Vettels Aus in Hockenheim "Kleiner Fehler, große Wirkung"

Lange sah es so aus, als könne Sebastian Vettel erstmals seinen Heim-Grand-Prix gewinnen. Dann kam der Regen. Ob er diese Chance jemals wieder bekommt, ist unklar. Nur Lewis Hamilton ist seine Revanche gewiss.

Sebastian Vettel
AP

Sebastian Vettel

Von Tim Pommerenke


Heimspiel: Keine 50 Kilometer nördlich des Hockenheimrings befindet sich die Kreisstadt Heppenheim, Heimat von Sebastian Vettel. Hockenheim ist der Heim-Grand-Prix des vierfachen Weltmeisters und eine der wenigen Strecken, auf denen er noch nie gewinnen konnte. Dabei bleibt es - womöglich für immer.

Das Ergebnis: Vettel verabschiedete sich in der 53. Runde aus dem Rennen. Lewis Hamilton gewann vor Teamkollege Valtteri Bottas und Kimi Räikkönen im Ferrari. Hier geht es zum Rennbericht.

Goodbye Germany: Schon im Rennkalender 2017 war der Hockenheimring nicht vertreten. Nun kam der Zirkus noch einmal in die Stadt, doch vieles deutet darauf hin, dass es der letzte Besuch sein könnte. Es gibt Streitigkeiten um die Finanzierung des Großevents, die das Aus für den Großen Preis von Deutschland bedeuten könnten.

Warten auf den Regen: Die Blicke gingen immer wieder gespannt nach Darmstadt: Wird der Regen nach Hockenheim herüberwandern? Rennstrategen und Fahrer rätselten über das richtige Timing für einen möglichen Reifenwechsel. In der 44. Runde fielen die ersten Tropfen, doch nur in einigen Streckenabschnitten. Die Top-Teams behielten zunächst die Ruhe und ließen die Piloten auf der Strecke.

Verzockt: Die ersten, die ihre Fahrer zum Reifenwechsel in die Box winkten, waren Sauber und Red Bull. Charles Leclerc und Max Verstappen stiegen auf Intermediates um. Als Leclerc sich jedoch bereits nach wenigen Augenblicken zum ersten Mal drehte, wechselten beide zurück auf Ultrasoft. Strategie gescheitert. Derweil erhielten die Ferrari-Piloten den Funkspruch: "Der Regen wird weniger." Trocken war die Strecke jedoch nicht komplett.

Rausgerutscht: Souverän fuhr Vettel vom Start weg auf Platz eins. Vieles deutete auf seinen ersten Sieg in Hockenheim hin, bis der 31-Jährige in der 53. Runde einfach aus der Kurve rutschte und frontal in die Bande krachte. Auf nasser Strecke verloren seine Vorderreifen den Grip, Vettel verbremste sich und die Hinterreifen blockierten. "Kleiner Fehler, große Wirkung", wie Vettel nach dem Rennen selbst sagte.

Hamiltons Aufholjagd: Eine ganz andere Dramatik hatte das Rennen für den Weltmeister. Nach Problemen im Qualifying war Lewis Hamilton in wenigen Runden vom 14. Startplatz an die Führungsriege herangefahren. Kein Pilot blieb so lange der Box fern wie der Brite. Eine Ochsentour, die sich gelohnt hat.

Finale ohne Vettel: Nach dem Crash des Führenden kam das Safety-Car auf die Strecke. Hamilton entschied sich äußerst spontan gegen einen geplanten Reifenwechsel, schwenkte direkt vor dem Boxeneingang wieder um und fuhr über den Rasen zurück auf die Strecke. Eine Szene, die auch nach dem Rennen noch von den Offiziellen geprüft wurde. Räikkönen holte sich neue Reifen. Hamilton lag zu diesem Zeitpunkt in Führung, dahinter Bottas im zweiten Mercedes mit frischeren Reifen. Dritter war Räikkönen, ganz frisch bereift. Die letzten zehn Minuten versprachen Spannung - und es ging direkt munter los.

