Schwerer Unfall bei Vettel-Sieg in Belgien "Wie kann man so einen Fehler machen?!"

Sebastian Vettel hat nach dem Sieg in Belgien bessere Chancen im WM-Kampf. Doch das Rennen in Spa wurde von einem schweren Unfall überschattet. Alonso kritisiert Verursacher Hülkenberg scharf.

Crash nach dem Start zwischen Alonso und Leclerc
REUTERS

Crash nach dem Start zwischen Alonso und Leclerc

Von


Die große Hoffnung: Die Poleposition in Belgien holte sich Lewis Hamilton auf nasser Fahrbahn und deswegen wird er auch noch wenige Runden vor Rennende auf Regen gehofft haben. Der Brite im Mercedes wusste, sollte es trocken bleiben, würde er keine Siegchance mehr auf der Strecke von Spa-Francorchamps haben, sein Motor war für einen Angriff auf den Führenden nicht stark genug. Der Regen blieb aus und damit verschwand Hamiltons letzte Chance - der Weltmeister kam nach zwei Siegen vor der Sommerpause der Formel 1 als Zweiter ins Ziel.

Das Ergebnis: Wenn nicht Hamilton der Sieger bei einem Formel-1-Rennen ist, dann heißt der Gewinner meist Sebastian Vettel - so auch in Belgien (nur in drei von bisher 13 Saisonläufen hat ein anderer Fahrer gewonnen). Vettel hat damit nur noch 17 Punkte Rückstand auf seinen Rivalen Hamilton in der WM-Wertung. Dritter wurde Max Verstappen im Red Bull. Hier lesen Sie den Rennbericht. Einen Tiefpunkt erlebte der Große Preis von Belgien schon nach wenigen Sekunden, dazu gleich mehr.

Die Startaufstellung (Top Ten): Hamilton - Vettel - Ocon - Pérez - Grosjean - Räikkönen - Verstappen - Ricciardo - Magnussen - Bottas

Startphase: Die Führenden Hamilton und Vettel kamen beim Start gut weg, dramatisch wurde es in den hinteren Reihen. Nico Hülkenberg verschätzte sich vor der ersten Kurve schwer und fuhr mit hoher Geschwindigkeit in Fernando Alonsos McLaren, der Spanier schoss dann mit seinem Auto über den Sauber von Charles Leclerc - ein schwerer Crash verursacht durch Hülkenbergs schlimmen Fahrfehler. Die gute Nachricht: Die drei Fahrer blieben offenbar unverletzt. Vorbei war das Rennen für sie dennoch.

Erste Runde: Auf den TV-Bildern war noch der schwere Unfall in der Wiederholung zu sehen, dadurch geriet ein wichtiges Überholmanöver fast zur Nebensache. Nach wenigen Kilometern zog Vettel an WM-Spitzenreiter Hamilton vorbei und übernahm die Führung. Weitere Geschichten der sieben Kilometer langen ersten Runde: Das Safety-Car kam infolge des Crashs auf die Strecke, und Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen musste mit einem zerstörten rechten Hinterreifen in die Box. Der Finne kam zwar noch einmal mit neuen Reifen zurück, schied aber wenig später aus.

Alonso-Lob: Fernando Alonso wirkte wenige Minuten nach seinem schweren Unfall fast schon entspannt. Im TV-Interview sagte er mit ruhiger Stimme, ihm ginge es gut, er habe keine Schmerzen. Diese Aussagen grenzten an ein Wunder, je öfter man den Unfall in der Wiederholung sah. Dann sagte Alonso: "Das Halo-System hat sehr gut funktioniert, zum Glück haben wir das eingeführt."

Alonsos Wagen nach dem Unfall
VALDRIN XHEMAJ/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Alonsos Wagen nach dem Unfall

Rückblick Halo: Der Cockpitschutz Halo wurde zur Saison 2018 Pflicht in der Königsklasse. Einige Fahrer - darunter Vettel, Hamilton, aber auch Unfallverursacher Hülkenberg -, lehnten den Schutz in der Vergangenheit ab. Sie und andere Kritiker verwiesen auf die geringe Anzahl an Unfällen. Nun hat es einen dieser wenigen Unfälle gegeben und möglicherweise hat das Halo schlimmere Verletzungen verhindert.

Alonso-Kritik: Alonso hob nicht nur das Halo-System hervor, er nahm sich auch Zeit für eine deutliche Kritik in Richtung Hülkenberg: "Wie kann man so einen Fehler machen, wenn man in der höchsten Klasse des Motorsports fährt?!", fragte der 37-Jährige, der nach der Saison seine Formel-1-Karriere beenden wird.

