Rückschlag für Vettel in der Formel 1 Die Reifenprüfung

Sebastian Vettel hätte allen Grund gehabt, verärgert zu sein. Rivale Lewis Hamilton gewann auch, weil die Reifen kurzfristig verändert wurden. Doch Vettel blieb gelassen - seine neue Stärke im WM-Kampf.

Sebastian Vettel beim Großen Preis von Spanien
Getty Images

Sebastian Vettel beim Großen Preis von Spanien

Aus Barcelona berichtet


Sebastian Vettel wird in diesem Jahr 31 Jahre alt. Von Altersweisheit lässt sich in diesem Stadium vermutlich noch nicht sprechen, aber der vierfache Formel-1-Weltmeister hat gelernt, gelassener zu werden. Das hatte er bereits zu Beginn des Rennwochenendes in Barcelona angedeutet. "Gewisse Dinge lassen sich nicht ändern", sagte Vettel: "Ich bin lange genug dabei, ich lasse mich nicht mehr von Kleinigkeiten ablenken."

Zu diesem Zeitpunkt wusste er noch nicht, dass er nach zwei Siegen zu Saisonbeginn zum dritten Mal in Folge nicht auf dem Podium landen würde. Beim Großen Preis von Spanien war Vettel als Dritter ins Rennen gegangen, wurde jedoch als einziger Fahrer aus der Spitzengruppe zu zwei Reifenwechseln gezwungen und landete beim Sieg seines großen WM-Rivalen Lewis Hamilton nur auf dem vierten Platz. In der WM-Wertung wuchs Vettels Rückstand auf 17 Punkte an - für Ferrari war es, auch wegen des Ausfalls von Kimi Räikkönen, ein äußerst bescheidenes Wochenende.

Jubelnder Lewis Hamilton
Getty Images

Jubelnder Lewis Hamilton

Während des Rennens waren die meisten Beobachter noch davon ausgegangen, die Scuderia habe einen Strategiefehler begangen und Vettel so den Podestplatz genommen. In der 42. Runde kam er während einer virtuellen Safety-Car-Phase zum zweiten Mal an die Box. Doch statt mit frischen Reifen angreifen zu können, ging es laut Vettel vielmehr darum, größeren Schaden abzuwenden: "Die Reifen hätten nicht gehalten."

Vettel wollte sich hinter Hamilton und dessen Teamkollegen Valtteri Bottas auf dem dritten Platz einreihen, doch weil in der Boxengasse etwas Verkehr herrschte und der Reifenwechsel nicht perfekt funktionierte, fuhr auch noch Red Bulls Max Verstappen vorbei, und so reichte es nur zu Rang vier. "Leider war ich dann nicht in der Lage, mit den frischen Reifen zu attackieren", sagte Vettel.

Pirelli entscheidet die Rennen mit

Die Pirelli-Reifen bleiben ein leidiges Problem in der Formel 1. In Barcelona waren sie sogar das alles beherrschende Thema. Der Hersteller hatte bekanntgegeben, die Lauffläche der Reifen für die Rennen in Spanien, England und Frankreich um 0,4 Millimeter dünner gemacht zu haben, um die bei den Testfahrten vor der Saison in Barcelona verstärkt aufgetretene Blasenbildung zu verhindern. In Silverstone und Le Castellet rechnet Pirelli mit ähnlichen Asphalt-Bedingungen, die in Barcelona durch ungewohnt kühle Temperaturen und Regen in der Nacht vor dem Rennen verstärkt wurden.

Größter Profiteur dieser Maßnahme waren die siegreichen Silberpfeile und so entstanden schnell Verschwörungstheorien, Pirelli habe die Verkleinerung zusammen mit Mercedes ausgetüftelt. Früher wäre Vettel genüsslich auf einen solchen Zug aufgesprungen, um von eigenen Fehlern oder denen seines Teams abzulenken. Noch im vergangenen Jahr war der impulsive Vettel in Aserbaidschan Hamilton ins Auto gefahren. Doch diesmal blieb der WM-Zweite, wie am vergangenen Donnerstag angekündigt, gelassen.

"Die Reifen wurden verändert, aber sie wurden für alle verändert", sagte Vettel: "Es gibt keine Entschuldigungen, wir waren einfach nicht schnell genug. Die neuen Reifen haben nicht so gut zu unserem Auto gepasst wie bei den anderen Teams."

Hamilton gewinnt Selbstvertrauen zurück

Titelverteidiger Hamilton, der in den Tagen vor dem Rennen noch nachdenklich und zweifelnd gewirkt hatte, wollte von einem Pakt zwischen Pirelli und Mercedes ohnehin nichts wissen. "Das ist eine dumme Frage", hatte der Brite nach dem Qualifying zu einem Journalisten gesagt: "Darauf habe ich keine Antwort."

Nach dem Rennen war Hamiltons Selbstsicherheit zurück. "Wir hoffen, dass dieser Sieg Teil eines Wendepunkts sein kann. Wir verstehen das Auto jetzt viel besser." So weit wollte sein Teamchef nicht gehen. "Ich wäre vorsichtig mit Prognosen für die kommenden Rennen", sagte Toto Wolff.

In zwei Wochen geht die Weltmeisterschaft mit dem Traditionsrennen in Monaco weiter. Dann werden wieder die ursprünglich geplanten Reifen eingesetzt, es dürften wärmere Temperaturen vorherrschen und Vettel hatte im vergangenen Jahr bewiesen, auf dem Stadtkurs gut zurechtzukommen. Viele Experten sehen im Ferrari das derzeit stärkste Auto im Feld. "Ich bin sehr optimistisch für Monaco, wir werden in guter Form sein", sagte Vettel.

Dabei lächelte er sogar leicht, wie es sich für einen gelassenen 30-Jährigen Rennfahrer gehört.

insgesamt 17 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
roman199 14.05.2018
1. Vettel Fan
Peinlich, peinlich wie vettelfreundlich Spiegel Online immer berichtet. Jede wilde Spekulation über irgendwelche Verschwörungstheorien bei Reifen, ist dem Redakteur nicht zu billig, um Vettel im guten Licht zu stellen. Bei so einem Patzer auf den letzten Runder, wie Vettel sich in Baku kurz vor dem Rennende geleistet hat, wäre Hamilton vom Spiegel Online gnadenlos auseinander genommen und lächerlich gemacht.
j-man 14.05.2018
2. Reifeprüfung?
Wenn Sebastian Vettel in Baku kühlen Kopf bewahrt hätte und nicht versucht hätte mit Brachialgewalt an Botas noch vorbeizukommen, dann könnte man von bestandener Reifeprüfung reden. Alain Prost oder Niki Lauda z. B. hätten dies nicht riskiert, sondern lieber die Punkte mitgenommen.
tommix68 14.05.2018
3. Wer das Interview
nach dem Rennen mit Vettel gesehen hat, wird bemerkt haben, das er versucht hat die Fehlentscheidung der Strategen wegzugrinsen.
uzsjgb 14.05.2018
4.
Zitat von tommix68nach dem Rennen mit Vettel gesehen hat, wird bemerkt haben, das er versucht hat die Fehlentscheidung der Strategen wegzugrinsen.
Vettel gibt in letzter Zeit in Interviews durchaus Fehler zu, eigene und die des Teams. Warum sollte er das diesmal nicht tun und stattdessen Lügen?
bollocks1 14.05.2018
5. Der ganze F1-Zirkus...
...ist ohnehin Kappes und wird künstlich am Leben erhalten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.