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Formel-1-Saison 2012 Vettel-Gegner starten in den Titelkrampf

Vettels Zukunft: Vorsprung durch Technik
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Getty Images

WM-Triumphator Sebastian Vettel beherrscht die Formel 1 - und sein Team bastelt bereits an einem neuen Auto, damit der Champion auch 2012 die Konkurrenz abhängt. Die Chancen sind bestens: Mercedes steht unter riesigem Druck, bei Ferrari und McLaren herrscht Panik.

Adrian Newey hat keine Zeit zum Feiern. Red Bulls Cheftechniker, der als Konstrukteur des Siegerautos maßgeblich an den beiden WM-Titeln von Formel-1-Pilot Sebastian Vettel beteiligt war, hat Besseres zu tun. Er verbringt seine Zeit längst in der Red-Bull-Fabrik. "Ich muss mich um das Auto für 2012 kümmern", sagt er.

Branchenprimus Red Bull ist nicht das einzige Team, das jetzt schon an die kommende Saison denkt. McLaren, Ferrari und Mercedes entwickeln längst neue Autos, die sie zurück auf die Überholspur bringen sollen. Doch einfach ist das nicht. "Denn", so spekuliert Ex-Formel-1-Pilot Gerhard Berger, "auch 2012 wird Red Bull wieder das Team sein, das es zu schlagen gilt."

Den Titelverteidigern kommt zugute, dass es für die nächste Saison kaum maßgebliche Regeländerungen gibt. "Red Bull kann deshalb auf dem besten Auto aufbauen, während die anderen Teams größere Schritte einplanen und damit für die neuen Autos größere Risiken eingehen müssen", sagt Berger. Das sieht Ferrari-Technikchef Pat Fry ebenso: "Wir müssen ein Auto bauen, das von Anfang an fähig ist, aus eigener Kraft Siege einzufahren. Das ist uns 2011 leider nicht gelungen."

Panik bei Ferrari

Die Wahrheit ist: Bei Ferrari herrscht Panik. Das Saisonziel wurde weit verfehlt. Nur ein Sieg in Silverstone durch Fernando Alonso kommt den Forderungen von Luca di Montezemolo nicht einmal nahe. Der Ferrari-Präsident macht jetzt entsprechend Druck. Technikchef Aldo Costa war das erste Opfer. Er musste vor dem Großen Preis von Kanada gehen. Weitere Ingenieure sollen folgen, andere wollen freiwillig gehen und bieten sich bei anderen Teams an.

Immerhin: Ein erstes Modell des vermeintlichen Heilsbringers für 2012 existiert schon in der Ferrari-Fabrik in Maranello. Revolution statt Evolution hat di Montezemolo für die Wiederbelebung des italienischen Mythos gefordert. Fry windet sich aber bei diesem Thema: "Das Auto ist von Grund auf neu, aber von einer Revolution will ich noch nicht reden." Optimismus klingt anders.

McLaren geht das Projekt Weltmeisterschaft nüchterner an. Man hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. "Es darf uns nicht mehr passieren, dass wir beim ersten Test feststellen, dass unser Auto zwei Sekunden hinter der Spitze herfährt", sagt Chefingenieur Paddy Lowe. Das war McLaren Anfang des Jahres widerfahren.

Die Ingenieure mussten wegen des Versäumnisses reagieren und das Auto für den Saisonstart komplett umbauen. Den entscheidenden Rückstand zu Red Bull zu Saisonbeginn aber, so Lowe, hätte man nie ganz aufholen können. Konfliktpotential gibt es im eigenen Lager. Grund ist Pilot Lewis Hamilton, der sich vom Wunderkind zum starrköpfigen Crashpiloten entwickelt hat. Nach dem verkorksten Freien Training von Indien sagte er: "Das ist meine schlimmste Saison in der Formel 1". Die Mechaniker verdrehen nur noch die Augen, wenn sie den Namen des Briten hören. Teamkollege Jenson Button ist nicht nur Liebling im Team, er hat auch die sportliche Führung übernommen. Das Auto für 2012 wird hauptsächlich nach Buttons Wünschen entwickelt.

Hamilton weiß das: "Jenson hat ein fantastisches Jahr. Er und seine Ingenieure haben einen super Job gemacht. Sie haben gute Entscheidungen getroffen und Jenson ist weltklasse gefahren. Ich muss an mir arbeiten." Allein: Der Zug für Hamilton scheint längst abgefahren. Selbst Teamchef Martin Whitmarsh äußert mittlerweile Kritik an Hamiltons Verhalten.

