Spannung in der Formel 1 Stress an der Spitze

Sebastian Vettel ist wieder Führender der Formel 1 - mit einem Punkt Vorsprung vor seinem Rivalen Lewis Hamilton. Die Spannung dürfte anhalten, die nächsten drei Rennen werden zu einem bisher einmaligen Härtetest.

Sebastian Vettel und Lewis Hamilton
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Sebastian Vettel und Lewis Hamilton

Aus Montreal (Kanada) berichtet Christian Menath


Ping Pong - so bezeichnete Mercedes-Teamchef Toto Wolff das vergangene Formel-1-Jahr gerne, es ging zwischen Mercedes und Ferrari ständig hin und her. Für die aktuelle Saison braucht es schon eine andere Umschreibung der Kräfteverhältnisse: 2018 spielen sich Mercedes und Ferrari die Bälle nicht nur deutlich schneller hin und her, sie haben mit Red Bull vor allem einen zusätzlichen Kontrahenten.

Das Ergebnis des Großen Preises von Kanada spiegelt die sportliche Situation perfekt wieder: Ferrari-Pilot Sebastian Vettel holte sich den Sieg (der 50. seiner Karriere) auf der Île Notre-Dame mit wenigen Sekunden Vorsprung vor Valtteri Bottas im Mercedes, der seinerseits nicht einmal eine Sekunde vor Red-Bull-Pilot Max Verstappen über den Zielstrich fuhr. Wie ausgeglichen das Kräfteverhältnis aktuell ist, zeigen auch die Positionen hinter dem Podium: Mit Daniel Ricciardo, Lewis Hamilton und Kimi Räikkönen folgten die Teamkollegen der Top-3-Piloten.

Vettel holte sich mit seinem Sieg die Spitzenposition in der Weltmeisterschaft zurück. Der Deutsche führt nun mit 121 Zählern - er liegt nur einen Punkt vor Lewis Hamilton. "Die WM-Führung ist aber egal, es ist noch ein sehr langer Weg", sagte Vettel umgehend nach dem Rennen. In der WM-Tabelle klafft hinter Vettel und Hamilton schon eine kleine Lücke. Hamilton-Teamkollege Bottas liegt wegen eines unverschuldeten Ausfalls in Aserbaidschan mit 86 Punkten auf Rang drei schon etwas zurück. Vettel-Teamkollege Räikkönen hat 68 Punkte.

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Vettels Erfolg in Kanada: Start-Ziel-Sieg zum Jubiläum

Und dann sind da noch die beiden Red-Bull-Piloten. Nach Jahren der Chancenlosigkeit hält der Rennstall wieder mit den beiden Großen mit. Doch der Youngster Verstappen leistete sich wieder Ausfälle, Ricciardo wurde Opfer der Technik und der Fehlerserie seines Teamkollegen. Deshalb hat der Australier nicht nur zwei Siege auf seinem Konto, sondern auch zwei Ausfälle.

"Wir haben deshalb nur Außenseiterchancen", sagte Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko dem SPIEGEL. Die Erkenntnis ist bitter, doch der Österreicher ist von seinem Team überzeugt: "Wir haben das beste Auto gebaut. Das, was uns vom Motor noch fehlt, gleichen wir mit dem Chassis aus." Red Bull ist als einziges Top-Team auf einen externen Motorenpartner angewiesen, Mercedes und Ferrari bauen ihre Triebwerke selbst und haben dadurch einen Vorteil.

Seit der Regeländerung 2014 gilt Mercedes als herausragend bei den Motoren. Doch in dieser Saison bereitet ausgerechnet die einstige Stärke den Silberpfeilen Probleme. Nicht nur, dass Ferrari inzwischen in der Qualifikation mehr Leistung abrufen kann: In Kanada wollte Mercedes - wie alle anderen Motorenhersteller auch - eine Ausbaustufe bringen. Aufgrund von Qualitätsproblemen kam diese aber nicht. Ein neuer und stärkerer Motor wäre vor allem auf der Strecke in Montreal ein großer Vorteil gewesen. Doch Mercedes ist die Zuverlässigkeit inzwischen wichtiger.

