Kampf um die Formel-1-Krone: Vier gegen Alonso

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Ferrari? Red Bull? McLaren? Oder gar Lotus? Die Formel-1-Sommerpause ist beendet, gleich fünf Fahrer kämpfen um den Titel. Weltmeister Sebastian Vettel hat einen großen Rückstand auf den Führenden Fernando Alonso, der Trend aber spricht für den Deutschen.

Formel 1: Sieglos-Serien, Jubilare, Titelkampf Fotos
REUTERS

Die Memory-Karten sind weggepackt, die Fahrräder wieder im Schuppen - für die Formel-1-Piloten gibt es ab sofort wieder nur ein Thema: Rennen fahren. Wenn die Startampel am Sonntag im belgischen Spa auf grün springt und das 11. Saisonrennen beginnt (14 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), dann ist für gleich fünf Fahrer der Endspurt um die WM-Krone eröffnet.

An der Spitze steht derzeit Fernando Alonso. Der Ferrari-Pilot hat zwar einen komfortablen 40-Punkte-Vorsprung auf den Zweitplatzierten Mark Webber, 42 gar auf den aktuellen Weltmeister Sebastian Vettel - doch der Spanier weiß: Es kann noch eng werden. "Wenn wir in puncto Weiterentwicklung nicht nachlegen, ist der Vorsprung schnell dahin", sagt Alonso: "Vettel sehe ich als meinen Hauptgegner an, ganz klar."

In den verbleibenden Rennen muss Vettel im Durchschnitt nur fünf Punkte mehr machen als Alonso, dann wäre der Deutsche schon vorbeigezogen. Unmöglich ist das nicht: Für einen Sieg (25 Punkte) gibt es sieben Zähler mehr als für einen zweiten Platz. Alonso glaubt, mit seinem Ferrari realistisch um Platz Fünf mitfahren zu können. Würde dies tatsächlich der Fall sein, reichte Vettel durchschnittlich ein dritter Platz. Und Alonso weiß: "Der Trend spricht für Red Bull."

Noch sind 225 Punkte zu vergeben

Der Rennstall scheint die Sommerpause genutzt zu haben: Vettel fuhr im Simulator in der Red-Bull-Fabrik in Milton Keynes neue Teile ein, die sein Bolide bereits beim Rennen in den Ardennen bekommen wird. "Mein Ziel hat sich nicht geändert. Ich will den Titel", sagt der Deutsche optimistisch: "Alonso führt zwar die WM an. Doch in den letzten neun Rennen sind noch 225 Punkte zu vergeben. Wichtig ist, immer in die Punkte zu fahren."

Zudem hat das letzte Rennen vor der Sommerpause in Ungarn gezeigt, wie sehr der Ferrari-Bolide vom Wetter abhängig ist. In Budapest herrschten normale Bedingungen, Alonso wurde im Training lediglich Sechster und im Rennen Fünfter. McLaren und Red Bull waren klar schneller. Bei den Qualifyings in Silverstone und Hockenheim zuvor, die beide bei Regen stattfanden, fuhr der Spanier jeweils auf die Pole-Position. "Herrscht normales Wetter, wird es ganz, ganz hart werden", gibt Alonso zu.

Raikkönens Konstanz macht ihn zum Geheimfavoriten

Auch die anderen Teams waren während der fünfwöchigen Sommerpause - in der allerdings nur drei Wochen gearbeitet werden durfte - nicht untätig. Alonso und Vettel werden sich keinen Zweikampf um die WM-Krone liefern. Auch Webber, McLaren-Pilot Lewis Hamilton und Lotus-Frontmann Kimi Raikkönen werden um den Titel mitreden wollen. Hamilton liegt fünf Punkte hinter Vettel, der Finne sechs. Hamilton gewann knapp vor Raikkönen das letzte Rennen vor der Sommerpause in Ungarn.

Besonders Raikkönen schätzen die Experten als Geheimfavoriten ein. Fünfmal fuhr er in den vergangenen acht Rennen auf das Podium - davon dreimal in den letzten vier Rennen vor der Pause. In Budapest war er klar schneller als WM-Leader Alonso. Räikkönen zeigt eine unheimliche Konstanz. Egal ob es regnet, ob es trocken ist, ob sein Auto untersteuert, ob das Heck ausbricht: Raikkönen fährt immer am Limit, macht dabei so gut wie keine Fehler.

Gerade im Rennen wird das deutlich: Während sein junger Teamkollege Romain Grosjean in sieben von elf Zeittrainings schneller war als Raikkönen, hatte der Franzose im Rennen klar das Nachsehen. 40 Punkte mehr hat der Finne auf seinem Konto.

Und jetzt kommt Spa, Raikkönens Lieblingsstrecke. Dort gilt er sogar als Favorit. Sein Team scheint für den ersten Saisonsieg bereit: In Belgien wird Lotus eine Neuentwicklung präsentieren, ein doppeltes DRS-System. Damit, so die Hoffnung, wird man auf den Geraden noch schneller, ohne Speed in den Kurven zu verlieren. In Spa ein großer Vorteil: Etwa 24 Sekunden lang werden die Piloten, so errechneten die Simulationscomputer, von Ausgang der Spitzkehre La Source bis zur Schikane Les Combes Vollgas fahren. Die berühmte Eau Rouge, eine superschnelle Bergaufkurve, wird dabei mit durchgetretenem Gaspedal gefahren.

