Neue Formel-1-Pläne für gerechteren Wettbewerb Auf Kollisionskurs

Budgetobergrenzen, einfachere Motoren: Mit neuen Regeln will die Formel 1 den Wettbewerb beleben. Die großen Verlierer heißen Mercedes und Ferrari. Lassen die das mit sich machen?

Lewis Hamilton im Mercedes
AFP

Lewis Hamilton im Mercedes

Von Karin Sturm


Die angekündigte Pressemitteilung von Formel-1-Besitzer Chase Carey und Liberty Media war mit Spannung erwartet worden, sie sollte die Zukunft der Rennserie ab 2021 anzeigen. Doch was dann kam, war nichtssagend. Die Formel 1 sei reich an Historie, hieß es, man wolle "dieses Erbe schützen, pflegen und vertiefen", strebe "einen attraktiveren Sport" an, "mit dem Fan im Mittelpunkt".

Was sollte das heißen?

Die Antwort hatten die Teamchefs der Formel 1 zuvor bereits erhalten. In Bahrain war ihnen während eines 75-minütigen Meetings deutlich Konkreteres präsentiert worden, als man öffentlich bekanntgeben wollte. Wer hinterher das Mienenspiel der Bosse beobachtete, ahnte: Die Kleinen unter den Rennställen dürften mit den Plänen sehr zufrieden sein. Und bei den Großen herrschte wohl Zähneknirschen.

Beides lag vor allem an der wichtigsten Neuerung, die Liberty Media ankündigte: Die Einführung einer Kostenobergrenze von 150 Millionen Dollar pro Jahr pro Team. Das ist weniger als die Hälfte dessen, was die Top-Teams aktuell ausgeben.

Ohne drastische Kürzungen wird es nicht gehen

Die Gehälter für Fahrer und leitende Angestellte sowie die Ausgaben für das Marketing sind davon zwar ausgenommen. Doch ohne drastische Personalkürzungen wird es nicht gehen. Mercedes etwa beschäftigt heute über 1200 Mitarbeiter in seinem Formel-1-Projekt. Deswegen sollen die Teams in zwei Etappen darauf hinarbeiten, sich über zwei Jahre hinweg gesund zu schrumpfen. Externe Aufpasser und drakonische Strafen im Falle von Überschreitungen sollen mögliche Betrugsversuche verhindern.

"Das ist es doch, was alle wollen - dass jeder wieder gewinnen kann", sagte Haas-Teamchef Günther Steiner zu den Plänen. Die Idee dahinter: Wenn alle Rennställe wieder mit ähnlichen Budgets arbeiten, wird der Wettbewerb ausgeglichener und die Formel 1 insgesamt attraktiver. Dann wäre es womöglich vorbei mit der Dominanz von Mercedes.

Und auch bei Red Bull, wo man zumindest von Größe und Budget her ein bisschen zwischen den Fronten steht, sagte Motorsport-Koordinator Helmut Marko: "Die Ansätze und Ideen gehen in die richtige Richtung. Jetzt müssen weitere Gespräche folgen."

Mercedes und Ferrari treffen sich zur Krisensitzung

Bei jenen Teams, die das Geschehen in der Formel 1 beherrschen, schien die Stimmung hingegen unterkühlt. Interessanterweise nahm der Ferrari-Chef Sergio Marchionne an der Sitzung nicht selbst teil - angeblich, nachdem er schon im Vorfeld gehört hatte, dass es keine Diskussion, sondern nur eine Präsentation von Liberty Media geben würde. Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene folgte nach dem Meeting Mercedes-Teamchef Toto Wolff in den Hospitality-Bereich der Silbernen, wo man sich zusammen mit Mercedes-F1-Aufsichtsratschef Niki Lauda zur "Krisensitzung" traf.

Anschließend kommentierte Wolff die Pläne sehr vorsichtig. "Das sind jetzt alles Ideen, die auf dem Tisch liegen, über die man in den nächsten Jahren weiter sprechen muss", sagte er.

Maurizio Arrivabene (vorne), Toto Wolff
Getty Images

Maurizio Arrivabene (vorne), Toto Wolff

Auch am Geldverteilungssystem der Formel 1, das bisher die Großen und Erfolgreichen deutlich begünstigte, wird geschraubt. Nach den Plänen von Liberty sollen alle Teams so viel Geld bekommen, dass sie nur noch 30 Millionen Dollar Sponsorengeld finden müssen, um die Budgetobergrenze zu erreichen.

Privilegien gibt es aber weiterhin - für die Motorenhersteller insgesamt und für Ferrari im Besonderen: Den Italienern, deren Chef Marchionne immer wieder mit Ausstieg gedroht hatte, sollte die Scuderia ihre Sonderbehandlung verlieren, kam man mit einem Kompromiss entgegen. Ferrari kassiert demnach als dasjenige Team mit der größten Historie und als Motorenhersteller doppelt. So dürfte Ferrari auf einen Bonus von rund 50 Millionen Dollar kommen, das entspricht etwa der Hälfte der derzeitigen Sonderzahlungen. Die Motorenhersteller erhalten eine Aufwandsentschädigung von zehn Millionen Dollar.

Diese Extraeinnahmen dürfen die Werksteams aber nicht dazu nutzen, ihre Autos schneller zu machen - die Sonderzahlung muss als Gewinn verbucht werden. Das sollte Marchionne zufriedenstellen, der stets betont, die Formel 1 müsse für Ferrari auch profitabel sein. Das neue Modell sollte deutlich mehr Gewinn abwerfen.

