F-1-Pilot Webber Per Anhalter über den Kurs von Singapur

Es sah aus wie eine fröhliche Taxifahrt, war aber eine gefährliche Aktion: Beim Rennen in Singapur schied Mark Webber kurz vor Schluss aus und wurde von Fernando Alonso in die Boxengasse chauffiert. Beide erhielten eine Verwarnung, die für Webber Folgen hat.

Formel-1-Fahrer Webber (r.): In Südkorea zehn Startplätze zurück
Getty Images

Formel-1-Fahrer Webber (r.): In Südkorea zehn Startplätze zurück


Hamburg - Seit mehr als zehn Jahren fährt Mark Webber in der Formel 1, hat über 200 Rennen absolviert, gilt als humorvoll - aber so etwas wie in Singapur hat sich der Australier bislang noch nicht geleistet. Einen Spaß, über den nicht jeder im Formel-1-Lager lachen konnte.

Was war passiert? Red-Bull-Pilot Webber schied beim Nachtrennen kurz vor Ende aus, er musste seinen brennenden Wagen abstellen. Anschließend aber lief der 37-Jährige zurück auf die Fahrbahn. Die Streckenposten versuchten vergeblich, ihn davon abzuhalten. Webber winkte die herankommenden Fernando Alonso im Ferrari und Kimi Räikkönen im Lotus zu sich, die das Rennen beendet hatten und sich auf der Ehrenrunde befanden. Webber machte den Anhalter und wollte in die Boxengasse mitgenommen werden.

Alonso hielt tatsächlich an. Webber lief ums Heck herum, stieg auf den Lüftungsschacht und wurde über den Rundkurs chauffiert. Dumm nur, dass Alonso unmittelbar nach einer 90-Grad-Kurve hielt. Von hinten näherten sich die beiden Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Nico Rosberg. "Ich war echt geschockt. Ich kam um die Ecke, und da stand Fernando", sagte Hamilton, der wie Rosberg am stehenden Ferrari vorbeisauste. "Wenn Mark dort gerade entlanggegangen wäre, hätte ich ihn umgefahren", sagte Hamilton (Webbers Taxifahrt im Video - klicken Sie hier).

Fotostrecke

12  Bilder
Fotostrecke: Pfiffe für den Weltmeister
Webber wurde den Regeln entsprechend verwarnt, weil er die Strecke ohne Erlaubnis betreten hatte, um zu Alonsos Auto zu gelangen. Es war bereits seine dritte Verwarnung in dieser Saison, daher wird er beim kommenden Rennen in Südkorea am 6. Oktober (8 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) zehn Startplätze zurückgestuft. Auch Alonso erhielt eine Verwarnung, weil er verbotenerweise auf der Strecke gestoppt hatte. Allerdings bleibt der Rüffel für ihn ohne Folgen.

Die Strafe dürfte Webber kaum stören, schließlich absolviert er seine letzte Saison bei Red Bull und hat auch wenig Ambitionen, seinem Teamkollegen und Rivalen Sebastian Vettel eine Hilfe auf dem Weg zum WM-Titel zu sein. Daher ist der Deutsche bei der Mission, zum vierten Mal in Folge Champion zu werden, in Südkorea auf sich alleine gestellt. Allerdings ist Vettels Ausgangsposition mit 60 Punkten Vorsprung auf Alonso im WM-Klassement sehr komfortabel.

Noch sechs Rennen sind in dieser Saison zu absolvieren, schon beim übernächsten könnte sich Vettel vorzeitig den Titel sichern. Hat er nach dem Großen Preis von Japan 100 Punkte oder mehr Vorsprung auf den Klassement-Zweiten, ist Vettel Champion.

Dafür müsste der Red-Bull-Pilot die beiden Rennen in Südkorea und Japan gewinnen, er hätte dann 297 Punkte. Alonso (derzeit 187 Punkte) dürfte bei beiden Rennen zusammen also maximal zehn Zähler holen, damit Vettel schon in Suzuka feiern kann. Dafür müsste Alonso einmal Fünfter werden und einmal nicht in die Punkte fahren. Auch ein sechster und ein neunter Platz des Spaniers würden Vettel reichen. Realistischer ist allerdings ein späterer WM-Gewinn des Deutschen.

ham/dpa/sid



insgesamt 47 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
walter_e._kurtz 23.09.2013
1. Ach, Gottchen!
Da rast man während des Rennens mit >300km/h Rad an Rad auf die nächste Kurve (in Singapur gleichbedeutend mit nächste Mauer) zu, und wenn dann nach dem Rennen jemand schleichenderweise Taxi spielt, ist das gefählich? Was für Wichtigtuer! Demnächst reduzieren wir die max.-Leistung bei Motorradrennen auf 5PS - die haben nämlich, ähnlich wie Webber als Mitfahrer, auch keine Knautschzone.
istwan_undwo 23.09.2013
2.
Zitat von sysopGetty ImagesEs sah aus wie eine fröhliche Taxifahrt, war aber eine gefährliche Aktion: Beim Rennen in Singapur schied Mark Webber kurz vor Schluss aus und wurde von Fernando Alonso in die Boxengasse chauffiert. Beide erhielten eine Verwarnung, die für Webber Folgen hat. http://www.spiegel.de/sport/formel1/formel-1-strafe-fuer-webber-nach-dem-grossen-preis-von-singapur-a-923883.html
das ist genau der grund, warum keine s** mehr f1 schaut. gefaehrlich hin oder her, noch 97 (fisichella-schumi) war das hoechstens ein schulterzucken wert. entertainment, fahrerfiguren und persoenlichkeiten, ueberholmanoever, lifestyle - alles wegrationalisiert im sinne der vernunft und vermeintl. sicherheit. schlage vor, die rennen zukuenftig nur noch im simulator abzuhalten. waere sicherer und, nicht zuletzt, auch besser fuer die umwelt...
dislozierter 23.09.2013
3. unglaublich!
ist hier auf ein videoschnipsel verlinkt den ich mir OHNE 30 sekunden spon-zwangsbewerbung anschauen darf??? wow!
BBTurpin 23.09.2013
4. Fürher gehörte das zum guten Ton ...
... den gestrandeten Kollegen mit zurück zur Box zu nehmen.
schorsch_kluni 23.09.2013
5. Alono
Das macht den Stinkstiefel Alonso immer mehr sympathischer. Diese Saison hat er bei mir schon viel positive Punkte gesammelt. Schade das er bei Ferrari fährt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.