Formel-1-Favoriten 2014 "Kimi landet vor Alonso"

Wer wird Formel-1-Weltmeister 2014? Selten war das Rennen vor einer Saison so offen. Die deutsche Motorsport-Legende Hans-Joachim Stuck ist von zwei Dingen überzeugt: Wenn jemand Champion Vettel ablösen kann, dann ein Mercedes-Pilot. Und bei Ferrari setzt sich Kimi Räikkönen durch.

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In der Formel 1 gibt es bei einem Top-Team erstmals seit Jahren wieder eine Fahrerpaarung, bei der es so richtig knallen könnte: Fernando Alonso und Kimi Räikkönen, das neue Duo bei Ferrari. Es gilt als offenes Geheimnis, dass der impulsive Spanier und der coole Finne nicht gerade die besten Freunde sind.

"Ich hätte sie nicht zusammen in ein Team gesteckt", sagt die deutsche Motorsport-Legende Hans-Joachim Stuck, der zwischen 1974 und 1979 insgesamt 74 Formel-1-Rennen bestritt, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Doch der 63-Jährige freut sich auch auf das Duell der Ferrari-Piloten: "Endlich kann man die beiden mal fair vergleichen."

Wer ist der bessere Fahrer? Und wer hat das bessere Auto? Mercedes-Pilot Nico Rosberg sagte im SPIEGEL-ONLINE-Interview dazu: "Was man von außen vielleicht immer etwas unterschätzt, ist die Bedeutung des Autos in der Formel 1. Gute Fahrer sind wir alle."

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Formel-1-Fahrer 2014: Fünf Weltmeister, drei Neue und "Disco Dan"
Und wenn zwei Fahrer sehr ähnliche Voraussetzungen haben? "Dann entscheidet der Biss, und der ist wichtiger als Talent", sagt Stuck, der sofort ein Beispiel nennen kann: die Schumacher-Brüder. "Ralf hatte mit Sicherheit nicht weniger Talent. Aber Michael war voll auf den Erfolg fokussiert, Gewinnen stand für ihn über allem."

Großes fahrerisches Können wird auch Alonso und Räikkönen nachgesagt. Und beide haben bereits nachgewiesen, dass sie Weltmeister werden können. Alonso 2005 und 2006 im Renault, Räikkönen 2007 im Ferrari. Ende 2009 hatten die Italiener den Finnen dann aber aufgrund atmosphärischer Störungen mit 20 Millionen Euro Abfindung vom Hof gejagt und dafür Alonso eingekauft. Allein das ist für Räikkönen Ansporn genug, es allen noch einmal zu zeigen, glaubt Stuck. Er hat den Finnen vor kurzem getroffen und sich mit ihm über die neue Saison unterhalten. "Der Kimi ist total spitz", sagt Stuck, der deswegen glaubt: "Räikkönen hat dieses Jahr mehr Biss und landet am Ende vor Alonso."

Beim anderen Top-Fahrer-Duo dieser Saison, Rosberg und Lewis Hamilton bei Mercedes, mag sich Stuck hingegen nicht darauf festlegen, wer besser abschneidet: "Beide sind gleich gut, mit ganz unterschiedlichen Qualitäten." Hamilton sei der aggressivere Fahrer, der keinen Zweikampf scheut. Rosberg hingegen sei eher der Typ Reifenflüsterer, der mit großer Rennintelligenz besticht. "Beide haben Talent, beide haben Biss. Daher werden in vielen Rennen Kleinigkeiten entscheiden, wer vor dem anderen liegt", sagt Stuck, der den sich anbahnenden Erfolg von Mercedes vor allem auf das Teamchef-Duo Toto Wolff/Paddy Lowe zurückführt.

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Wer wird Formel-1-Weltmeister 2014

Spricht man mit Stuck über die Klasse von Fahrern, fallen immer wieder sechs Namen: Jackie Stewart, Niki Lauda, Alain Prost, Ayrton Senna, Michael Schumacher und Sebastian Vettel. "Diese Fahrer haben die Formel 1 besonders geprägt, weil sie mit etwas ganz Besonderem herausragten", sagt Stuck. So sei Stewart der erste Pilot gewesen, der in Zusammenarbeit mit dem Team sein Auto technisch enorm weiterentwickelt habe. Lauda habe neben der Technik auch sehr viel Wert auf Physis und Psyche gelegt und entsprechend trainiert.

Alain Prost hatte den Spitznamen Professor, "kein anderer Fahrer verstand damals mehr von den Autos", so Stuck. Senna sei der cleverste und abgebrühteste Fahrer von allen gewesen. "Michael hat dann all das, technischen Verstand, Fitness und Abgezocktheit, vereint." Und Vettel? "Ist wie Schumacher, aber noch einen Tick akribischer. Der kennt jedes Detail seines Fahrzeugs, geht alle Strecken ab und notiert sich jeden Gullideckel."

Trotz der vier Weltmeistertitel gab es immer wieder Kritiker, unter anderem Alonso, die sagten, Vettel gehöre nicht zu den besten Fahrern, sondern habe immer nur das beste Auto gehabt.

Stuck entgegnet: "Ein Durchschnittsfahrer wird auch im besten Auto nicht Weltmeister. Wer die WM gewinnt, gehört zu den Besten. Red Bull hat ja schließlich nicht immer so dominiert wie in der vergangenen Saison." So sei die WM 2010 und 2012 erst im letzten Rennen entschieden worden. Beide Male führte Alonso die Gesamtwertung vor dem abschließenden Grand Prix an - und beide Male überholte ihn Vettel.

