Ungarn-Gewinner Vettel Trauernder Sieger

Sebastian Vettel ist in Ungarn sein zweiter Saisonsieg gelungen, nach Feiern war dem Ferrari-Piloten aber nicht zumute. Er widmete den Erfolg dem verstorbenen Fahrer Jules Bianchi. Da rückte auch ein persönlicher Triumph in den Hintergrund.

AP/dpa

Aus Ungarn berichtet Karin Sturm


Eigentlich hätte Sebastian Vettel ein strahlender, ein überglücklicher Sieger sein müssen. Beim Großen Preis von Ungarn feierte der Ferrari-Pilot seinen zweiten Saisonsieg, perfekter kann man nicht in die nun beginnende Sommerpause gehen. Vettel freute sich dann auch, jubelte, verspritzte Champagner. Aber er wirkte nachdenklich.

Bei der Pressekonferenz nach der Siegerehrung sagte Vettel mit tränenerstickter Stimme: "Es war eine sehr schwierige Woche für uns alle."

Bei allem, was in den vergangenen Tagen rund um den Hungaroring passierte und gesagt wurde, war der Name Jules Bianchi gegenwärtig. Der Franzose war vor etwa einer Woche an den Folgen der Verletzungen gestorben, die er bei seinem Japan-Unfall im Oktober vergangenen Jahres erlitten hatte.

Bianchi ist der erste tote Fahrer in der Formel 1 seit dem Unfall von Ayrton Senna am 1. Mai 1994. Vettel war damals sechs Jahre alt, er ist in einer sehr sicheren Formel-1-Welt ohne tödliche Unfälle auf der Strecke groß geworden. Am Dienstag war er einer derjenigen Fahrer, die bei der Trauerfeier in Nizza Bianchis Sarg trugen.

Schon zu Beginn des Wochenendes hatte man Vettel angemerkt, dass ihn all das noch beschäftigte und wohl auch ziemlich belastete. Er weigerte sich beharrlich, allzu viel über Bianchi zu sprechen. "Es ist kein Geheimnis, dass eine Beerdigung keine glückliche Veranstaltung ist", war so ein Satz von Vettel, mit dem er sagen wollte: Bitte, fragt nicht weiter nach, es ist schwer genug.

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Beerdigung von Jules Bianchi: In Trauer vereint
Nach seinem Sieg brachen dann aber die Emotionen durch. Per Funk widmete er Bianchi den Erfolg, erst auf Französisch, dann auf Englisch: "Dieser Sieg ist für dich Jules. Wir wissen, dass du über kurz oder lang Teil dieses Teams gewesen wärst." Bianchi kam aus dem Ferrari-Nachwuchsprogramm und sollte in dieser Saison über den "Umweg" Sauber für das Ferrari-Team aufgebaut werden.

Die Fahrer waren direkt vor dem Start noch einmal mit der Tragödie konfrontiert worden. Die Formel 1 hatte sich in einer würdevollen Zeremonie von dem Franzosen verabschiedet. Fahrer und Teamchefs bildeten zusammen mit Bianchis Familie für eine Schweigeminute einen Kreis. In der Mitte lagen alle Helme, auch der von Bianchi. Als dann alle Piloten ihren Kopfschutz aufhoben und mit zu ihren Wagen nahmen, blieb der Helm des Verstorbenen noch einen Moment allein zurück.

Das alles war keine einfache Situation für die Fahrer, was auch Vettel nach dem Rennen noch einmal ansprach: "Selbst wenn man im Auto ziemlich viel zu tun hat, so ganz kannst du die Gedanken an diese anderen Dinge nicht ausschalten. Vor allem, wenn man vor dem Start noch einmal so direkt mit allem konfrontiert wird."

Vettel, dem eine große mentale Stärke nachgesagt wird, schaffte es im Rennen dann, trotz der vielleicht ab und zu auftauchenden Gedanken an Bianchi keinen Fehler zu machen.

Dagegen patzte die Konkurrenz reihenweise. So viele Fehler, Strafen und Zwischenfälle wie in Ungarn gab es schon lange nicht mehr in einem einzigen Rennen. Weltmeister Lewis Hamilton etwa gab später zu, "eines der schlechtesten Rennen meiner Karriere" gefahren zu sein.

