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Testbilanz vor dem Saisonstart: Formel-1-Fans müssen jetzt ganz stark sein

Aus Barcelona berichtet Karin Sturm

Fotostrecke: So stark werden die Silberpfeile eingeschätzt Fotos
Getty Images

Der Start der Formel-1-Saison steht bevor - doch ob sie wirklich spannend wird? Tests der Konkurrenten von Titelverteidiger Mercedes zeigen: Alle anderen Wagen werden es erneut schwer haben.

Normalerweise dreht sich in der Formel 1 fast alles um Zahlen und Zeiten. Gute Rundenzeiten bedeuten: guter Job. Normalerweise. Aber wenn es wie jetzt darum geht, nach der zweiten und letzten Testwoche vor Beginn der neuen Formel-1-Saison am 20. März in Melbourne das wahre Kräfteverhältnis zwischen den Teams zu ermitteln, sind Rundenzeiten allein ohne Wert.

Um die wahre Stärke zu ermitteln, musste man noch vor einigen Jahren neben den Zeiten noch die in den Tests verwendeten Reifentypen und die Spritmenge in die Kalkulation einbeziehen. Im Zeitalter der komplizierten Hybridantriebsstränge kommen Faktoren wie elektronische Einstellungen oder das Ausreizen der möglichen Energierückgewinnungsmöglichkeiten dazu. Nur: Bekannt sind diese nicht.

Wie weit wer derzeit wirklich ist und was die Testfahrten aussagen? Der Wahrheit nahe kommen nur die Teams selbst. Sie beobachten sich während der Testwochen gegenseitig genau und haben eigene Formeln, um den tatsächlichen Leistungsstand zu berechnen. Und das Ergebnis der internen Gutachten ist alarmierend. Wenn man den Teams glaubt, könnte die neue Saison noch langweiliger werden als die vergangene. Das Urteil lautet: Der große Favorit heißt wieder Mercedes.

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Williams etwa kam beim Erstellen einer Rangliste zu dem Ergebnis: Mercedes liegt etwa vier Zehntel pro Runde vor Ferrari, "dann kommen weitere zwei Zehntel dahinter wir und Red Bull" - und dahinter dürften Force India und Toro Rosso auch nicht weit weg sein. Andere sehen den Vorsprung der Silberpfeile sogar noch ein bisschen größer: "Die sind noch weiter weg als vergangenes Jahr", befürchtet etwa Fernando Alonso. Die fünf von acht Tagesbestzeiten von Ferrari und auch ihre absoluten Bestzeiten, bei denen Kimi Räikkönen sogar ein paar Hundertstel schneller war als Sebastian Vettel, wären demnach nichts wert.

Nur bei den so Hochgelobten gibt man sich - aus politischen und taktischen Gründen - noch vorsichtig. Von erneuter Dominanz will man beim Weltmeister der vergangenen beiden Jahre nichts wissen. Teamchef Toto Wolff gibt zwar zu, das die Vorbereitungsphase sehr gut gelaufen sei, schließlich konnten die Silbernen insgesamt etwas mehr als 6000 Kilometer abspulen, Ferrari im Vergleich dazu "nur" knapp unter 4000. Technische Probleme in der ganzen Zeit waren fast immer Fehlanzeige, bis auf einen kleinen Defekt in der Kraftübertragung am allerletzten Tag. Und auch die Tatsache, dass Mercedes für die zweite Testwoche auf den Einsatz der beiden weichsten Reifenmischungen verzichtete, zeigt, wie sicher man sich insgeheim fühlt.

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Offiziell klingt das anders. "Wir können absolut nicht sicher sein, dass wir wieder locker vorn sein werden. Ferrari macht einen sehr starken Eindruck, ich bin sicher, es wird knapp werden", sagt Wolff. Die beiden Fahrer, Lewis Hamilton und Nico Rosberg, halten sich an die offizielle Linie, obwohl zumindest Weltmeister Hamilton zugibt, dass es schon mal Spaß machen würde, das Potenzial des Autos voll auszureizen. "Aber bei einer Pyramide muss man ja auch die Basis zuerst bauen. Und je breiter die Basis, desto höher kann dann die Spitze werden."

