Formel-1-Saison ohne Wehrlein Williams vergibt letztes Cockpit an Sirotkin

Die letzte Chance auf ein Cockpit ist futsch: Pascal Wehrlein wird in der kommenden Saison kein Stammfahrer der Rennserie. Damit starten erstmals seit 22 Jahren nur zwei Deutsche in die Saison.

Russischer Rennfahrer Sergej Sirotkin
Getty Images

Russischer Rennfahrer Sergej Sirotkin


Für Pascal Wehrlein ist 2018 in der Formel 1 kein Startplatz mehr vorhanden. Der englische Traditionsrennstall Williams hat das letzte freie Cockpit in der Königsklasse an den 22 Jahre alten Russen Sergej Sirotkin vergeben. Der 19-jährige Kanadier Lance Stroll war nach einer ordentlichen Rookie-Saison als zweiter Stammfahrer bereits bestätigt worden.

Damit starten 2018 erstmals seit 22 Jahren nur zwei Deutsche in eine Formel-1-Saison. 1996 waren Michael Schumacher und Heinz-Harald Frentzen dabei, nun sind nur noch Sebastian Vettel von Ferrari und Renault-Pilot Nico Hülkenberg übrig.

Das Williams-Team gab zudem den Polen Robert Kubica als neuen Testfahrer bekannt. Für den 33-Jährigen ist es fast sieben Jahre nach seinem Unfall bei einer Rallye erstmals wieder ein Vollzeitjob in der Rennserie. Kubica war zunächst auch als Stammfahrer im Gespräch.

Sirotkins Verpflichtung hat finanzielle Gründe

Wehrlein bleibt in der Formel 1 nur die Rolle des Ersatzfahrers beim Weltmeisterteam Mercedes. Allerdings ist es wahrscheinlich, dass der frühere DTM-Champion in der Saison 2018 parallel in einer anderen Rennserie an den Start geht. Es sei für ihn "nicht vorstellbar", im kommenden Jahr keine Rennen zu fahren, hatte Wehrlein zuletzt gesagt - und immer wieder betont, die Hoffnung auf ein Stammcockpit in der Königsklasse nicht aufzugeben.

Der 23-Jährige debütierte 2016 für Manor in der Formel 1. Nach der Insolvenz des Rennstalls wechselte er zur Saison 2017 zum Ferrari-Kunden Sauber. In 39 Formel-1-Rennen ergatterte Wehrlein sechs WM-Punkte.

Die Williams-Verpflichtung von Sirotkin als Fahrer dürfte vor allem finanzielle Interessen verfolgen. Der Formel-1-Debütant soll mit angeblich 15 Millionen Euro an Sponsorengeldern unterstützt werden. Das Geld kommt von SMP Racing, hinter dem Oligarch Boris Rotenberg steht.