Der Vierfach-Weltmeister muss keine Konkurrenz im eigenen Stall befürchten, der von Toro Rosso gekommene Daniel Ricciardo ist die klare Nummer zwei. Als Räikkönens Wechsel zu Ferrari feststand, sagte Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko daher: "Räikkönen bei Ferrari ist schlecht für uns, weil Ferrari mehr Punkte als Team einfahren wird. Aber Räikkönen bei Ferrari ist gut für Vettel. Denn Kimi und Alonso werden sich in der Fahrerwertung gegenseitig Punkte wegnehmen."

Aber gilt das nicht auch für Mercedes mit zwei Top-Fahrern? "Nicht ganz", sagt Stuck: "Ich glaube, der Silberpfeil ist in dieser Saison besser als der Ferrari. Von daher: Wenn jemand Vettel ablösen kann, dann Rosberg oder Hamilton."

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Nabob 25.02.2014
1. Bereits früher wartete man bis Barcelona,
Zitat von sysopNeue Motoren, neue Aerodynamik, neue Regeln: Die kommende Formel-1-Saison ist geprägt von tiefgreifenden Veränderungen. Kann Sebsatian Vettel dennoch seinen fünften Titel in Folge gewinnen? Oder gelingt den Silberpfeilen von Mercedes die Wachablösung? Und wie stark ist Ferrari mit seiner neuen Fahrerpaarung Fernando Alonso/Kimi Räikkönen?
um beurteilen zu können, welches Potential jedes Auto hat - das wird nun bei einer völligen technischen Änderung von 2013 nach 2014 erst recht gelten. Die schnelle Testfahrt des Nico Rosberg durch den journalistischen Durchlauferhitzer zu drücken, sagt inhaltlich nichts. Am Ende wird der Fahrer vorn stehen, dessen Rennstall am meisten Budget und know-how zur Verfügung hat, das fahrerische Potential wird noch weiter in den Hintergrund treten und die Gründe für Siege werden für den Zuschauer immer unergründlicher. Spielzeugveranstaltung für Erwachsene, mit Sport ist da nicht mehr viel und Formel 1 als Technologieträger für die spätere Serie ist auch antiquarisch.
licea_felipe 01.03.2014
2.
Die schnelle Testfahrt des Nico Rosberg durch den journalistischen Durchlauferhitzer zu drücken, sagt inhaltlich nichts
Nonvaio01 01.03.2014
3. ich denke
Zitat von sysopNeue Motoren, neue Aerodynamik, neue Regeln: Die kommende Formel-1-Saison ist geprägt von tiefgreifenden Veränderungen. Kann Sebsatian Vettel dennoch seinen fünften Titel in Folge gewinnen? Oder gelingt den Silberpfeilen von Mercedes die Wachablösung? Und wie stark ist Ferrari mit seiner neuen Fahrerpaarung Fernando Alonso/Kimi Räikkönen?
wenn 10 Autos beim start der F1 in Ziel kommen ist das ein gutes ergebnis. So wie es momentan aussieht muss man nur durchkommen und man hat punkte, so koennen die kleinen teams am anfang der saison jedenfalls punkten.
rööp 01.03.2014
4.
Zitat von Nonvaio01wenn 10 Autos beim start der F1 in Ziel kommen ist das ein gutes ergebnis. So wie es momentan aussieht muss man nur durchkommen und man hat punkte, so koennen die kleinen teams am anfang der saison jedenfalls punkten.
Ich sehe dem auch eher skeptisch entgegen. Alle Teams haben riesige Probleme mit dem neuen Reglement. Die Jagd nach 10tel oder 100stel ist wohl erst mal zweit, bzw. drittrangig. Aktuell steht VET schon wieder in Bahrain.
rööp 02.03.2014
5. 02.03.2014 Liveticker
Zitat von Nonvaio01wenn 10 Autos beim start der F1 in Ziel kommen ist das ein gutes ergebnis. So wie es momentan aussieht muss man nur durchkommen und man hat punkte, so koennen die kleinen teams am anfang der saison jedenfalls punkten.
09:31 Uhr Longrun für Vettel Sebastian Vettel - wer hätte das gedacht? - hat seinen ersten Longrun absolviert. Rund 15 Umläufe waren das, und die Zeiten waren im Bereich von 1:39 bis 1:41 Minuten. Da waren andere schon langsamer. Heißt also: Wenn der RB10 mal läuft, ist er vorne dabei... 10:09 Uhr Rote Flagge Und wer ist der Übeltäter? Sebastian Vettel im Red Bull, wie könnte es anders sein. Der RB10 steht entgegen der Fahrtrichtung neben der Strecke, Feuerlöscher sind im Einsatz. Der Deutsche war gerade auf einem längeren Run. 10:26 Uhr Stand nach dreieinhalb Stunden 01. Valtteri Bottas (Williams) 1:34.797 02. Fernando Alonso (Ferrari) +0,712 03. Nico Hülkenberg (Force India) +0,780 04. Jean-Eric Vergne (Toro Rosso) +0,904 05. Adrian Sutil (Force India) +1,670 06. Jenson Button (McLaren) +3,314 07. Kamui Kobayashi (Caterham) +3,856 08. Romain Grosjean (Lotus) +4,505 09. Sebastian Vettel (Red Bull) +4,911 10. Max Chilton (Marussia) +6,445
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