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Red-Bull-Triumph in Japan: Doppelsieg durch verdächtigen Strategiewechsel

Aus Japan berichtet

Red-Bull-Piloten Webber (l.), Vettel: "Aggressive Boxenstrategie" Zur Großansicht
DPA

Red-Bull-Piloten Webber (l.), Vettel: "Aggressive Boxenstrategie"

Den Titel hat Sebastian Vettel zwar noch nicht, dafür aber den fünften Sieg in Folge: Der Red-Bull-Pilot profitierte beim Großen Preis von Japan vor allem von einem Strategiewechsel seines Teams. Dieser war durch den verpatzten Start nötig geworden. Die wichtigsten Erkenntnisse des Suzuka-Rennens.

Es war eigentlich ein Jubeltag für Red Bull: Sebastian Vettel siegte beim Großen Preis von Japan vor Mark Webber, auch im Qualifying hatten beide dominiert. Den WM-Titel holte sich der Deutsche zwar noch nicht, doch der ganz große Triumph ist wohl lediglich um zwei Wochen verschoben.

Doch Webber, der Red Bull zum Saisonende verlässt, war nicht zufrieden mit den taktischen Maßnahmen seines Teams. "Ich war überrascht, dass wir plötzlich die geplante Strategie geändert haben. Denn eigentlich rechnete ich weiterhin mit einer Zwei-Stopp-Strategie." Zwischen den Zeilen des Australiers war sein Misstrauen deutlich zu hören. War die veränderte Strategie im Rennen etwa eine verkappte Teamorder?

Red-Bull-Teamchef Christian Horner wollte davon nichts wissen: "Wir mussten die Strategie splitten, um den in Führung gegangenen Lotus-Piloten Romain Grosjean unter Druck zu setzen. Plötzlich hatte er zwei Gegner, auf die er achten musste, nicht nur einen."

Schlechter Start macht Strategiewechsel nötig

Der Rennverlauf war also schuld daran, dass Red Bull auf eine "aggressive Boxenstrategie" (Webber) umstieg, genauer gesagt: der schwache Start. Beide Red-Bull-Piloten hatten in der ersten Startreihe gestanden, erstmals in dieser Saison begann Webber vor Vettel, dessen Kers-System im Qualifying ausgefallen war. "Mit dem System hätte er locker auf der Pole-Position gestanden", sagte Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko. Vettel sei einfach schneller unterwegs gewesen.

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Auf Grundlage dieser Erkenntnisse hatte Red Bull eigentlich für beide Piloten eine Zwei-Stopp-Strategie festgelegt. Der Schnellste auf der Strecke sollte am Ende auch gewinnen.

Doch der Start durchkreuzte den Plan: Webber und Vettel kamen schlecht weg, Lotus-Pilot Romain Grosjean schob sich von Startplatz vier an die Spitze. Danach beschloss die Red-Bull-Strategiezentrale, die Anzahl der Stopps bei ihren beiden Piloten zu variieren. Webber kam früher rein, um mit frischen Reifen und schnellen Runden Grosjean zu zwingen, ebenfalls an die Box zu fahren. Das tat der Franzose auch. Vettel aber blieb länger draußen, nachdem er in den ersten Runden eher reifenschonend fuhr. "Ich musste das tun, um mit zwei Stopps durchzukommen", sagte der Weltmeister.

"Vettel fuhr optimal"

Webber, so erklärte das Red-Bull-Team später, verlor das Rennen aber nicht durch die geänderte Strategie, sondern in den letzten Runden: Die frischen Reifen, die er bei seinem dritten Boxenstopp bekommen hatte, hätten eigentlich für den Sieg ausreichen müssen. Doch dazu hätte er nicht fünf Runden hinter Grosjean herfahren dürfen. Vettel hingegen kam schon nach einer Runde an dem Franzosen vorbei.

"Dieser Zeitverlust", sagte Marko später, "hat Mark den Sieg gekostet. Stallorder war das jedenfalls nicht." Teamchef Horner ergänzte: "Vettel fuhr optimal unter den Bedingungen und machte wie eigentlich immer alles zu 100 Prozent richtig. Er schonte am Anfang seine Reifen, um später im entscheidenden Moment attackieren zu können."

Nicht nur die auf ihn ausgelegte Strategie ist derzeit Erfolgsgarant für Vettel, sondern auch der Renault-Motor. Zum vierten Mal in dieser Saison standen drei Renault-Piloten auf dem Podium. Und das nicht zufällig: Zwar gilt der Mercedes-Motor als der stärkste im Feld, doch das Antriebsaggregat aus Frankreich gilt als das benutzerfreundlichste.

"Ein Motor ist nicht deshalb unbedingt der beste, weil er die meisten PS hat", sagt der viermalige Weltmeister Alain Prost: "Ich erinnere an den Peugeot-Motor, den ich in meinem Team 2002 einsetzte. Er war bärenstark, aber unten rum hatte er keine Leistung. Das nutzt dir am Ende gar nichts."

Starke Motoren, Strategien, die aufgehen, eine chancenlose Konkurrenz: Es spricht derzeit vieles dafür, dass Red Bull auch nach dem nächsten Rennen in zwei Wochen jubeln kann. Dann über Vettels WM-Titel Nummer vier.

