Das letzte freie Formel-1-Cockpit Eine Frage des Geldes

Robert Kubica hat Williams in den letzten Tests offenbar nicht überzeugen können, sein Formel-1-Comeback scheint geplatzt. Jetzt kommt wohl Sergei Sirotkin mit viel Geld aus Russland - zum Leidwesen von Pascal Wehrlein.

Ex-Sauber-Pilot Pascal Wehrlein
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Ex-Sauber-Pilot Pascal Wehrlein

Von Karin Sturm


Das Formel-1-Comeback von Robert Kubica schien für viele schon eine so gut wie beschlossene Sache zu sein. Die Umstände waren einfach zu perfekt: 12 Millionen Euro Sponsorengelder als Mitgift und gleich dazu noch eine wunderschöne Herz-Schmerz-Story. Bei einem schweren Rallye-Unfall hatte Kubica fast seinen rechten Arm verloren, sieben Jahre nach dem Unglück stand er nun kurz vor seinem Comeback in der höchsten Rennklasse. Der letzte Test in Abu Dhabi zwei Tage nach dem Saisonfinale 1 wurde trotz Sicherheitsbedenken vieler Experten eher als Formsache betrachtet.

Doch aus dem Deal wird nun wohl nichts - anscheinend konnte der Pole, als er in Abu Dhabi zum ersten Mal in einem 2017er-Williams saß, die Führung des Rennstalls doch nicht von seiner Leistungsfähigkeit überzeugen. Seine Bestzeit auf einer Runde war nur um eine Zehntelsekunde besser als die von Lance Stroll, dem 18-jährigen Kanadier, der beim Großen Preis von Abu Dhabi das Williams-interne Qualifying-Duell gegen Felipe Massa noch mit einer Sekunde Rückstand verloren hatte. Kubicas Test war also nicht gerade ein Empfehlungsschreiben für jemanden, der sich früher - nicht zu Unrecht - eher in einer Liga mit den Spitzenfahrern sah.

Bei Renault war im Sommer das gleiche passiert: Kaum hatte Kubica nicht nur in alten Boliden, sondern auch in einem 2017er-Auto getestet, verloren die Franzosen offenbar das Interesse. Auffällig waren kürzlich schon Aussagen des Polen bei den "Autosport Awards" in London, einer jährlichen Fahrer-Ehrung eines britischen Fachmagazins. Im Alltag habe er größere Einschränkungen als im Cockpit, sagte der Pole. Er könne "zu 90 Prozent so fahren wie früher." Aber reichen zehn Prozent weniger, um konkurrenzfähig zu sein?

Und als dann Nico Rosberg, der seit diesem Sommer als Kubica-Manager agiert, auch noch bei Red-Bull-Verantwortlichen in Richtung Toro Rosso anklopfte, was klar, dass da wohl etwas nicht so lief wie geplant.

Williams braucht dringend Geld

Wenn also nicht Kubica - wer soll dann das zweite Williams-Cockpit übernehmen? Bei der Suche nach einem Fahrer spielen wohl auch die gewaltigen finanziellen Probleme, die das Team offenbar hat, eine Rolle. In Brasilien musste Williams mit einem alten Motor antreten, weil eine Million Euro für einen neuen fehlten. Gerade unter diesem Gesichtspunkt hat der Rennstall einen sehr geeigneten Kubica-Ersatz gefunden: Der neue Mann im Williams-Cockpit neben Milliardärs-Sohn Stroll soll der 22 Jahre alte Russe Sergei Sirotkin werden, der ebenfalls in Abu Dhabi testete.

Dieser war zuletzt dritter Fahrer bei Renault, hat noch nie einen Grand Prix bestritten, "aber er ist nicht schlecht", sagt Renault-Stammpilot Nico Hülkenberg: "Ein fleißiger und harter Arbeiter auf jeden Fall. Wie schnell er genau ist, weiß ich allerdings nicht."

Sein Fahrtalent ist aber wohl nicht der entscheidende Grund für Sirotkins Verpflichtung; sondern vielmehr die insgesamt 30 Millionen Euro Sponsorengelder für zwei Jahre, die er mitbringt. Diese stammen von seinem Förderer, dem russischen Oligarchen Boris Rotenberg, einem Freund von Präsident Wladimir Putin. Rotenberg finanziert in Russland über seine Bank SMP ein gewaltiges Motorsport-Nachwuchsprogramm, vom Kart über die Formel 4 bis zu eigenen Teams in der Langstrecken-WM WEC.

Es ist ein Programm, dem zeitweise mehr als 30 Fahrer angehörten und zu dessen Betreuung Rotenberg den finnischen Ex-Formel-1-Piloten Mika Salo engagierte. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE wird die offizielle Bekanntgabe der Verpflichtung Sirotkins erfolgen, sobald das Geld bei Wiliams eingegangen ist - möglicherweise noch vor Weihnachten.

Was ist Pascal Wehrleins Plan B?

Das sind vor allem für einen schlechte Nachrichten: Pascal Wehrlein. Der Deutsche hatte immer noch darauf gehofft, bei Williams seine Formel-1-Karriere fortsetzten zu können. Mercedes-Sportchef Toto Wolff hatte noch am Rennwochenende in Abu Dhabi intern geäußert, dass er den Mercedes-Junior Wehrlein bei Williams unterbringen werde, wenn der Kubica-Deal nicht klappen sollte.

Doch gegen die russischen Millionen konnte und wollte Wolff wohl auch nicht mithalten. Schon seit einiger Zeit hieß es, Mercedes werde Wehrlein in der kommenden Saison nicht mehr finanziell unterstützen. Man tue das für seine Junioren immer nur zwei Jahre - auch wenn aus Force-India-Kreisen im Falle von Esteban Ocon, einem anderen Mercedes-Junior, anderes zu hören ist.

Wehrlein muss sich nun einen Plan B suchen. Der Schritt zurück in die DTM, wo er 2015 als jüngster Fahrer der Geschichte Meister wurde, wäre mit Blick auf eine möglichst schnelle Rückkehr in die Formel 1 nicht zielführend. Eine Kombination aus einer Rolle als dritter Fahrer, eventuell im Mercedes-Werksteam, und Renneinsätzen in der japanischen Super Formula erscheint da vielversprechender.

Auf dem Umweg über Japan schaffte es in den Neunziger Jahren bereits ein anderer Deutscher erfolgreich zurück in die Formel 1: Heinz-Harald Frentzen. Zuletzt gingen Nachwuchsfahrer wie Stoffel Vandoorne und Pierre Gasly diesen Weg. Zudem scheint Wehrlein bereits einigen Verantwortlichen bei Honda aufgefallen zu sein. Und bei denen könnte man ja mit guten Leistungen in deren Heimatland noch einmal ein zusätzliches Empfehlungsschreiben abgeben.



insgesamt 3 Beiträge
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opagila 13.12.2017
1.
Williams muß doch einen Fahrer nehmen, der mindestens 25 Jahre alt ist. Wegen der Alkoholwerbung auf dem Auto. Aber anscheinend ist das bei 30 Millionen dann doch egal.
next 14.12.2017
2.
Ein Blick in das Archiv des SpOn gibt Auskunft, warum P. Wehrlein sicher keine Zukunft in der F1 hat: http://www.spiegel.de/thema/pascal_wehrlein/
cs01 14.12.2017
3.
Man muss wohl bei Sergei Sirotkin sagen, dass er sich vom klassischen Paydriver, der das Geld von Papa oder Verwandeten verjuxt in so fern unterscheidet, dass er sich in einem Nachwuchsprogramm durchgesetzt hat, also Leistung gezeigt hat.
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