F1-Pilot Nico Rosberg: Zu sehr Gentleman, zu wenig Schwein

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Deutscher Formel-1-Pilot: Rosbergs Karriere in Bildern Fotos
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Er gilt als einer der besten Piloten der Formel 1, dennoch steht Nico Rosberg seit Jahren im Schatten anderer. Der 27-Jährige fährt konstant gut, fast fehlerfrei, aber kaum um Siege mit. Weil er noch in keinem Top-Auto saß - und weil er zu nett ist.

Forsch, motiviert, frech, so klang das damals, aber dieser Satz klebt jetzt schon sieben Jahre an Nico Rosberg. "Ich will Formel-1-Weltmeister werden." Mit dieser Ankündigung stieg der damals 20-Jährige 2006 in die Königsklasse des Motorsports ein. Seitdem gab es fünf verschiedene Champions, der Name Rosberg war nicht dabei. Warum eigentlich?

Der frühere Formel-1-Pilot Gerhard Berger antwortet darauf ausweichend: "Nico Rosberg gehört zu den besten Fahrern in der Formel 1. Ob er auch der Beste sein kann, durfte er noch nicht beweisen, weil ihm dazu bislang das nötige Auto fehlte", sagt der Österreicher. Und dann stellt er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE eine interessante These auf: "Würde Rosberg ein Auto wie den Red Bull fahren, hätte er schon jede Menge Siege."

Rosberg fährt aber nicht für Red Bull. Er fährt seit 2010 für Mercedes, davor stand er vier Jahre bei Williams unter Vertrag. Berger sagt, Rosberg sei "sehr intelligent, macht wenig Fehler und ist in seinen Leistungen sehr konstant". Ständig wird der 27-Jährige in solchen Tönen gelobt, sein Talent und Können werden betont. Und dennoch: Bei bislang 130 Grand-Prix-Starts holte Rosberg erst einen Sieg, vergangenes Jahr in China war das. Nun steht am Sonntag (9 Uhr, RTL und Liveticker SPIEGEL ONLINE) wieder das Rennen in Shanghai an, und Rosberg gibt sich zuversichtlich: "Wir haben aufgeholt zu den Schnellsten. Auf Red Bull hat in Malaysia nicht mehr viel gefehlt."

Rosberg hielt sich im Gegensatz zu Vettel an die Teamorder

Ach ja, Malaysia: Knapp 13 Sekunden Rückstand hatte Rosberg auf Vettel, als er dort die Ziellinie überquerte. Der wahre Unterschied zwischen dem Vierten und dem Sieger war allerdings nicht messbar, und dennoch war er deutlich sichtbar. Vettel und Rosberg hatten beide jeweils die Order, den vor ihnen fahrenden Teamkollegen nicht zu überholen. Während Rosberg sich brav an die Vorgabe hielt und hinter dem langsameren Lewis Hamilton blieb, pfiff Vettel auf die Ansage, kassierte Mark Webber und gewann.

"Ich würde mir wünschen, Nico hätte noch mehr Killerinstinkt", sagt denn auch Berger. Es liegt eben doch nicht nur am Auto, ob man gewinnt oder nicht. Wer Weltmeister werden will, muss Schwein sein. Eine Regel, die so alt ist wie die Formel 1 selbst. Nur der Egoist, der vor allem den eigenen Vorteil im Blick hat, setzt sich über eine gesamte Saison gesehen durch. Ayrton Senna war so einer, Michael Schumacher der Prototyp dieser Spezies, Sebastian Vettel gehört auch in diese Reihe, wie er in Malaysia wieder bewiesen hat. Rosberg hingegen gilt als nett. Aber "nette Fahrer werden nicht Weltmeister. Die verfolgen ihre Ziele ohne Rücksicht auf andere", sagt Ex-Formel-1-Pilot Marc Surer.

Rosberg verkörpert den Typ perfekter Schwiegersohn

Senna, Schumacher und Vettel wurden und werden von manchen Kollegen gehasst. Dagegen gibt es in der Formel-1-Szene niemanden, der sich öffentlich negativ über Rosberg äußert. Er ist der Typ "perfekter Schwiegersohn", spricht Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch fließend. Rosberg ist immer gut gekleidet, kann sich sehr gut ausdrücken, er ist so etwas wie der Gentleman unter den Formel-1-Fahrern. Einer, der viel Talent hat, und der seit seinem ersten Rennen gegen große Schatten ankämpfen muss.

Rosberg, der Name verpflichtet. 1982 wurde Nicos Vater Keke, ein Finne, Formel-1-Weltmeister in einem Williams. Jener Rennstall, bei dem Nico seine Karriere in der Königsklasse des Motorsports begann. Als er bei seinem ersten Grand Prix am 12. März 2006 in Bahrain als Siebter in die Punkteränge fuhr und auch noch die schnellste Runde des Rennens absolvierte, waren sich nahezu alle Experten einig, einen künftigen Weltmeister gesehen zu haben.

