Pfiffe nach Sieg in Singapur Vettels Imageproblem

Sebastian Vettel wurde bei der Siegerehrung ausgepfiffen und ausgebuht - schon zum dritten Mal in dieser Saison. Während Formel-1-Boss Ecclestone nur enttäuschte Ferrari-Fans als Urheber ausmacht, liegt der wahre Grund wohl woanders.

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Aus Singapur berichtet


Selbst einer wie Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone hatte so etwas selten erlebt. Die Demonstration von Überlegenheit, die Sebastian Vettel beim Großen Preis von Singapur zeigte, machte ihn nachdenklich. Teilweise war der Titelverteidiger bei seinem Sieg drei Sekunden pro Runde schneller als die Konkurrenz. "Der letzte Pilot, bei dem ich eine solche Überleistung gesehen habe, war Ayrton Senna."

Das letzte, was der 82-Jährige kurz vor seiner Abreise nach Europa noch gehört hatte, machte ihn wütend: Pfiffe und Buhrufe gegen Vettel auf dem Podium. "Er hat mal wieder Ferrari geschlagen, das mögen die Ferraristi nicht. Er sollte es als Kompliment für außergewöhnliche Leistungen betrachten", sagte Ecclestone SPIEGEL ONLINE.

Aber ist es wirklich so einfach? Oder ist Vettel womöglich aus anderen Gründen so unbeliebt bei einer bestimmten Gruppe von Fans? Es gab Pfiffe in Silverstone und in Kanada, wo eine starke italienische Gemeinde den Großteil der Rennbesucher bildet. Es gab Buhrufe in Monza. Mehr noch: Als die Autogrammstunde beim Großen Preis von Italien wegen zu vieler Drängler vor der Ferrari-Box aufgelöst werden musste, zog sich Vettel in die Red-Bull-Garage zurück und unterschrieb seine Autogrammkarten dort. Der Plan: Er wollte sie den Sicherheitskräften in die Hand drücken, damit die sie an die wartenden Tifosi weiterreichen konnten. Doch das Security-Personal winkte ab. Vettel-Autogramme waren in Italien nicht gefragt.

Missachtete Stallorder in Malaysia kostete Vettel Sympathien

Nach dem Rennen in Singapur war Vettels Teamchef Christian Horner betroffen und empört zugleich: "Es ist sportlich extrem unfair, jemanden auszupfeifen, der sich vorher das Herz aus dem Leib gefahren hat", sagte der Brite. Vettel sage zwar, es nehme ihn nicht mit, aber "auch er ist nur ein Mensch, mit breiten Schultern zwar, aber trotzdem sensibel". Die Pfiffe seien eine Schande für den Sport. "Mag sein, dass die Ereignisse aus Malaysia ihren Teil dazu beigetragen haben", so Horner: "Aber kein Fan kann beurteilen, was damals wirklich passiert ist."

Damit spielte der Red-Bull-Teamchef auf die missachtete Stallorder beim zweiten Saisonrennen an. Damals hatte Vettel seinen Teamkollegen Mark Webber überholt, obwohl ihm die Box ein Manöver verboten hatte. Der in Milton Keynes ansässige Rennstall wird in England zwar verehrt, Vettel wegen dieses Überholvorgangs aber regelrecht gehasst. Ex-Teamchef und BBC-Experte Eddie Jordan weiß, warum: "Es hat nichts mit Red Bull zu tun, auch nicht damit, dass er Deutscher ist", sagt der Ire. Doch seit der missachteten Stallorder "denken die Leute, sie hätten sein zweites Gesicht gesehen. Das von Michael Schumacher. Die Fans denken, er hätte gelogen."

Horners Befehl "Positionen halten" soll Vettel überhört haben, später hatte er sich auch beim Team entschuldigt. "Ich weiß, dass Seb nicht gelogen und in Malaysia alles richtig gemacht hat", sagte Jordan: "Er hat die Wahrheit nur nicht kommuniziert, um sein Team zu schützen. Das aber wissen die Leute nicht." Der Grund: Webber und dessen Managerin und Lebensgefährtin Ann Neal impften der englischen Presse ein, Vettel hätte sich nicht an Absprachen gehalten.

Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko sieht noch einen anderen Grund für die Pfiffe gegen den Titelverteidiger. "Sebastian gibt sich nicht so transparent wie es ein Fernando Alonso macht oder ein Lewis Hamilton", so Marko: "Die twittern ihre Gedanken um die Welt. Sebastian aber ist sein Privatleben heilig und er schützt es, wo es geht." Das mache auch einen Teil seiner Stärke aus.

TV-Experte und Ex-Formel-1-Pilot Marc Surer sieht es hingegen ähnlich wie Ecclestone: "Vettel ist einfach zu erfolgreich und das sorgt dafür, dass er ein Spannungstöter ist." Auch laut des Schweizers würden nur Ferrari-Anhänger pfeifen. Surer hat einen Vorschlag für das Imagedilemma: "Er muss irgendwann mit einer anderen Marke Weltmeister werden. Einfach von dem Image wegzukommen, dass er das nur mit Red Bull kann." Das würde sicherlich auch Ecclestone gefallen.

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Seite 1
conr0y 23.09.2013
1.
Zitat von sysopGetty ImagesSebastian Vettel wurde bei der Siegerehrung ausgepfiffen und ausgebuht - schon zum dritten Mal in dieser Saison. Während Formel-1-Boss Ecclestone nur enttäuschte Ferrari-Fans als Urheber ausmacht, liegt der wahre Grund wohl woanders. http://www.spiegel.de/sport/formel1/formel-1-sebastian-vettel-wird-in-singapur-ausgepfiffen-a-923792.html
Es ist der blanke Neid, bei den britischen Hamilton-Fans noch mehr als bei Ferrari. Die unterstützen Alonso nur, weil sie Vettel nicht gewinnen sehen wollen. Und ganz sicher hat es auch etwas damit zu tun, daß Vettel Deutscher ist. Die Kommentare auf BBC sind schon zensiert, dennoch ist es zum Teil erschreckend, was dort geäußert wird. Die Berichterstattung der BBC ist Vettel auch nicht eben wohlgesonnen. Das ist aber nicht wirklich neu, das war auch schon zu Schumis Zeiten so. Man sollte das als eigenartige Marotte der nach ihrem Selbstverständnis "speziellen" Inselbewohner betrachten/ignorieren.
Flying Rain 23.09.2013
2. Er...
Er..ist wie der FC Bayern ...der böse weil er einfach um längen besser als der Rest ist...
M. Maier 23.09.2013
3.
Herr Vettel ist einfach unsympatisch. Dewegen wird er ausgebuht. Ein Schumacher oder Senna haben sich ihre Erfolge erarbeitet und sind Risiken eingegangen. Er sitzt und bleibt im (leider) besten Auto und sucht nicht einmal eine neue Herausforderung. Er lügt direkt in die Kamera, ebenso wie sein Pseudochef Herr Marko. Bestes Beispiel war wirklich Malaysia ...
BeatDaddy 23.09.2013
4. Spannungskiller,
weil es keine Einheitsautos gibt! Übrigens Ecclestone hat Schumacher vergessen, der war mindestens genauso haushoch allen anderen überlegen...aber in dem Alter kann das schon mal passieren...
Harald Schmitt 23.09.2013
5. Neid
Die Stallorder damals war ein Fehler des Teams. Webber war noch nie die größte Leuchte im Stall und verdient es nicht bevorzugt zu werden. Man sieht ja wo er in der WM Wertung trotz gleichwertigem Auto steht. Alonso ist ein weinerliches Kind, wenn es mal nicht klappt sind alle anderen Schuld. Er kämoft auch nur mit unfairen Mitteln im Team. Andere müssen wegen ihm gehen(Kimi) oder er verpetzt das Team, wenn es nicht so läuft wie er will. Trotzdem wir er zum besten Fahrer gewählt warum nur? Die vor ihm waren im gleichen Auto Weltmeister. Vetterl ist der beste und trotz den schwachsinnigen Regelnänderungen mit den Pannenreifen und DRS damit es überhaupt mal Überholmanöver gibt, ist er fast immer vorn. Ohne ihn wärs noch langweiliger.
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