Druck für Mercedes

Bei Mercedes ist der Druck gewaltig. Auch wenn Motorsportchef Norbert Haug immer wieder beteuert, dass man schwäbisch effizient arbeite und der Vorstand hinter dem Formel-1-Projekt steht: 2012, spätestens aber 2013, müssen Siege her. Falls Mercedes wieder hinterherfährt, droht der Ausstieg. Deshalb gibt Mercedes jetzt richtig Gas und setzt auf Quantität. Mit Ross Brawn (Ferrari), Bob Bell (Renault), Loic Bigois (Prost), Geoff Willis (HRT) und Aldo Costa (Ferrari) arbeiten mittlerweile fünf ehemalige Technikchefs für Mercedes. Auch die Probleme mit den beiden Piloten Michael Schumacher und Nico Rosberg sind nicht einfach zu lösen.

Macht man Konzernbotschafter Schumacher (42 Jahre) auf Kosten des schnelleren Rosberg (26) zu stark, könnte dieser 2013 zu McLaren oder Ferrari flüchten. Teamchef Ross Brawn muss bei Technikern und Fahrern die richtige Balance finden. "Wir haben aus unseren Fehlern der Vergangenheit gelernt", sagt Brawn. Der neue "Silberpfeil" wurde dementsprechend korrigiert. Er wird einen längeren Radstand haben als der aktuelle Wagen. Das soll die Reifen länger haltbar machen. Die schnelle Abnutzung der Pirelli-Pneus besonders an den Hinterrädern wurde als Hauptschwäche diese Saison ausgemacht.

Schwächen zeigte Red Bull auch in diesem Jahr kaum. Für 2012 wird bereits getestet. Motorsportchef Helmut Marko erklärt den Grund: "Im nächsten Jahr wird nur der angeblasene Diffusor abgeschafft. Weil wir die Teile jetzt schon testen und verbessern können, ist das ein großer Vorteil in Sachen Zuverlässigkeit." Die wenigen Schwachstellen sollen behoben werden. "Kers ist bei uns 2010 ein Schwachpunkt gewesen, ganz klar. Und deshalb wird auf diesem Gebiet ganz intensiv weiterentwickelt", sagt Marko.

Designer Adrian Newey, der seine neuen Ideen stets bestens hütet, sagt immerhin: "Wir bauen jetzt schon vor. Alles, was ich sagen kann: Unser neues Auto ist wieder blau." Die Wahrheit aber ist: Es gibt in seinem Büro schon ein fertiges Modell des RB8, das Woche für Woche verfeinert wird. Keine guten Nachrichten für die Konkurrenz.

