Formel 1 Renault kehrt als Werksteam zurück

Eines der traditionsreichsten Teams kehrt im großen Stil zurück in die Formel 1. Renault, zuletzt nur noch Motorenlieferant, wird ab der kommenden Saison wieder als Werksteam vertreten sein - und fordert deshalb eine Vorzugsbehandlung.

Renault-Mannschaft 2009 (Alonso, Briatore, Piquet): Bald wieder Werksteam
REUTERS

Renault-Mannschaft 2009 (Alonso, Briatore, Piquet): Bald wieder Werksteam


Renault hat nach einer monatelangen Hängepartie den Lotus-Rennstall übernommen und wird im kommenden Jahr wieder mit einem Werksteam in der Formel 1 starten. Das teilte der französische Autohersteller nun offiziell mit - bereits im September hatte Renault eine Absichtserklärung zur Übernahme des vor der Insolvenz stehenden Teams unterzeichnet.

Bis zuletzt hatten Verhandlungen mit Formel-1-Boss Bernie Ecclestone über finanzielle Zuschüsse eine Einigung hinausgezögert. Renault wollte bei einem Start als Werksteam nicht wie ein Neueinsteiger behandelt werden, sondern von Sonderzahlungen profitieren wie eines der privilegierten Teams um Ferrari, Red Bull und Mercedes.

Zu diesem Zweck verwies Geschäftsführer Carlos Ghosn auf die erfolgreiche Geschichte in der Formel 1. Bis 2009 war Renault als Werksteam vertreten, 2005 und 2006 holte man mit Fernando Alonso die Titel in der Fahrer- und Hersteller-WM. Nun haben die Franzosen wieder große Ambitionen.

"Ganz zurückkommen oder die Formel 1 ganz verlassen"

"Unser Ziel ist es zu gewinnen, auch wenn es ein bisschen dauern wird", erklärte Ghosn: "Wir hatten zwei Möglichkeiten: Ganz zurückkommen oder die Formel 1 ganz verlassen." Gespräche mit den Formel-1-Bossen hätten "das Vertrauen gegeben, die neue Herausforderung anzunehmen". Im Januar will Renault mehr Details über das Comeback geben.

Zur Saison 2010 wurden zunächst 75 Prozent der Team-Anteile an eine Investmentgesellschaft verkauft, die in der Folge den Lotus-Rennstall aufbaute. Ein Jahr später wechselten auch die restlichen 25 Prozent den Besitzer. Renault war seither nur noch als Motorenlieferant tätig.

Nach vier Konstrukteurs- und vier Fahrertiteln mit Sebastian Vettel und Red Bull (2010 bis 2013) verlor Renault mit der Einführung der Turbo-Motoren 2014 allerdings den Anschluss an die Konkurrenten Mercedes und Ferrari und erntete heftige Kritik. In dieser Phase reifte bei Ghosn die Erkenntnis, dass ein Engagement als Motorenlieferant nicht den gewünschten Werbeeffekt bringt.

Der französische Autobauer ist seit 1977 fast ohne Pause als Team oder Ausrüster in der Königsklasse vertreten. Nur 1987 und 1988 fehlten die Franzosen in der Formel 1, von 1998 bis 2000 lieferte Renault Motoren unter dem Namen Mecachrome.

Formel-1-Saison 2015
Die Teams und Fahrer
Mercedes
Lewis Hamilton und Nico Rosberg
Red Bull
Daniel Ricciardo und Daniil Kwjat
Williams
Felipe Massa und Valtteri Bottas
Ferrari
Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen
McLaren Honda
Fernando Alonso und Jenson Button
Force India
Nico Hülkenberg und Sergio Pérez
Toro Rosso
Max Verstappen und Carlos Sainz jr.
Lotus
Romain Grosjean und Pastor Maldonado
Sauber
Marcus Ericsson und Felipe Nasr
Manor Marussia
Will Stevens und Roberto Merhi
Der Rennkalender
Die Rekorde
Die meisten WM-Titel
Michael Schumacher (7)
Die meisten Grand-Prix-Siege
Michael Schumacher (91)
Die meisten Siege in einer Saison
Michael Schumacher und Sebastian Vettel (je 13)
Die meisten Start-Ziel-Siege
Ayrton Senna (19)
Die meisten Podestplätze
Michael Schumacher (155)
Die meisten Podestplätze in einer Saison
Michael Schumacher und Sebastian Vettel (je 17)
Die meisten Pole-Positions
Michael Schumacher (68)
Die meisten Pole-Positions in einer Saison
Sebastian Vettel (15)
Die schnellsten Rennrunden
Michael Schumacher (77)
Die meisten Grand-Prix-Starts
Rubens Barrichello (323)