Keine Kapriolen! Wenige Sekunden war das Rennen wieder freigegeben, da attackierte Bottas seinen Kollegen Hamilton. Nach einem spektakulären Manöver behielt der Brite die Nase vorn und der Finne bekam per Funk die Anweisung, einen kühlen Kopf zu bewahren. Er hielt sich dran und überließ Hamilton den Sieg.

Halbzeitführung In trockenen Tüchern: Das Rennen in Hockenheim markiert die Hälfte der laufenden Formel-1-Saison. Nach elf von 21 Rennen liegt der Weltmeister Hamilton in der Gesamtwertung wieder vor Vettel in Führung. Doch nicht nur für das große Ganze war der Sieg bedeutend, er hatte auch eine persönliche Note.

Rache ist Blutwurst: Was haben sie vor zwei Wochen im Ferrari-Lager gejubelt: Nach fünf Triumphen in Folge hatte Vettel mit seinem Sieg in Silverstone die Dominanz von Mercedes gebrochen. Hamilton hätte mit einem Sieg der alleinige Rekordsieger auf dem Kurs werden können. Am Ende jubelte der Rivale. Der durfte nun zusehen, wie Hamilton das vielleicht letzten Rennen in Deutschland gewann, das während seiner aktiven Karriere stattfindet.

Hockenheimring
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Hockenheimring

Finale im Regen: Spätestens zur Siegesfeier von Hamilton schüttete es in Hockenheim. Welche Symbolik Formel-1-Fans darin für die Zukunft der Strecke sehen wollen, bleibt ihnen überlassen. Sollte es das letzte Rennen gewesen sein, wird Hamilton mit seinen nunmehr drei Siegen als einer der erfolgreichsten Fahrer in die Geschichte der Strecke eingehen. Nur einer konnte hier öfter gewinnen: Michael Schumacher.

insgesamt 27 Beiträge
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noalk 22.07.2018
1. Regen
Ich weiß nicht, woher die Beteiligten (Teams, Reporter) ihre Wetterdaten beziehen. Jedenfalls konnte man auf einer frei zugänglichen Webseite des Portals des für Hessen zuständigen öffentlich-rechtlichen Senders auf 100 m genau sehen, wo es gerade regnet. Deswegen ist mir vor allem rätselhaft, was die RTL-Kommentatoren zu diesem Thema zusammenfabulierten.
peterka60 22.07.2018
2. Ich bin ja gespannt , .....
was den Vettel-Fans an Gründen einfällt, dass es kein Fahrfehler war. Irgend etwas werden sie schon finden.
skeptikerjörg 22.07.2018
3. Bottas, das Opfer
Nach Österreich, Großbritannien hat das Mercedes Team heute Bottas zum dritten Mal geopfert, um Hamilton zu helfen. Heute durfte er nicht überholen bzw. attackieren, obwohl er offensichtlich schneller war, in Silverstone musste er mit abgewrackten Reifen weiterfahren, damit Hamilton aufholen konnte, in Österreich musste er ihn vorbei lassen. Machen wir mal eine "Rechnung der Fairnis und ohne Stallorder" auf: Österreich Botas 18 und Hamilton 15 Punkte, in Silverstone ebenso und heute Botas 25 und Hamilton 18 Punkte. Und die Hamilton-Fan-Boys wären bedeutend leiser. Aber ein englisches Team, ein englischer Fahrer, ein austro-englisches Management, da hat ein Finne halt das Nachsehen. Immerhin wird er fürs Verlieren fürstlich bezahlt.
ein-berliner 22.07.2018
4. Kein Problem
Zitat von peterka60was den Vettel-Fans an Gründen einfällt, dass es kein Fahrfehler war. Irgend etwas werden sie schon finden.
Wenn jemand die falschen Reifen fährt kann es natürlich kein Fahrfehler sein. Der Herr Vettel kann also wirklich nichts dafür. Die anderen Fahrer hatten eben alle reines Glück nicht von der leicht feuchten Bahn zu rutschen.
twan 22.07.2018
5. Unerwähnt blieb,
Dass ham zum Zeitpunkt von Vettels Ausfall diesen ziemlich unter Druck setzte: 4!! Sekunden pro Runde schneller, mit nur noch 15(?) Sekunden Rückstand.
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