Designer Newey Red Bulls Superhirn plant den Boliden der Zukunft

Mit dem Sieg in Austin neigt sich für Sebastian Vettel eine perfekte Saison dem Ende entgegen. Längst laufen die Planungen für die Titelverteidigung 2014. Dann werden sich die Autos radikal ändern. Red-Bull-Designer Adrian Newey hat schon jetzt einige unkonventionelle Pläne.

Formel-1-Pilot Vettel (l.), Newey: "Adrian ist schon speziell"
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Formel-1-Pilot Vettel (l.), Newey: "Adrian ist schon speziell"

Aus Austin berichtet


In der Auslaufrunde des Grand Prix in Austin bedankte sich Sebastian Vettel euphorisch. "Ich liebe euch," brüllte er ins Bordmikrofon, "unser Teamspirit ist einzigartig, das Auto war wieder ein Traum." Acht Rennen siegte er jetzt in Folge. Er weiß, wem er diesen Rekord ganz besonders zu verdanken hat: Red-Bull-Designer Adrian Newey.

"Adrian ist schon speziell", sagt Vettel, "selbst bei überlegenen Erfolgen fragt er als Erstes nach dem Rennen: 'Das Auto war doch gut, oder?'" Die Suche nach kleinen Fehlern und die Sucht nach Perfektion ist die Antriebsfeder für Newey. Und damit ist das "Superhirn" mit der Glatze und dem schlaksigen Gang einer der wichtigsten Architekten von Vettels Erfolgen. Er wird es auch 2014 sein.

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Großer Preis der USA: Vettels einsame Rekordfahrt
Seit Sommer läuft die Planung für das neue Auto auf Hochtouren. Dazu muss man wissen: 2014 beginnt eine neue Ära in der Formel 1. Ein 1,6-Liter-V6-Turbomotor mit doppeltem Energierückgewinnungssystem für Hitze- und Bewegungsenergie löst dann die aktuellen 2,4-Liter-V8-Saugmotoren ab.

Doch nicht nur das Antriebskonzept verändert sich. Neue Aerodynamikregeln und die größere und schwerere Motoreinheit erfordern ein vollkommen neues Fahrzeugdesign. "Man wird gewisse familiäre Eigenheiten des Red Bull auch nächstes Jahr wiedererkennen", sagt Newey, "aber der schmalere Heckflügel und die tiefere Nase werden die Autos stark verändern." Das vordere Ende des Autos darf nicht mehr 55 Zentimeter über dem Boden schweben, sondern nur noch 18,5. Der Frontflügel ist statt 1,80 Meter nur noch 1,65 Meter breit.

Hintergrund der Regeländerung: Die Motorsportbehörde Fia glaubt, so die Dominanz der Aerodynamik zu bremsen. Denn schmalere Frontflügel und tiefere Nase bedeuten auch weniger Abtrieb. Außerdem verbietet der Automobilweltverband das untere Flügelelement des Heckspoilers. Der Auspuff mündet künftig in einem zentralen Loch im Heck. Damit kann der Motor den Diffusor nicht mehr mit Abgasen füttern. Es ist eine große Herausforderung für alle Designer.

"Komplizierter als je zuvor"

Denn, so Newey: "Es besteht sehr wohl die Gefahr, dass die neue Saison vom Motor dominiert wird. Aber auch um die Zuverlässigkeit machen wir uns Sorgen, weil der Antrieb komplizierter wird als je zuvor."

Die größte Herausforderung werde laut Newey deshalb "die Installation der neuen Antriebseinheit im Chassis. Dazu gehören auch die ganzen Kabel für die Elektrik." Und die Kühlsysteme. Newey: "Die Hitzeschutz-Anforderungen sind doppelt so groß wie bisher. Die Luft für den Turbolader muss zusätzlich gekühlt werden, die Elektroaggregate ebenso." Der Platz dafür könnte den gesamten Seitenkasten in Anspruch nehmen.

Die Teams belauern sich bei der Planung. Computerzeichnungen der neuen Autos sind selbst in deren Frühstadium derzeit streng geheim. Und alle warten auf Neweys Ideen. Denn das Red-Bull-Technikgenie soll Gerüchten zufolge schon wieder vom konventionellen Design abweichen. So glaubt der dreimalige Weltmeister Sir Jackie Stewart: "Traditionell wird Adrian Newey sehr spät dran sein mit dem neuen Auto. Aber ich bin sicher, dass Red Bull wieder mit unkonventionellen Lösungen glänzen wird."