luk/sid

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insgesamt 7 Beiträge
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Anti-Ideologe 04.12.2015
1. Von wegen Motoren...
Das, was da in der Formel 1 verwendet wird, hat mit Rennmotoren doch nix mehr zu tun. Diese merkwürdigen Aggregate - die nebenbei auch viel zu kompliziert sind und somit unnötig hohe Kosten verursachen - klingen wie Elektrorasenmäher. Ich habe diesen Sport lange geliebt. Die 12- und 10-Zylinder-Zeiten habe ich Gott sei Dank noch live miterlebt. Action und ohrenbetäubender und gleichzeitig betöhrender Sound - dafür sind die Leute in Massen zu den Rennen geströmt. Bei Senna, Prost und später auch noch bei Schumacher ging es auch noch darum, wer der Schnellste und Mutigste ist. Und nicht darum, wer am besten Sprit spart und wer am besten die Reifen schont. Mit dem Ursprungsgedanken der F1 - nämlich die beste, lauteste und spektakulärste Rennserie der Welt zu sein - hat das schon lange nichts mehr zu tun. Es ist wirklich traurig. Denn die Grundvoraussetzungen sind Dank meherer starker Fahrer und traditionsreichen Werksteams (Ferrari, Mercedes und nun eben auch wieder Renault) eigentlich sehr gut.
Bueckstueck 04.12.2015
2.
Zitat von Anti-IdeologeDas, was da in der Formel 1 verwendet wird, hat mit Rennmotoren doch nix mehr zu tun. Diese merkwürdigen Aggregate - die nebenbei auch viel zu kompliziert sind und somit unnötig hohe Kosten verursachen - klingen wie Elektrorasenmäher. Ich habe diesen Sport lange geliebt. Die 12- und 10-Zylinder-Zeiten habe ich Gott sei Dank noch live miterlebt. Action und ohrenbetäubender und gleichzeitig betöhrender Sound - dafür sind die Leute in Massen zu den Rennen geströmt. Bei Senna, Prost und später auch noch bei Schumacher ging es auch noch darum, wer der Schnellste und Mutigste ist. Und nicht darum, wer am besten Sprit spart und wer am besten die Reifen schont. Mit dem Ursprungsgedanken der F1 - nämlich die beste, lauteste und spektakulärste Rennserie der Welt zu sein - hat das schon lange nichts mehr zu tun. Es ist wirklich traurig. Denn die Grundvoraussetzungen sind Dank meherer starker Fahrer und traditionsreichen Werksteams (Ferrari, Mercedes und nun eben auch wieder Renault) eigentlich sehr gut.
Du warst wohl schon lange nicht mehr live an der Strecke. Die Hybridmotoren klingen am TV zwar eher wie Blechmusik, wenn man daneben steht, dann fallen einem aber trotzdem die Ohren ab - merke: Die Frequenz verstärkt den Eindruck, nicht nur die Lautstärke. Das ist aber einem echten Rennsportfan nicht das Wichtigste. Die Hybridmotoren sind zwar kompliziert, aber lassen an Bumms die alten Sauger alt aussehen. Turbos sind eine feine Sache und sie sind noch besser wenn ein E-Motor ihre Schwachstelle ausfüllt. Die entscheidenden Probleme sind: 1. Ja, die Technik ist komplex und wer nicht tiefe Taschen hat wie Mercedes oder Ferrari, der hat Probleme damit. Das ist von diesen Teams aber gewollt. 2. Das Treibstoffreglement ist Mumpitz weil unnötig im Rennsport. Wenn man die Ressourcen schonen wollte, dann sollte man den Rennzirkus nicht per Frachtflugzeug Armada ständig um den Globus hetzen. 3. Der künstlich hohe Reifenverschleiss ist im Grunde ebenfalls quatsch. Er dient aber dazu die oben aufgeführten Mängel mehr schlecht als recht zu kaschieren. Bleibt nur zu hoffen, dass die grossen Reformen für 2017 Linderung bringen.
