Räikkönens Rückkehr Ferraris eiskalte Drohung

Kimi Räikkönen soll Ferrari endlich wieder zum WM-Titel führen. Die Klasse dazu hat er. Nur wie kommt Fernando Alonso mit seinem neuen Teamkollegen zurecht? Der Spanier wird wohl mangels Optionen bei der Scuderia bleiben. Und das wäre gut für Red Bull.

Getty Images

Rein betriebswirtschaftlich dürfte Ferrari schon bessere Deals geschlossen haben als mit Kimi Räikkönen. Knapp 20 Millionen Euro bekam der Finne 2009 dafür, dass er seinen Vertrag beim italienischen Formel-1-Rennstall auflöste. Weil Ferrari damals glaubte, mit Räikkönen sei kein weiterer WM-Titel möglich. Vier Jahre sind seitdem vergangen - und wieder bekommt Räikkönen rund 20 Millionen Euro von der Scuderia, sogar pro Jahr. Weil Ferrari plötzlich glaubt, nur mit Räikkönen sei der WM-Titel möglich. Die Persona non grata ist plötzlich der Heilsbringer.

Räikkönen zurück zu Ferrari: Es ist der bislang spektakulärste Wechsel dieser Saison. Denn das bedeutet auch: Räikkönen und Fernando Alonso in einem Team. Seit Jahren hat es in der Formel 1 kein so starkes Fahrerpaar gegeben. Aber Ferrari geht mit der Verpflichtung des Finnen auch ein Risiko ein, schließlich haben die Italiener zum ersten Mal seit 1995, damals mit Gerhard Berger und Jean Alesi, zwei gleichberechtigte Fahrer.

Räikkönen, der Ferrari 2007 den bislang letzten WM-Titel bescherte, dürfte die Hackordnung ziemlich egal sein. "Kimi macht sein Ding, er lässt sich nichts sagen. Das muss Ferrari wissen", sagt der frühere Formel-1-Teamchef Eddie Jordan. Was aber macht Alonso nun?

Erst einmal richtete er warme Worte an Räikkönen und sagte: "Ich begrüße meinen neuen Reisebegleiter." Nach außen hin gibt sich der Spanier betont gelassen, was die Personalie Räikkönen angeht. Kurz vor der offiziellen Bekanntgabe twitterte der Spanier: "Welche Entscheidung das Team auch immer trifft, sie wird gut für mich sein."

Alonso wollte Teamchef Domenicali loswerden

Das hörte sich vor wenigen Wochen noch anders an, als sich Alonso seines Status als Nummer eins sicher sein konnte. Wann immer sich die Möglichkeit bot, kritisierte Alonso das Team für den zu langsamen Ferrari. Gute Platzierungen waren sein Verdienst, für schlechte waren die Ingenieure und Mechaniker verantwortlich. An seinem Geburtstag Ende Juli teilte Alonso mit, er wünsche sich ein besseres Auto. Da hatten die Ferrari-Bosse genug.

Vor allem Teamchef Stefano Domenicali hat sich vehement für eine Rückkehr Räikkönens ausgesprochen. Nicht zuletzt deshalb, weil Alonso dem Italiener oft in den Rücken fiel und bei Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo Politik gegen ihn machte. Alonso wollte lieber seinen Entdecker und Manager Flavio Briatore als Teamchef haben. Mit Räikkönen als Verbündeten wird Domenicalis Leben bei Ferrari wieder angenehmer, sein Einfluss größer. Dass Montezemolo, eigentlich ein Befürworter Alonsos und kritisch gegenüber Räikkönen eingestellt, der Verpflichtung des Finnen zustimmte, ist auch eine Niederlage für den Spanier im Machtkampf mit Domenicali und zugleich eine Drohung: So geht es nicht weiter.

Alonso hat keine Wechseloptionen

"Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Alonso von der Verpflichtung Räikkönens begeistert ist", sagt denn auch der dreimalige Formel-1-Weltmeister Jackie Stewart. Alonso ist es schließlich gewohnt, die unumstrittene Nummer eins im Team zu sein, auf die alle hören. Das war bei Renault (2003 bis 2006 und 2008 bis 2009) so, und das war auch zunächst bei McLaren in der Saison 2007 so. Als er damals begriff, dass Lewis Hamilton das bessere Standing im Team hat, flüchtete er zurück zu Renault. Und bevor Alonso 2010 zu Ferrari kam, soll er darauf gedrängt haben, dass Räikkönen geht.

