Formel-1-Finale in Brasilien: Vettels Vorfreude

Aus Austin berichtet

Platz vier reicht zum WM-Titel: Mit einer komfortablen Ausgangssituation fährt Sebastian Vettel zum letzten Formel-1-Rennen der Saison nach Brasilien. Er führt im Klassement vor Fernando Alonso, sein Red Bull ist besser als der Ferrari des Spaniers - wäre da nicht diese verflixte Lichtmaschine.

AP

Sebastian Vettel hatte sich schnell wieder im Griff. Eigentlich ist für den Red-Bull-Piloten, der immer auf Sieg fährt, der Zweite bei einem Grand Prix nichts anderes als der erste Verlierer. Daher war er auch nach dem Rennen in Texas etwas grummelig, fand aber schon eine halbe Stunde später Gefallen an seinem zweiten Platz in Austin.

"Viele denken sicher, dass wir enttäuscht sind, aber dem ist nicht so", sagte Vettel und stellte fest: "Wir haben heute alles richtig gemacht. Das Auto war verlässlich, das Rennen gut. Sicher hätte es noch besser laufen können, aber es ist nun, wie es ist." Mit Blick auf den in den USA von Red Bull gewonnenen Konstrukteurstitel kündigte Vettel an: "Heute feiern wir, morgen geht es zurück an die Arbeit. Ich hoffe, dass wir nächste Woche mit dem Feiern dann gleich weitermachen können." In Brasilien will Vettel seinen dritten WM-Titel in Folge gewinnen.

Die Chancen, dass der 25-Jährige in São Paulo Weltmeister wird, sind sehr gut. Vettel hat 13 Punkte Vorsprung auf Fernando Alonso und zwei Saisonrennen mehr gewonnen als der Ferrari-Pilot. Dem würde daher ein Gleichstand im Klassement nichts bringen. Das bedeutet: Selbst bei einem Sieg Alonsos würde Vettel ein vierter Platz genügen, um den Titel zu holen. Und das sollte unter normalen Umständen kein Problem für den Deutschen sein.

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GP der USA: Hamilton überrumpelt Vettel
Und selbst wenn Vettel in Brasilien keine Punkte holen sollte, ist der Titel noch lange nicht futsch. Dann müsste Alonso mindestens Dritter werden, um nach 2005 und 2006 den dritten Titel in seiner Karriere zu gewinnen. Das ist zwar nicht unmöglich, aber momentan auch nicht unbedingt zu erwarten, weil der Ferrari nicht gerade zu den konstantesten Autos gehört. Mark Webber im Red Bull, die beiden McLaren mit Lewis Hamilton und Jenson Button sowie Kimi Räikkönen im Lotus muss Alonso erstmal hinter sich lassen.

Ferrari kann also nur auf das Pech der anderen hoffen. Keine wirklich gute Ausgangslage, zumal Red Bull ein großes Problem an seinem Auto mittlerweile gelöst hat. Noch vor Wochen hatten Vettel und Webber extreme Schwierigkeiten, die beiden härtesten der insgesamt vier Mischungen von Reifenhersteller Pirelli auf Betriebstemperatur zu bringen. Diese liegt bei circa 80 Grad Celsius. Die beiden harten Mischungen kommen in São Paulo wieder zum Einsatz und wurden auch in Austin benutzt. Vettel fuhr damit im Qualifying auf die Pole-Position und auf Platz zwei im Rennen.

Red Bull hat das Reifen-Problem im Griff

"Das Aufwärmproblem mit den harten Reifen haben wir jetzt im Griff", sagt Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko. Besonders bei starkem Regen, mit dem man in Brasilien rechnen muss, ist das extrem wichtig, weil beide Regenreifen - Intermediates für leichteren und die so genannten Full Wet für heftigen Regen - noch mehr von der Arbeitstemperatur abhängig sind als die Trockenpneus. Ist die Oberfläche der Regenreifen nicht heiß genug, fährt man wie auf Eis. Die Gefahr, damit von der Strecke zu fliegen, ist groß - aber keine mehr für Red Bull.

Sorgenkind des österreichisch-englischen Rennstall bleibt aber die Lichtmaschine. Weil die in Austin mal wieder streikte, musste Webber seinen Boliden an der Strecke abstellen. Nach Vettels Ausfällen in Valencia und Monza war es der dritte Defekt an einem Red Bull in dieser Saison, der von dem Aggregat des italienischen Herstellers Magneti Marelli verursacht wurde. Für Technikchef Adrian Newey bleibt die Lichtmaschine das größte Risiko: "In Brasilien kann es auch Vettel treffen. Wir können dagegen gar nichts tun."

