Formel 1 Darum ist der Hockenheimring doch nicht tot

Die Chefs der Formel 1 wollen mehr Spektakel, in Miami oder Hanoi sollen Stadtrennen stattfinden. Trotzdem schafft es der traditionsreiche Hockenheimring erneut in den Rennkalender. Was dahinter steckt.

Ausverkaufter Hockenheimring
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Ausverkaufter Hockenheimring

Von Karin Sturm


Der Abgesang auf den Hockenheimring war bereits geschrieben - dann überraschten die Formel-1-Organisatoren mit einer Entscheidung: Auch im kommenden Jahr wird es einen Großen Preis von Deutschland in der Formel 1 geben. Am 28. Juli wird das Rennen auf dem Hockenheimring stattfinden - trotz Finanzproblemen und der Tendenz der Formel-1-Chefs von Liberty Media, künftig verstärkt auf Show- und Stadtrennen zu setzen.

Woher kam also die plötzliche Trendwende?

Der Hauptgrund für die Entscheidung pro Hockenheim ist schnell genannt: Die Verhandlungen über ein ursprünglich geplantes Stadtrennen in Miami sind geplatzt. In der vergangenen Woche gab die US-Stadt bekannt, dass sich erst nach den Sommerferien im September ein Ausschuss mit den Plänen für einen Formel-1-Lauf beschäftigen werde. Kurz darauf kam die endgültige Absage, in Form einer vorläufigen Verschiebung der Überlegungen auf 2020.

Der zuletzt so gehypte Miami-GP findet damit nicht im kommenden Jahr statt, auch eine Austragung 2020 ist nicht gesichert - vor allem weil die Probleme mit gutsituierten Anwohnern, die gegen das Rennen mobil gemacht hatten, doch größer sind als gedacht.

Formel-1-Fans am Hockenheimring
REUTERS

Formel-1-Fans am Hockenheimring

So kommt der Große Preis von Deutschland wieder ins Spiel. Kein anderer Interessent war bereit, sich kurzfristig für ein Formel-1-Rennen im kommenden Jahr zu entscheiden. Sean Bratches, der bei Liberty Media für die Verträge mit den Rennveranstaltern zuständig ist, schlug auf einmal andere Töne an als noch vor einigen Wochen. "Es liegt in unserem Interesse, dass es in Deutschland weitergeht", sagte der in Berlin geborene US-Amerikaner nun.

Tatsächlich gibt es gute Gründe für Deutschland: In diesem Jahr hatten mehr als 70.000 Zuschauer den Grand Prix zu einem Erfolg gemacht. "Das ist ja wie beim Superbowl", sagte F1-Boss Chase Carey über das Rennen und staunte über die Laola-Wellen im Motodrom. Und TV-Experte und Ex-Pilot Martin Brundle will einen neuen Hype um Sebastian Vettel erkannt haben: "So etwas habe ich zuletzt zu Michael Schumachers Zeiten gesehen."

Jubel über Sebastian Vettel
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Jubel über Sebastian Vettel

Es folgten neue Verhandlungen. Die Hockenheim-Mannschaft um Geschäftsführer Georg Sailer und Marketingchef Jorn Teske schlug der Formel-1-Führung offenbar einen Vertrag vor, der das finanzielle Risiko (das Hauptproblem der vergangenen Jahre) verringert. Angeblich soll Liberty Media den Veranstaltern bei den Verhandlungen über Antrittsgelder entgegengekommen sein. Und dass man Mercedes als Titelsponsor für das Rennen gewinnen konnte, ermöglicht weiteren finanziellen Spielraum.

Der Einstieg von Mercedes ist überraschend. Zuletzt hatte Sportchef Toto Wolff öfter gesagt, ein deutscher Grand Prix sei für Mercedes zwar wichtig, aber Verhandlungen über eine Partnerschaft werde es nicht geben. Nun sagte Wolf: "Das Rennen 2018 hat gezeigt, wie groß die Begeisterung in Deutschland für die Formel 1 ist. Wir wollten etwas in unserer Macht Stehendes tun, um zu helfen." Offenbar hat es ein Umdenken gegeben, möglicherweise erhofft sich der Konzern einen positiven Effekt auf sein Image. Immerhin unterhält man ein Formel-1-Team mit einem Jahresbudget von mindestens 350 Millionen Euro.

Showeinlagen um das Rennen in diesem Jahr
imago/Nordphoto

Showeinlagen um das Rennen in diesem Jahr

Auch der übliche Platz im Kalender für Hockenheim Ende Juli ließ sich halten - wieder eine Woche vor Ungarn. Die Sommerpause und die zweite Saisonhälfte 2019 werden dadurch um eine Woche nach hinten verschoben, sodass das Finale erst am 1. Dezember in Abu Dhabi stattfindet.

Offen ist, wie es nach 2019 weitergeht. Hockenheim hätte gerne einen mehrjährigen Vertrag zu den jetzigen Bedingungen gehabt - den bekam man jedoch nicht. Weil Liberty Media abwarten will, wie die Verhandlungen mit Miami und anderen neuen Kandidaten laufen? Zum Beispiel mit Kopenhagen oder Hanoi, wo die vietnamesische Regierung gerade offiziell ihr Interesse bekundete? Das ist Spekulation.