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Neue Autos in der Formel 1: Die Jagd auf den Silberpfeil

Auf der technischen Seite konzentriert man sich zunächst auf das zukünftige Motorenformat. Die Regeln für das Auto haben noch Zeit bis 2019. Die Motoren werden einfacher, lauter, kraftvoller. Sie sollen den Herstellern ermöglichen, einzigartige, aber dennoch kostengünstigere Triebwerke zu bauen. Die neuen Regeln sollen neue Teilnehmer - etwa Porsche, Lamborghini oder Aston Martin - und Kundenteams anlocken.

"Das ist der richtige Weg"

Der Schweizer Ex-GP-Pilot und langjährige Sky-TV-Experte Marc Surer glaubt, dass das Konzept grundsätzlich funktionieren könnte: "Das ist der richtige Weg, der hier eingeschlagen werden soll. Denn allen musste klar sein - so konnte es finanziell in der Formel 1 nicht weitergehen. Sonst hätten wir am Ende nur Werksteams, und wenn einige Hersteller entscheiden, dass die Formel 1 nicht mehr ins Marketingkonzept passt, stünde der Sport vor einem echten Problem", so Surer: "Die Zeiten, in denen ein Top-Team dreimal so viel Geld verbrennen kann wie ein Mittelfeldrennstall, wären vorbei."

Zweifel, ob die Pläne so auch tatsächlich umgesetzt werden können, bestehen im Fahrerlager dennoch. Die Fia allerdings unterstützt das Konzept, es heißt, es sei nicht verhandelbar. Die Teams hätten es zu akzeptieren - oder zu gehen.



insgesamt 14 Beiträge
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power.piefke 06.04.2018
1. ganz egal....
die müssen was machen! die Formel 1 ist derart langweilig geworden, dass sie kein Mensch ernsthaft als interessante Serie bezeichnen kann. Ich schaue gern rennsport, aber Formel 1 bleibt aus. Es gibt schließlich motogp, ralleycross und diverse andere spannende Veranstaltungen.
Poco Loco 06.04.2018
2. Ohne neue Regeln....
....zu einem fairen Wettbewerb, wird die Formel 1 immer langweiliger werden. Wenn nur 1 Team mehr oder weniger das ganze Fahrerfeld dominiert, interessiert das keinen mehr. Es gewinnt immer nur das Team mit dem meisten Geld, das muss aufhören wenn noch ein wenig Spannung geboten werden soll. Eine Budgetbegrenzung macht da durchaus Sinn, dann zählt nähmlich wieder Innovation und das Können des Fahrers. Dann könnte jeder mal ein Rennen gewinnen und die Weltmeisterschaft wäre über die gesamte Saison hinweg, weniger vorhersehbar.
steingärtner 06.04.2018
3. Kaum zu glauben
Nach dem jahrelang gähnend langweilige Rennen die Regel waren, sehen die neuen Besitzer es endlich ein und ändern etwas? Müssen sie auch, sonst gibt es die Serie nicht mehr lange. Neben dem Halo vor allem bitte diesen bizarren Flügelsalat weg. Vorne zwei, hinten einen (festen) Flügel und gut ist. Gerne wieder Achtzylinder und gerne wieder brüllend laut. Funk zum Fahrer und jegliches technisches verstellen über Funk weg. Einzig Streckenanzeigen wie gelb noch ins Cockpit. Der Fahrer muss seine eigenen Entscheidungen treffen. Racing bitte.
baggi66 06.04.2018
4. Endlich
Bitte aber Richtig umsetzen. Die Dominanz einzelner Teams hat alles so langweilig gemacht. Freue mich darauf wenn die 2 größten Langweiler, Lauda und Co., dann endlich in Rente gehen und endlich wieder attraktiver Rennsport stattfindet. Die Formel E macht es vor.
uzsjgb 06.04.2018
5.
Zitat von Poco Loco....zu einem fairen Wettbewerb, wird die Formel 1 immer langweiliger werden. Wenn nur 1 Team mehr oder weniger das ganze Fahrerfeld dominiert, interessiert das keinen mehr. Es gewinnt immer nur das Team mit dem meisten Geld, das muss aufhören wenn noch ein wenig Spannung geboten werden soll. Eine Budgetbegrenzung macht da durchaus Sinn, dann zählt nähmlich wieder Innovation und das Können des Fahrers. Dann könnte jeder mal ein Rennen gewinnen und die Weltmeisterschaft wäre über die gesamte Saison hinweg, weniger vorhersehbar.
So war es aber fast immer in der Formel 1. Das wurde jahrzehntelang akzeptiert, ich habe noch nicht ganz verstanden, warum es heutzutage so viele Leute als Problem ansehen. Die Budgetobergrenze wird daran wahrscheinlich wenig ändern. Die ist eher dazu gedacht überhaupt eine akzeptable Anzahl von Autos in der Formel 1 zu halten. Das ist das viel dringendere Problem. Auch mit einer Budgetobergrenze wird es immer ein Team geben, welches besser arbeitet, die besseren Ideen oder ganz einfach die besseren Fahrer hat. Und dieses Team wird dann ein Großteil der Rennen gewinnen. Das muss auch so bleiben, denn das ist der Geist der Formel 1.
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