Auch ohne die Berechnungen der Experten zeigt ein genauerer Blick auf Ferrari: Dort hat man erkannt, dass es schwer werden dürfte, die selbst gesteckten Ziele zu erreichen. Wenn etwa Ferrari-Oberboss Sergio Marchionne fordert, man müsse "schon bei Saisonstart in Melbourne in der ersten Reihe stehen und siegfähig sein", dann hat Sebastian Vettel dafür nur Sarkasmus übrig: "Das hat er ja jetzt schon ein paar Mal gesagt, wenigstens ist er konsistent", sagte Vettel in Barcelona.

Aber natürlich bemüht er sich, nach außen Zuversicht zu verbreiten. "Diese Woche lief nach einem holprigen Beginn für Kimi gut für uns. Die letzten Tage konnten wir problemfrei fahren. Der erste Eindruck vom Auto war gut, auch alles, was danach kam. Wir sind happy mit dem Schritt, den wir getan haben, und damit, wo wir gerade stehen", so seine Bilanz der letzten Testwoche.

Was das allerdings im Vergleich zur Silberkonkurrenz bedeute, könne er noch nicht sagen. "Das Ziel war es, die Lücke zu Mercedes zu schließen. Wir haben schon im Vorjahr ein bisschen damit angefangen. Mit dem neuen Auto haben wir einen weiteren Schritt getan. Ob es gereicht hat, werden wir erst in Melbourne wissen." Ein bisschen baut er schon mal vor: "Wenn wir in Melbourne noch nicht an Mercedes dran sind, dann müssen wir eben schauen, es dann so schnell wie möglich zu schaffen."

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1. Artikel abgebrochen
Hoss_Cartwright 07.03.2016
Ich habe sogar aufgehört weiterzulesen, nachdem das Stichwort - noch mehr Langeweile - fiel…
2.
alois.hingerl 07.03.2016
Zitat von Hoss_CartwrightIch habe sogar aufgehört weiterzulesen, nachdem das Stichwort - noch mehr Langeweile - fiel…
hätten Sie weitergelesen, dann wüssten Sie, dass sich dieses "Stichwort" auf die zu erwartenden Kommentare bezogen hat ;-(
3. Hausgemachtes Problem
Schnixus 07.03.2016
Warum hat man denn zugelassen, dass "Mercedes" so viel Einfluss auf die neuen Regeln hatte?! Die hatten schon 1 Jahr VOR Festlegung der neuen Regeln ein fertiges Motor/ERS/Hybrid-System entwickelt und anschließend Druck ausgeübt, man möge doch die Regeln GENAU SO festlegen! Man musste dann nur noch das fertige System hervorholen und zehrt seither von diesem Entwicklungsvorsprung, denn die anderen Teams mussten natürlich erst von Null an beginnen zu entwickeln. Eins noch zum Team "Mercedes": In dem Team stecken max. 10-15% "Mercedes" drin. Mercedes hat damals ein englisches Team inkl. Know-How eingekauft und einfach sein "Mercedes/AMG"-Label darauf geklebt. Es ging aus dem britischen Rennstall "Brawn GP" hervor. Das Team hat seinen Sitz im britischen Brackley, tritt aber mit deutscher Lizenz an. Darf ich mich dann auch "Levi Strauss" nennen, wenn ich eine "501" anziehe?!
4. Mercedes?
Lügenimperium 07.03.2016
Und mit welchem Motor fährt Mercedes? Und wo wird der gemacht? Das habe ich mir schon mal angeschaut und war begeistert. Dennoch drücke ich Ferrari die Daumen, ob Vettel oder Kimi ist mir egal wobei Kimi noch ein echter Typ ist und Vettel ein Bubi. Aber vermutlich wird es noch ein paar Jahre dauern bis wieder Spannung aufkommt. Oder man hätte tatsächlich eine Piratenserie starten sollen...
5. welche fans?
frummler 07.03.2016
die f1 hat sich die letzen jahre doch fast aller wahren motorsportfans in europa entledigt! und die werden auch so schnell nicht wiederkommen bei diesen preissen und unsinnigen regeln und motoren
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