Immerhin: Grundsätzlich wolle man Deutschland behalten, erklärte Chase Carey vor dem Rennen in Monza am Sonntag (15.10 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) erneut. Und Ross Brawn, bei Liberty für die sportlichen Belange zuständig, sagte kürzlich: "Wir sind daran interessiert, dass Deutschland wieder ständiger Austragungsort im Kalender ist."



insgesamt 6 Beiträge
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makromizer 01.09.2018
1. F1 gehört auf die Rennstrecke
Die Idee mit Miami ist ja echt absurd. So ein Stadtrennen in Monte Carlo juckt wohl kaum jemanden, aber Miami ist ja eine richtige Großstadt, und da wird wohl kaum ein Großteil der Leute derart begeistert von F1 sein, dass sie bereit sind, den Verkehr für einen Tag zum Erliegen zu bringen. In Hanoi freut man sich evtl, ein bisschen in den Weltfokus zu rücken, außerdem zählt die Volksmeinung dort nicht allzu viel. Aber abgesehen davon sind solche Rennen auf der Rennstrecke viel besser aufgehoben. Ich selber bin auch recht autobegeistert und dreh auch manchmal ein paar Runden auf der Nordschleife, aber für mich gibts nichts langweiligeres als F1.
prince62 01.09.2018
2. Der kastrierte Hockenheimring ist schon lange tot
Seit seinem Rück- äh Umbau auf Ecclestones Druck ist der Hockenheimring mausetot, weil stinkelangweilig und eigentlich ein Kurs für Fahranfänger und -schüler, mit den langen Geraden früher ein absolutes Highlight im F1-Zirkus, da war überholen möglich und wurde auch jede Runde zelebriert, heute geht das nicht mehr, wie waren die Kommentatoren doch letztes Rennen von Spa begeistert, endlich mal wieder ein Kurs - wie Monza auch - der immer noch seinen eigenen Charakter hat, die meisten anderen Rennstrecken schauen doch alle gleich aus, weil für die TV-Übertragung und die teuren Zuschauertribünen gebaut, eines der schlimmsten HInterlassenschaft des kleinen, geldgeilen Bernie, für die Fahrer und auch TV-Zuschauer einfach nur noch ätzend und langweilig, braucht man sich nicht mehr anschauen.
uzsjgb 01.09.2018
3.
Zitat von prince62Seit seinem Rück- äh Umbau auf Ecclestones Druck ist der Hockenheimring mausetot, weil stinkelangweilig und eigentlich ein Kurs für Fahranfänger und -schüler, mit den langen Geraden früher ein absolutes Highlight im F1-Zirkus, da war überholen möglich und wurde auch jede Runde zelebriert, heute geht das nicht mehr, wie waren die Kommentatoren doch letztes Rennen von Spa begeistert, endlich mal wieder ein Kurs - wie Monza auch - der immer noch seinen eigenen Charakter hat, die meisten anderen Rennstrecken schauen doch alle gleich aus, weil für die TV-Übertragung und die teuren Zuschauertribünen gebaut, eines der schlimmsten HInterlassenschaft des kleinen, geldgeilen Bernie, für die Fahrer und auch TV-Zuschauer einfach nur noch ätzend und langweilig, braucht man sich nicht mehr anschauen.
Ich bin ein Fan des Rennsports und weniger von Rennstrecken. Deswegen finde ich besonders Monza extrem langweilig, dort gibt es so gut wie nie spannende Rennen. In Spa ist es meistens auch langweilig, weil viele der Kurven mittlerweile zu Geraden geworden sind und die Fahrer in der Regel nur auf der langen Geraden nach Eau Rouge überholen. Egal wie schön die Strecke an sich ist, ich schaue nicht gerne Prozessionsfahrten. Wir sind halt von den Tilke-Kursen verwöhnt, die für moderne Rennwagen und spannenden Sport gebaut wurden. Mit Strecken wie Bahrain, wo es regelmässig zu sehr spannenden Renne kommt, können Kurse aus einer anderen Zeit nicht mehr mithalten.
Nachtsegler 01.09.2018
4.
Der alte Hockenheimring war eine Wucht, die langen Geraden waren spitze, zu ihrer Zeit. Aber schon zu Zeiten eines Prost waren die zur tödlichen Gefahr geworden, die F1 war zu schnell dafür. In der Haarnadelkurve traten G - Kräfte auf, die nicht mehr zu stemmen waren. Das Anbremsen vor der Kurve brachte Mann und Maschine auch an die Grenzen. Der Hockenheimring erlitt das Schicksal des Nürburgringes, denn die Nordschleife schafft auch kein heutiger F1 - Rennwagen. Ansonsten: Eine F1 - WM ohne das Mutterland des KFZ wäre eine Jammerpartie!
wolfish 02.09.2018
5. Hockenheim, Mercedes und die F1
Es ist schon verwunderlich, dass die Marke Mercedes immer wieder von Leuten mit österreichischem Hintergrund - Wolf und Lauda - in der Presse verteten wird, deren Obsession darin zu bestehen scheint, in den Deutschen die Piefkes sehen, die es zu bekämpfen gilt. Wolf argumentiert gegen den Hockenheim-Ring, obschon das Unternehmen das ihm Geld und technisches Know-How liefert nur unwesentlich von Hockenheim entfernt seinen Hauptsitz hat. Ich denke der Vorstand von Mercedes sollte Blick haben und die Wühlmäuse in den eigenen Reihe zur Ordnung rufen!
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