Regelchaos in der Formel 1 Strafengewitter im Dauerregen

Die Formel 1 macht sich das Leben schwer: Sechs Fahrer kassieren wegen neuer Motorteile insgesamt 115 Strafplätze. Profitieren könnte der im verregneten Qualifying deutlich unterlegene Sebastian Vettel.

Sebastian Vettel
AFP

Sebastian Vettel

Aus Monza berichtet


Die beiden Red-Bull-Piloten Max Verstappen und Daniel Ricciardo saßen nach dem Qualifying zum Großen Preis von Italien bei der obligatorischen Pressekonferenz, plauderten über ihre starken Runden im Regen von Monza - und wussten bereits um ihre Chancenlosigkeit im Rennen.

Verstappen, Zweiter hinter Rekordmann Lewis Hamilton, wird vom Motorsport-Weltverband Fia wegen gewechselter Motor-Komponenten um 20 Plätze zurückversetzt, darf wegen der Strafen gegen fünf andere Fahrer aber immerhin von Rang 15 aus starten. Bei Teamkollege Ricciardo beträgt die Strafe 25 Startplätze, der Australier geht im bereinigten Feld von der 18. Position aus ins Rennen.

Neben Verstappen und Ricciardo sind auch Nico Hülkenberg (Renault), Carlos Sainz (Toro Rosso), Jolyon Palmer (Renault) und Fernando Alonso (McLaren) vom Strafen-Gewitter betroffen. Insgesamt verteilte die Fia 115 Strafplätze - bei 20 Fahrern in der Formel-1-Weltmeisterschaft. Fast vier Stunden hatte das Qualifying wegen der starken Regenfälle gedauert, aber nach der Zieldurchfahrt wussten nur Experten, wer von welchem Startplatz aus ins Rennen am Sonntag (14 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gehen wird.

Motorwechsel als taktisches Mittel

Helmut Marko, Motorsportberater bei Red Bull, ist mit der Strafen-Regelung schon lange unzufrieden und sieht sich nun bestätigt. "Was können die Fahrer dafür?!", fragte Marko nach dem Qualifying. "Solche Strafen sind unsinnig." Denkbar wären Strafen für die Teams oder laut Marko eine separate Motoren-Wertung. Ross Brawn, bei den neuen Formel-1-Besitzern von Liberty Media für die sportlichen Fragen zuständig, möchte das Strafenreglement schnellstmöglich verändern.

Die Fia, für die Regeln zuständig, erlaubt pro Saison nur jeweils vier Antriebseinheiten für die sechs vorhandenen Motor-Elemente. Wird ein fünftes Aggregat verbaut, muss der betroffene Fahrer zehn Startplätze zurück, bei jedem weiteren Element kommen fünf Strafplätze hinzu. Eine Regelung, die vor allem die Kosten senken soll, aber immer wieder dafür sorgt, dass Stars wie Verstappen oder Ricciardo von hinten starten müssen.

Dabei darf sich Red Bull nur bedingt beschweren. Denn das österreichische Team setzte den Motorwechsel als taktisches Mittel ein - und wurde von den nassen Bedingungen im Qualifying überrascht. Monza gilt als Hochgeschwindigkeitsstrecke, auf der die aerodynamischen Stärken von Red Bull eine geringere Rolle als auf anderen Strecken spielen.

Ganz nebenbei nimmt das umstrittene Reglement in Monza ausnahmsweise auch Einfluss auf das WM-Rennen. Sebastian Vettel, der auf den Regenreifen mit großen Problemen kämpfte und abgeschlagen nur Achter wurde, rückt durch die Versetzung von Verstappen und Ricciardo auf Platz sechs vor. Und von dort wird die Aufholjagd leichter sein, denn Teamkollege Kimi Räikkönen, Esteban Ocon (Force India) und Lance Stroll (Williams) werden Vettel bei trockenen Bedingungen kaum aufhalten.

So könnte sich für den WM-Führenden der Schaden mit einem realistischen Platz drei in Grenzen halten.



insgesamt 4 Beiträge
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x-unerreicht 02.09.2017
1. Hamilton
Der Kerl ist einfach cool. Fährt die jungen und alten Kerle in Grund und Boden bei Bedingungen die alle in den technischen Möglichkeiten beschränkt!
cloeon 02.09.2017
2. Lieber Herr Marko ...
... ich erklär's Ihnen; Solange der Werbewert der Fahrermeisteschaft unglech höher ist als der Wert der Konstrukteursmeisterschaft, würden die Teams - insbesondere solche wie Red Bull, die Konstrukteursleistungen lediglich einkaufen - jederzeit Teamstrafen in Kauf nehmen, wenn sie den Fahrer damit entlasten könnten. Ergo ist es vollkommen richtig, Strafen dem Fahrer zuzuschreiben - also dort, wo's wirklich weh tut. Es ist Sache des Teams, diese Fahrerstrafen zu verhindern. Aber das wussten Sie schon längst, nicht wahr?
sven2016 03.09.2017
3.
Das Strafensystem, dass statt der teilnehmenden Konzerne die einzelnen Fahrer abstraft, erscheint unsinnig. Wenn eine der Firmen gegen die Teilnahmeregelungen verstößt, sollte ihr Team für eine Rundfahrt gesperrt werden. Teams, die das häufiger tun, gehören nicht in die Formel 1, sondern steigen nach 1B ab :) - Ob sich dann die investierten Millionen noch lohnen?
colinchapman 03.09.2017
4. würden die Strafen
nur das Team, und nicht den Fahrer betreffen - e.g. durch Strafpunkte für die Konstrukteurswertung - könnte ein Team wie z.B. aktuell Ferrari, das eine große Punktedifferenz zwischen beiden Fahrern hat, den Kampf in der Konstrukteurswertung abschenken und bewusst dem Nummer-Eins-Fahrer - also hier Sebastian Vettel - mit beliebig vielen Tauschaggregaten zum Fahrertitel verhelfen. Die Regelung ist also völlig okay, so wie sie ist.
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