Von Maximilian Rau
Die Rennstrecke in Spa-Francorchamps ist eine, auf der sich nur wenige wohl fühlen. Sie passt zu Michael Schumacher. Als er hier im August 1995 in den Großen Preis von Belgien startet, rechnet wohl nur einer mit seinem Sieg: er selbst.
Tatsächlich fährt Schumacher von Platz 16 auf eins. Mit Slicks, bei Regen. Solche Siege konnte in der Formel-1-Geschichte wohl nur Schumacher herausfahren. Nun hat der Rekord-Weltmeister seine Karriere beendet. "Es ist Zeit, Tschüs zu sagen", sagte er.
Mit seinem Rücktritt beendete Schumacher auch die Spekulationen, die es in den vergangenen Wochen gegeben hatte. Erst am Freitag hatte Mercedes bekanntgegeben, dass Schumachers auslaufender Vertrag nicht verlängert werde. Mit Lewis Hamilton präsentierte der Rennstall sogleich einen Nachfolger.
Schumacher wird zum "Schummel-Schumi"
Schumacher ist nicht nur nach WM-Titeln (sieben) der erfolgreichste Fahrer der Formel-1-Geschichte. Er hält etliche weitere Rekorde, wie für die meisten Siege (91) und Pole-Positions (68), die meisten schnellsten Rennrunden, Führungskilometer - die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Die meiste Zeit war dabei Ross Brawn sein Begleiter. Der Brite war der Stratege, am Kommandostand ebenso genial wie Schumacher auf der Strecke.
"Wir haben so viele gemeinsame Erfahrungen gemacht bei Benetton, Ferrari und Mercedes, und ich bin sehr stolz und fühle mich geehrt, dass ich mit Michael eng zusammenarbeiten durfte", sagte Brawn, aktuell Teamchef bei Mercedes. Für den 57-Jährigen ist Schumacher der größte Fahrer der Formel-1-Geschichte. Ende 1991 arbeiteten beide bei Benetton erstmals gemeinsam zusammen, 1997 folgte Brawn Schumacher zu Ferrari.
Brawn hielt stets zu Schumacher, auch wenn dieser in die Kritik geriet: In der Saison 1994 sorgten er und das Benetton-Team für einige Skandale. Zunächst ging es um angebliche Manipulationen an seinem Rennwagen, bei zwei Rennen wurde Schumacher nachträglich disqualifiziert, für zwei weitere gesperrt.
Der Höhe- und gleichzeitige Tiefpunkt folgte im letzten Lauf beim Großen Preis von Australien in Adelaide im November 1994. Schumacher und Damon Hill trennte nur ein Punkt in der Gesamtwertung. Nach einem Fahrfehler berührte Schumacher in Führung liegend die Mauer, Hill setzte zum Überholen an - doch der Deutsche fuhr absichtlich in den Williams seines Kontrahenten. Beide fielen aus, Schumacher gewann seinen ersten WM-Titel - und wurde so zum "Schummel-Schumi".
Die Tifosi vergöttern Schumacher
Drei Jahre später versuchte Schumacher, dann im Ferrari, beim letzten Grand Prix im spanischen Jerez ein ähnliches Manöver gegen Jacques Villeneuve. Doch der Kanadier konnte weiterfahren. Der Weltverband Fia wertete Schumachers Verhalten als Unsportlichkeit und schloss ihn aus der WM-Wertung aus, alle seine Punkte wurden aberkannt. Dieser fast schon rücksichtslose Ehrgeiz und seine verbissene Art waren die Grundlage für Schumachers Erfolg. Aber sie machten es den Fans schwer, ihn bedingungslos zu lieben.
Das änderte sich erst während seiner Zeit bei Ferrari, wohin Schumacher 1996 gewechselt war. Die Scuderia baute Schumacher zwischen 2000 und 2004 Autos, in denen er sein Können voll nutzen konnte. Die Tifosi in Italien vergöttern Schumacher wegen der fünf WM-Titel in Folge noch heute. Einen weiteren Gewinn der Weltmeisterschaft verhinderte 1999 ein schwerer Unfall in Silverstone, bei dem Schumacher einen Schien- und Wadenbeinbruch erlitt.
2006 trat Schumacher schließlich zurück, doch loslassen konnte er noch nicht. Drei Jahre später kündigte er sein Comeback an. Das neue Mercedes-Team wollte er an die Spitze führen, so wie es ihm einst mit Benetton und Ferrari gelungen war. Doch die vermeintliche Traumehe scheiterte. In den ersten beiden Saisons fuhr Schumacher nicht einmal aufs Podest, dieses Jahr feierte er immerhin einen dritten Platz in Valencia. Zuletzt fiel Schumacher jedoch mit einigen peinlichen Unfällen auf: So verpasste er beim Grand Prix in Singapur den Bremspunkt und fuhr dem Franzosen Jean-Eric Vergne ins Heck - ein Anfängerfehler.
Trotz der schwierigen drei Jahre bei Mercedes ist Schumacher mit sich selbst im Reinen, wie er sagt. Er habe viel gelernt: "Dass Verlieren schwieriger als Gewinnen sein kann, und auch lehrreicher; vorher hatte ich das manchmal aus den Augen verloren." Schumacher war nach seinem Comeback lockerer, wirkte entspannt. Große Erfolge waren für ihn so nicht mehr möglich.
Den Fans werden trotz des mäßigen sportlichen Comebacks die vielen spektakulären Rennen in Erinnerung bleiben. Zum Beispiel das in Spa im August 1995. Denn so fahren konnte nur einer: Michael Schumacher.
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