Formel 1 Was Marchionnes Tod für Ferrari bedeutet

Fiat-Chef Sergio Marchionne war auch Leiter des Ferrari-Rennstalls. Dort fürchtete man ihn mitunter so sehr, dass die Leistung des Teams litt. Nach seinem Tod wird sich vieles ändern, ein Profiteur dürfte Kimi Räikkönen sein.

Sebastian Vettel und der verstorbene Sergio Marchionne
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Sebastian Vettel und der verstorbene Sergio Marchionne

Von Karin Sturm


Der Tod des langjährigen Ferrari-Chefs Sergio Marchionne zwingt Ferrari zum Handeln. Eigentlich war vorgesehen, dass Marchionne seinen Posten als Vorstandschef von Fiat Chrysler 2019 zur Verfügung stellen wird. Präsident von Ferrari wollte er aber bleiben, auf Jahre hinaus.

Nun musste John Elkann, bislang Präsident des Verwaltungsrats, schnell handeln - und machte sich am vergangenen Samstag, als es schon schlecht um Marchionnes Gesundheitszustand bestellt war, selbst zum neuen Ferrari-Präsidenten. Außerdem legte er fest: Das operative Geschäft übernimmt Vorstandsmitglied Louis Carey Camilleri, der frühere Italien-Chef des Tabakherstellers Philip Morris. Er wird somit der neue Boss von Sebastian Vettel, der sich mit der Scuderia in einem erbitterten Titelkampf mit Mercedes befindet.

Das Gegenteil von Marchionne

Bei Ferrari hat Camilleri einen guten Ruf. Der gebürtige Ägypter spricht vier Sprachen, war zeitweise mit Topmodel Naomi Campbell liiert und gilt als locker, bodenständig und sehr umgänglich. Er ist damit quasi das Gegenteil von Marchionne, der häufig starken Druck ausübte.

Das trieb das Formel-1-Team zwar einerseits an, konnte andererseits aber auch negative Konsequenzen haben: 2017 etwa kritisierte Marchionne die gesamte Mannschaft harsch, nachdem sie Hauptkonkurrent Mercedes beim Heimrennen in Monza nichts entgegenzusetzen hatte. Für Aufbruchsstimmung sorgte er damit nicht, im Gegenteil: In den nächsten Rennen wirkte die Ferrari-Mannschaft verkrampfter und gehemmter als zuvor. Prompt schlichen sich auch mehr Fehler ein - die am Ende den WM-Titel kosteten.

Sein Nachfolger Camilleri hat bei Philip Morris 25 Jahre lang mit Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene zusammengearbeitet. Dessen Position im Team scheint durch Camilleris Aufstieg also gestärkt, eine Ablösung Arrivabenes durch Technikchef Mattia Binotto, die mehrfach im Raum stand, scheint vom Tisch zu sein.

Sauber als B-Team von Ferrari?

Eine gute Nachricht dürfte der Führungswechsel auch für Kimi Räikkönen sein: Dessen Chancen auf ein weiteres Jahr bei Ferrari sind durch den tragischen Todesfall deutlich gestiegen. Das Team hatte sich, genau wie Vettel, immer für einen Verbleib des Finnen ausgesprochen. Marchionne war es gewesen, der den Ferrari-Junior Charles Leclerc unbedingt schon im kommenden Jahr von Sauber zur Scuderia holen wollte. Gut möglich, dass der talentierte Monegasse jetzt für ein Jahr beim Team Haas geparkt wird.

Mit Spannung wird man die Entwicklung auch bei Sauber verfolgen: Marchionne hatte den Plan verfolgt, aus dem Team unter der Marke Alfa Romeo, die wie Ferrari Teil des Fiat-Unternehmens ist, quasi ein B-Team der Scuderia zu machen. Das Geld dazu hätte von Ferrari kommen müssen - Alfa Romeo selbst hat die notwendigen Mittel dafür nicht. Ob Camilleri dieses Ziel so entschieden weiterverfolgen oder sich erst einmal auf das Kernteam und die allgemeine Entwicklung in der Formel 1 konzentrieren wird, bleibt abzuwarten.

Sauber-Chef Pascal Picci betonte am Wochenende, dass es keine allzu enge Bindung an Ferrari gebe. "Wir haben großes Potenzial, aber wir wollen ein unabhängiges Team bleiben, mit unserem eigenen Geschäftsmodell. Alfa Romeo hat keine Anteile am Team und auch keinen Einfluss. Die heutigen Besitzer von Sauber denken langfristig und wollen auf viele Jahre hinaus diesem Team verbunden bleiben", sagte er. Kürzlich war spekuliert worden, dass sich die Sauber-Besitzergruppe um den schwedischen Tetrapack-Erben Finn Rausing aus dem Formel-1-Geschäft zurückziehen könnte.

Mit einem Rückzug hatte auch Marchionne mehrfach gedroht. Allerdings nicht in Bezug auf sich selbst, sondern auf die gesamte Scuderia - dem einzigen Team, das seit der Gründung der Formel 1 dabei ist. Niemand wusste Marchionnes Drohungen wirklich einzuschätzen, er galt als Unbekannte im Streit über die Zukunft der Rennserie. Wie die neue Ferrari-Führung jetzt agieren wird, wird daher auch von Liberty Media sehr genau beobachtet werden.



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Onkel Drops 26.07.2018
1. keiner war wie der Mann mit der violetten Tinte...
der selbst in schweren Zeiten einem Ford Erben noch gezeigt hat wer Ferrari ist. dummes Vertragsangebot und er ging einfach raus um mit seinem Anwalt zu essen. das hat Ford so erzürnt das er mehr Geld ausgab wie der Verkauf von Ferrari gekostet hätte. Enzo wollte den Rennstall nicht aufgeben! da musste sich Ford erst den gt40 züchten lassen um Enzo zu demütigen beim 24stunden Rennen von leMans. diese Demütigung war viel teurer erkauft , sonst war Enzo der Preis schon recht gewesen aber ohne die Leitung des Rennstalls aufzugeben. heute werden etliche Fiat, Alfas von Ferrari getunt aber der Rennstall ist tabusache... das hat auch der verstorbene nicht akzeptieren können!!!
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