Doch auch Konkurrent Ferrari hat Materialprobleme. In Austin fuhr Alonso mit neuen Fahrzeugteilen, Teamkollege Felipe Massa hingegen nicht. Ergebnis war, dass die neuen Teile Alonsos Wagen langsamer machten. Wieder einmal hatte der Windkanal der Italiener keine korrekten Daten geliefert. Auch deshalb war Alonso im Qualifying langsamer als Massa. Dass er schließlich vor dem Brasilianer in der Startaufstellung stand, war dem Trick mit dem Getriebe geschuldet. Nicht sehr fair, aber eben auch nicht verboten.

Was ist in Brasilien von Ferrari zu erwarten? Schmutzige Aktionen im Rennen können sich Alonso und Massa kaum leisten. Und die Strecke in São Paulo liegt dem Red Bull eher, er dürfte klar schneller sein als der Ferrari. Läuft in Brasilien alles halbwegs normal, wird Vettel der Titel kaum mehr zu nehmen sein.

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insgesamt 15 Beiträge
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1. optional
Merkelfan 19.11.2012
das Rennen gestern war getürkt. LH sollte gewinnen, um die Saison spannend zu halten. Wer das nicht erkannt hat, dem ist nicht zu helfen. Its showtime.
2. Italienische Lichtmaschine...
menschzweiterklasse 19.11.2012
Mir war es schon beim ersten Ausfall ein Rätsel, warum ein für Rennverhältnisse vergleichsweises simples Teil ausfällt. Aber nun schon wieder? Ist Magneti Marelli wirklich so schlecht, wie üble Nachreden es beschreiben oder was steckt dahinter?
3. Lichtmaschine...
derlabbecker 19.11.2012
Zitat von sysopPlatz vier reicht zum WM-Titel: Mit einer komfortablen Ausgangssituation fährt Sebastian Vettel zum letzten Formel-1-Rennen der Saison nach Brasilien. Er führt im Klassement vor Fernando Alonso, sein Red Bull ist besser als der Ferrari des Spaniers - wäre da nicht diese verflixte Lichtmaschine. Formel 1: Vettel reicht in Brasilien Platz vier zum WM-Titel - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/formel1/formel-1-vettel-reicht-in-brasilien-platz-vier-zum-wm-titel-a-867978.html)
... von Magneti Marelli... einer FIAT Tocher..... genau wie Ferrari eine FIAT Tochter ist..... ein Schelm wer Böses dabei denkt :-). Ist wohl leider gestern die falsche LM kaputt gegangen, am falschen Auto....
4. kaum vorstellbar
menschzweiterklasse 19.11.2012
Zitat von Merkelfandas Rennen gestern war getürkt. LH sollte gewinnen, um die Saison spannend zu halten. Wer das nicht erkannt hat, dem ist nicht zu helfen. Its showtime.
Ich hege auch denn Verdacht, dass in der F1 einiges unsauber läuft. Nur so lassen sich z. B. die nach Gutdünken vergebenen Strafen erklären. Aber gestern, wie soll das gelaufen sein?
5. Wer liefert die Lichtmaschine?
knowit 19.11.2012
Magneti Marelli, die Firma gehört zum Fiat-Konzern, genau wie Ferrari... Ein schelm wer Böses dabei denkt...
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Rennkalender 2012
Rennen Datum Großer Preis von (Ort)
1 18.03. Australien (Melbourne)
2 25.03. Malaysia (Sepang)
3 15.04. China (Shanghai)
4 22.04. Bahrain (Sachir)
5 13.05. Spanien (Barcelona)
6 27.05. Monaco (Monte Carlo)
7 10.06. Kanada (Montreal)
8 24.06. Europa (Valencia)
9 08.07. Großbritannien (Silverstone)
10 22.07. Deutschland (Hockenheim)
11 29.07. Ungarn (Budapest)
12 02.09. Belgien (Spa-Francorchamps)
13 09.09. Italien (Monza)
14 23.09. Singapur (Singapur)
15 07.10. Japan (Suzuka)
16 14.10. Südkorea (Yeongam)
17 28.10. Indien (Neu Delhi)
18 04.11. Abu Dhabi (Abu Dhabi)
19 18.11. USA (Austin)
20 25.11. Brasilien (São Paulo)