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insgesamt 7 Beiträge
derlabbecker 29.10.2011
.... 5 ehemalige Technikchefs bei Mercedes, darunter Costa (bei Ferrari rausgeflogen!) und der von HRT (HRT.... hust.....)..... das ist ja mal ein Frontalangriff auf Red Bull, bin mir sicher Vettel, Newey, Horner und Marko machen [...]
.... 5 ehemalige Technikchefs bei Mercedes, darunter Costa (bei Ferrari rausgeflogen!) und der von HRT (HRT.... hust.....)..... das ist ja mal ein Frontalangriff auf Red Bull, bin mir sicher Vettel, Newey, Horner und Marko machen sich schon in die Hose.... vor Lachen :-)
totalmayhem 29.10.2011
Natuerlich gilt es zunaechst einmal, das Weltmeisterauto zu schlagen, welches erwiesenermassen das beste Fahrzeug war. Ausnahmen bestaetigen natuerlich die Regel, z.B. wenn man den Weltmeisterrennstall kauft und ihn dann [...]
Zitat von SPON"Denn", so spekuliert Ex-Formel-1-Pilot Gerhard Berger, "auch 2012 wird Red Bull wieder das Team sein, das es zu schlagen gilt."
Natuerlich gilt es zunaechst einmal, das Weltmeisterauto zu schlagen, welches erwiesenermassen das beste Fahrzeug war. Ausnahmen bestaetigen natuerlich die Regel, z.B. wenn man den Weltmeisterrennstall kauft und ihn dann vertrauensvoll in die Haende von Dilettanten vom Schlage eines Norbert Haug legt. Mercedes's Personalpolitik ist wirklich ein Witz: von anderen Rennstaellen ausgemusterte Versager wie Costa anheuern, welch ein Geistesbliz!
derlabbecker 29.10.2011
... kann Ende der nächsten Saison gehen. Bisher haben ihn immer noch die DTM Erfolge gerettet, die gab es dieses Jahr aber auch nicht. Wenn es in der kommenden Saison in der F1 wieder keine Erfolge in der Art von Podestplätzen [...]
Zitat von totalmayhemNatuerlich gilt es zunaechst einmal, das Weltmeisterauto zu schlagen, welches erwiesenermassen das beste Fahrzeug war. Ausnahmen bestaetigen natuerlich die Regel, z.B. wenn man den Weltmeisterrennstall kauft und ihn dann vertrauensvoll in die Haende von Dilettanten vom Schlage eines Norbert Haug legt. Mercedes's Personalpolitik ist wirklich ein Witz: von anderen Rennstaellen ausgemusterte Versager wie Costa anheuern, welch ein Geistesbliz!
... kann Ende der nächsten Saison gehen. Bisher haben ihn immer noch die DTM Erfolge gerettet, die gab es dieses Jahr aber auch nicht. Wenn es in der kommenden Saison in der F1 wieder keine Erfolge in der Art von Podestplätzen gibt, und ihm in der DTM wieder die Audis, und, noch viel schlimmer, die neuen BMW um die Ohren fahren, wird er sicherlich abgesetzt werden.
Kontroversius 29.10.2011
Es muß wirklich hinterfragt werden an was es liegt! Da hat ein Ross Brawn - in Kombination mit anderen - seinerzeit eine mittelmäßige Truppe wie Ferrari und dem damaligen "Wunderfahrer" Michael Schumacher, zu [...]
Es muß wirklich hinterfragt werden an was es liegt! Da hat ein Ross Brawn - in Kombination mit anderen - seinerzeit eine mittelmäßige Truppe wie Ferrari und dem damaligen "Wunderfahrer" Michael Schumacher, zu xx-Siegen und Weltmeisterschaften verholfen! Brawn verläßt Ferrari, kauft ein Quasi-Pleite-Team und wird mit diesem und Jenson Button, nach praktisch einem Jahr in 2009 Weltmeister! Dann wird dieses Team vom DAIMLER gekauft - später auch noch der F1-Ultra-Weltmeister Schumacher - ein Fahrer, der genauso wie ein Vettel heute, "den Rennwagen mit dem Arsch fährt" .... und was passiert! Auch ein NICHTS! Nicht ein einziger Podestplatz, geschweige ein Sieg!! Zwei ultra-gute Fahrer - Spitzentechnologie von einem Prämiumweltkonzern - und dann nix! Wird es vielleicht wirklich mal Zeit, diesen Haug zum Teufel zu jagen und speziell für die Formel 1 einen anderen zu holen? Dieser Schwaben-Klotz nervt, mit seinen ewigen Ausreden!
Brawn wechselte 1996 zu Ferrari, den ersten Fahrertitel gab es jedoch erst 2000, der vierten Saison nach seinem Wechsel von Benetton. Das ging nicht von heute auf morgen. Für den Erfolg waren drei weitere Faktoren von [...]
Zitat von KontroversiusEs muß wirklich hinterfragt werden an was es liegt! Da hat ein Ross Brawn - in Kombination mit anderen - seinerzeit eine mittelmäßige Truppe wie Ferrari und dem damaligen "Wunderfahrer" Michael Schumacher, zu xx-Siegen und Weltmeisterschaften verholfen! Brawn verläßt Ferrari, kauft ein Quasi-Pleite-Team und wird mit diesem und Jenson Button, nach praktisch einem Jahr in 2009 Weltmeister!
Brawn wechselte 1996 zu Ferrari, den ersten Fahrertitel gab es jedoch erst 2000, der vierten Saison nach seinem Wechsel von Benetton. Das ging nicht von heute auf morgen. Für den Erfolg waren drei weitere Faktoren von entscheidender Bedeutung: 1) Schumacher befand sich in seiner fahrerischen Blüte; 2) Es gab wenig Restriktionen im Hinblick auf Testfahrten, was Ferrari wie kein zweites Team ausnutzte; 3) 1996 holte Ferrari nicht nur Brawn, sondern auch Weltklassedesigner Rory Byrne. Ohne diese drei Faktoren hätte auch ein Ross Brawn Schwierigkeiten gehabt, den ultimativen Erfolg zu erreichen. Es ist kein Zufall, dass Ferraris Dominanz dann zu bröckeln begann, als Byrne sich aufs Altenteil zurückzog. Der Brawn-Wagen des Jahres 2009 wurde noch mit üppigen Honda-Millionen entwickelt, erst danach setzte der Sparkurs ein. Rückblickend lässt sich sagen, dass die blinden Honda-Ingenieure in dem Jahr mal ein Korn gefunden haben, nämlich den Doppeldiffusor. Rosberg ist kein "ultra-guter Fahrer", der Schumacher des Jahres 2011 ebenso wenig. Dass die Spitzentechnologie eines führenden Automobilkonzerns unter den Rahmenbedingungen der Formel 1 nicht zwangsläufig zu Erfolg führt, haben in der jüngeren Vergangenheit schon BMW und Toyota feststellen dürfen, daher ihr Rückzug. Auch das erfolgssüchtige und wenig sparsame Ferrari läuft dem eigenen Anspruch meilenweit hinterher. Mercedes hat mittlerweile selbst eingestanden, das von den Teams zur Kostensenkung auf frewilliger Basis vereinbarte Resource Restriction Agreement allzu optimistisch eingehalten zu haben, wodurch das Team ins (finanzielle) Hintertreffen geraten ist. Das Team will den gegebenen Spielraum zukünftig besser ausnutzen und hat zuletzt zahlreiche neue Mitarbeiter verpflichtet, darunter Costa und Willis. Auch das wird kritisiert, da beide in früheren Jobs gescheitert seien. Nur: Was soll Mercedes groß anders machen? Man verpflichtet jene Leute, die zum einen verfügbar sind und zum anderen in ihrer Vergangenheit auf ordentliche Ergebnisse verweisen können. Ein Adrian Newey steht halt blöderweise andernorts unter Vertrag. Ob diese Maßnahmen Erfolg bringen werden, sei dahingestellt. Man kann Mercedes jedoch kaum in Abrede stellen, es nicht zu versuchen. Und nochmals sei erwähnt: Mercedes hat das alte Honda-Team übernommen - eine Truppe, die in ihrer Formel-1-Zeit meist nichts zustande gebracht hat. Mir geht es weder noch darum, Haug zu verteidigen, noch darum, Brawns Leistungen in Abrede zu stellen. Guckt man sich jedoch alle Umstände genau an, dann ist die momentane Situation des Mercedes-Teams zwar unverändert enttäuschend, aber auch nicht völlig unerklärlich. Schon gar nicht lässt sich Haug anlasten, hauptverantwortlich für die Misere zu sein. Es mangelte bisher einfach an den finanziellen Mitteln, deren Umfang Haug nicht vorgegeben hat, und an erstklassigem Personal, um Teams wie Red Bull Paroli bieten zu können. Mercedes versucht das momentan in den Griff zu bekommen. Ob's klappt - wir werden sehen...
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Formel 1: Wie stehen die Chancen, dass Sebastian Vettel auch 2012 Weltmeister wird?


