Formel-1-Technik: Reine Knopfsache

Von Gereon Detmer

In der Formel 1 kann kein Topteam mehr auf Kers verzichten. Ausgerechnet Weltmeister Red Bull hat bisher die größten Probleme mit dem Energierückgewinnungs-System. Werden diese nicht bald abgestellt, droht die Konkurrenz an Sebastian Vettel und Co. vorbeizuziehen.

Kers in der Formel 1: Ein System, viele Meinungen
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AP

Es könnte so herrlich einfach sein. Den Konkurrenten auf der Rennstrecke direkt vor der Nase, einen Knopf auf dem Lenkrad drücken und aus dem Windschatten vorbeiziehen. Weil in der Formel 1 aber mittlerweile fast alle Teams das Energie-Rückgewinnungssystem Kers nutzen, ist der vermeintliche Vorteil durch die zusätzlichen 82 PS für 6,7 Sekunden pro Runde keiner mehr. Im Gegenteil, zu den Verlierern gehört schon der, dessen System nicht tadellos funktioniert.

Da verwundert es umso mehr, dass ausgerechnet der WM-Spitzenreiter Red Bull mit dem britischen Konstrukteursgenie Adrian Newey bisher die größten Probleme mit der Hybridtechnik hat, die in der Qualifikation und beim Start unverzichtbar ist. Beim Saisonauftakt in Melbourne blieb das System am Auto von Sebastian Vettel komplett abgeschaltet, in Malaysia und in Shanghai lief es nur phasenweise. Schaffen es die Ingenieure des Rennstalls aus Österreich nicht, die Schwierigkeiten mit Kers abzustellen, kann dies ein entscheidender Nachteil im Titelkampf werden.

Und so ist die Nachricht aus dem Lager von Red Bull, Kers sei für den Grand Prix in der Türkei am Sonntag (14 Uhr Liveticker SPIEGEL ONLINE) einsatzbereit, zunächst einmal eine gute für Vettel und seinen Teamkollegen Mark Webber. "Unserem System geht es gut. Es hat Ostern am Prüfstand verbracht mit einigen Modifikationen", sagte Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko der "Bild"-Zeitung, "es funktioniert. Jetzt muss es nur noch im Rennen halten."

Ähnlich optimistisch hatte Marko bereits vor dem Rennen in Malaysia geklungen. Schon zu diesem Zeitpunkt hielt man Kers für ausgereift, die Feuerprobe im Training wurde bestanden. Nach der Hälfte des Rennens wurde Vettel jedoch von seinem Team per Funk angewiesen, Kers nicht mehr zu benutzen. Die Ingenieure fürchteten, Fehler in der sensiblen Elektronik könnten das komplette Auto lahm legen. Weil Vettel seinen Startplatz eins erfolgreich verteidigt hatte und zu diesem Zeitpunkt schon souverän führte, geriet sein Sieg nicht mehr in Gefahr. Der Weltmeister sagte jedoch anschließend: "Ohne Kers haben wir einen Nachteil."

"Hätte Kers lieber nicht im Auto"

Auch Ingenieur Newey beschlich ein mulmiges Gefühl. "Wenn ich ehrlich bin, hätte ich Kers lieber nicht im Auto." Seine Befürchtungen bestätigten sich beim Großen Preis von China. Vettel hatte wieder Probleme mit dem sensiblen System, die sich auf das Bremsverhalten des Autos auswirkten. Die Folge war ein Reifenschaden. "Wir konnten unsere Zwei-Stopp-Strategie deshalb nicht so wie geplant durchziehen", sagte Marko. McLaren-Pilot Lewis Hamilton nutzte die Schwäche von Red Bull und holte seinen ersten Saisonsieg.

Experten wie der frühere Ferrari-Fahrer Niki Lauda warnen vor den Gefahren eines fehlerhaften Kers. "Ferrari und McLaren entwickeln wie die Blöden, und wenn Red Bull seine Technik nicht in den Griff bekommt, dann ist es bald vorbei mit der Dominanz", sagte Lauda dem Sportportal Spox. Der ehemalige Benetton-Fahrer Alexander Wurz glaubt nicht, dass Red Bull ohne Kers zum Titel fahren kann, weil man pro Runde "vorsichtig kalkuliert drei Zehntel Sekunden verliert". In der Formel 1 sind das Welten.

Vieles wird nun davon abhängen, wie schnell Red Bull seinen Mangel an Erfahrung gegenüber den anderen Topteams wettmachen kann. Die Rivalen Ferrari, McLaren und Renault fuhren bereits in der Premieren-Saison 2009 mit Kers, während Vettels Rennstall wie viele weitere Teams darauf verzichtete. Das ausgereifteste Kers soll allerdings Mercedes entwickelt haben. Lewis Hamilton fuhr am 26. Juli 2009 im McLaren-Mercedes in Ungarn den ersten Sieg eines Autos mit Kers-Antrieb in der Formel 1 heraus.

Nach dem freiwilligen Verzicht der Teams im Vorjahr scheint Kers nach seiner Wiedereinführung zur Saison 2011 unverzichtbar für Teams, die um den Titel mitfahren wollen. Sowohl im Qualifying als auch beim Start spielen die 82 zusätzlichen PS eine entscheidende Rolle. Zudem kann der Schub eingesetzt werden, um die Attacke eines Konkurrenten mit aufgeklapptem Heckflügel zu kontern. Acht Teams nutzen das System, welches in der Entwicklung geschätzte 30 Millionen Euro verschlang. Nur Lotus, Virgin und HRT verzichten, wohl aus finanziellen Gründen, auf den Zusatzschub.