Der Unfallverursacher: Hülkenberg ist einer der erfahrensten Fahrer der Rennserie und seit 2010 auf 148 Starts gekommen. Beim Spanien-Rennen in dieser Saison war Hülkenberg schon einmal in einen Unfall verwickelt, damals schob ihn Romain Grosjean von der Strecke. Hülkenberg nannte Grosjean danach "Fliegenfänger" und empfahl eine Runde auf dem "Verkehrsübungsplatz". Grosjean kassierte damals eine Strafe - wahrscheinlich wartet nun auch eine Sanktion auf Hülkenberg. Der Deutsche selbst sagte nach seinem Aussetzer: "Der hinten drauffährt, hat Schuld. Ich habe mich vertan. Es ist frustrierend für Fernando und Charles. Auch für mich."

Fotostrecke

8  Bilder
Formel 1: Schwerer Crash überschattet Vettels Sieg

Männer der zweiten Reihe: Vor wenigen Tagen war noch unklar, ob die Force-India-Piloten Esteban Ocon und Sergio Pérez in Belgien starten dürfen. Der Grund: Ihr Team meldete Insolvenz an, der Rennstall wurde anschließend vom Milliardär Lawrence Stroll (Vater vom Formel-1-Piloten Lance Stroll) gekauft und muss nun unter einem neuen Namen (Racing Point Force India) und ohne Punkte in der Konstrukteurs-WM die Saison fortsetzen. Die ersten 18 Punkte gab es nun in Spa, Pérez und Ocon, aus der zweiten Startreihe gestartet, wurden Fünfter und Sechster.

Verstappens Heimspiel: Wenn der Niederländer Verstappen nach Belgien kommt, herrscht Ausnahmestimmung an der Strecke. Beim Rennen in Spa (nur knapp 60 Kilometer von der niederländischen Grenze im Süden entfernt) sollen knapp 80.000 Niederländer gewesen sein, um den Red-Bull-Piloten anzufeuern. Es hat sich gelohnt, Verstappen wurde Dritter und feierte damit sein bestes Belgien-Ergebnis. Damit ist die große Party garantiert.

Ausblick: Vettel hielt nach seinem Sprung auf Platz eins die Führung und hat den WM-Kampf nun wieder etwas spannender gemacht. Im günstigsten Fall könnte der Deutsche bereits beim nächsten Rennen an Hamilton vorbeiziehen, beim Ferrari-Heimspiel in Monza. Ferrari gilt dort dank seines stärkeren Motors als Favorit, in der Vergangenheit jubelten andere Teams: Die letzten vier Sieger beim Italien-GP waren mit Hamilton und Nico Rosberg Mercedes-Piloten, Ferraris letzter Heimsieg gelang Alonso im Jahr 2010.

Anm. der Red.: Wir haben in einer früheren Version geschrieben, das Zitat "Gibt es nicht doch eine kleine Chancen auf Regen?", würde von Lewis Hamilton stammen. Tatsächlich kam es von Max Verstappen.

insgesamt 20 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hileute 26.08.2018
1. hatte erst technischen defekt bei hülkenberg vermutet,
so ein Manöver hätte ich nur Vettel zugetraut. Absolut peinlich, sowas darf nicht passieren
Hannes12355 26.08.2018
2. Passiert aber immer wieder,
So oder so, und es verwundert nicht. Eigentlich müsste noch viel mehr passieren bei diesem für Mensch und Natur so gefährlichen sog. „Sport“ der Rennlobby und ein paar Wahnsinniger.
uzsjgb 26.08.2018
3.
Zitat von Hannes12355So oder so, und es verwundert nicht. Eigentlich müsste noch viel mehr passieren bei diesem für Mensch und Natur so gefährlichen sog. „Sport“ der Rennlobby und ein paar Wahnsinniger.
Warum müsste eigentlich noch viel mehr passieren? Mal davon abgesehen, dass heute nichts passiert ist. Bin ich persönlich eher der Rennlobby oder den Wahnsinnigen zuzuordnen?
aurichter 26.08.2018
4. Manche Kommentatoren
haben scheinbar nur einen Zettel im Kopf "Hate Vettel", anders sind sonst einige Beiträge nicht zu erklären.
markus.koch 26.08.2018
5.
Zitat von Hannes12355So oder so, und es verwundert nicht. Eigentlich müsste noch viel mehr passieren bei diesem für Mensch und Natur so gefährlichen sog. „Sport“ der Rennlobby und ein paar Wahnsinniger.
Inwiefern ist Motorsport gefährlicher für Mensch und Natur? Die Autos sind effizienter als normale Straßenautos. Die Logistik im Hintergrund ist das, was wirklich Umweltbelastend ist. Jedoch ist die bei der Formel 1 nicht größer als im Fußball. Schließlich reisen bei beiden Sportarten Zehntausende Fans zum Austragungsort. Die Verletzungsgefahr in der Formel 1 ist ziemlich niedrig. Zwar sieht man häufig extreme Unfälle, bei denen es jedoch fast nie Verletzte gibt. Tote sind extrem selten geworden. Seit 20 Jahren gab es 2 Tote, die jedoch in heutigen Autos vermutlich überlebt hätten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.