Testbilanz der Formel-1-Teams Mercedes speckt ab, Ferrari rüstet um

In zwei Wochen startet die neue Formel-1-Saison. Die Teamtests zeigen: Mercedes dürfte der Konkurrenz erneut davonrasen. Bei Ferrari gibt es gleich mehrere Baustellen. Und über McLaren wird gespottet.

Lewis Hamilton im Mercedes
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Lewis Hamilton im Mercedes

Von Karin Sturm


Wer wissen wollte, wie es um die Kräfteverhältnisse in der Formel 1 steht, brauchte nur die Piloten der Top-Teams beobachten. Auf der einen Seite war da der Weltmeister, Lewis Hamilton. Bei seinen Medienauftritten während der zweiten Testwoche in Barcelona wirkte er tiefenentspannt und bester Laune. Auf der anderen Seite war Sebastian Vettel anzumerken, dass er und Ferrari zwei Wochen vor dem Saisonauftakt in Melbourne (Sonntag, 25. März, Liveticker SPIEGEL ONLINE) noch lange nicht dort sind, wo sie hinwollen.

Auch Vettels deutliche Tagesbestzeit vom Donnerstag mit inoffiziellem Rundenrekord konnte nicht darüber hinwegtäuschen: Mercedes ist der Konkurrenz wieder ein Stück voraus. Anders als etwa Ferrari versuchte das Team allerdings nicht, Bestzeiten zu knacken. "Wozu auch, die wissen ganz genau, was sie können", sagte Ex-GP-Pilot Alexander Wurz, einer der besten Kenner der Szene.

Den weichsten Reifentyp, den Hypersoft, hat Mercedes erst gar nicht nach Barcelona gebracht. Dennoch lag Hamiltons Kollege Valtteri Bottas über eine Renndistanz im Vergleich mit Vettel deutlich vorn. Auch wenn es unter Berücksichtigung aller Faktoren wie Reifen, Temperaturen und der Fahrtdauer wohl nicht die ganze Sekunde pro Runde ist, die sich rein rechnerisch ergab - etwa eine halbe Sekunde Unterschied dürfte auch bei aus Ferrari-Sicht wohlwollender Betrachtungsweise bleiben.

Lewis Hamilton im Mercedes
REUTERS

Lewis Hamilton im Mercedes

Der Vorsprung resultiert wohl auch daraus, dass die Silbernen über den Winter vor allem im Motorbereich noch einmal gewaltig zugelegt haben, sowohl was die Leistung als auch die Effizienz betrifft. Das bedeutet, dass man mit weniger Benzin und damit Gewicht auskommen wird - etwa fünf Kilogramm sollen so eingespart werden. Das zu kontern, wird schwierig werden. Immerhin: Im Ferrari könnte mehr Entwicklungspotenzial stecken als im Mercedes.

Denn am Silberpfeil ist, anders als beim Ferrari, im Vergleich zum Vorjahr grundsätzlich weniger verändert worden. Logisch, dass das Auto deshalb von Anfang an etwas besser im Griff der Piloten ist.

Sebastian Vettel
REUTERS

Sebastian Vettel

Bei Ferrari wurde unter anderem der Radstand deutlich verlängert, eine Annäherung an das Konzept von Mercedes. Auch der Anstellwinkel des Autos ist steiler als zuvor. Das erfordert neue Abstimmungsarbeit. "Wir haben noch einige Baustellen, an denen wir arbeiten müssen", sagte Vettel, man müsse noch "lernen, das Auto noch besser zu verstehen." Und: "Dass Mercedes von Anfang an immer sehr stark war und wieder Favorit ist, ist nicht neu."

Bei Red Bull Racing strahlen Verantwortliche wie Fahrer Zuversicht aus: "Wir sind auf jeden Fall viel näher dran als vergangenes Jahr zu Saisonbeginn", sagte Jungstar Max Verstappen. Das Team scheint im Moment auf Augenhöhe mit Ferrari zu sein, vielleicht sogar knapp davor. Dabei wird Motorenlieferant Renault erst in Melbourne beim Saisonauftakt die tatsächlich mögliche Motorleistung freigeben. Bislang war es vor allem um Zuverlässigkeit gegangen. Von Red Bull ist daher ein Entwicklungsschub zu erwarten, wobei die Frage bleibt, ob der Renault-Antriebsstrang hält. Denn in Barcelona gab es bei allen Renault-Teams Schwierigkeiten mit dem Batterie-Paket. Red-Bull-Motorsport-Koordinator Helmut Marko gab sich aber zuversichtlich: "Wir sind auf einem guten Weg."

