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Neuer Formel-1-Pilot Wehrlein: Auf Mauritius schon ein Star

Ein Interview von Karin Sturm

Pascal Wehrlein Zur Großansicht
AP/dpa

Pascal Wehrlein

Pascal Wehrlein war Tourenwagen-Champion. In der Formel 1 fährt er nun für ein Team, das bislang chancenlos war. Trotzdem fiebert der 21-Jährige den Duellen mit Nico Rosberg und Sebastian Vettel entgegen.

Er ist der jüngste Gewinner der Deutschen Tourenwagen-Masters: Mit 21 Jahren gewann Pascal Wehrlein im vergangenen Jahr die Rennserie.

Jetzt hat er dank Mercedes den Sprung in die Formel 1 geschafft. In der kommenden Saison fährt Wehrlein für das Manor-Team. Das war im vergangenen Jahr chancenlos und wurde Letzter. 2016 dürfte das Team aber auch durch den neuen Mercedes-Motor einen deutlichen Schritt nach vorn machen.

In Deutschland steht Wehrlein noch im Schatten von Sebastian Vettel und Nico Rosberg. Doch auf Mauritius, der Heimat seiner Mutter, ist der 21-Jährige schon ein Star.

SPIEGEL ONLINE: Herr Wehrlein, gibt es auf Mauritius eigentlich Formel-1-Übertragungen im Fernsehen?

Pascal Wehrlein: Ob die Rennen live übertragen werden, weiß ich nicht. Aber die Leute verfolgen das sehr genau im Internet, genauso wie in der vergangenen Saison bei der DTM. Meine Familie auf Mauritius, also meine Oma, Onkel, Tanten und Cousinen, haben meine Karriere bislang immer verfolgen können. Und in den TV-Nachrichten sind die Rennen auch immer wieder Thema.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben also für einen Motorsport-Boom auf Mauritius gesorgt?

Wehrlein: Auf jeden Fall. Schon im Januar 2015, als ich zuletzt dort war, gab es eine Menge Anfragen. Dann natürlich, als ich DTM-Champion wurde, und jetzt noch einmal, als klar war, dass ich wirklich in die Formel 1 komme. Das war richtig verrückt.

SPIEGEL ONLINE: Könnte es dann in diesem Jahr erstmals Journalisten aus Mauritius bei einem Formel-1-Rennen geben?

Wehrlein: Ich hoffe es, das wäre richtig cool. Vielleicht in Australien oder bei einem anderen Rennen, das nicht so weit weg ist von Mauritius. Es gibt einen Journalisten auf Mauritius, mit dem ich häufig telefoniere. Er hat mir erzählt, dass immer mehr Menschen über mich reden. In Deutschland bin ich auch schon ziemlich bekannt - vor allem bei Leuten, die sich für Motorsport interessieren. Aber auf Mauritius ist ein Formel-1-Fahrer eben etwas Besonderes.

SPIEGEL ONLINE: Hatten Sie als Kind oder als Jugendlicher mal Probleme wegen der Herkunft ihrer Mutter?

Wehrlein: Gar nicht. Ich habe mich eigentlich immer als Deutscher gefühlt. Mein Vater ist Deutscher, wir sind Schwaben, ich bin dort aufgewachsen und zur Schule gegangen. Und ich wohne immer noch im Schwabenland, in der Nähe meiner Eltern. Meine Mutter kommt aus Mauritius, wir haben eine richtig große Verwandtschaft dort. Irgendwann habe ich realisiert, dass auch diese Kultur zu mir gehört. Aber das gibt es ja heutzutage in Deutschland sehr oft und ist doch eigentlich etwas ganz Normales.

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SPIEGEL ONLINE: Die Formel 1 kennen Sie ja durch Ihre Rolle als Testfahrer bei Mercedes und bei Force India schon ganz gut. Ist es trotzdem ein anderes Gefühl, jetzt als Stammfahrer dabei zu sein?

Wehrlein: Auf jeden Fall. Bei meinem ersten Test war es schon ganz anders, auf einmal an die Stecke zu fahren und zu wissen: Dieses Auto werde ich in zwei Wochen in Melbourne fahren. Im vergangenen Jahr war mir immer klar: Du musst wieder aussteigen und zuschauen, wenn die anderen fahren.

SPIEGEL ONLINE: Es gab im Herbst mal eine Phase, in der es so aussah, als würde es doch nichts mit der Formel 1. Wie sind Sie damit umgegangen?

Wehrlein: Es gab Momente, die nicht einfach waren. Ich habe mir eigentlich jeden Tag Gedanken gemacht, wie es weitergehen könnte. Im Prinzip seit dem letzten DTM-Rennen im Oktober. Aber ich habe mir überlegt: Wenn ich nicht in die Formel 1 komme, dann fahre ich eben noch ein Jahr DTM - und das hätte mir auch viel Spaß gemacht. Aber klar: Ich habe jeden Tag gewartet und gehofft, dass es klappt.

SPIEGEL ONLINE: Ab wann waren Sie sich dann sicher?