Vier Jahre versuchte Rosberg, diesem Anspruch gerecht zu werden. Dann sah er ein, dass mit Williams nichts zu gewinnen ist. Er ging zu Mercedes, wähnte sich als Nummer-eins-Fahrer, dann setzte ihm das Team Michael Schumacher vor die Nase. Fortan drehte sich alles nur noch um den Rekordweltmeister und am Ende eines jeden Rennens lautete die Frage: Wie hat eigentlich Schumi abgeschnitten?

Was in der öffentlichen Wahrnehmung fast unterging: In allen drei Saisons, die sie zusammen für das meist unterlegene Mercedes-Team fuhren, lag Rosberg im WM-Klassement am Ende immer vor Schumacher. Als sich im Spätsommer 2012 dessen zweites Karriereende abzeichnete, hoffte Rosberg wieder auf den Status als Nummer eins - dann verpflichtete der Rennstall Hamilton, der Brite kam von McLaren. Auch wenn Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff sagt: "Bei uns gibt es keine Nummer eins oder Nummer zwei. Unsere Fahrer sind gleichberechtigt." Allerdings: Top-Star Hamilton gleich im zweiten Rennen zu brüskieren, indem der Brite Rosberg vorbeiziehen lassen muss, das trauten sie sich bei Mercedes dann doch nicht.

"Malaysia war ernüchternd für mich in jeder Hinsicht", sagt Rosberg. "Nico ist ein sehr guter Teamplayer", sagt Berger.

Ein Teamplayer wird in der Formel 1 aber kein Weltmeister.

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insgesamt 24 Beiträge
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1. naja, sagen
sitiwati 12.04.2013
wir so, Nico hat sein Hobby zum Beruf gemacht, verfind gut Geld, wohnt in Monaco, was will er mehr, mir wärs wurscht- Hauptsache die Kohle stimmt, sagt mein Chen, da würd ich auch Mist fahren, aber so schlimm ist es bei Nico nicht, also weiterso ! und es ist doch schön stressfrei zu fahren, ohne immer die Zähne seines Partner vor Augn zu haben!
2. Meine private Meinung dazu:
detlef1958 12.04.2013
Zitat von sysopDPAEr gilt als einer der besten Piloten der Formel 1, dennoch steht Nico Rosberg seit Jahren im Schatten anderer. Der 27-Jährige fährt konstant gut, fast fehlerfrei, aber kaum um Siege mit. Weil er noch in keinem Top-Auto saß - und weil er zu nett ist. http://www.spiegel.de/sport/formel1/formel-1-nico-rosberg-ist-ein-teamplayer-ohne-killerinstinkt-a-893586.html
Charaktäre wie Nico Rosberg benötigt die Formel 1 und auch anderswo sind sie Mangelware.... "Die zitierten Schweine" in unserer Gesellschaft finden wir dagegen allerorten....die jüngste Vergangenheit zeigt dies anschaulich. Ich bin mir bewußt, dass ich eine Minderheitenmeinung vertrete, bewundert werden die schweine, macht aber nichts. Ich bleib ich.
3.
Jakob der 1. 12.04.2013
Liebes SPON-Team, Im Text steht, dass Nico Rosberg Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch spricht. Beim drittem Bild in der Galerie steht jedoch Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch... Was stimmt jetzt?
4. Die Kasse stimmt
Veterano48 12.04.2013
Die Kommentare 1 und 2 sind zutreffend. Er spielt seine Rolle perfekt, ist aber auch in seinem Job einer der Besten. Das reicht doch. Dieser " sympatische Lümmel" ist zu beneiden. Zu "Jakob der 1." : zählen Sie lieber Erbsen ode Linsen?
5. Ich bin mal gespannt
panzerknacker51 12.04.2013
Zitat von sysopDPAEr gilt als einer der besten Piloten der Formel 1, dennoch steht Nico Rosberg seit Jahren im Schatten anderer. Der 27-Jährige fährt konstant gut, fast fehlerfrei, aber kaum um Siege mit. Weil er noch in keinem Top-Auto saß - und weil er zu nett ist. http://www.spiegel.de/sport/formel1/formel-1-nico-rosberg-ist-ein-teamplayer-ohne-killerinstinkt-a-893586.html
..., wie lange es dauert, bis der erste Forist die Frage stellt, ob ein "Steuerflüchtling" denn nun als zu nett bezeichnet werden darf ...
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2 24.03. Malaysia (Sepang)
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