jan/sid/dpa



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aurichter 16.01.2018
1. Früher
wollten die Rennställe gute Fahrer, heute werden nur noch Fahrer mit dickem Sponsorengeld verpflichtet. Qualität spielt nur noch eine untergeordnete Rolle, solang wenigstens ein Fahrer für ein paar Punkte sorgt und somit das Geld aus dem Pool sprudelt. Gute Formel1 war gestern, das was jetzt da läuft ist nur noch TV und Werbegelder, also fahrende Litfaßsäule zzgl Werbepausen wie bei RTL. Diese F1 ist bald Geschichte.
uzsjgb 16.01.2018
2.
Zitat von aurichterwollten die Rennställe gute Fahrer, heute werden nur noch Fahrer mit dickem Sponsorengeld verpflichtet. Qualität spielt nur noch eine untergeordnete Rolle, solang wenigstens ein Fahrer für ein paar Punkte sorgt und somit das Geld aus dem Pool sprudelt. Gute Formel1 war gestern, das was jetzt da läuft ist nur noch TV und Werbegelder, also fahrende Litfaßsäule zzgl Werbepausen wie bei RTL. Diese F1 ist bald Geschichte.
Nein, das stimmt nicht. Formel 1 hat auch früher schon Geld gekostet und es wurden immer Fahrer mit Geld gesucht. Michael Schumacher musste sich in die Formel 1 einkaufen, Niki Lauda musste sich in die Formel 1 einkaufen.
TheFunk 16.01.2018
3. Mercedes-Benz hätte
Williams die Motoren kostenlos geben sollen, um Pascal Wehrlein unterzubringen. Mercedes-Benz hat eine seltsame Vorstellung davon, junge Fahrer voran zu bringen.
der-junge-scharwenka 17.01.2018
4.
Zitat von aurichterwollten die Rennställe gute Fahrer, heute werden nur noch Fahrer mit dickem Sponsorengeld verpflichtet. Qualität spielt nur noch eine untergeordnete Rolle, solang wenigstens ein Fahrer für ein paar Punkte sorgt und somit das Geld aus dem Pool sprudelt. Gute Formel1 war gestern, das was jetzt da läuft ist nur noch TV und Werbegelder, also fahrende Litfaßsäule zzgl Werbepausen wie bei RTL. Diese F1 ist bald Geschichte.
Sie wollen auch heute noch gute Rennfahrer. Dieser Aspekt ist ganz sicher bei allen Teams in die Bewertung der Frage eingeflossen, ob sie Wehrlein verpflichten wollen oder nicht. Das Ergebnis spricht für sich. Um es klar zu sagen: Wehrlein ist ein mittelmäßiger Fahrer, der Sirotkin nicht viel voraus hat. Er hat alle seine Erfolge in Serien erzielt, in denen Mercedes werksseitig vertreten war. Sirotkin ist zweimal Dritter der GP2-Meisterschaft geworden, einer Serie, in der Wehrlein gar nicht angetreten ist, weil es dort keine Mercedes-Unterstützung gibt. Wehrlein gilt als menschlich schwieriger Fahrer, der es geschafft hat, sich durch persönliches Fehlverhalten bei für ihn wichtigen Teams unmöglich zu machen. Das hat er öffentlich eingestanden. Seine Einlassung vom Dezember 2016 zum gescheiterten Force-India-Einsatz lautete: "Beim Test ist etwas vorgefallen, worüber sie nicht glücklich waren. Das ist passiert, ich kann es nicht mehr ändern, sondern muss daraus lernen und es in Zukunft besser machen." Entgegen den Vermutungen aus Fan-Foren handelte es sich nicht darum, dass er keine Mercedes-Interna weitergeben wollte. Dafür müsste man sich nämlich nicht öffentlich entschuldigen. Und bevor jetzt wieder die übliche Antwort kommt: Ich kein Audi-Fahrer.
der-junge-scharwenka 17.01.2018
5.
Zitat von TheFunkWilliams die Motoren kostenlos geben sollen, um Pascal Wehrlein unterzubringen. Mercedes-Benz hat eine seltsame Vorstellung davon, junge Fahrer voran zu bringen.
Bei Williams hätte das nicht geklappt. Wehrlein passt tatsächlich nicht ins Williams-Team, da er dem Hauptsponsor, einer Alkoholmarke, zu jung ist. So ehrlich muss man sein. Im Übrigen erhält Williams bereits einen Nachlass bei den Motorenpreisen, weil Williams zu Saisonbeginn 2017 den Stammfahrer Bottas an Mercedes abgegeben hat. Das lässt sich das Team auch 2017 noch bezahlen. Der von Ihnen angeregte Motorendeal hätte eher mit dem Mercedes-Kunden Force India klappen können. Dort haben sie aber Wehrlein mit Händen und Füßen abgewehrt. Warum? Weil sie auf Teufel komm heraus keinen guten Fahrer im Team haben wollten? Und mindestens genauso spannend ist eine andere Frage: Warum hat Mercedes Wehrlein 2017 nicht selbst ins Team geholt, nachdem Rosberg in Rente gegangen war? Die übliche Antwort in Fan-Foren lautet: Weil Hamilton Angst vor Wehrlein hatte. Auf den Punkt gebracht: Ein Nachwuchsfahrer, der einmal die DTM und sonst nichts gewonnen hat, versetzt einen dreimaligen F1-Weltmeister in Angst und Schrecken? Um das zu glauben, muss man einige Naivität mitbringen. Die naheliegende Antwort ist: Weil Wehrlein nicht gut genug für das Mercedes-Werksteam war.
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