Fahrer in der Formel 1 Von sieben Deutschen sind zwei übrig. Warum?

2010 fuhren sieben deutsche Piloten in der Formel 1, jetzt nur noch Vettel und Hülkenberg. Dem Nachwuchs fehlt es an Talent, Geld und Beziehungen.

Sebastian Vettel
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Sebastian Vettel

Von Karin Sturm


Pascal Wehrlein war während der Testfahrten in Barcelona oft bei Mercedes anzutreffen. Aber nur in den technischen Meetings, nicht im Silberpfeil. Wehrlein teilt sich beim Weltmeister-Team mit dem Briten George Russell die Rolle des Test- und Ersatzfahrers, zum Fahren kam er in Barcelona aber nicht. Und unter normalen Umständen wird das in dieser Saison auch so bleiben, in der Formel 1 ist kein Platz für Wehrlein. Er wird nur in der DTM unterwegs sein.

Trotz seines Talents und guter Leistungen in den vergangenen beiden Jahren bei Manor und Sauber fand der Deutsche aus verschiedenen Gründen kein Cockpit. Williams, wo man einen Piloten seines Kalibers gut hätte brauchen können, wo auch die Verbindung zu Wehrleins Stammteam Mercedes als Motorenlieferant gegeben ist, muss mit dem von seinem Vater unterstützten Lance Stroll und Sergej Sirotkin zwei Bezahlfahrer ins Auto setzen, um finanziell irgendwie über die Runden zu kommen. Der Russe lieferte Millionen an Sponsorengeldern mit.

2010 gab es sieben deutsche Fahrer in der Formel 1
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2010 gab es sieben deutsche Fahrer in der Formel 1

Durch Wehrleins Aus wird die deutsche Fahrerpräsenz in der Formel 1 immer dünner. Waren in den vergangenen Jahren oft vier, fünf, sechs oder 2010 sogar sieben deutsche Piloten in der Königsklasse des Motorsports unterwegs, werden in dieser Saison zum ersten Mal seit 1996 - damals Michael Schumacher und Heinz-Harald Frentzen - nur noch zwei deutsche Fahrer in der Formel 1 vertreten sein: Sebastian Vettel, der schon nach den Wintertests weiß, dass es wohl auch in diesem Jahr ein schwieriges Unterfangen wird, Mercedes im Kampf um die WM-Krone anzugreifen. Und Nico Hülkenberg, der mit dem verbesserten Renault das Ziel haben muss, sich erstens gegen seinen jungen Teamkollegen Carlos Sainz durchzusetzen und zweitens zusammen mit dem Spanier für das Werksteam Platz vier in der Konstrukteurs-WM zu sichern.

SPIEGEL TV Reportage über Michael Schumacher und Sebastian Vettel (2011)

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Und was kommt danach? Vettel und Hülkenberg sind schon über 30 - und um den deutschen Nachwuchs ist es derzeit eher schlecht bestellt. Ein aufstrebendes Talent, das sich zwingend als Kandidat für die Formel 1 anbietet, ist nicht in Sicht. Maximilian Günther, dem in der Vergangenheit der Sprung nach oben zugetraut wurde, hat in diesem Jahr nach einem dritten Platz in der Formel 3 den Aufstieg in die Formel 2 geschafft. Das Arden-Team, wo der 20-Jährige untergekommen ist, zählt allerdings nicht zu den Favoriten in dieser Serie, so dass abzuwarten bleibt, ob er entscheidend auf sich aufmerksam machen und sich für höhere Aufgaben empfehlen kann.

Mick Schumacher
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Mick Schumacher

Die Hoffnung, dass aus der Familie Schumacher ein neuer Formel-1-Star kommt, hat zuletzt einen Dämpfer erhalten. Mick Schumacher kam im vergangenen Jahr in der Formel 3 trotz guten Materials nicht über einen Mittelfeldplatz hinaus - die wirklich großen Talente fahren dort auf Anhieb um den Titel mit. Sicher ist es möglich, dass es der Sohn von Michael Schumacher, der noch ein Jahr in der Formel 3 dranhängt, auf Grund seines Namens oder mit entsprechender finanzieller Mitgift doch noch in ein Formel-1-Auto schafft. Ein WM-Kandidat wäre er deshalb noch lange nicht.