KlausAusParis 04.12.2015
3. Kleine Berichtigung
"von 1998 bis 2000 lieferte Renault Motoren unter dem Namen Mecachrome" Mecachrome lieferte auch danach die Rennmotoren. Die Motoren wurden lediglich in einem 2006 fertiggestellten Gebäude "Renault F1" südlich von Paris entwickelt und getestet. Wir hatten dort 3 CNC-Maschinen, die Motorblöcke, Zylinderköpfe und Zylinder für den Teststand fertigten. Die eigentliche Produktion der Motoren wurde bei Mecachrome gemacht. Die Maschinen sind dann 2010 auf andere Renaultwerke verteilt worden... Was mir in Erinnerung bleibt, ist der Sound der Motoren auf dem Teststand (die Kantine war direkt darüber, da haben schon ein paar Tische vibriert) und die Vermessung der Kolben (350 Messpunkte), die 10 mal mehr Zeit benötigte als deren Fertigung.
manicmecanic 04.12.2015
4. @bueckstueck...technisch falsche Aussagen
Weil die hybridantriebe lauter sind als vorher gabs dann wohl Überlegungen von namhaften Mitgliedern des F1 Zirkus wie man denn die Dinger lauter bekommt?Oder weil die den gleichen Bums haben gabs Beschwerden von so einigen Piloten genau wegen mangelnder Leistung verglichen zu den Vorgängern,ja klar.Die Hybride haben klar weniger Leistung.Wo Sie richtig liegen ist daß die F1 an ihrem beknackten Reglement eingeht.
ambulans 05.12.2015
5. >Bueckstueck (nr. 2, oben),
Zitat von BueckstueckDu warst wohl schon lange nicht mehr live an der Strecke. Die Hybridmotoren klingen am TV zwar eher wie Blechmusik, wenn man daneben steht, dann fallen einem aber trotzdem die Ohren ab - merke: Die Frequenz verstärkt den Eindruck, nicht nur die Lautstärke. Das ist aber einem echten Rennsportfan nicht das Wichtigste. Die Hybridmotoren sind zwar kompliziert, aber lassen an Bumms die alten Sauger alt aussehen. Turbos sind eine feine Sache und sie sind noch besser wenn ein E-Motor ihre Schwachstelle ausfüllt. Die entscheidenden Probleme sind: 1. Ja, die Technik ist komplex und wer nicht tiefe Taschen hat wie Mercedes oder Ferrari, der hat Probleme damit. Das ist von diesen Teams aber gewollt. 2. Das Treibstoffreglement ist Mumpitz weil unnötig im Rennsport. Wenn man die Ressourcen schonen wollte, dann sollte man den Rennzirkus nicht per Frachtflugzeug Armada ständig um den Globus hetzen. 3. Der künstlich hohe Reifenverschleiss ist im Grunde ebenfalls quatsch. Er dient aber dazu die oben aufgeführten Mängel mehr schlecht als recht zu kaschieren. Bleibt nur zu hoffen, dass die grossen Reformen für 2017 Linderung bringen.
stimme ihnen teilweise zu. aber (jetzt kommt das argumentum advocati diaboli): wenn man die formel 1 - wie ich und wohl auch ziemlich viele andere - "re-vitalisieren" möchte, sollte man mal durchaus über folgendes nachdenken: wen stört es eigentlich, wie eine von vornherein definierte grundleistung (meinetwegen >500 kw) erzeugt wird. wer es fertig bringt, z.b. per "recuperation" zurückgewonnene energie in den renn-prozess wieder einzuspeisen und nutzbar zu machen - bitte! "nach-tanken", "reifen-wechseln", andere "service-tätigkeiten", usw. - o.k.: wenns alle in ähnlicher oder gleicher weise betreffen sollte, ists doch wohl "wettkampf" - also "so what"? wer einmal rennen auf der "madonie" (sizilien) oder der "isle of man" gesehen hat, kann mit dem heutigen meist nicht mehr allzuviel anfangen, fürchte ich ...
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