Vettels Überholmanöver: Guter Job vom bösen Buben

Von

Red-Bull-Piloten Vettel (l.), Webber: "Kasperletheater auf Weltniveau" Zur Großansicht
Getty Images

Red-Bull-Piloten Vettel (l.), Webber: "Kasperletheater auf Weltniveau"

Erst das Spektakel, dann die Kritik: Der Große Preis von Malaysia war ein spannendes, hochklassiges und dramatisches Formel-1-Rennen. Am Ende war Sieger Sebastian Vettel der Bad Guy des Tages - zu Unrecht.

Boris Beckers Mitteilungsbedürfnis kann ziemlich anstrengend sein. Wer dem früheren Tennis-Superstar auf Twitter folgt, wird mehrmals täglich mit mehr oder weniger erhellenden Kommentaren zu Ereignissen versorgt, die in der (Sport-)Welt so passieren. Natürlich hatte Becker auch etwas zum Großen Preis von Malaysia zu sagen, diesem irren Formel-1-Rennen am vergangenen Wochenende, und seine Meinung war in diesem Fall äußerst interessant.

Während nach dem Rennen auf Sebastian Vettel rumgehackt wird, weil der Titelverteidiger seinen Teamkollegen Mark Webber mit einem waghalsigen Manöver und entgegen der Absprache überholt hatte, verteidigt Becker seinen Landsmann via Twitter: "Vettel hat getan, was ein dreimaliger Champion tun muss - die Sache selbst in die Hand nehmen."

Da kann man nur zustimmen. Denn genau das, was Vettel da auf dem Sepang International Circuit immer wieder versuchte, und was ihm in der 46. Runde schließlich glückte, ist doch das, was die Formel 1 ausmacht: packende Duelle auf der Strecke, gekrönt von spektakulären Überholmanövern. Das ist spannend, das ist Racing!

Wie man es nicht sehen will, was aber weitaus häufiger passiert, zeigten hinter den Red Bulls die beiden Mercedes-Piloten. Auch Nico Rosberg war schneller als sein Kollege Lewis Hamilton auf Platz drei. Weil der Deutsche innerhalb des Teams aber nicht das Standing eines Vettel bei Red Bull hat, und weil sie bei Mercedes ihren zu dieser Saison verpflichteten neuen Superstar nicht schon im zweiten Rennen brüskieren wollten, musste Rosberg Runde um Runde brav hinter Hamilton bleiben, obwohl er den Briten locker hätte überholen können. Das ist langweilig, das ist kein Racing!

Fotostrecke

11  Bilder
Formel 1 in Malaysia: Vettels Triumph, Alonsos Abflug
"Sebastian weiß, dass es falsch war", sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner nach dem Rennen. Niki Lauda, Aufsichtsratchef des Mercedes-Teams, urteilte über die Strategie seiner Leute: "Aus sportlicher Sicht war das falsch." Ja was denn nun?

Am Ende standen zwei Piloten auf dem Podium, die so traurig dreinschauten, dass man ihnen am liebsten ein Taschentuch gereicht hätte. Vettel stellte öffentlich ein schlechtes Gewissen zur Schau, weil er überholt hatte: "Ich habe Mist gebaut." Hamilton vermittelte eines, weil er nicht überholt werden durfte: "Ich kann echt nicht sagen, dass es ein positives Gefühl für mich ist, hier oben zu stehen." Wie grotesk wäre es erst gewesen, wenn auch Rosberg Hamilton überholt hätte. Hätte Hamilton dann ähnlich böse geschaut wie Webber? Oder hätte sich Rosberg - im Gegensatz zu Vettel - über das Brechen der Teamorder freuen dürfen?

Interessant ist, dass es trotz der massiven Kritik an Vettel selbst bei Red Bull Teammitglieder gibt, die auf der Seite des Deutschen stehen und das Überholmanöver für richtig halten. Und dann gibt es noch eine dritte Sichtweise, die des ehemaligen Formel-1-Fahrers Hans-Joachim Stuck. Dieser kritisierte beim Bezahlsender Sky Sport News HD zwar Vettels Aktion, begründete das aber nicht mit der Gefahr des riskanten Manövers, sondern sagte: "Vettel wird Webber als Teamkameraden im weiteren Verlauf der Saison noch brauchen, um erneut Weltmeister zu werden."

Das Duell Vettel gegen Webber, das Stuck als "Kasperletheater auf Weltniveau" bezeichnete, war zwar die Krönung, aber nur ein Highlight eines Rennens, das die Zuschauer aufs Allerbeste unterhielt. Waren beim Saisonauftakt in Australien noch die Reifen das große Thema, standen in Malaysia die Fahrer im Vordergrund. Vettel und Webber, natürlich. Aber auch Hamilton, wegen seiner Boxen-Irrfahrt, als er zunächst bei seinem Ex-Team McLaren hielt, um sich neue Reifen aufziehen zu lassen. Fernando Alonso, für dessen folgenschwere Fehlentscheidung, sich keinen neuen Frontflügel für seinen Ferrari zu besorgen und den damit verbundenen Ausfall zu Beginn des Rennens. Und Rosberg, der einmal mehr bewies, dass er zu einem Top-Piloten gereift ist.

