Großer Preis von Monaco "Wir fühlen uns betrogen"

Für Mercedes-Pilot Nico Rosberg war es ein emotionaler Triumph - 30 Jahre nach seinem Vater siegte auch er beim Großen Preis von Monaco. Doch der Erfolg ist getrübt. Der Rennstall sorgte mit einem geheimen Reifentest für heftige Diskussionen. Die Konkurrenz fühlt sich hereingelegt.

Aus Monaco berichtet

Monaco-Sieger Rosberg (links): Die Konkurrenz ist sauer
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Monaco-Sieger Rosberg (links): Die Konkurrenz ist sauer


Nico Rosberg kann einem leidtun. Da holte er seinen ersten Saisonsieg - und das ausgerechnet in Monaco. Dort, wo er aufgewachsen ist. Dort, wo vor 30 Jahren schon sein Vater Keke siegte. Und anstatt dass er seinen Erfolg gebührend feiern kann, musste sich der 27-Jährige nach dem Rennen Fragen anhören, die mit umstrittenen Mercedes-Testfahrten eine Woche vor dem Monaco-GP zu tun hatten. Die lapidare Antwort des Siegers: "Dazu möchte ich nichts sagen."

Hintergrund war ein dreitägiger 1000-Kilometer-Test für Reifenlieferant Pirelli in Barcelona am 15., 16. und 17. Mai, also in der Woche nach dem Großen Preis von Spanien. Dabei testete Mercedes das Material mit seinen Top-Piloten Nico Rosberg und Lewis Hamilton umstrittenerweise mit dem aktuellen 2013er-Boliden.

Pikant: Testfahrten während der Saison sind verboten. Pirelli verweist jedoch auf eine Vereinbarung mit dem Automobilweltverband Fia, wonach sie mit jedem Auto pro Jahr 1000 Kilometer testen dürfen. Schon im März vergangenen Jahres gingen deshalb Einladungsschreiben per E-Mail raus - angeblich an alle Teams. Problem: Weder die Motorsportbehörde Fia noch Teams wie Red Bull, Ferrari, Sauber oder Toro Rosso wissen etwas von der ominösen E-Mail.

Red-Bull-Chef Horner: "Das ist Wettbewerbsverzerrung"

Die Automobilbehörde hat mittlerweile eine Stellungnahme zu dem Fall herausgegeben. Zwar habe Pirelli in der Tat angefragt, ob sie mit einem Team und dessen aktuellen Auto testen dürften. Allerdings: "Pirelli und Mercedes wurden von der Fia informiert, dass diese Tests möglich seien, falls allen Teams die gleiche Gelegenheit geboten werde." Danach habe es keine weiteren Informationen über eine mögliche Testfahrt gegeben.

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Großer Preis von Monaco: Turbulentes Rennen in Monte Carlo
"Das ist Wettbewerbsverzerrung", sagt Red-Bull-Teamchef Christian Horner SPIEGEL ONLINE, "Mercedes hat sich so einen illegalen Vorteil verschafft". Peter Sauber, Besitzer des Sauber-Rennstalls, fügt an: "Wir fühlen uns betrogen." Ferrari und Red Bull haben mittlerweile sogar Protest eingelegt, wollen den Fall bis vor den World Council, der juristischen Instanz der Automobilbehörde Fia bringen. Gibt das Gericht dem Protest statt, muss Mercedes mit allem rechnen. Von Freispruch bis zum Ausschluss aus der Formel-1-WM ist demnach alles möglich.

Imageverlust für Mercedes

Mit den Geheimtests konfrontiert, gerät Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery ins Stottern: "Hätten wir die anderen Teams vorher informiert, hätte der Test womöglich nicht stattfinden können. Die anderen Teams hätten sich schon im Vorfeld dagegen gewehrt. Der Mercedes-Sieg in Monaco hat nichts mit den Tests zu tun. Wir haben zu 90 Prozent Reifen für die kommende Saison getestet. Und Mercedes wusste nicht, mit welchen Gummis sie da fuhren."

Das aber ist vielleicht nur die Hälfte der Wahrheit. Szenekenner wie Ex-Jordan-Technikchef Gary Anderson, der heute als Experte für die BBC arbeitet, sagt: "Mercedes hat vermutlich auch Aerodynamikteile speziell für Monaco getestet." Laut dem Briten habe Mercedes fünf Millionen Euro in den Geheimtest investiert. Teamchefs wie Franz Tost von Toro Rosso relativieren: "So viel vielleicht nicht, aber zwei bis drei Millionen könnten es durchaus gewesen sein."

Schwerer als die Millionen, die Mercedes angeblich zusätzlich für die umstrittene Testfahrt investiert hat, wiegt wohl der Imageverlust für den Weltkonzern. Ex-BMW-Motorsportchef Gerhard Berger schüttelt nur noch amüsiert den Kopf: "Ich habe ja schon nicht verstanden, wie Flavio Briatore das alles mit Renault hat machen können. Aber bei BMW wäre ich unter gleichen Umständen innerhalb einer Woche weggewesen."

Niki Lauda, Aufsichtsratschef des Formel-1-Teams von Mercedes, sagt zu den Vorwürfen: "Wir wurden von Pirelli gefragt, ob wir es machen wollen. Dann haben wir die Fia gefragt: Dürfen wir den Test machen? Und die Fia hat 'ja' gesagt - da haben wir es dann gemacht. Mercedes hat nichts falsch gemacht."

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Günter Stalinski 27.05.2013
1. Produkt-Placement
Habe mich schon gewundert, wie Mercedes heute bei der RTL-"Werbesendung" gelobt wurde - ständig der Lauda im Bild. Das Ganze ist sowieso eine Farce, wenn nach dreihundert Kilometern die Boliden im Sekundentakt 'reinkommen.
Pollowitzer 27.05.2013
2. Ferrari und Red Bull haben...
...Protest eingelegt? - Sind doch beide bekannt schlechte Verlierer - Alonso flennt bei jeder Gelegenheit und auch der Sepp ist wenn er nicht siegt immer stark vergnatzt und das macht ihn weniger sympathisch. Gratulatione für Rosberg - gut gemacht!!!
fxe1200 27.05.2013
3. Jedem Sport seinen Skandal
Beim Radfahren wird gedopt, beim Fussball werden Ergebnisse durch Bestechung manipuliert und bei der Formel 1 werden halt Tests gemacht, die dem eigenen Team einen Vorteil verschaffen, ob legal oder illegal wird sich zeigen. Nur mit Ruhm bekleckert hat sich bei diesen Aktionen keiner und dem sportlichen Wettbewerb ist damit auch nicht gedient.
hubie 27.05.2013
4. kopf hoch Nico
Nicht als ob du das hier liest, aber ich gönn dir den Sieg und hoffe, dass du den Sieg behalten kannst. Selbst wenn neue ominöse Aerodynamikteile die vielleicht 1/1000 s gebracht haben pro Runde ~. In Monaco zu überholen macht eher Geschick aus als Geschwindigkeit.
plagiatejäger 27.05.2013
5. Unschuldsvermutung
Jede Seite hat plausible Sichtweisen. Am Ende werden wohl mehr Mercedes-Neuwagen als Ferraris mit Pirellis ab Werk ausgestattet. Ein Interessenkonflikt.
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