Formel 1 in Russland Putins Millionen-Dollar-Spektakel

Der Große Preis von Russland - da durfte Wladimir Putin natürlich nicht fehlen. Der Präsident genoss die Show, bei der er sich wunderbar ins Rampenlicht rücken konnte. Aber die Inszenierung hat ihren Preis.

AP/dpa

Sotschi - Kein Handyempfang und schwarze Bildschirme bei der Ankunft des russischen Präsidenten, weil ein Attentat auf Wladimir Putin auch per Funksignal möglich wäre: Das war das bizarrste von den vielen Gerüchten, die vor dem Formel-1-Rennen in Sotschi im Fahrerlager kursiert hatten. Tatsächlich blieben aber sowohl Handydisplays als auch TV-Bildschirme an, als Putin an der Strecke eintraf.

Dennoch sorgte der Auftritt des Präsidenten für viel Wirbel und ungewohnte Bilder. Denn dass Formel-1-Chef Bernie Ecclestone ein Rennen bis zum Ende von der Tribüne aus verfolgt, passiert sonst nicht. Der Brite verlässt den öffentlichen Raum eigentlich immer schon vor dem Schwenken der Zielflagge - nicht so in Sotschi. Ecclestone blieb bis zum Schluss, um seinen Sitznachbarn nicht zu brüskieren: Putin.

Wie schon die Olympischen Winterspiele nutzte der russische Präsident das erstmals in seinem Riesenreich ausgetragene Formel-1-Rennen, um Werbung in eigener Sache zu machen. Schließlich waren es Putin und Ecclestone, die den bis 2020 laufenden Vertrag vor vier Jahren öffentlichkeitswirksam gemeinsam unterzeichnet hatten.

Geld spielt bei einem solchen Ereignis für den Staatschef offenbar keine Rolle - auch das eine Parallele zu Olympia. Die Winterspiele waren mit geschätzten 50 Milliarden Dollar die mit Abstand teuersten in der Geschichte. Das für die Formel 1 erbaute "Sochi Autodrom" hat vergleichsweise läppische 260 Millionen Dollar gekostet, war damit allerdings doppelt so teuer wie geplant. Dazu kommen angeblich 50 Millionen Dollar, die Putin pro Jahr bezahlt, damit die Formel 1 Station in Russland macht. Normalerweise zahlen Rennveranstalter zwischen 20 und 30 Millionen Dollar. Die Propaganda ist Putin die zusätzlichen Millionen offenbar wert.

Nach dem Rennen ließ es sich der Präsident dann nicht nehmen, die Siegerehrung persönlich vorzunehmen. Rennsieger Lewis Hamilton sagte anschließend über die Begegnung mit Putin: "Es war eine großartige Erfahrung." Das Ende einer perfekten Inszenierung.

ham/tim



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insgesamt 108 Beiträge
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quadratkopf 12.10.2014
1.
Gut recherchiert. Außer die als "eigentlich immer", offenbar", "angeblich" und sonstwie getarnten Mutmaßungen. Aber es reicht wenigstens zum täglichen "Wir-hassen-Putin"-Artikel. Klasse Journalismus.
koepi71 12.10.2014
2. gähn
Ist es wieder soweit?
surgeon 12.10.2014
3. 140 cm-Bernie und 150 cm-Putin !
2 Korrupte unter sich ! Alles passt mal wieder !!
widder58 12.10.2014
4.
Anderswo wird natürlich nicht inszeniert. Wieder so ein völlig überflüssiger Anti-Russland-Auswurf.
widder58 12.10.2014
5.
Woanders ist alles gratis...
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