Dennoch, so heißt es bei Ferrari, werde Alonso dieses Mal die Herausforderung annehmen. Dem 32-Jährigen bleibt auch kaum etwas anderes übrig, denn eine Flucht von Ferrari ist keine Option. Das Cockpit bei Red Bull neben Sebastian Vettel, das Alonso gerne bekommen und dafür ausnahmsweise auch den Status als Nummer 1b in Kauf genommen hätte, besetzt ab der kommenden Saison Daniel Ricciardo.

Zwar macht Räikkönen einen Platz bei Lotus frei; allerdings kann das Team im Gegensatz zu Ferrari höchstens um Siege, nicht aber um den WM-Titel mitfahren. Und bei Mercedes, dem dritten Top-Rennstall neben Red Bull und der Scuderia, sind die beiden Cockpits langfristig an Hamilton und Nico Rosberg vergeben. Deshalb hat Alonso nur WM-Chancen, wenn er bei Ferrari bleibt und sich dem Zweikampf mit Räikkönen stellt.

Eine andere Möglichkeit wäre eine Pause von der Formel 1, wie es Räikkönen 2010 und 2011 machte. Allerdings wird es zur kommenden Saison einschneidende Regeländerungen geben, unter anderem die Umstellung von Acht- auf Sechs-Zylinder-Motoren. Verpasst Alonso die erste Phase dieser technischen Revolution, riskiert er, bei einem Wiedereinstieg einen zu großen Rückstand auf die anderen Fahrer zu haben.

Bei Red Bull verfolgt man die Personalpolitik des großen Konkurrenten mit gemischten Gefühlen. "Räikkönen bei Ferrari ist schlecht für uns, weil Ferrari mehr Punkte als Team einfahren wird", sagt Motorsportchef Helmut Marko SPIEGEL ONLINE: "Aber Räikkönen bei Ferrari ist gut für Vettel. Ein Räikkönen stellt sich nicht hinten an. Alonso und er werden sich in der Fahrerwertung gegenseitig Punkte wegnehmen."

insgesamt 45 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
WhereIsMyMoney 11.09.2013
1.
Darauf hatte ich gehofft. Kimi wird sich nicht für Alonso aufopfern und das Team wird es auch nicht von ihm verlangen, egal wie sehr Alonso seine Tricks versucht. Massa war wohl jahrelang der unglücklichste Fahrer im Feld. Wie viele Siege hätte er feiern können, wenn er nicht für Alonso hätte fahren müssen. Und dann gab es ja auch noch das Vorbeilassen als er in Führung lag.
vhn 11.09.2013
2. Wow
Das verspricht doch Spannung. Da kann Alonso endlich mal zeigen, was er so drauf hat. Ich schätze mal, er wird wohl öfter mal Raikönens Rücklichter sehen :-)
alfistone 11.09.2013
3. Für gute Ergebnisse ist Alonso verantwortlich
"Gute Platzierungen waren sein Verdienst, für schlechte waren die Ingenieure und Mechaniker verantwortlich." Das stimmt aber auch. Ohne Alonso wäre Ferrari niemals um die Weltmeisterschaft mitgefahren. Fahrerisch ist er einfach eine Nummer besser als die anderen Fahrer, viell. mit Ausnahme vom Hamilton. Nicht umsonst wurde Alonso von dem Teamchefs in den letzten drei Jahren zweimal zum Fahrer der Saison gewählt!
sebastian.teichert 11.09.2013
4. Chancen die WM zu gewinnen
Scheint wohl keiner zu haben wenn Vettel nicht aufhört oder nächstes Jahr ne fürchterliche Schrottkiste bekommt! Ich drück Vettel die Daumen da er zweifellos einer der sympathischsten Fahrer ist!
ludwig49 11.09.2013
5. Die Formel 1...
...ist trotz Vettel als Nachfolger von Schumacher irgendwie abgesackt. Ständige Regeländerungen, technisch unterstützte Überholvorgänge, tausendmal kommentiert, Reifen aller Art und immer problematisch, irgendwie ist die Luft raus!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.