Sieg in Silverstone Webber auf Augenhöhe mit Vettel

Sebastian Vettel ist nicht mehr die alleinige Nummer eins bei Red Bull: Sein Teamkollege Mark Webber hat sich zurück gekämpft - auf Augenhöhe mit dem Doppelweltmeister. Ein Wechsel zu Ferrari ist wohl kein Thema mehr.

AFP

Aus Silverstone berichtet


Vieles erinnert nach dem Großen Preis von Großbritannien an die Saison 2010. Ferrari ist mit Fernando Alonso wie damals auf Titelkurs, und fast nach der Hälfte der WM-Läufe scheint bei Red Bull im teaminternen Stallduell Mark Webber leichte Vorteile gegenüber Sebastian Vettel zu haben. Auch vor zwei Jahren hatte Webber wie an diesem Sonntag das Rennen in seiner Wahlheimat Großbritannien gewonnen. Doch 2010 hatte am Ende Vettel die Nase vorn: Er wurde zum ersten Mal Weltmeister.

Diesmal scheint Webber stärker zu sein - und reifer. Er hat aus der Vergangenheit gelernt. Zudem läuft es für Sebastian Vettel in der aktuellen Saison weniger rund, dementsprechend ist der dritte Platz in Silverstone hinter Webber und Alonso für ihn kein Beinbruch. "Ich habe nach einem kleinen Fehler im Qualifying nicht den besten Start gehabt", sagte der 25-jährige. "Die Zeit, die ich in den Kämpfen der ersten Runden mit Felipe Massa und Michael Schumacher verlor, hat mir an Ende einfach gefehlt." Ein Sieg wäre für Vettel seiner Meinung nach also möglich gewesen. Seit dem Rennen in Valencia fühlt sich der Doppelweltmeister in seinem Red Bull wieder wohl. "Ich bin sehr optimistisch für die nächsten Rennen", sagte er.

Fest steht aber auch: Mit Teamkollege Webber hat Vettel zusätzliche Konkurrenz im Kampf um den Titel bekommen. Das war so nicht zu erwarten. "Mark ist stark, das ist für mich keine Überraschung", sagt Vettel. Das klingt nach Untertreibung, wenn man bedenkt, dass Webber 2011 nicht den Hauch einer Chance gegen den Deutschen hatte. Der Australier hatte nur ein Rennen gewinnen können.

Webber musste zu alter Form zurückfinden

Der ehemalige Red-Bull-Pilot David Coulthard erklärt das neue Kräfteverhältnis so: "Was früher Stärken Webbers waren, wurde mit Vettel als Teamkollege zu Schwächen. Webber musste erst wieder zu alter Form zurückfinden." Das sei dem Australier nun gelungen: In dieser Saison liefern sich die beiden Red Bull-Piloten ein Duell auf Augenhöhe.

Webber selbst sah die Ursache für seinen Rückstand auf Vettel darin, dass er länger brauchte, um sich auf die Pirelli-Reifen umzustellen. 2011 hatte Pirelli Bridgestone als exklusiver Reifen-Lieferant der Formel-1 abgelöst. Vor allem mit dem Abbau der Gummis hatte der Austalier in der ersten Saisonhälfte 2011 zu kämpfen. Mit den aktuellen Reifen kam er auf Anhieb klar. Webber: "Ich hab mich damit sofort wie zu Hause gefühlt."

Zudem hat Webber sein übergeordnetes Konkurrenz-Denken zu Weltmeister Vettel abgestellt - ein wichtiger mentaler Schritt. "Ich denke nicht die ganze Zeit: Ich muss besser sein. Ich fahre zu den Rennen, um das Maximale aus mir herauszuholen." Auch Fernando Alonso, Lewis Hamilton und Jenson Button müsse man erst einmal schlagen. "Der Teamkollege ist lediglich ein Konkurrent von vielen", sagt Webber.

Vettel und Webber harmonieren besser

Gleichzeitig hilft es Webber, dass Vettel in dieser Saison bei Red Bull nicht mehr die alleinige, strategisch bevorzugte Nummer eins ist. "Bei uns gibt es keine Stallorder, beide Piloten können frei fahren", sagt Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko. Zudem sind Vettel und Webber im Umgang miteinander erwachsener geworden. Noch vor zwei Jahren hatten teaminterne Spannungen zu einer Kollision zwischen den beiden Teamkollegen beim Großen Preis in der Türkei geführt. Mittlerweile können die Piloten sogar abseits von Zwangsterminen gemeinsam Zeit miteinander verbringen.

Red Bull hat Gefallen an dieser neuen Harmonie gefunden und will auch 2013 mit Vettel und Webber fahren. "Mark Webber hat uns zu verstehen gegeben, dass er doch wieder die nötige Motivation hat und weitermachen will", sagt Sportchef Marko. Webber werde seine Karriere demnach nicht beenden oder zu Ferrari wechseln, wie in den letzten Wochen spekuliert worden war. Stattdessen wolle man bei Red Bull über einen neuen Vertrag verhandeln. "Wir reden im August über die Details", so Marko. Nach dem Sieg in Silverstone dürfte sich Webbers Verhandlungbasis noch einmal verbessert haben.

insgesamt 2 Beiträge
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totalmayhem 09.07.2012
1.
Vettel als Doppelweltmeister wird sich nicht einem australischen Hampelmann unterordnen. Dann geht er eben zu Mercedes, dort werden demnaechst ein bis zei Plaetze frei wg. Unfaehigkeit und Altersschwaeche... und die Kohle stimmt auch.
831nl4u51 09.07.2012
2. Ach...
Zitat von sysopAFPSebastian Vettel ist nicht mehr die alleinige Nummer eins bei Red Bull: Sein Teamkollege Mark Webber hat sich zurück gekämpft - auf Augenhöhe mit dem Doppelweltmeister. Ein Wechsel zu Ferrari ist wohl kein Thema mehr. http://www.spiegel.de/sport/formel1/0,1518,843276,00.html
die internen Spannungen haben zu der Kollision geführt? Ich hätte gedacht, die wollten beide vorn sein. Und an der Stelle war für weniger als zwei Autos Platz. Nein, es waren "Spannungen". Und die Absenz von Stallorder, solange beide WM-Chancen haben, hat RB schon öfter betont. Übrigens verlangt keiner von Vettel, sich Webber unterzuordnen. Wenn er besser ist, als sein Teamkollege zumindest. Dann ist er nämlich der "Hampelmann", und wäre für Mercedes halt auch nur ein Werbegesicht.
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