Noch will Newey nichts davon preisgeben: "Wir haben unsere Ideen, wissen aber nicht, ob die sich von denen der anderen unterscheiden", sagt er kryptisch. Der Brite verrät nur so viel: "Das Monocoque und das neue Getriebegehäuse sind fertig. Auch vom Rest des Autos habe ich schon eine genaue Vorstellung." Derzeit arbeite er in der Fabrik in Milton Keynes "von fünf Tagen in der Woche vier am neuen Auto". Die Konkurrenten müssen mit dem neuen Red Bull noch bis zum 28. Januar warten. Dann findet in Jerez die erste von drei Testwochen vor der neuen Saison satt.

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mikesch0815 18.11.2013
1. Das macht es eben aus
Ein guter Fahrer, ein guter Kopf für die Technik. Und das unterscheidet eben Vettel und Newey vom Rest. Es ist nicht entscheidend, ob man in einem Ferrari oder anderen Wagen den Titel holt, sondern das man den Titel holt. Und dafür braucht es eben die kongeniale Zusammenarbeit zwischen Fahrer und Technik. Wie man diese Saison so eindrucksvoll gesehen hat wie weiland letztmals bei Schumacher. Alonso hat leider nicht die Klasse, um auch als Konkurrent z.B. wie einst Mika Hakkinen irgendwie im Gedächnis zu bleiben. Er ist einfach zu schnell beleidigt - und Ferraris hinläng bekannten Rumnörgeleien an andren Teams festigt das Bild noch
wir.schillings 18.11.2013
2. vettel und newey - wer sonst ??
ich weiß nicht, wer jetzt immer noch sagt, Hamilton und Alonso seien besser als Vettel, er profitiere nur den genialen Einfällen eines Adrian Newey ? Aber bitte - wo ist Mark Webber - oder wird sein Auto von Sebastian Sanftmut konstruiert ?? Es ist scheinbar eine deutsche Seuche, den Mann aus dem eigenen Land schlecht zu reden - versucht das mal bei unseren europäischen Nachbarn wie Italien, Frankreich oder England...
WhereIsMyMoney 18.11.2013
3.
Kein Problem, auch wen RedBull am Anfang schlechter als Mercedes, Ferrari, Lotus oder McLaren sein sollte, wird es am Ende wieder Vettel schaffen. Wie 2012 werden sie sich Stück für Stück verbessern, denn Vettel ist noch besser als Schumacher wenn es darum geht mit den Ingenieuren zusammenzuarbeiten um das Auto stärker zu machen.
h3ld 18.11.2013
4. Ein überragendes Auto
Bei einem Fahrer macht das ganze meiner Meinung nach sehr langweilig. Ich sehe deshalb auch keine Parallelen zu Schumi, der war ein guter Fahrer, Vettel ist auch ein guter Fahrer aber er hat auch ein überragendes Auto...
im_carlos 18.11.2013
5. Teamsport
Auch wenn es von vielen anders gesehn wird: Formel 1 ist und bleibt ein Teamsport. Fahrer und Chef-Designer sind nur zwei der fast 600 Beteiligten an den Siegen. Ohne funktionierende Taktik, ohne fittes Boxenteam und ohne IT-Abteilung, die Daten erfaßt, auswertet und die richtigen Schlüsse draus zieht dürfte selbst ein Spitzenfahrer in einem Spitzenauto Probleme bekommen. Im Moment ist Red Bull das Team der Stunde, welches in seiner kompromisslosen Effizienz selbst dem Ferrari-Team des beginnenden Milleniums in nix nachsteht. Ich denke, selbst wenn RB zum Start der nächsten Saison nicht siegfähig sein sollten, werden sie jeden Rückstand innerhalb der Saison wett machen (analog zu 2012). Ob es für weitere Titel reicht, wär Kaffeesatzleserei, aber Siege seh ich auch im nächsten Jahr für Red Bull, weil das Team einfach das nötige Potential dafür bringt.
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