Vettel, Webber, Hamilton, Alonso, Rosberg: So herrlich kann Formel 1 sein. Oder wie Boris Becker auf Twitter mitteilte: "Diese Saison wird spaßig werden."

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 247 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. optional
mikestone1972 25.03.2013
Das ganze ist doch Unsinn mit dieser Stallorder...der beste und der schnellste soll gewinnen und Basta...Das mit Hamilton und Rosberg war auch ne Sauerei,Nico wäre sicherlich noch auf den dritten Rang gefahren...auch das nur wegen dieser Super Stallordnung...Das ist doch kein Rennen mehr,das ist ein Beschiss am Zuschauer und Fan..
2. Grundsätzlich richtig, aber...
dgruebner.de 25.03.2013
...Vettel und Webber haben in der Schlussphase nicht mehr mit gleichen Waffen gekämpft. Webber hat bereits die Motorleistung reduziert und wollte die schon angesprochenen Reifen schonen, ansonsten wäre da nichts mehr passiert. Bei einem Hitze-GP in Malaysia durchaus verständlich, dass das Team vor dem Rennen diese Anweisung ausgibt.
3. Unnötige Aufregung
Tom Joad 25.03.2013
Zitat von sysopErst das Spektakel, dann die Kritik: Der Große Preis von Malaysia ...
Wenn Vettel in diesem Rennen genau die Punkte gesammelt hat, die ihn am Ende der Saison wieder zum Weltmeister machen, dann werden alle sagen: "Gut gemacht". Auch sein Teamchef.
4. Kasperletheater
stollenreiter 25.03.2013
Und die Regisseure haben zuviel RTL Nachmittags TV gesehen. Mitten im Leben ist ein Champion der weiß wie man einen Titel holt, ich will Rennen sehen und keine dummen Sprüche über den Boxenfunk hören. Die Teams haben wohl vergessen woher ihre Bezüge stammen, frustriete und gelangweilte Zuschauer schalten einfach ab. Es ist mir übrigens bewußt das Webber mit stumpfen Waffen gekämpft hat, er war ja schon mit gebremstem Schaum unterwegs. Ist aber kein Argument für derart ausgelebte Stallorder wie auch bei Rosberg, es ist im Sinne eines Rennens ein Farce und Betrug am Zuschauer, am Fan!
5. Nichts kapiert
gustav_graf 25.03.2013
... "that's racing", wie es der notorische Schumacher-Neider Christian Danner seit Jahren im TV plappert - und ständig unbedarft nachgeplappert wird. Auch hier... was Herr Hamann nicht verstanden hat: "racing" ist es erst dann, wenn für BEIDE die gleichen Regeln gelten. Wenn der eine sich an Vorgaben (seines Arbeitgebers wohlgemerkt!!) hält und der andere nicht, ist es eben nicht "racing" - sondern schlicht ungleiche Bedingungen!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Formel 1
RSS
alles zum Thema Formel 1
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 247 Kommentare

Formel 1: Rennkalender 2013
Rennen Datum Großer Preis von (Ort)
1 17.03. Australien (Melbourne)
2 24.03. Malaysia (Sepang)
3 14.04. China (Shanghai)
4 21.04. Bahrain (Manama)
5 12.05. Spanien (Barcelona)
6 26.05. Monaco (Monte Carlo)
7 09.06. Kanada (Montreal)
8 30.06. Großbritannien (Silverstone)
9 07.07. Deutschland (Nürburgring)
10 28.07. Ungarn (Budapest)
11 25.08. Belgien (Spa-Francorchamps)
12 08.09. Italien (Monza)
13 22.09. Singapur (Singapur)
14 06.10. Südkorea (Yeongam)
15 13.10. Japan (Suzuka)
16 27.10. Indien (Neu-Delhi)
17 03.11. Abu Dhabi (Abu Dhabi)
18 17.11. USA (Austin)
19 24.11. Brasilien (São Paulo)
Fotostrecke
F-1-Profis 2013: Crashpiloten, Weltmeister und ein Eismann

Formel 1: Teams und Fahrer 2013
Team Fahrer 1 Fahrer 2
Red Bull Sebastian Vettel Mark Webber
Ferrari Fernando Alonso Felipe Massa
McLaren Jenson Button Sergio Pérez
Lotus Kimi Räikkönen Romain Grosjean
Mercedes Nico Rosberg Lewis Hamilton
Sauber Nico Hülkenberg Esteban Gutiérrez
Force India Paul di Resta Adrian Sutil
Williams Pastor Maldonado Valtteri Bottas
Toro Rosso Daniel Ricciardo Jean-Eric Vergne
Caterham Charles Pic Giedo van der Garde
Marussia Max Chilton Jules Bianchi