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Formel 1

Karriere von Supertalent Ocon gefährdet

Der Wechsel vieler Fahrer und die Übernahme des Rennstalls Force India durch einen Milliardär könnten ausgerechnet dem aufstrebenden Fahrer Esteban Ocon schaden. Beim Rennen in Spa steht er nun im Fokus.

Von Karin Sturm

Getty Images

Esteban Ocon

Sonntag, 26.08.2018   13:34 Uhr

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Die Sommerpause ist die Zeit, in der in der Formel 1 nichts passiert? In diesem Jahr war das nicht der Fall. Bis zum Start in die zweite Saisonhälfte mit dem Rennen in Spa (15.10 Uhr, TV: RTL, Liveticker SPIEGEL ONLINE) hat es gleich mehrere Veränderungen gegeben.

Auslöser war neben dem erwartbaren vorläufigen Rücktritt von Fernando Alonso vor allem der überraschende Wechsel von Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo zu Renault. Aus diesen Personalien entwickelte sich eine Kettenreaktion, an deren Ende Esteban Ocon trotz seines großen Talents leer ausgehen könnte.

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Hier die Wechsel, Folgen und Gerüchte in der Übersicht:

Der Rücktritt von Fernando Alonso

Hintergrund: Bei McLaren kann der Spanier auch 2019 kein konkurrenzfähiges Auto erwarten, die Top Teams wollen ihn nicht, auch wenn Alonso behauptet, Red Bull habe ihm ein Angebot als Nachfolger von Ricciardo gemacht. Der Rennstall dementierte. Anstatt weiter hinterher zu fahren, vergnügt er sich 2019 lieber in der Indycar-Serie und in der Langstrecken-WM WEC.

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Folgen: Alonsos Landsmann Carlos Sainz jr. wechselt als dessen Nachfolger 2019 von Renault zu McLaren. Der 23-Jährige verspricht sich davon einen Karrieresprung - aber dafür müsste McLaren erst einmal deutlich besser werden. Sein Teamkollege steht noch nicht fest, aber der jetzige McLaren-Fahrer, Stoffel Vandoorne, muss wohl gehen.

Getty Images

Fernando Alonso

Ricciardo verlässt Red Bull für Renault

Hintergrund: Auf der Suche nach einer offiziellen Erklärung für seinen überraschenden Wechsel tat sich Ricciardo schwer. Der 29-Jährige druckste und stotterte ungewohnt herum, sprach von einer schwierigen Entscheidung und der Tatsache, dass er eigentlich nicht gerne Menschen enttäusche. Am Ende der Pressekonferenz sagte er so etwas wie: "Ich brauche einfach mal einen Tapetenwechsel, eine neue Umgebung." Und nein, sein Red-Bull-Teamkollege Max Verstappen habe damit überhaupt nichts zu tun. Aus Ricciardos Umfeld war hingegen schon oft zu hören, wie sehr man sich darüber ärgere, dass Red Bull immer mehr zum "Team Verstappen" werde.

Folgen: Der Wechsel wird sich für Ricciardo nur auszahlen, wenn Renault in absehbarer Zeit zu den Spitzenteams aufschließen kann. Ursprünglich sollte Mercedes-Junior Esteban Ocon dort auf Carlos Sainz jr. folgen - plötzlich ist für ihn kein Platz mehr.

Ricciardos alter Rennstall beförderte den eigenen Nachwuchsmann Pierre Gasly von Toro Rosso zu Red Bull. Der 22 Jahre alte Franzose ist damit zunächst einer der großen Gewinner, muss sich aber 2019 gegen Teamkollegen Max Verstappen beweisen.

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Daniel Ricciardo

Pierre Gasly steigt von Toro Rosso zu Red Bull um

Hintergrund: Ein logischer Schritt, wenn man die Politik der Bullen der vergangenen Jahre kennt: Man setzt dort immer auf den eigenen Nachwuchs.

Folgen: Jetzt ist Toro Rosso auf Fahrersuche. Brendon Hartley, eigentlich nicht überzeugend, darf unter diesen Umständen wohl bleiben. Der nächste eigene Nachwuchsmann, Dan Ticktum, derzeit Führender in der Formel-3-EM, ist vermutlich noch nicht so weit. Deshalb kursiert unter anderem der Name Jean-Eric Vergne, den Toro Rosso Ende 2014 schon einmal abserviert hatte. Allerdings ist der aktuelle Formel-E-Champion mit dieser Serie und in der WEC auch gut beschäftigt. Als letzte Möglichkeit könnte man doch auf ein Talent von außen zurückgreifen.

Der Verkauf von Force India an Lawrence Stroll und seine Investorengruppe

Hintergrund: Der kanadische Milliardär Lawrence Stroll übernahm den insolventen Rennstall Force India und sicherte seinem Sohn Lance, für den es bei Williams nicht weitergeht, eine bessere Formel-1-Zukunft.

Konsequenzen: Vielleicht schon ab Monza, sicher aber im nächsten Jahr wird Lance Stroll im Force-India-Auto sitzen. Sergio Perez soll wegen seiner mexikanischen Sponsorengelder bleiben. Für Esteban Ocon ist auch hier kein Platz mehr - möglicherweise schon in einer Woche. Sollte es tatsächlich zu dem vorzeitigen Wechsel ab Monza kommen, dürfte bei Williams zumindest vorerst Testpilot Robert Kubica doch noch einmal zu Renneinsätzen kommen. Der 33-jährige Pole startete von 2006 bis 2010 in der Formel 1.

VALDRIN XHEMAJ/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Lance Stroll

Das große Fragezeichen: Was wird aus Esteban Ocon?

Der Mercedes-Junior brachte bei Force India bisher starke Leistungen und startet beim Rennen im belgischen Spa am Sonntag überraschend hinter Lewis Hamilton und Sebastian Vettel von Platz drei. Nun steht - ohne sein Zutun - seine Formel-1-Karriere plötzlich auf der Kippe.

Mercedes-Sportchef Toto Wolff versucht, Ocon bei McLaren an der Seite von Sainz unterzubringen. Aber McLaren hat mit dem 18-Jährigen Lando Norris, derzeit in der Formel 2 unterwegs, ein eigenes Talent an der Hand, dem man eigentlich bis 30. September einen Formel-1-Platz anbieten müsste - sonst wäre er frei und damit die jahrelangen Investitionen von McLaren in seine Förderung vergeblich.

In Spa fuhr Norris zum ersten Mal ein offizielles Freitagstraining. Kommt Ocon nicht bei McLaren unter, wäre es möglich, dass Mercedes ihn für viel Geld bei Williams einkauft. Oder dass sich - eher unwahrscheinlich - bei Toro Rosso doch noch eine Tür auftut. Das Problem: Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz, der bei allen Bullen-Teams entscheidet, will aufgrund einer Privatfehde mit Toto Wolff keine Mercedes-Gewächse.

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