Formel-1-Höhepunkte Eier-Spruch, Denkzettel, Reifenplatzer

Vettel, Vettel, immer wieder Vettel: Der Red-Bull-Pilot dominierte das Formel-1-Jahr. Er sorgte auch für den markigsten Spruch und den größten Krach - doch der Gewinner im Fahrerfeld ist ein anderer. Die zehn Highlights der Saison.

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Fahrer der Saison: natürlich Sebastian Vettel. Der 26-Jährige fuhr mit seinem Red Bull in einer eigenen Klasse und holte sich überlegen seinen vierten WM-Titel in Folge. Damit ist er jüngster Vierfach-Champion der Formel-1-Geschichte. Der Sieg beim Großen Preis von Brasilien war Vettels neunter hintereinander und sein 13. Saisonerfolg insgesamt - beides Rekordmarken.

Rennen der Saison: der Grand Prix von Singapur. Dort fuhr Vettel in einer eigenen Welt, hatte im Ziel 32 Sekunden Vorsprung auf den zweitplatzierten Fernando Alonso im Ferrari - und wurde bei der Siegerehrung ausgebuht. Anschließend begann die Diskussion um Vettels Imageproblem, die seine sportlich überragenden Leistungen zeitweise überlagerte. Vettel sei zu unnahbar, zeige kaum Emotionen und gebe zu wenig Privates preis, so die Vorwürfe. Daher wirke er wie ein Sieg-Roboter.

Spruch der Saison: "Wenn die anderen nach Hause gehen und die Eier in den Pool hängen, sind wir noch da und tüfteln weiter am Auto." Damit wollte Vettel nach dem Singapur-Rennen die Dominanz von Red Bull erklären - und sorgte stattdessen für wütende Reaktionen der Konkurrenz, die Vettel den Satz als Arroganz auslegte. "Er sollte sich weniger Gedanken über meine Eier machen und mehr auf sich selbst gucken", konterte zum Beispiel Mercedes-Pilot Nico Rosberg.

Aufreger der Saison: die geheimen Testfahrten von Mercedes in Barcelona für Pirelli. Die Mitbewerber schäumten, allen voran Red Bull. Mercedes kam glimpflich davon, der Automobil-Weltverband Fia bestrafte den Rennstall milde. Es gab eine Verwarnung für Mercedes und für alle anderen Teams die Möglichkeit, ebenfalls Testfahrten zu absolvieren.

Skandal der Saison: Die Reifenplatzer beim Großen Preis von Großbritannien in Silverstone. Bei gleich vier Piloten war der linke Hinterreifen hinüber. Reifenhersteller Pirelli wurde vorgeworfen, dass die Pneus im Extremfall nicht den gewaltigen Fliehkräften standhalten würden, die in ultraschnellen Kurven auftreten. Die Fahrer bangten um ihre Sicherheit und drohten vor dem Großen Preis von Deutschland mit Streik. Als Konsequenz brachte Pirelli die Reifenmischungen zurück, die sich 2012 bewährt hatten. Vor allem Red Bull profitierte davon, nach der Sommerpause gewann Vettel alle neun Rennen.

Krach der Saison: Vettels Entscheidung, beim zweiten Saisonrennen in Malaysia die Team-Order zu ignorieren. Obwohl die Red-Bull-Bosse den Deutschen aufforderten, hinter seinem in Führung liegenden Teamkollegen Mark Webber zu bleiben, attackierte Vettel den Australier mehrfach, überholte ihn und gewann schließlich das Rennen. Galt das Verhältnis zwischen den Fahrern zuvor als stark angespannt, war es nun komplett im Eimer. Webber hatte genug von Vettel und gab sein Ende in der Formel 1 zu Saisonende bekannt.

Gewinner der Saison: Mercedes-Pilot Rosberg. Als Lewis Hamilton zu Jahresbeginn von McLaren kam, gab kaum jemand dem Deutschen eine Chance im Teamduell mit dem Briten. Doch Rosberg fuhr auf Augenhöhe mit Hamilton, gewann sogar ein Rennen mehr: Rosberg siegte in Monaco und Großbritannien, Hamilton in Ungarn. In der WM-Wertung lag Rosberg (171 Punkte) nur 18 Zähler hinter Hamilton (189).

Verlierer der Saison: ganz klar Alonso. Der Spanier schaffte es wieder nicht, Ferrari zu einem Siegerteam zu machen. Das ist eine der Eigenschaften, die man von einem Top-Piloten erwartet. Statt sein Team zu motivieren, kokettierte er mit einem Wechsel zu Red Bull. Statt in der Ferrari-Krise zu seinem Team zu stehen, kritisierte er die Scuderia in der Öffentlichkeit und beklagte sich über den zu langsamen Wagen. Im Kampf mit Vettel war Alonso chancenlos.