Bei den enormen Kosten, die die Formel 1 eigentlich senken wollte, stellt sich die allerdings auch Frage nach dem Sinn dieser Technik. Wenn fast alle Teams ein fehlerfreies Kers einsetzen, hebt sich dessen Wirkung praktisch auf. Auch unter ökologischen Gesichtspunkten sind Zweifel angebracht. "Wir sollen zwar einen grünen Anstrich bekommen", wurde ein nicht genannter Teamchef von der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" zitiert. "Aber in Wirklichkeit wird Kers doch nur zur Beschleunigung benutzt und treibt mit seinem Gewicht letztlich den Benzinverbrauch in die Höhe. Mal ganz zu schweigen von der Frage, was mit den Batterien passiert, wenn sie hinüber sind."

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insgesamt 1630 Beiträge
lemmiecaution 23.03.2011
Na klar : Michael Schumacher wird Weltmeister. Wer denn sonst ? ;-))
Na klar : Michael Schumacher wird Weltmeister. Wer denn sonst ? ;-))
william_pitt 23.03.2011
Dann beteilige ich mich auch mal am munteren Spekulieren. Also, der Vettel würde Weltmeister werden. Wird er aber nicht sondern der Rosberg oder Webber. Denn der Vettel muss auf Grund des RTL Stalkings seinen Namen ändern und ins [...]
Dann beteilige ich mich auch mal am munteren Spekulieren. Also, der Vettel würde Weltmeister werden. Wird er aber nicht sondern der Rosberg oder Webber. Denn der Vettel muss auf Grund des RTL Stalkings seinen Namen ändern und ins beschauliche Toko in Queensland, Australien flüchten.
Haim_Vega 23.03.2011
Höchstwahrscheinlich wird es wieder eine ähnlich spannende Saison geben wie im letzten Jahr. Vettel, Alonso, Schumacher, Hamilton (evtl. Webber, Rosberg) werden es unter sich ausmachen. Das Auto wird dann entscheiden, wer von [...]
Höchstwahrscheinlich wird es wieder eine ähnlich spannende Saison geben wie im letzten Jahr. Vettel, Alonso, Schumacher, Hamilton (evtl. Webber, Rosberg) werden es unter sich ausmachen. Das Auto wird dann entscheiden, wer von ihnen Weltmeister wird. Das beste Gesamtpaket (Schnelligkeit + Zuverlässigkeit) wird die Nase vorn haben. Bin auch mal gespannt, wie unterschiedlich die Teams mit den neuen Pirelli Pneus klarkommen.
rööp 23.03.2011
Zum jetzigen Zeitpunkt kann man noch nicht sagen, ob es ein oder zwei Teams gibt, die dominieren werden. Ich erwarte eine ahnlich ausgeglichene und spannende Saison wie 2010, den ein oder anderen deutschen GP-Sieg und vielleicht [...]
Zum jetzigen Zeitpunkt kann man noch nicht sagen, ob es ein oder zwei Teams gibt, die dominieren werden. Ich erwarte eine ahnlich ausgeglichene und spannende Saison wie 2010, den ein oder anderen deutschen GP-Sieg und vielleicht ein oder zwei deutsche Piloten im Kampf um den Titel.
ray4901 23.03.2011
Schumi hat sein Ziel als erster geschafft. http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1130344 für Haug ist er der erste und beste aller Zeiten. Ein GOAT honoris (oder Mercedis) causa! Rosberg wird damit automatisch [...]
Zitat von sysopSebastian Vettel will seinen Titel erfolgreich verteidigen, Michael Schumacher endlich wieder auf das Podium fahren. Insgesamt sind sechs deutsche Piloten in der neuen Formel-1-Saison am Start. Wer erreicht seine Ziele?
Schumi hat sein Ziel als erster geschafft. http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1130344 für Haug ist er der erste und beste aller Zeiten. Ein GOAT honoris (oder Mercedis) causa! Rosberg wird damit automatisch Edeldomestike, was am Königshof durchaus auch eine Beförderung sein kann;-)
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  • Mittwoch, 04.05.2011 – 15:32 Uhr
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Technische Info
Kers steht für Kinetic Energy Recovering System. Die beim Bremsen freiwerdende Energie wird dabei in Akkus gespeichert und kann für eine kurze Zeit einen Elektromotor betreiben, der dann als zusätzlicher Antrieb zur Verfügung steht. Bei der mechanischen Variante wird ein Schwungrad während des Bremsens mit Energie aufgeladen und kann später "entladen" werden. Mit diesem Hybridsystem sollen die Rennwagen umweltfreundlicher werden - und schneller.

Formel 1 - Alle Rennen 2011
01 27.03. Australien/Melbourne
02 10.04. Malaysia/Kuala Lumpur
03 17.04. China/Shanghai
04 08.05. Türkei/Istanbul
05 22.05. Spanien/Barcelona
06 29.05. Monaco/Monte Carlo
07 12.06. Kanada/Montreal
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12 28.08. Belgien/Spa
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