Beim zweiten Schumacher-Zögling ist es für ein Urteil in Richtung Formel-1-Zukunft noch zu früh. David, dem Sohn von Ralf Schumacher, wird in der Kart-Szene ein größeres Talent als seinem Cousin Mick bescheinigt, nun muss sich der 15-Jährige aber erstmal in der Formel 4 behaupten. Erste Einsätze im Winter verliefen zumindest vielversprechend. Sein Namensvetter, der 17-jährige David Beckmann, zu Formel-4-Zeiten oft ein harter Rivale von Mick Schumacher, versucht sich erstmals in der GP3-Serie, die im Rahmenprogramm der Formel 1 ausgetragen wird und als gutes Sprungbrett gilt. Doch auch hier scheint der Weg noch weit zu sein.

Dass die finanzielle Situation für junge Nachwuchsfahrer immer schwieriger wird, die Kosten in allen Serien steigen, Sponsoren nur schwer zu finden sind, die Nachwuchsförderprogramme etwa von Red Bull oder McLaren sich früh auf einzelne Supertalente konzentrieren, macht die Sache nicht einfacher.

Und manchmal spielen auch persönliche Beziehungen eine Rolle. Siehe Pascal Wehrlein. Der 23-Jährige wäre gerne nicht nur in der DTM gestartet, sondern bemühte sich auch um ein Cockpit in der japanischen Super Formula, die zuletzt Pierre Gasly und Stoffel Vandoorne als Sprungbrett in die Formel 1 nutzten. Nötig wäre dafür ein Startgeld in Höhe von etwa einer halben Million Euro gewesen, eine solche Zahlung wurde Wehrlein von Mercedes verweigert. Die Familie seines internen Rivalen um die Mercedes-Förderung, George Russell, ist dagegen sehr gut befreundet mit dem Leiter des Mercedes-Nachwuchsprogramms, James Vowles. Auch deshalb gehen viele Insider davon aus, dass Russell die besseren Chancen auf das Mercedes-Cockpit hat, sollten Lewis Hamilton oder Valtteri Bottas aufhören. Wehrleins Karriere befindet sich auf dem Pfad Richtung Abstellgleis.

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insgesamt 29 Beiträge
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ludna 15.03.2018
1. Bei den Formel 1 Fahrern geht es auch immer
um einen Zielmarkt. Abgesehen von Ausnahmefahren, von denen es ja nur wenige gibt, werden die Cockpits halt nach Marketinggesichtspunkten vergeben. Und wenn China ein grosser Markt sein wird, wird es halt bald einige chinesische Fahrer geben, auch wenn die deutschen nicht schlechter sind.
colinchapman 15.03.2018
2. Frau Sturm
spricht die Ära der Werksteams an, die Ende 2008 bzw. Ende 2009 ausgestiegen sind - Renault, Toyota, Honda, BMW. Zu den Zeiten gab es sieben oder acht Teams in der Formel 1 , die frei von Budgetsorgen waren, die Fahrerwahl durfte dabei nach Fähigkeit und nicht nach Mitgift erfolgen. Das bedeutete, dass Fahrer wie Nick Heidfeld, Ralf Schumacher, Adrian Sutil und Timo Glock wegen ihrer Fähigkeiten ausgesucht wurden. Nach dem Auszug mehrerer Werksteams hatten die als Privatteams zurück gelassenen Teams - Teams wie Lotus oder Sauber - Budgetsorgen und brauchten die vielzitierten Paydriver. Nick Heidfeld wurde bei Lotus zum Beispiel von Bruno Senna verdrängt, der einen brasilianischen Mineralölsponsor mitbrachte.
Franz Medardus 15.03.2018
3. Schwachsinns"sport"
Je weniger da mitmachen, desto besser...Lärm, Gestank, Unfälle...sollen sie lieber Blumen züchten oder Sinfonien schreiben...
jeze 15.03.2018
4.
Vielleicht sollten sie sich mal eine Siegerehrung anschauen. Natürlich wird da die Flagge des Fahrers gehisst und seine Nationalhmyne vor der des Teams gespielt. Ansonsten müsste bei Lewis Hamilton ja immer die deutsche Falgge gehisst werden. ;)
haraldbuderath 15.03.2018
5. Langeweile
Die F1 ist genauso langweilig wie die Bundesliga, Mercedes fördert keine Deutsche Talente und hat keine Verbindungen mit Deutschen Tugenden, an fairen sportlichen Leistungen ist kein Interesse vorhanden, alles dreht nur noch um Geld und Betrug... habe seit den 80jahren kein Stadion mehr besucht ....vermisse nichts...
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