Vettel war zu diesem Zeitpunkt schon bei der Pressekonferenz, wo die drei Erstplatzierten befragt werden. Und als wäre dieser Tag nicht schon emotional genug gewesen, wurde Vettel sofort mit der Tatsache konfrontiert, dass er mit seinem insgesamt 41. Sieg mit Ayrton Senna gleichgezogen hatte.

Was ihm das bedeute? Vettel kämpfte mit sich, seiner Mimik, seiner Fassung, ehe er sagte: "Sennas Rekord eingestellt zu haben, ist unglaublich, ich weiß gar nicht, wie ich das in Worte fassen soll. Trotzdem: Der Tag heute gehört Jules und seiner Familie - das ist größer und wichtiger als alles andere."

Formel-1-Saison 2015
Die Teams und Fahrer
Mercedes
Lewis Hamilton und Nico Rosberg
Red Bull
Daniel Ricciardo und Daniil Kwjat
Williams
Felipe Massa und Valtteri Bottas
Ferrari
Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen
McLaren Honda
Fernando Alonso und Jenson Button
Force India
Nico Hülkenberg und Sergio Pérez
Toro Rosso
Max Verstappen und Carlos Sainz jr.
Lotus
Romain Grosjean und Pastor Maldonado
Sauber
Marcus Ericsson und Felipe Nasr
Manor Marussia
Will Stevens und Roberto Merhi
Der Rennkalender
Die Rekorde
Die meisten WM-Titel
Michael Schumacher (7)
Die meisten Grand-Prix-Siege
Michael Schumacher (91)
Die meisten Siege in einer Saison
Michael Schumacher und Sebastian Vettel (je 13)
Die meisten Start-Ziel-Siege
Ayrton Senna (19)
Die meisten Podestplätze
Michael Schumacher (155)
Die meisten Podestplätze in einer Saison
Michael Schumacher und Sebastian Vettel (je 17)
Die meisten Pole-Positions
Michael Schumacher (68)
Die meisten Pole-Positions in einer Saison
Sebastian Vettel (15)
Die schnellsten Rennrunden
Michael Schumacher (77)
Die meisten Grand-Prix-Starts
Rubens Barrichello (323)

insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
davemciroy 26.07.2015
1. Wieso sind SPON Tote egal?
Bianchi war leider weiß Gott nicht der erste Tote in der Formel1 seit Senna 1994. Aber die mehreren anderen Toten sind SPON ja egal, da sie erstens schlecht recherchiert haben und zweitens nicht auf Verbesserungen reagieren.
wundermichnur 26.07.2015
2. Streckenposten bitte nicht vergessen
Aus Respekt gegenüber den Familien der verunglückten Streckenposten sollte man vom ersten toten Fahrer seit 1994 sprechen.
davemciroy 26.07.2015
3. Was soll dieser reißerische Mist?
Was ist das für eine kack Bilderreihe? Das ist langsam wirklich BILD-Niveau. Nehmt ihr Bilder und denkt euch den Rest? Hülkenberg mit voller Geschwindigkeit in die Reifenstapel? Klar, deswegen hat er nach dem Bruch des Flügels sofort und meterweit und mit einer großen Qualmwolke gebremst. Hat einer bei euch das Rennen gesehen, oder auch nur Ahnung von Motorsport?
Wolfgang Porcher 26.07.2015
4. Trauer fuer einen Moment auch nur
die Rennfahrer von Heute leben ja im Glauben, dass da nichts schlimmes passieren kann. Früher fuhr im Ferrari der Tod immer mit. Da schreckt ein Rennfahrer heute ja richtig auf, wenn es doch einen erwischt. Und dann wird weiter gerast , gibst da noch bei denen einen gesunden Verstand? Und soll man da irgend welches Mitleid haben bei weiteren Unfällen?
frankdrebbin 26.07.2015
5. @Wolfgang Porcher
Denken Sie an Ihre Worte, wenn Sie das nächste Mal im Auto sitzen.
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