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1. Skandal
austromir 13.10.2013
Zitat von sysopDPADen Titel hat Sebastian Vettel zwar noch nicht, dafür aber den fünften Sieg in Folge: Der Red-Bull-Pilot profitierte beim Großen Preis von Japan vor allem von einem Strategiewechsel seines Teams. Dieser war durch den verpatzten Start nötig geworden. Die wichtigsten Erkenntnisse des Suzuka-Rennens. http://www.spiegel.de/sport/formel1/formel-1-red-bull-piloten-webber-und-vettel-feiern-doppelsieg-a-927602.html
Es ist ein Skandal zu vermuten dass Red Bull Vettel bevorzugt. Es ist absoluter Zufall dass immer Vettel von zufälligen Maßnahmen profitiert. Schließlich geht es in der Formel 1 ausschließlich um fairen Sport. Und die Erde ist eine Scheibe.
2. die übliche Kakophonie...
Emil Peisker 13.10.2013
Zitat von sysopDPADen Titel hat Sebastian Vettel zwar noch nicht, dafür aber den fünften Sieg in Folge: Der Red-Bull-Pilot profitierte beim Großen Preis von Japan vor allem von einem Strategiewechsel seines Teams. Dieser war durch den verpatzten Start nötig geworden. Die wichtigsten Erkenntnisse des Suzuka-Rennens. http://www.spiegel.de/sport/formel1/formel-1-red-bull-piloten-webber-und-vettel-feiern-doppelsieg-a-927602.html
Immer diese Verschwörungstheorien. Es ist bekannt, dass Webber eigene Reifenstrategien praktiziert. Und eigentlich war seine ganz plausibel. Nach seinem letzten Wechsel auf Medium, konnte er pro Runde mehr als eine Sekunde auf Grosjean aufholen und konnte ihm bald in den Auspuff gucken. Bei rechtzeitiger Überholung hätte er auch noch Vettel holen können, da seine Zeiten das erlaubt hätten. Aber Grosjean ließ den Australier lange nicht passieren. Und als Webber es dennoch schaffte, war das Rennen fast zu Ende. Da man nicht annehmen kann, dass Webber den Franzosen absichtlich nicht überholt hat, ist dieses Journalistengeraune nür die übliche Kakophonie, die für ein paar Zeilen ausreicht.
3. optional
frenchhornplayer85 13.10.2013
webber hat die reifen weniger geschont, und ohne dritten stopp, hätte vettel ihn dann auch so gehabt, die die weichen am ende eingegangen wären! er hätte durchfahren können, aber nur mit großen einbußen im speed am ende! vettel hat durchgehen reifen geschont und konnte so dann attackieren, wenn es nötig war!
4. Tjaja
hubie 13.10.2013
Zitat von austromirEs ist ein Skandal zu vermuten dass Red Bull Vettel bevorzugt. Es ist absoluter Zufall dass immer Vettel von zufälligen Maßnahmen profitiert. Schließlich geht es in der Formel 1 ausschließlich um fairen Sport. Und die Erde ist eine Scheibe.
Der Vettel ist auch zufällig fast immer schneller im Qualifying? Den WM Titel hat er sich sicherlich verdient, und gut gefahren ist er auch, am Besten will ich meinen, mit Webber zusammen.
5. Webber nervt
dango 13.10.2013
Webber nervt mit seiner permanenten Flennerei wegen angeblicher Benachteiligung. Zum Glück hat sich dieses Kapitel bald erledigt. Es wäre wahrscheinlich besser, ihn sofort abzulösen und einem Nachwuchsfahrer ein paar Rennen zu gönnen. Beide WM-Titel sind praktisch sowieso im Sack. Genau wie Marko und Horner es sagen, hing Webber rundenlang hinter Grojsean (?) fest, während Vettel ihn unmittelbar gekascht hat. Wir können sicher davon ausgehen, das Grojsean sich von Vettel nicht bereitwilliger hat überholen lassen und wir können sicher davon ausgehen, dass es einen Grund gibt, warum Vettel bisher auch in der Quali jedes Duell gewonnen hat und demnächst mit gleichem Auto zum viertel Mal Weltmeister wird während Webber nie etwas gerissen hat. Vettel setzt es einfach jeweils wesentlich besser um ! Und abgesehen davon: Das Team hatte keinen zwingenden Grund, Vettel vor Webber zu bringen. Weltmeister wird Vettel so oder so. Aber wenn man zwei unterschiedliche Strategien fahren will, wird man die erfolgsversprechendere logischerweise dem besseren Fahrer geben, der gerade den vierten Titel einfährt und auch nächstes Jahr für das Team antritt. Nicht dem, der nächstes Jahr weg ist und in der jüngeren Vergangenheit auch nichts getan hat, weswegen man ihm ein Abschiedsgeschenk machen müsste.
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Formel 1: Teams und Fahrer 2013
Team Fahrer 1 Fahrer 2
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Ferrari Fernando Alonso Felipe Massa
McLaren Jenson Button Sergio Pérez
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Sauber Nico Hülkenberg Esteban Gutiérrez
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