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20. März 2016, 13:44 Uhr

Vettels dritter Platz in Australien

"Ja, wir haben das Rennen verloren"

Es hätte eine richtige Kampfansage an Mercedes werden können. Doch dann setzten Ferrari und Sebastian Vettel auf die falsche Reifenstrategie. Trotzdem hofft der Verfolger auf die nächsten Rennen.

Was für ein erster Renntag im Jahr 2016 für Sebastian Vettel. Das erste Saisonrennen war eine Achterbahnfahrt der Gefühle für den Ferrari-Star. Es begann mit einem perfekten Start samt unverhoffter Doppelführung für die Scuderia vor dem großen Favoriten Mercedes - und damit mit der berechtigten Hoffnung, den Auftakt-Grand-Prix in Melbourne aus eigener Kraft gewinnen zu können.

"Am Ende waren wir nah dran", zog Vettel nach seinem dritten Platz Bilanz. "Aber hätte, wäre, wenn hilft uns nicht. Wichtig ist, dass unser Speed im Rennen deutlich besser war." Den ersten Rückschlag verzeichnete Ferrari zur Rennmitte, als Vettels Teamkollege Kimi Räikkönen mit einem Defekt ausfiel. Viel schwerer wog jedoch ein Strategiefehler am Kommandostand des Traditionsrennstalls aus Maranello.

Als das Rennen nach dem schweren Unfall von Fernando Alonso und Esteban Gutiérrez unterbrochen wurde, wechselte Mercedes die Strategie von Vettels erstem Verfolger Nico Rosberg. Statt wie geplant auf zwei Stopps zu setzen, entschied sich das Team um und ließ den späteren Sieger Rosberg mit der härteren Medium-Reifenmischung ohne einen weiteren Stopp durchfahren. Eine Option, die auch Ferrari offengestanden hätte.

"Mercedes hat im richtigen Moment die richtigen Reifen drauf gehabt", zeigte Ex-Weltmeister Niki Lauda den Fehler auf. "Sie haben die Strategie im richtigen Moment angepasst." Ferrari verpasste diese Gelegenheit beziehungsweise entschied sich bewusst für einen anderen Weg, der sich im weiteren Verlauf als falsch herausstellte. "Sie haben sich ein bisschen verkalkuliert", bestätigte auch RTL-Kommentator Christian Danner. "Aber mein Gott. In solchen Rennen kann so etwas passieren."

Vettel nahm sein Team für die Entscheidung in Schutz. "Vielleicht hätten wir es besser machen können, aber das ist hinterher immer einfach zu sagen", sagte er. Zu diesem Zeitpunkt des Rennens waren die Strategen am Ferrari-Kommandostand alle von ihrer Wahl überzeugt. "Wir haben das Recht, eine aggressive Strategie zu wählen, aber das hat nicht ausreichend funktioniert", gestand Teamchef Maurizio Arrivabene.

Hinzu kam, dass Vettels Reifen früher als erwartet abbauten. Nach einem erneuten Wechsel fuhr der dann wieder viel schnellere Vettel in den Schlussrunden sogar noch einmal auf den Zweitplatzierten Lewis Hamilton auf. "Ich war deutlich schneller", sagt Vettel. Er fand aber keinen Weg am Briten vorbei. "Dann habe ich es mit der Brechstange versucht und es dabei in der vorletzten Kurve übertrieben. Das ging in die Hose." Vettel rutschte in die Auslaufzone und musste sich endgültig mit Platz drei begnügen.

Die Chance auf den Auftaktsieg hatte ihn aber schon zuvor die falsche Reifenwahl gekostet. "Wenn man so nah dran ist und schon ein bisschen am Sieg riechen konnte, ist es natürlich schade, wenn es nicht klappt", räumte Vettel nach dem Rennen ein. Teamchef Arrivabene gestand offen und ehrlich: "Ja, wir haben das Rennen verloren." Vettel betonte derweil lieber die positiven Seiten des Rennwochenendes in Australien. "Wir waren sehr dicht dran und werden versuchen, die Lücke Schritt für Schritt zu schließen, um Mercedes ordentlich zu ärgern."

Mit dieser Meinung steht Vettel nicht allein da. Ex-Rennfahrer Danner interpretiert die Erkenntnisse aus dem Grand Prix von Australien ebenfalls als positive Vorzeichen. "Ferrari ist in der Lage, Mercedes unter Druck zu setzen", betonte Danner. Die nächste Chance dazu erhält die Scuderia am 3. April beim Großen Preis von Bahrain (17 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), bei dem Vettels Teamkollege Räikkönen im Vorjahr als Zweiter auf dem Podium gestanden hat. "Letztes Jahr waren wir dort ziemlich stark", erinnerte sich der Deutsche. "Melbourne zählte 2015 zu unseren schlechtesten Strecken. Dieses Jahr waren wir hier deutlich besser." Gute Vorzeichen also für einen neuerlichen Angriff auf die Silberpfeile.

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