Formel-1-Rennen in Singapur Schlussspurt der roten Bullen

Der Weltmeister ist wieder da. Sebastian Vettel hat sich mit seinem Triumph in Singapur eindrucksvoll im Titelkampf zurückgemeldet. Der WM-Führende Fernando Alonso muss wieder zittern. Sein Team Ferrari kann kaum mit den vielen Innovationen der Red-Bull-Ingenieure mithalten.

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Aus Singapur berichtet


Fernando Alonso macht sich Sorgen. Einen Vorsprung von 29 Punkten hat der Spanier nach dem Rennen in Singapur auf den Red-Bull-Piloten Sebastian Vettel. Doch er ahnt, dass es noch einmal eng werden kann im Titelkampf der Formel 1: "Der Ferrari ist zu langsam, wir müssen schneller werden. Der dritte Platz war mehr, als was wir realistisch erwarten konnten."

Sechs Rennen sind in dieser Formel-1-Saison noch zu absolvieren. Und trotz der Führung von Alonso scheinen Vettel und McLaren-Pilot Lewis Hamilton zusehends die heißesten Anwärter auf den Titel zu sein. Den Anfang von Vettels Aufholjagd ist mit seinem zweiten Saisonsieg in Singapur gelungen. Die Strecke kam mit ihrer Mischung aus engen und mittelschnellen Kurven der Charakteristik des Red Bull entgegen. Auch die weichen Reifenmischungen von Vettels Boliden erwiesen sich als Vorteil.

Der Deutsche legte die Basis für den Erfolg bereits mit seinem dritten Platz im Qualifying. Im Nachtrennen war es dann die Mischung aus Können und auch ein wenig Glück, die zum Triumph führte. Können, weil er es schaffte, schon nach der zweiten Kurve sich riskant, aber kompromisslos an den vor ihm gestarteten Williams-Piloten Pastor Maldonado vorbeizuquetschen. Das war notwendig, um nicht den Anschluss an Pole-Mann Lewis Hamilton zu verlieren. Glück, weil das Getriebe von Hamiltons McLaren in Runde 22 kollabierte und Vettel so den schwierigsten Gegner loswurde.

Alonsos Ferrari ist derzeit nicht siegfähig

Hamilton hat einen Rückstand von 52 Punkten auf Alonso. Das erscheint nur auf den ersten Blick zu viel. Einen Ausfall jedenfalls kann sich auch Alonso nicht leisten. Sein Ferrari ist im Moment nicht schnell genug, um aus eigener Kraft um Siege mitzufahren. Red Bull und McLaren bringen jetzt in jedem Rennen neue Aerodynamik-Teile ein, die ihre Autos noch einmal schneller machen sollen. Red Bull hat sogar schon eine Version des RB 8 mit langer Fahrzeugnase in der Pipeline.

Diese soll für mehr Stabilität in schnellen Kurven sorgen und könnte leicht auch als eine Art Basis für ein Doppel-DRS-System, das den Luftwiderstand vermindern soll, dienen. Das macht den Red Bull auf den Geraden schneller. Eine derart drastische Veränderung des Fahrzeugkonzepts ist zumindest mitten in der Saison ungewöhnlich und zeigt das Potential der Red-Bull-Designabteilung. Alonso, der um die Stärken der Konkurrenz weiß - und sie fürchtet -, fordert solche Schritte auch von seinem Team. Doch die Entwicklungsabteilung bei Ferrari arbeitet langsamer und konservativer. Es wird ein spannendes Saison-Ende.

Mercedes muss sich entscheiden: Schumacher oder Hamilton?

Während es für den Doppelweltmeister in Singapur allen Grund zum Feiern gab, erlebte Michael Schumacher einen herben Dämpfer. Er sorgte wie schon beim Großen Preis von Spanien für einen spektakulären Auffahrunfall und wurde nun für das nächste Rennen in Japan um zehn Startplätze zurückversetzt.

Der Crash kam für Schumacher zum schlechtmöglichsten Zeitpunkt. Denn am Montag und Dienstag wird in Stuttgart über seine Formel-1-Zukunft entschieden. Dann tagt der Aufsichtsrat von Daimler und einer der Programmpunkte wird auch das Formel-1-Engagement sein. Der Vorstand hat schon beschlossen, das Engagement bis mindestens 2020 fortzusetzen. Der Aufsichtsrat muss dem Vorschlag nun zustimmen.

Mercedes zögert noch. Grund ist, dass der Vertrag von McLaren-Superstar Hamilton am Jahresende ausläuft. Ebenso der von Michael Schumacher bei Mercedes. Nico Rosberg, Schumachers Teamkollege, ist dagegen fest bis 2014 an Mercedes gebunden. In der Firmenzentrale in Stuttgart gibt es noch keine einheitliche Meinung, ob Hamilton, der als schnellster Pilot der Formel 1 gilt, eine bessere Lösung wäre als der siebenmalige Weltmeister.

Hamilton ist zwar schnell, aber er ist ebenso unberechenbar. Wenn es nicht läuft, bringt er ein Team durcheinander und sorgt für schlechte Stimmung. Keiner von den Ingenieuren und Mechanikern bei McLaren würde ihm eine Träne nachweinen.

Für Schumacher dagegen spricht mehr: Wenn man ihm das richtige Auto hinstellt, ist er immer noch gut genug, um Rennen zu gewinnen. Vielleicht nicht mehr so viele wie Teamkollege Rosberg und bestimmt nicht so viele wie das rasende Problemkind aus England - aber der Werbewert von einem ab und zu siegenden Schumacher wäre um vieles höher als Erfolge von Hamilton.

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