Neue Formel-1-Saison Schnellste Rennrunde soll mit Extrapunkt belohnt werden

Wer mehr riskiert, soll stärker belohnt werden: Die Organisatoren der Formel 1 wollen künftig einen Extrapunkt für die schnellste Rennrunde vergeben. Profitieren dürften davon die Topteams.

Lewis Hamilton im Mercedes
Getty Images

Lewis Hamilton im Mercedes


In der Formel 1 soll sich Geschwindigkeit bald stärker auszahlen. Wie mehrere Fachmedien am Freitag berichteten, darunter "Motorsport-Magazin", wird voraussichtlich schon beim Saisonstart am 17. März in Melbourne (6.10 Uhr MEZ/Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: RTL und Sky) die schnellste Rennrunde mit einem Extrapunkt belohnt. Ein entsprechender Plan sei vom Motorsport-Weltrat des Automobil-Dachverbands Fia am Donnerstag abgesegnet worden.

Allerdings soll die Chance auf den Extrapunkt lediglich Fahrern vorbehalten sein, die das Rennen unter den Top Ten abschließen. So soll verhindert werden, dass weit zurückliegende Piloten mit frischen Reifen und vollem Risiko einzig und allein den Extrapunkt jagen, der genauso viel wert wäre wie der zehnte Platz.

In der Formel 1 wurde bereits von 1950 bis 1959 die schnellste Rennrunde mit einem Zusatzpunkt belohnt. 1958 brachte diese Regel dem Briten Mike Hawthorn gar den entscheidenden Vorteil im Titelduell mit seinem Landsmann Stirling Moss.

Regeländerung von der vor allem die Spitzenteams profitieren dürften

Um die Regeländerung perfekt zu machen, müssen noch die Strategiegruppe und die Formel-1-Kommission zustimmen. Scheitert der Plan, soll Formel-1-Eigner Liberty Media für 2020 einen neuen Anlauf vornehmen wollen. Dann wäre bei der Formel-1-Kommission keine einstimmige Zustimmung mehr nötig, sondern nur noch eine 70-prozentige.

Von der Regeländerung dürften vor allem die Spitzenteams profitieren. In den vergangenen vier Jahren sind bis auf wenige Ausnahmen meist die Topmannschaften um Mercedes, Ferrari und Red Bull die schnellsten Rennrunden gefahren. Valtteri Bottas im Mercedes gelangen 2018 mit sieben schnellsten Rennrunden die meisten.

Dahinter: Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo (4), Sebastian Vettel im Ferrari (3), Lewis Hamilton von Mercedes (3), Max Verstappen (2, Red Bull), Fernando Alonso (2, McLaren), Sergio Pérez (1, Force India), Nico Hülkenberg (1, Force India), Daniil Kvyat (Toro Rosso), Kimi Räikkönen (1, Ferrari) und Kevin Magnussen vom Haas-Team (1).

Anm. d. Redaktion: Wir hatten in einer früheren Version geschrieben, dass es in den vergangenen vier Jahren mit dem Haas-Team nur eine Ausnahme gegeben hat. Diese Angabe haben wir korrigiert.