Lotus will aber nicht nur in Spa überzeugen, sondern auch in der restlichen Saison. "Wir werden in der zweiten Saisonhälfte noch stärker werden", sagt Technikchef James Alison: "Wir wissen genau, in welchen Bereichen wir uns verbessern müssen und werden daran arbeiten." Ferrari, Red Bull und McLaren sollten gewarnt sein.

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1. mit solchen Saetzen
WOLF in USA 31.08.2012
"Alonso glaubt, mit seinem Ferrari realistisch um Platz Fünf mitfahren zu können" - strickt der Spanien lediglich an seiner eigenen Legende. Das Auto ist besser als er uns glauben machen will. Es zaehlt bei einem F1-Boliden ja nicht nur der pure Speed. Reifenoekonomie, Fahrbarkeit, Zuverlaessigkeit sind doch viel groessere Faktoren, wie sich eben auch am derzeitigen WM-Stand ablesen laesst. Dass Alonso ein hevorragender Fahrer, vielleicht sogar der Beste ist, steht ausser Frage. Aber er soll doch bitte nicht so einen Nonsense reden. Man weiss es ja auch besser - denn mit dem richtigen Materialmix koennen derzeit 3-4 Fahrer ganz oben stehen. Und dass es die vom Koennen her gibt ist ja wohl auch klar ... Alonso ist dennoch vielleicht der kompletteste Fahrer - das hat er zumindest des Oefteren eindrucksvoll bewiesen.
2.
Largrador 31.08.2012
Zitat von sysopREUTERSFerrari? Red Bull? McLaren? Oder gar Lotus? Die Formel-1-Sommerpause ist beendet, gleich fünf Fahrer kämpfen um den Titel. Weltmeister Sebastian Vettel hat einen großen Rückstand auf den Führenden Fernando Alonso, der Trend aber spricht für den Deutschen. http://www.spiegel.de/sport/formel1/0,1518,852899,00.html
Was kann man denn unter einem DOPPELTEN DRS-System verstehen? Das ein zweiter Flügel aufmacht? -Wohl kaum. Oder entspräche dies dem Regelment? Oder wird der Flügel dadurch beidseitig angesteuert was vorher nur einseitig(?) der Fall war?
3. Kein Titel
wll 31.08.2012
Zitat von LargradorWas kann man denn unter einem DOPPELTEN DRS-System verstehen? Das ein zweiter Flügel aufmacht? -Wohl kaum. Oder entspräche dies dem Regelment? Oder wird der Flügel dadurch beidseitig angesteuert was vorher nur einseitig(?) der Fall war?
Dabei wird Luft bei aktiviertem DRS über Schlitze in den Endplatten des Heckspoilers und entsprechende Luftschächte im Fahrzeug nach vorne geleitet und strömt dann den Frontspoiler von hinten an. Dadurch wird die Strömung über diesen vermindert bzw. reißt ganz ab, was den Luftwiderstand weiter senkt. Das System wird auch als passiver F-Schacht (passive F-duct) bezeichnet.
4.
Largrador 31.08.2012
Zitat von wllDabei wird Luft bei aktiviertem DRS über Schlitze in den Endplatten des Heckspoilers und entsprechende Luftschächte im Fahrzeug nach vorne geleitet und strömt dann den Frontspoiler von hinten an. Dadurch wird die Strömung über diesen vermindert bzw. reißt ganz ab, was den Luftwiderstand weiter senkt. Das System wird auch als passiver F-Schacht (passive F-duct) bezeichnet.
Der passive F-Schacht war mir bekannt. Nicht aber die doppelte DRS Bezeichnung. Danke Ihnen. Also knallen die Boliden durch Eau Rouge mit weniger Anpressdruck vorne UND hinten... Not Bad ;) !
5. Wer hat's erfunden? Mercedes!
Altesocke 31.08.2012
Zitat von LargradorWas kann man denn unter einem DOPPELTEN DRS-System verstehen? Das ein zweiter Flügel aufmacht? -Wohl kaum. Oder entspräche dies dem Regelment? Oder wird der Flügel dadurch beidseitig angesteuert was vorher nur einseitig(?) der Fall war?
Das 'passive' DRS, das Mercedes eigefuehrt hat. Wenn der Fluegel runterklappt, oeffnet er Luftschaechte, die Luft zum Frontfluegel leiten, und dort zum Stroemmungsabriss (weniger Anpressdruck, mehr Geschwindigkeit) fuehren. So ungefaehr, aber mit DRS und Mercedes wird google ihnen weiterhelfen!
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Zur Person
Ralf Bach berichtet bereits viele Jahre über die Formel 1, vorwiegend für "Sport Bild". Seit der vergangenen Saison ist er auch für SPIEGEL ONLINE tätig und analysiert die Ereignisse in der wichtigsten Motorsportserie der Welt.

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Rennen Datum Großer Preis von (Ort)
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4 22.04. Bahrain (Sachir)
5 13.05. Spanien (Barcelona)
6 27.05. Monaco (Monte Carlo)
7 10.06. Kanada (Montreal)
8 24.06. Europa (Valencia)
9 08.07. Großbritannien (Silverstone)
10 22.07. Deutschland (Hockenheim)
11 29.07. Ungarn (Budapest)
12 02.09. Belgien (Spa-Francorchamps)
13 09.09. Italien (Monza)
14 23.09. Singapur (Singapur)
15 07.10. Japan (Suzuka)
16 14.10. Südkorea (Yeongam)
17 28.10. Indien (Neu Delhi)
18 04.11. Abu Dhabi (Abu Dhabi)
19 18.11. USA (Austin)
20 25.11. Brasilien (São Paulo)