Das zeigt, wie dieser WM-Kampf funktioniert: Ausfälle sind verboten. Auch deshalb fährt der in der Vergangenheit für seinen kompromisslosen Fahrstil bekannte Hamilton in dieser Saison auffällig zurückhaltend. Seinen fünften Platz in Montreal sah der Brite gelassen: "Ich hätte ausfallen können, dann hätte ich 25 Punkte verloren."

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Zu Vettels 50. Grand-Prix-Sieg: "Super-Seb" ist wieder da

Daher ist Zuverlässigkeit der entscheidende Faktor. Jedem Fahrer steht für die gesamte Saison nur ein beschränktes Kontingent an Motoren zur Verfügung. Wer das überschreitet, wird mit Startplatzstrafen belegt. "Diese Motoren müssen noch einen sehr weiten Weg gehen", sagte Hamilton nach dem Kanada-GP. Die Serie 2018 geht über 21 Rennen - länger war noch keine Formel-1-Saison.

Immerhin darf sich Hamilton beim nächsten Rennen in Frankreich in zwei Wochen etwas verspätet über den neuen Motor freuen. Dann kommt auch ein Spezial-Reifen zum Einsatz. Dieser ist um lediglich 0,4 Millimeter dünner. Beim Spanien-Rennen Mitte Mai wurde dieser Reifen schon einmal genutzt - und Mercedes dominierte. Ob es nur an den Reifen lag, ist nicht bewiesen. Aber 0,4 Millimeter können 2018 offenbar den entscheidenden Unterschied ausmachen.

Die nächsten Rennen versprechen auch aus einem anderen Grund Spannung: Die Großen Preise von Frankreich (24. Juni), Österreich (1. Juli) und Großbritannien (8. Juli) werden an drei aufeinanderfolgenden Wochenenden ausgetragen - das gab es in der Formel 1 noch nie. Vor allem für die Teams ist der Zeitplan ein hoher Stressfaktor, der Fehler provozieren kann.

insgesamt 8 Beiträge
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pippipankau 11.06.2018
1.
aber hamilton wird weltmeister:) er fährt besser, sieht besser aus und ist veganer. LOVE this!
mavmike 11.06.2018
2. deswegen wird er gewinnen?
nur gut aussehen (übrigens Geschmackssache) und keine tierischen Produkte essen macht ihn noch lange nicht zum Weltmeister.
RalfBukowski 11.06.2018
3. Einstige Stärke
"Doch in dieser Saison bereitet ausgerechnet die einstige Stärke den Silberpfeilen Probleme." Nein, die einstige Stärke bereitet keine Probleme. Aber das die Stärke mittlerweile einstig ist (weil Ferrari etwa gleich stark geworden ist).
juergenhesse 11.06.2018
4. Der aufgeblasene Popantz
Kann sich, dank Mercedes einen steuerfreien Jet leisten. den er im Steuerparadies parkt. Für mich kommt Mercedes nicht mehr in Frage, solange die den unterstützen.
Gmorker 11.06.2018
5. fährt besser?
#1: "er fährt besser, sieht besser aus und ist veganer." - Aussehen ist Geschmackssache, Ernährung dürfte bei allen Profifahrern deutlich geregelt sein, ob nun vegan oder nicht (Sein Auto ist jedenfalls ziemlich sicher nicht 100% vegan ;) )... das er besser fährt, habe ich zumindest gestern (wieder mal) nicht sehen können. Diverse Quersteher in seiner Problemkurve, die sich nicht mit dem Reifenverschleiss begründen lassen, sondern schlicht und ergreifend Fahrfehler waren. Es hat sich gestern gezeigt, das Hamilton ein überlegenes Auto braucht um zu gewinnen, ein gleichwertiges reicht halt nur für Rang 4.
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