vor dem dritten Saisonrennen der Formel 1:

1. Die Aufholjagd von Lewis Hamilton ist nur verschoben

Besser hätte der Saisonstart für Nico Rosberg nicht laufen können. Nach drei Siegen zum Ende der vergangenen Saison nahm er den Vorteil mit ins neue Jahr, feierte zwei weitere Erfolge und ist ernsthafter Titelkandidat. Wurde ihm früher häufig ein zu weicher und nachgiebiger Fahrstil vorgeworfen, nutzte Rosberg sowohl in Australien als auch in Bahrain die Fehler seines Teamkollegen Hamilton mit der nötigen Rennhärte aus.

Ein Blick in die Historie der Formel 1 macht das kommende Rennen umso wichtiger. Gewann ein Fahrer die ersten drei Saisonrennen, wurde er später immer Weltmeister. Für Rosberg könnte es ein Meilenstein werden, Hamilton wird dieses Szenario verhindern wollen.

Der Brite gibt sich nach den Plätzen zwei und drei in den ersten beiden Grand Prix betont locker und unbeeindruckt. Hamilton präsentiert sich als moderner Star, der in sozialen Netzwerken sehr aktiv ist und dabei manchmal den Eindruck erweckt, nicht mit der Rosbergschen Ernsthaftigkeit an ein Rennwochenende heranzugehen. Ein Trip nach New York, der Snapchat-Streit mit Bernie Ecclestone oder Partybilder machen aus Hamilton jedoch keinen langsameren Fahrer.

Allerdings wird der Weltmeister nach einem Getriebewechsel um fünf Startplätze nach hinten versetzt - deshalb wird Hamilton auf einer seiner Lieblingsstrecken mit den gleichen Problemen wie nach seinen verpatzten Starts in Australien und Bahrain kämpfen. Die Mercedes-Boliden tun sich schwer, an langsameren Autos vorbeizuziehen. Das liegt am aerodynamischen Setup der Silberpfeile, das darauf ausgelegt ist, Rennen von der Spitze zu bestimmen.

In dieser Disziplin ist Hamilton aber weiterhin stärker als Rosberg einzuschätzen. Gelingt dem Titelverteidiger, womöglich schon beim Rennen in Russland am 1. Mai, nach einer Pole-Position mal wieder ein fehlerloser Start, dürfte er wieder dominieren und gewinnen. Und der silberne WM-Kampf wäre, bei noch 18 verbleibenden Rennen, völlig offen.

2. Red Bull zieht an Ferrari vorbei

Ferrari hatte vor der Saison große Ziele: den Rückstand auf Mercedes zu verkleinern oder gar zu eliminieren, siegfähig zu werden und um die WM-Krone zu fahren. Dafür ging die Scuderia in Sachen Motor hohes Risiko. Die Realität ist ernüchternd. In der Qualifikation betrug der Rückstand bisher mindestens eine halbe Sekunde. In den Rennen wähnten sich Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen teilweise in Schlagdistanz, was aber eher am gedrosselten Tempo der Silberpfeile lag. Und Ferrari handelte sich zwei technische Defekte ein - der Rückstand in der Konstrukteurswertung beträgt bereits 50 Punkte.

Anders Red Bull: Das ehemalige Team von Vettel drohte im Mittelmaß zu versinken - und steht nach zwei vierten Plätzen von Daniel Ricciardo plötzlich glänzend da. Der im Vorjahr noch so heftig kritisierte Renault-Motor wird bei Red Bull auffallend gelobt. Er hat immer noch Defizite in der Endgeschwindigkeit, besticht aber durch Zuverlässigkeit und hat vor allem noch Entwicklungspotenzial.

Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo
AP

Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo

Nun also Shanghai, wo Red Bull mit dem gelungenen Chassis in den vielen schnellen Kurven des von Hermann Tilke gebauten Kurses noch besser zurecht kommen wird. Besser als Vettels Team allemal. Sollten erneut nicht beide Ferrari ins Ziel kommen, wird Red Bull neuer "best-of-the-rest".

3. Die Krise ist noch lange nicht ausgestanden

Qualifying-Tauziehen, Schuldzuweisungen, öffentliche Briefe, Blockadepolitik, Machtspiele - die Formel 1 produzierte zu Saisonbeginn fast mehr politische denn sportliche Schlagzeilen. Nun wird in Shanghai wieder im alten Qualifikationsmodus gefahren und der Motorsport soll wieder im Vordergrund stehen.

Immerhin kämpft die Formel 1 mit Zuschauerschwund in den klassischen Formel-1-Nationen wie Deutschland, England oder Italien und steckt aufgrund der einseitigen Rennen und der komplizierten Technik in ihrer womöglich größten Krise. Doch es droht bereits der nächste Streitfall:

Die Regeln für die Saison 2017 müssen bis zum 30. April verabschiedet werden. Eigentlich herrschte Einigkeit: aggressiveres Design, verbesserter Abtrieb, dadurch um fünf Sekunden schnellere Autos - so lauteten die Grundideen. Nun haben viele Teams Bedenken geäußert, da die Überholmöglichkeiten mit noch mehr Abtrieb nahezu unmöglich werden. Es droht der nächste öffentliche Offenbarungseid.