  • Ralf Bach berichtet bereits viele Jahre über die Formel 1, vorwiegend für "Sport Bild". Seit der Saison 2011 ist er auch für SPIEGEL ONLINE tätig und analysiert die Ereignisse in der wichtigsten Motorsportserie der Welt.


Titelverteidigungen in der Formel 1
Fahrer Jahre
Alberto Ascari (1952, 1953)
Juan Manuel Fangio (1954-1957)
Jack Brabham (1959, 1960)
Alain Prost (1985, 1986)
Ayrton Senna (1990, 1991)
Michael Schumacher (1994, 1995, 2000-2004)
Mika Häkkinen (1998, 1999)
Fernando Alonso (2005, 2006)
Sebastian Vettel (2010, 2011)

Formel-1-Weltmeister (ab zwei Titeln)
Fahrer Anzahl Titel
Michael Schumacher 7 (1994, 1995, 2000-2004)
Juan Manuel Fangio 5 (1951, 1954-1957)
Alain Prost 4 (1985, 1986, 1989, 1993)
Jack Brabham 3 (1959, 1960, 1966)
Jackie Stewart 3 (1969, 1971, 1973)
Niki Lauda 3 (1975, 1977, 1984)
Nelson Piquet 3 (1981, 1983, 1987)
Ayrton Senna 3 (1988, 1990, 1991)
Alberto Ascari 2 (1952, 1953)
Jim Clark 2 (1963, 1965)
Graham Hill 2 (1962, 1968)
Emerson Fittipaldi 2 (1972, 1974)
Mika Häkkinen 2 (1998, 1999)
Fernando Alonso 2 (2005, 2006)
Sebastian Vettel 2 (2010, 2011)
Die schnellsten Formel-1-Weltmeister
Jahr Fahrer (Zeitpunkt WM-Titel)
1963 Jim Clark (nach 7 von 10 Rennen)
1965 Jim Clark (nach 7 von 10 Rennen)
1969 Jackie Stewart (nach 8 von 11 Rennen)
1971 Jackie Stewart (nach 8 von 11 Rennen)
1992 Nigel Mansell (nach 11 von 16 Rennen)
2001 M. Schumacher (nach 13 von 17 Rennen)
2002 M. Schumacher (nach 11 von 17 Rennen)
2004 M. Schumacher (nach 14 von 18 Rennen)
2011 Sebastian Vettel (nach 15 von 19 Rennen)


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