Max Verstappen im Red Bull
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Max Verstappen im Red Bull

Was der Mercedes-Konkurrenz noch ein bisschen Hoffnung macht: Dass die niedrigen Temperaturen, der neue, extrem glatte Asphalt in Barcelona und die gerade für die Rennsimulationen hauptsächlich verwendeten Medium-Reifen den Silbernen bisher in die Hände spielten. Grundsätzlich gilt der Mercedes bei höheren Temperaturen und mit weicheren Mischungen als anfälliger für hohen Reifenverschleiß, gewisse Anzeichen dafür gab es nun wieder, speziell allerdings bei Bottas, Hamilton kam besser zurecht.

Was sonst noch auffiel: Das Renault-Werksteam, in dem auch Nico Hülkenberg unterwegs ist, hat einen Sprung nach vorne gemacht, Platz vier in der Teamrangliste hinter den drei Top-Rennställen scheint möglich. Der Honda-Motor funktioniert im Toro Rosso mittlerweile gut und zuverlässig, die Fortschritte, die die Japaner schon vergangenes Jahr in der zweiten Saisonhälfte angekündigt hatten, sind offenbar eingetreten. Das Gerücht, Honda habe an jedem Testtag einen neuen Motor eingebaut, dementierte Marko: "Wenn das so wäre, dann wüsste ich das."

Was bei Toro Rosso geschieht, wird von Red Bull genau beobachtet. Schließlich ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass man nächstes Jahr auch mit dem japanischen Antrieb unterwegs sein wird. Auch der Haas - eine Art B-Ferrari - läuft erstaunlich gut. Besser jedenfalls als der McLaren-Renault. Dort erlebte man auch mit dem neuen Motorenpartner eine ziemliche Pannenserie, zahlreiche technische Defekte führten zu Spott im Fahrerlager. McLaren-Pilot Fernando Alonso gab sich zwar gelassen, "besser jetzt die Probleme als in Melbourne, beim Testen ist so etwas normal", sagte der zweimalige Weltmeister. Wie lange sich Alonso noch vor sein Team stellt, ist aber offen.



insgesamt 7 Beiträge
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rathat 09.03.2018
1. Gibt es noch Formel 1?
Zwei Spitzenteams und eine Menge Wagen, die als Statisten mitfahren und durch die Unfähigkeit der Spitzenteams hin und wieder mal einen Podestplatz erhaschen. Wem diese Beschreibung schon langweilig vorkommt, sollte sich von der Formel 1 nicht mehr Spannung erwarten. Wer hingegen wirklich spannenden Motorsport sehen möchte, guckt lieber DTM oder WTCC.
Saturn V 09.03.2018
2. es wird....
... wieder sehr langweilig werden in der Formel 1. Mercedes vorneweg, dann lange nichts. So lange diese uebertechnisierte Regeln gelten wird sich nichts aendern. Schoen waere wieder ein dicker 10 Zylinder, weniger Spoiler und Schnickschnack, Handschaltung und breitere Reifen. Dann wird auch der Fahrer wieder entscheidend.
uzsjgb 09.03.2018
3.
Zitat von rathatZwei Spitzenteams und eine Menge Wagen, die als Statisten mitfahren und durch die Unfähigkeit der Spitzenteams hin und wieder mal einen Podestplatz erhaschen. Wem diese Beschreibung schon langweilig vorkommt, sollte sich von der Formel 1 nicht mehr Spannung erwarten. Wer hingegen wirklich spannenden Motorsport sehen möchte, guckt lieber DTM oder WTCC.
Beim Fußball gewinnt doch auch immer Bayern München. Warum gibt es denn dann so viele Fußballfans? Ich persönlich finde die DTM furchtbar langweilig, mit nur 3 Teams und WTCC hat ja auch seit Jahren Seriensieger. Da gibt es für mich wesentlich spannenderen Motorsport. Die Formel 1 ist für mich spannend, weil ich eben nicht nur auf die Sieger schaue, ich schaue auch auf die anderen Teams. Beim Fußball ist der Abstiegskampf vermutlich auch spannend oder die Spiele anderer Mannschaften.
uzsjgb 09.03.2018
4.
Zitat von Saturn V... wieder sehr langweilig werden in der Formel 1. Mercedes vorneweg, dann lange nichts. So lange diese uebertechnisierte Regeln gelten wird sich nichts aendern. Schoen waere wieder ein dicker 10 Zylinder, weniger Spoiler und Schnickschnack, Handschaltung und breitere Reifen. Dann wird auch der Fahrer wieder entscheidend.
Können Sie uns erklären, warum 2017 der Punkteabstand zwischen Hamilton und Bottas 58 Punkte betrug, zwischen Vettel und Räikkönen 112 Punkte und warum die Qualifyingbilanz von Hülkenberg gegenüber seinen Teamkollegen Palmer 15-0 ist?
foskolo 09.03.2018
5. Abwarten
Solange die Benzinmenge in den Tanks der Longruns nicht bekannt ist, sind die Zeiten nichts Wert. Erst Melbourne wird zeigen, was los ist. Der Rest ist reine Spekulation.
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