Formel-1-Saison 2016
Die Teams und Fahrer
Mercedes
Lewis Hamilton und Nico Rosberg
Ferrari
Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen
Williams
Felipe Massa und Valtteri Bottas
Red Bull
Daniel Ricciardo und Max Verstappen
Force India
Nico Hülkenberg und Sergio Pérez
Renault
Kevin Magnussen und Jolyon Palmer
Toro Rosso
Daniil Kwjat und Carlos Sainz jr.
Sauber
Marcus Ericsson und Felipe Nasr
McLaren Honda
Fernando Alonso und Jenson Button
Manor
Rio Haryanto und Pascal Wehrlein
Haas
Romain Grosjean und Esteban Gutierrez
Der Rennkalender
20. März: Australien (Melbourne)
3. April: Bahrain (as-Sachir)
17. April: China (Shanghai)
1. Mai: Russland (Sotschi)
15. Mai: Spanien (Barcelona)
29. Mai: Monaco (Monte Carlo)
12. Juni: Kanada (Montréal)
19. Juni: Europa (Baku)
3. Juli: Österreich (Spielberg)
10. Juli: Großbritannien (Silverstone)
24. Juli: Ungarn (Mogyoród)
31. Juli: Deutschland (Hockenheim)
28. August: Belgien (Spa-Francorchamps)
4. September: Italien (Monza)
18. September: Singapur (Singapur)
2. Oktober: Malaysia (Sepang)
9. Oktober: Japan (Suzuka)
23. Oktober: USA (Austin)
30. Oktober: Mexiko (Mexiko-Stadt)
13. November: Brasilien (Interlagos)
27. November: Abu Dhabi (Yas-Insel)
Die Rekorde
Die meisten WM-Titel
Michael Schumacher (7)
Die meisten Grand-Prix-Siege
Michael Schumacher (91)
Die meisten Siege in einer Saison
Michael Schumacher und Sebastian Vettel (je 13)
Die meisten Start-Ziel-Siege
Ayrton Senna (19)
Die meisten Podestplätze
Michael Schumacher (155)
Die meisten Podestplätze in einer Saison
Michael Schumacher und Sebastian Vettel (je 17)
Die meisten Polepositions
Michael Schumacher (68)
Die meisten Polepositions in einer Saison
Sebastian Vettel (15)
Die schnellsten Rennrunden
Michael Schumacher (77)
Die meisten Grand-Prix-Starts
Rubens Barrichello (323)
insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
MatthiasPetersbach 15.04.2016
1.
MEHR Abtrieb? Dann kann man ja garnicht mehr überholen.
colinchapman 15.04.2016
2. das einzige Problem
das Rosberg jetzt noch hat, ist, nicht den Kopf zu verlieren. Rosberg muss sich nun wach rufen, dass sein Gegner in der WM nicht Vettel oder Raikkönen, sondern ausschließlich Hamilton heißt. sprich: als erstes darf Rosberg nicht der Eitelkeit unterliegen, im Qualifyng allen eine halbe Sekunde abluchsen zu wollen. Die Ferrari sind im Qualifying über eine halbe Sekunde langsamer, schneller als die Ferrari zu sein reicht. Und sollte er wider Erwarten im Sandwich der Ferrari enden, auch nicht schlimm. zweitens: sollte er nach dem Start hinter einen oder beiden der Ferraris liegen, sollte er nicht überhastet versuchen, das zu korrigieren. Bei Zweikämpfen muss er mit Samthandschuhen zu Werke gehen, außer, Hamilton kommt an ihn heran - dann müßte Rosberg gnadenlos reinhalten. Dann ist schlimmstenfalls er zwar auch draußen, aber Hamilton auch - und es ist Hamilton, der vor Rosberg im Ziel sein muss, um den Rückstand zu verkürzen.
-seltsam- 15.04.2016
3. 21 Rennen ...
... sind es dieses Jahr. Es ist bei dieser inflatinären Anzahl sinnlos, auf die Historie zu verweisen, dass Weltmeister wurde, wer die ersten drei Rennen gewann. Ein Vegleich ist sinnlos, da weniger Rennen und andere Punktevergabe. Selbst wenn Rosberg beide folgenden Rennen gewinnt, ist noch gar nichts entscheiden und auch eine Tendenz ergibt sich nicht, solange Hamilton nicht sichtbar Leistungsschwund zeigt, oder Rosberg deutliche Leistungssteigerung attestiert werden kann. Denn ein anderer Hinweis aus der Statistik ist vielleicht interessanter: Seit beide im gleichen Team sind hat Hamilton 22 Rennen gewonnen, Rosberg nur 12. Lange war Hamilton der abgebrühtere Fahrer von beiden. Passieren keine schlimmen Unfälle, oder gravierende technische Ausfälle für einen von beiden, kommt es allein darauf an, ob Rosberg endlich auch abgebrüht geng ist, um Hamilton in Serie zu besiegen und den Vorsprung zu halten, wie es Hamilton 2014 und 15 vorgemacht hat.
Emil Peisker 15.04.2016
4. Marcus Krämers Nachtgeschichten...:-)
Zitat von MatthiasPetersbachMEHR Abtrieb? Dann kann man ja garnicht mehr überholen.
Werter Autor Freies Trainig heute, Raikkönen 0,11 Sekunden vor Vettel, aber 1,3 Sekunden vor Ricciardo und 2,3 Sekunden vor Kvyat. Soviel zu Red Bull überholt Ferrari.
connaisseur 15.04.2016
5. möge der bessere gewinnen
dass das in den letzten beiden jahren nicht der fall war, ist einzig in rosbergs blauäugigkeit und pech i. v. m. hamiltons glück und abgebrühtheit begründet.wenn man mal di eletzten rennen der saison 2015 mitbetrachtet, hast "loser" rosberg nun 6 rennen hintereinander gewonnen. wenn ich in hamiltons schuhen steckte, wäre ich langsam weniger überheblich und stattdessen begründet nervös. aber mal abwarten, was die konkurrenz noch aus dem hut zaubert... ;)
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