Vettels Premiere für Ferrari Sieglos glücklich

Erstes Rennen und gleich aufs Podest. Sebastian Vettels Einstand bei Ferrari ist geglückt. Doch für die großen Triumphe ist Konkurrent Mercedes einfach zu stark. Vettel weiß das - und reagiert abgeklärt.

Getty Images

Aus Melbourne berichtet Christian Menath


Es hat nur ein Rennwochenende gedauert. Sebastian Vettel, vierfacher Weltmeister und im vergangenen Jahr bei Red Bull nahezu komplett spaßbefreit, lacht wieder. Der Ferrari-Pilot fuhr beim Großen Preis von Australien auf Platz drei, ein bemerkenswertes Ergebnis für den 2014 wenig konkurrenzfähigen Rennstall - mehr aber noch für Vettel.

"Ich habe Sebastian noch nie so ausgelassen, so fröhlich und so zufrieden mit einem fast schon Ricciardo-artigen Lächeln im Gesicht durchs Wochenende gehen sehen", sagt Ex-Formel-1-Pilot Christian Danner SPIEGEL ONLINE. "Er strahlt wie ein Honigkuchenpferd. Wenn ich sehe, wie er Arm in Arm mit Teamchef Maurizio Arrivabene durchs Fahrerlager geht, ist das einfach toll und ganz anders als in der Vergangenheit!"

Neues Team, neues Auto, neue Herausforderung. Für Vettel beginnt das Formel-1-Leben bei Ferrari mit einem weißen Blatt Papier. "Einem roten Blatt!", korrigiert der 27-Jährige mit einem Grinsen. Dieses Lachen war selten geworden 2014. Keine Erfolge, kein Glück, kein Spaß, dazu fuhr Teamkollege Daniel Ricciardo fast immer schneller. All das ist nach nur einem Rennwochenende in Rot wie verflogen.

"Happy, happy, happy"

Mit seinem Podestplatz in Melbourne übertraf Vettel sogar sein großes Idol Michael Schumacher, der bei seiner Ferrari-Premiere in Australien 1996 mit einem technischen Defekt ausfiel.

"Happy, happy, happy" - kein Wort benutzte Vettel bei den unzähligen Interviews in Australien häufiger. Von Mittwoch bis Sonntag betonte er die gute Atmosphäre innerhalb des Teams. "Die Leute arbeiten sehr gut zusammen und sind glücklicher, es macht allen mehr Spaß", hebt auch Teamkollege Kimi Räikkönen, eigentlich als wortkarger Stoiker bekannt, das neue "Happy"-Gefühl in Rot hervor. "Wenn man die Resultate erzielt, pusht das die Leute noch mehr in die richtige Richtung."

Dieses Resultat erzielte Vettel mit seinem dritten Rang hinter den überlegenen Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Nico Rosberg. Der immer noch große Rückstand auf Mercedes ist Vettel bei aller Euphorie jedoch bewusst: "Es liegt noch viel Arbeit vor uns, um Mercedes zu besiegen, aber auch das wird uns gelingen." Der alte Kampfgeist ist in Vettel wiedererwacht. "Natürlich ist es nicht schön, nicht Erster zu werden, aber man muss Mann genug sein, das zu akzeptieren."

Räikkönen mit Teilschuld bei verpatzten Boxenstopps

Tatsächlich zeigt die Formkurve des Teams in diesem Jahr steil nach oben. Ferrari blieb in der Saison 2014 ohne Sieg. Seit dem Großen Preis von Spanien 2013 gab es keinen Ferrari-Triumph mehr in der Formel 1. Eine Katastrophe für die Tifosi. "Unser Ziel ist allen klar", sagt Vettel. "Wir wollen dorthin, wo wir hingehören. Dass wir dort noch nicht sind, wissen wir selbst. Wir sind aber drauf und dran, das hinzubekommen."

Bei aller Begeisterung über den fantastischen Vettel-Einstand darf Ferrari jedoch nicht das Gesamtbild aus den Augen verlieren. Mercedes hat noch einen enormen Vorsprung - und Williams fuhr auf einem ähnlichen Niveau wie die Roten. Viel schwerwiegender waren jedoch die beiden Patzer bei den Boxenstopps von Kimi Räikkönen, die den Finnen letztlich sogar einen Ausfall bescherten. Obendrein schien die Team-Strategie mit zwei Boxenstopps einen Kampf um den dritten Podestplatz zu vereiteln.

Beim ersten verpatzten Boxenstopp half Räikkönen mit einem kleinen Fehler mit. Der Finne rutschte kurz von der Kupplung ab, weshalb sich die Reifen leicht drehten. Dadurch konnten die Mechaniker das Rad nur schlecht befestigen. Beim zweiten Stopp gab es laut Teamchef Arrivabene ebenfalls hinten links ein Problem mit der Radmutter. Noch ist also nicht alles perfekt beim Team aus Maranello.

Vettel ist sich dessen bewusst. "Es gibt noch ein paar Probleme auszumerzen", gesteht er. "Leider hat es für Kimi nicht bis zur Zielflagge gereicht. Von daher gibt es noch Dinge, die wir verbessern können." Die Fortschritte der Wintermonate machen Ferrari und Vettel jedoch Mut. "Für heute können wir zufrieden sein. Für die nächsten Rennen lautet unsere Zielsetzung nach dem tollen Ergebnis an diesem Wochenende, dass wir diese Position unterstreichen wollen."

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insgesamt 21 Beiträge
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banditjarno 15.03.2015
1.
...........ich habe mich via E-Mail bei RTL über die katastrohale Berichterstattung beschwert.! Das kann man sich als normaler TV-Mensch nicht mehr antun,sowas laaaaaaaaaaaangweiliges....
vhn 15.03.2015
2. Als Vettel noch bei RB war...
... haben hier im Forum viele getönt, er solle mal zu Ferrari gehen, weil er nur im überlegenen Auto vorn fahren kann :-) Schade, dass der Abstand so groß ist. Da muss sich doch regeltechnisch was drehen lassen. Ging doch zu RB Zeiten auch...
Xanadu09 15.03.2015
3. Am schlimmsten...
... war für mich diese neue Moderatorin bei RTL in der Vorbericherstattung. Erst stellt die inkompetente Fragen (die von Heiko Wasser und Christian Danner nachträglich richtig gestellt werden müssen) und dann "grätscht" die bei Florian und Nikki mit einem Kuchen ins Gespräch. Nichts gegen weibliche Verstärkung bei RTLs Formel 1 Team, aber bitte nicht so unseriösen Eye-Candy.
wiebkedunker 15.03.2015
4. Christian Danner hat . . .
. . . den "JA-Virus". 90% seiner Sätze beginnen mit "JA . . . ."
stefan_sts 15.03.2015
5. RTL ist der Sargnagel für die F1 ,
daher möchte ich mich ausdrücklich bei unsern lieben südlichen Nachbarn für die immer wieder beeindruckenden Übertragungen bedanken , echte Experten mit wirklichem Sachverstand , keinerlei Werbung während der Übertragung , kein grenzwertiger Modegeschmack von übergewichtigen Moderatoren , welche tatsächlich auch wissen , wovon sie reden ...Vielen Dank Austria !!!
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