Hammer der Saison: die Bekanntgabe des Wechsels von Kimi Räikkönen zu Ferrari. Eigentlich galt eine Rückkehr des Finnen zu den Italienern, mit denen er 2007 Weltmeister geworden war, als ausgeschlossen. Aber Räikkönen lieferte diese und vergangene Saison im Lotus sehr gute Ergebnisse ab und ist der beste Fahrer, der auf dem Markt war. Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo nutzte den Wechsel auch, um Alonso einen Denkzettel für dessen Gemecker zu verpassen. Mit einem so starken Konkurrenten im eigenen Team dürfte es kommende Saison ungemütlich werden für den Spanier.

Aussteiger der Saison: ebenfalls Räikkönen. Weil er von Lotus monatelang kein Geld bekommen haben soll, drohte der Finne mit Streik. Der wurde im letzten Moment abgewendet, weil sich der Rennstall und Räikkönens Management einigten. Die beiden letzten Saisonrennen ließ der 34-Jährige dennoch aus: Er ließ sich am Rücken operieren, um fit bei seinem neuen Arbeitgeber Ferrari antreten zu können.

Räikkönen neben Alonso bei Ferrari: Allein das dürfte die Garantie dafür sein, dass es auch in der Saison 2014 jede Menge Highlights geben wird.

insgesamt 6 Beiträge
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aurichter 26.11.2013
1. Highlights Saison 2014
Das Team RB mit Newey und Vettel wird auch dann wieder die entscheidende Rolle spielen, da ändern auch diese technischen Stolpersteine im wesentlichen nichts dran. Diese Typen in Verbindung mit den vielen Helfern in der Box, sprich Mechanikern und Pitstop-Crew wird der Maßstab sein, da werden die anderen Teams, allen voran die roten Giftpfeile aus Maranello, sich die Zähne ausbeißen. Vermutlich wird Alfonso des öfteren hinter Kimi her tuckeln und mit großer Dankbarkeit das Angebot von McL und Honda annehmen und dann in der Saison 15 für Witmarsh fahren. Seb und Ricciardo, der eine ähnliche Entwicklung nehmen könnte wie der Heppenheimer, werden die Saison dominieren und vorne weg "rasen" Bedauerlicherweise bekommt Hülkenberg wieder keine Chance sein vorhandenes Können in einem wettbewerbsfähigen Auto unter Beweis zu stellen. Ich habe langsam die Vermutung, daß in dem Zirkus eine höhere Macht genau dies eben verhindert um eine deutsche Fahrerdominanz zu unterbinden.Man sollte den kleinen Zwerg dazu einmal interviewen oder Eddi Jordan bei einem Bier die Wahrheit aus der Nase ziehen. Auf jeden Fall sind diese merkwürdigen Cockpitbesetzungen nicht nur mit den Sponsorengeldern zu erklären, da wird hinter den Kulissen kräftig geschmiert, der Ecclestone hat so seine Mittel, unter Garantie.
privatier2 26.11.2013
2. Vettel
hat alleine mehr Punkt (397) gewonnen als Rosberg/Hamilton (360) zusammen. Eine extreme Blamage für Mercedes GP!
welten-bummler 26.11.2013
3. Markigster Spruch
Der markigste Spruch von Vettel war für mich mehr das Webber den Sieg in Malaysia nicht verdiente. Alle Achtung vor Vettels Erfolgen, aber das ist dann leider doch arg arrogant. “Had I understood the message, then I think I would have thought about it, reflected on what it means, what the team wants me to do, to leave Mark in first place and me finishing second,” said Vettel. “And I think I would have thought about it and probably done the same thing because Mark doesn’t deserve that.”
rtdes 26.11.2013
4. Vorgeschichte
Zitat von welten-bummlerDer markigste Spruch von Vettel war für mich mehr das Webber den Sieg in Malaysia nicht verdiente. Alle Achtung vor Vettels Erfolgen, aber das ist dann leider doch arg arrogant. “Had I understood the message, then I think I would have thought about it, reflected on what it means, what the team wants me to do, to leave Mark in first place and me finishing second,” said Vettel. “And I think I would have thought about it and probably done the same thing because Mark doesn’t deserve that.”
Das hat nicht unbedingt etwas mit Arroganz zu tun, sondern mit der (leider) oft vergessenen Vorgeschichte zwischen den Beiden. Webber misachtete mehrfach Team-Order in der Vergangenheit (z.B. Silverstone 2011 - wenngleich nicht so erfolgreich wie Vettel) und war hinterher in den Interviews auch noch besonders stolz darauf. Viele Fans fanden das dann auch noch ganz toll und von Red Bull wurde auch nichts unternommen. Bei aller Sympathie für Mark Webber, er ist eben auch kein Kind von Traurigkeit und stellte sich in dieser Situation natürlich gerne als das arme Opfer dar. Vettel hatte mit seiner Aussage was "geschenkte" Siege angeht vollkommen recht.
abao 26.11.2013
5. Sebastian Vettel führ dieses Jahr in einer anderen Liga
Er ist der Einzige vierfache Weltmeister ohne Unterstützung des Teamkollegen. Sogar Fangio durfte bei Bedarf im Auto der Teamkollege, Schumacher und Prost braucht man gar nicht zu erwähnen.
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