Wehrlein: Eigentlich erst im Februar, wenige Tage vor der offiziellen Bekanntgabe. Davor sah es schon eine Zeit lang sehr gut aus, aber ich bin jemand, der erst daran glaubt, wenn der Vertrag wirklich unterschrieben ist.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie trotzdem Ihre ganze Vorbereitung auf die Formel 1 ausgerichtet, die ja noch etwas höhere Anforderungen stellt als die DTM, zum Beispiel wegen der Fliehkräfte, mit denen man fertig werden muss?

Wehrlein: Ja, ich habe im Winter sehr hart trainiert. Und auch jetzt vor und zwischen den Tests war ich noch mal in den Pyrenäen, um ein spezielles Training zu machen.

SPIEGEL ONLINE: Wie liefen die beiden Testwochen für Sie?

Wehrlein: Wir hatten relativ wenige Probleme, auch wenn ich nicht ganz so viel fahren konnte, wie ich es mir gewünscht hätte. Aber das ist normal, das geht fast allen so, wenn man ein komplett neues Auto mit einem neuen Motor hat. Da ist es logisch, dass das alles erst einmal anrollen muss.

SPIEGEL ONLINE: Sie kennen als Mercedes-Testfahrer aus dem vergangenen Jahr den absoluten Top-Rennwagen und wissen, wie gut ein Formel-1-Auto sein kann. Wie fühlt sich dazu im Vergleich der Manor an, der ja noch mit Abstand das Schlusslicht des Feldes bildete?

Wehrlein: Es ist logisch, dass unsere Autos noch nicht so schnell sind wie die Mercedes. Unser Ziel muss es sein, die Lücke zu den anderen Teams zu schließen. Im vergangenen Jahr bestand da ja schon zum vorletzten Team eine Lücke von zwei bis drei Sekunden. Ich glaube, dass wir nicht mehr weit weg sind, aber man weiß halt beim Testen nie genau, was die anderen Teams machen. Mal scheint es so, als wären wir wirklich dran, dann sind wir doch wieder ein Stückchen weiter weg, mal sind wir sogar vor einigen anderen. Ich denke, wir müssen zumindest bis Melbourne warten, bis wir genauer wissen, ob wir wirklich mit den anderen mithalten können.

Formel-1-Saison 2016
Die Teams und Fahrer
Mercedes
Lewis Hamilton und Nico Rosberg
Ferrari
Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen
Williams
Felipe Massa und Valtteri Bottas
Red Bull
Daniel Ricciardo und Max Verstappen
Force India
Nico Hülkenberg und Sergio Pérez
Renault
Kevin Magnussen und Jolyon Palmer
Toro Rosso
Daniil Kwjat und Carlos Sainz jr.
Sauber
Marcus Ericsson und Felipe Nasr
McLaren Honda
Fernando Alonso und Jenson Button
Manor
Rio Haryanto und Pascal Wehrlein
Haas
Romain Grosjean und Esteban Gutierrez
Der Rennkalender
20. März: Australien (Melbourne)
3. April: Bahrain (as-Sachir)
17. April: China (Shanghai)
1. Mai: Russland (Sotschi)
15. Mai: Spanien (Barcelona)
29. Mai: Monaco (Monte Carlo)
12. Juni: Kanada (Montréal)
19. Juni: Europa (Baku)
3. Juli: Österreich (Spielberg)
10. Juli: Großbritannien (Silverstone)
24. Juli: Ungarn (Mogyoród)
31. Juli: Deutschland (Hockenheim)
28. August: Belgien (Spa-Francorchamps)
4. September: Italien (Monza)
18. September: Singapur (Singapur)
2. Oktober: Malaysia (Sepang)
9. Oktober: Japan (Suzuka)
23. Oktober: USA (Austin)
30. Oktober: Mexiko (Mexiko-Stadt)
13. November: Brasilien (Interlagos)
27. November: Abu Dhabi (Yas-Insel)
Die Rekorde
Die meisten WM-Titel
Michael Schumacher (7)
Die meisten Grand-Prix-Siege
Michael Schumacher (91)
Die meisten Siege in einer Saison
Michael Schumacher und Sebastian Vettel (je 13)
Die meisten Start-Ziel-Siege
Ayrton Senna (19)
Die meisten Podestplätze
Michael Schumacher (155)
Die meisten Podestplätze in einer Saison
Michael Schumacher und Sebastian Vettel (je 17)
Die meisten Pole-Positions
Michael Schumacher (68)
Die meisten Pole-Positions in einer Saison
Sebastian Vettel (15)
Die schnellsten Rennrunden
Michael Schumacher (77)
Die meisten Grand-Prix-Starts
Rubens Barrichello (323)

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Ein neuer Stern
erzrotti 11.03.2016
am Firmament? Prima und ich drücke ihm die Daumen! Ob er Probleme hatte wegen seiner Herkunft? Gut geantwortet! Wir sind Schwaben.... Der Junge hat Potential und lässt sich nicht als Quoten-Irgendwas Ködern!
2. Fragwürdige Person
antares56 11.03.2016
DTM-Meister ist er doch nur geworden, weil Mercedes es so wollte! Eigentlich ein rücksichtsloser Fahrer der wohl zur Not über Leichen geht - man denke an die Veranstaltung mit der Fussballnationalmannschaft! Er ist nicht gut - er wird nur gut verkauft (nicht zu seinem Nachteil)!
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