jan/sid

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uzsjgb 08.03.2019
1. Wer weniger riskiert, wird belohnt
Es werden nur Fahrer aus den drei Topteams um die schnellste Runde fahren können. Alle anderen sind zu langsam. Und wie werden diese sechs Fahrer um die schnellste Runde fahren können? Nur mit frischen Reifen. Da haben die Fahrer zwei Möglichkeiten: Reifen schonen oder Reifenwechsel kurz vor Schluß. Einen Reifenwechsel für einen Punkt werden die Fahrer nur dann riskieren, wenn sie einen sicheren Vorsprung haben. Einen Platzverlust wird keiner für einen Punkt riskieren. Aber wenn beide Fahrer eines Teams überlegen führen, wird folgendes passieren: der Führende holt sich frische Reifen, fällt dabei aber hinter den Zweiten zurück. Dann fährt dieser auf frischen Reifen die schnellste Rennrunde und darf dann per Stallregie wieder in Führung gehen. Sportlich eine Farce und der Sieger bekommt dafür sogar noch einen Punkt geschenkt. Wenn die Vorsprünge zu gering für einen Reifenwechsel sind, werden die Fahrer so langsam wie möglich fahren, um die Reifen zu schonen. Besonders lustig wird das in Monaco werden, wo der Führende extrem langsam fahren wird, um Reifen zu schonen. Dabei müssen die Fahrer extrem von der Box geführt werden, um den optimalen Zeitpunkt für die schnellste Runde zu finden, da diese sehr von einer freien Strecke abhängt. Ich sehe kein Szenario, wo die Jagd nach der schnellsten Runde zu mehr Spannung im Rennen führen wird. Eher das Gegenteil. Wobei es durchaus auch sein kann, dass die Teams den Extrapunkt einfach ignorieren werden, weil dieser in der Gesamtwertung kaum eine Rolle spielen wird.
Anna156464641156 08.03.2019
2.
Ich kenne mich überhaupt nicht mit der Formel 1 aus aber im Text steht ja das man Bedingungen an die Regel knüpft um zu verhindern das hinten liegende Teams auf den Extrapunkt schielen um dann zu sagen davon profitieren nur die vorderen Teams. Warum nimmt man dann nicht einfach die Bedingung raus. Das wäre doch auch interessanter als auf den hinteren Plätzen in Schleichfahrt, um den Motor zu schonen, das Rennen zu beenden.
colinchapman 08.03.2019
3. ein falsches Zeichen
spätestens nach dem verunglückten e-Prix am Battersea Park von 2016 sollte man die Regel, die schnellste Rennrunde mit einem Extrapunkt zu belohnen, beerdigen. Damals entschied zwischen den beiden Titelaspiranten Sebastien Buemi und Lucas di Grassi ein Punkt um den Titel, nur leider rauschten sie in der ersten Kurve zusammen. Sie nahmen das Rennen wieder auf, so entstand hinter dem Feld ein Ping-Pong-Wettbewerb um die schnellste Rennrunde. Wobei dann der von den beiden, der gerade die schnellste Rennrunde hielt, fortan langsam um den Kurs schlich, nur um dem verhaßten Rivalen im richtigen Zeitpunkt im Weg zu stehen und ihm damit die schnellste Rennrunde unmöglich zu machen. Die Formel E führte darauf die Regel ein, dass nur derjenige, der auch regulär in die Punkteränge fährt, den Sonderpunkt für die schnellste Rennrunde bekommen kann. Das ist in der Formel 1 aber irrelevant, solange vorne drei Topteams mit sechs Autos fahren, die die vierzehn Autos der sieben anderen Teams regelmäßig überrunden. In Mexiko überrundete der Fünftplatzierte Valtteri Bottas den Sechstplatzierten Nico Hülkenberg.
ziehenimbein 08.03.2019
4. Ich mag die Idee!
So steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es gegen Rennende den einen oder anderen Abflug oder Unfall mit einer anschließenden Safetycar-Phase gibt. Das Feld wird dann wieder verdichtet und die Entscheidungen der Strategen dürften interessant werden. Die Rennen, wo in der letzten Viertelstunde fast gar nichts mehr passiert, dürften dann eher die Ausnahme sein. Bitte sofort umsetzen! Vielleicht noch ein Punkt für die meisten Überholvorgänge?
RalfBukowski 08.03.2019
5. Naja, wenn schon
...sollte man gerade den zurück liegenden Teams das gewähren. "So soll verhindert werden, dass weit zurückliegende Piloten mit frischen Reifen und vollem Risiko einzig und allein den Extrapunkt jagen, der genauso viel wert wäre wie der zehnte Platz." Damit die immerhin eine winzige Chance auf Punkte haben. Ansonsten macht es weder sportlich noch sonstwie Sinn, weil die ersten Drei ohnehin alles unter sich ausmachen. Es ist wie immer: Es wird an allem herumgedreht, aber die Verantwortlichen begreifen offenbar nicht, wo die Probleme liegen. Siehe Frontflügelsalat für diese Saison.
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